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Eine ungewöhnliche Modernisierung

Jahrelang blickte ich aus den Fenstern meiner Wohnung in Richtung Norden über die Flucht der Straße und auf eine Brandmauer. Die Brandmauer trat unvermittelt und den Blick absorbierend auf, ein trostloser Anblick. Sie war das unbeabsichtigte Ergebnis vom Abschied einer überdimensionierten Stadtentwicklungspolitik unter dem Leitbild der autogerechten Stadt in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, statt Abriß des Hauses samt Brandmauer und Bau einer Ost-West-Stadtautobahntrasse entstand eine Straße in der Lücke zwischen der Brandmauer und dem Grundstück “meines” Hauses.

Brandmauer

Brandmauer

Die Nachbarschaft veränderte sich. Neubau, Sanierung, Einrichtung eines Nachbarschaftsparks, Anlegen neuer Plätze gaben der Umgegend ein neues Gesicht, einzig die Brandmauer blieb erhalten – steinernd. Im letzten Jahr wuchs überraschend aus dem Hof des Hauses der Brandmauer ein Kran und natürlich lag der Schluß nahe, daß sich auch an diesem Haus etwas ändern wird.

Kran im Hof

Kran im Hof


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Kreuzberg im Frühjahr

In der Südlichen Friedrichstadt in Kreuzberg ist schon seit Jahren mein Zuhause. Hier lebe ich in einem Kiez der unter Quartiersmanagement gestellt ist. Soziale, ökonomische und städtebauliche Problematiken sowie Segregation prägen diesen Ort. Ich lebe gerne hier und die Bewohner samt ihren manchmal nicht einfachen Leben und Schrullen sind im Großen und Ganzen liebenswert, auch und gerade im Frühjahr wenn mein Blick vom Balkon über die Stadt schweift und deutlich wird wie grün auch verdichtete Innenstadtlagen sein können.

Kreuzberg

Kreuzberg


Kreuzberg

Kreuzberg

Über eine ungewöhnliche Plattform des Teilens

Geht man durch die Haustür an den beiden Fahrstülen vorbei öffnet sich ein Raum mit einer mächtigen Briefkastenanlage in seiner Mitte. Diese rotlackierte Briefkastenanlage ist von allen Seiten zugänglich und erinnert an eine etwas zu groß geratenen Kochinsel aus der (stereo)typischen amerikanischen Küche. Die Briefkastenanlage hat ein “Luftgeschoß”, dort steht ein Mülleimer. Die Oberseite der Anlage, ich nenne sie jetzt die Plattform, ist eine Ablage oder Parkstation für unterschiedliche Dinge und zu unterschiedlichen Zwecken. Die langen Jahre, in denen ich in dem Haus wohne wird die Plattform von vielen Nachbarn zur Entsorgung ihrer unverlangten Postwurfsendungen und Werbezettel benutzt. Für diese ist das Entsorgen in den darunterstehenden Mülleimer sicher eine zu große Anstrengung, eine Überforderung. Die anderen Dinge die gerne auf der Plattform hinterlegt werden sind Briefe mit der richtigen Adresse des Hauses aber an eine Person, die nicht auf den Briefkastenschildern zu lesen ist. Die Plattform dient als öffentlicher Briefkasten. Ein weiterer Zweck dieser Plattform dient dem anonymen Teilen von Dingen. Dieser Zweck war mir lange Zeit verborgen ich konnte ihn nicht entziffern, da ich ihn mit dem ersten Zweck, dem Entsorgen von Dingen verwechselt habe. Bewußt ist mir das erst geworden als ich einen Nachbarn treffe, der gelesene Bücher dort ablegt und mir erklärt, daß er die Bücher für zu schade zum Entsorgen hält und sie auf die Plattform legt damit andere Personen die Bücher in Besitz nehmen können. Seitdem habe ich einen anderen Blick auf die Plattform. Zu Beginn dieser Woche steht ein Paar niedlicher Kindergummistiefel mit Herzchen auf der Plattform, keine zwei Stunden später haben sie bereits den Besitzer gewechselt. Am Ende der Woche hat jemand eine ganze Tüte mit Babykostgläschen auf der Plattform zum Teilen platziert. Auch diese finden binnen kurzer Zeit einen neuen Besitzer.

Babykost auf der Teilenplattform

Babykost auf der Teilenplattform

Es ist schon erstaunlich welche Formen sozialen Handelns schon in unmittelbarer Nachbarschaft wiederentdeckt werden können.

Wie alt biste?

Gesichtserkennung ist eine der schwierigsten Machine Learning Anforderungen insbesondere wenn es sich um Situationen mit viel Bewegung und Dynamik handelt. Eine spaßorientierte und für spielerische Zwecke nutzbare Version einer Gesichtserkennung mit Machine Learning Algorithmen stellte Microsoft in dieser Woche auf dieser Seite im Rahmen einer Entwicklerkonferenz vor. Eine genauere Beschreibung mit Hintergrundinformationen zu diesem Tool gibt es hier. Natürlich mußte ich das sofort ausprobieren, das Ergebnis spricht für sich selbst. Nun gut ein wenig habe ich natürlich mit diesem obamisierten Bild geschummelt:

Gesichts- und Merkmalserkennung

Gesichts- und Merkmalserkennung

Und nein, das Bild zeigt keine vierundreißigjährige Frau ….

Zum Tag des deutschen Bieres

Heute ist Tag des deutschen Bieres, der eigentlich kein wirklicher Feiertag für die Biertrinker sondern eher ein Feiertag für die (Groß)Brauindustrie ist. Der Tag erinnert an den Erlaß der Bayerischen Landesordnung von 1516, in dem das “Bayerische Reinheitsgebot” verschriftlicht wurde. Warum das Reinheitsgebot im 21. Jahrhundert langsam antiquitiert und verbraucherunfreundlich ist schildert Volker Quante in seinem Blog. Welche Seltsamkeiten dieser Erlaß bedeutet ist auf der Seite Bier des Tages zu lesen. Felix gar, fordert ganz geekig ein Reinheitsgebot 2.0. Diesen Ausführungen möchte ich mich gerne anschließen und plädiere einerseits für das Selberbrauen oder für den Schwenk der Konsumgewohnheiten hin zu Bieren von (kleineren) Brauereien die handwerklich produzieren. Also Prost!

horax pale ale

horax pale ale

Zu Gast in der Kronfleischküche

Sollte ich zu Besuch in München sein versuche ich einen Besuch im Weissen Bräuhaus einzurichten. Obwohl sicherlich touristisch gut besucht mag ich einerseits die Atmosphäre dort, andererseits die Innereienküche und die eigenen Biere des Hauses. Als Fleischesser halte ich sehr viel von der Verwertung des ganzen Tieres also nicht nur die Filetstücke sondern auch die Innereien. Aus Gründen einer nachhaltigen Viehhaltung ist diese Verwertung unerlässlich. In meiner Kindheit und Jugend gabe es öfter Innereien auf den Tisch – Gehirn, Leber und Nieren, selbst Schweinsfüßchen waren gang und gäbe. Im Laufe der Zeit scheinen diese Teile zumindesten im Norden Deutschlands aus den Fleischereien und von den Tischen verschwunden zu sein.

Zu meinem Glück steht bei meinem letzten Aufenthalt in München in der Kronfleichküche ein wunderbares gegrilltes Kalbsherz mit Bratkartoffeln und Kohlrabigemüse auf der Kronfleischkarte, geschmacklich hervorragend doch etwas zu durch gebraten. Dazu nehme ich auf Anraten der Bedienung “Die Hopfenweisse ist heute etwas stark geworden.” ein TAP7, das Orginal-Hefeweissbier und bin begeistert.

Kalbsherz, Bratkartoffeln und Kohlrabigemüse

Kalbsherz, Bratkartoffeln und Kohlrabigemüse

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Sechs Jahre auf WordPress

Völlig überrascht bemerke ich beim Einloggen auf WordPress.com im Dashboard den Hinweis auf die Registrierung dieses Blogs auf den Tag genau vor sechs Jahren. Der erste Post ist übrigens der hier. Sechs Jahre sind schon ein ordentlicher Zeitraum und so werde ich den für heute geplanten Beitrag in Bälde veröffentlichen und mir jetzt zur Feier des Tages eine schöne kalte Flasche Craftbeer von Johannes aufmachen und genießen.

Die Kraftmaschine

In der Sonntagszeitung des Vertrauens lese ich einen Artikel über Wolfgang Schivelbuchs neues Buch “Das verzehrende Leben der Dinge. Versuch über die Konsumtion.” Gegenstand des Werkes ist die Analyse wechselseitiger Prozesse der “Einverleibung”. Einerseits verändert der menschliche Gebrauch (z.B. durch Abnutzung) den Gegenstand, andererseits verändert ein Gegenstand die Beziehung zu ihm selbst, so transformiert sich ein beliebiges Produkt in das eigene.

Ich muß beim Lesen an die Maschinen für das Kraftraining denken. Dort scheint mir die Richtung der Transformation in Richtung Mensch übermächtig. Durch die Maschine werden vielgestaltige metabolische Prozesse im Körper des Trainierenden aktiviert, die als Folge einen Muskel- und Kraftzuwachs zeitigen. Auch scheinen einzelne Maschinen der gleichen Übung Besitz von den Trainierenden zu ergreifen. Ich beobachte in meinem eigenen Trainingsablauf, daß ich eine Maschine den anderen Maschinen der gleichen Übung bevorzuge. Ergreife ich also Besitz von der Maschine oder ergreift die Maschine Besitz von mir?

Knochen mit Loch

Die Lebensmittelabteilung des Vertrauens hat Ossobuco im Angebot und ich eile zum Einkauf, doch wie zubereiten? Die Wikipedia hat einen Vorschlag, den wir dankbar aufnehmen und nach eigenem Gutdünken umsetzten – Ossobuco alla milanese. Weiteren Support holen wir uns hier.
Drei schöne Beinscheiben werden gewaschen, getrocknet und aus Zimmertemperatur gebracht.

Ossobuco

Ossobuco

In der Zwischenzeit werden zwei Möhren, ein Staudensellerie, ein Fenchel und eine Zwiebel gewaschen, gepellt und geschnippelt. Sind die Beinscheiben auf Zimmertemperatur werden sie gesalzen, gepfeffert, mehliert und mit Fett in der Pfanne scharf angebraten um die Aromen zu sichern. Nach dem Anbraten werden sie in einen großen Topf gelegt und das Fett in der Pfanne mit 400 ml Kalbsfond abgelöscht. Die Flüssigkeit aus den Pfanne über die Beinscheiben im Topf gießen, dazu kommen fertig feingehackte Tomaten mit Tomatensaft aus einer 400 gr Dose. Das geschnippelte Gemüse ebenfalls in den Topf geben und alles auf kleiner Flamme mit geschlossenem Deckel ca. 1,5 Stunden schmoren lassen. Nach Belieben Salz, Pfeffer, Pfefferkörner und weitere Gewürze zugeben.

Ossobuco

Ossobuco


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Über die Kaffeemaschine

Was kann interessant sein an einer Kaffeemaschine? Eigentlich nicht viel, höchstens das Verhältnis des Besitzers zu ihr. Gute neun Jahre hat meine Kaffeemaschine durchgehalten, eine Schwester von ihr, fast gleichaltrig und von mir damals erworben, steht seit Gründung in der Firma. Nun ist meine Kaffeemaschine inkontinent geworden und muß ersetzt werden. Oh nein, die Schwester erwähne ich nur um mir die Länge des Besitzes zu vergegenwärtigen, kein magisches Denken bewegt mich. Ein Ersatz ist gefunden, ein Nachfolgemodell der gleichen Firma. Der Nachfolger sieht ähnlich aus, die Technologie ist fast dieselbe, dazugekommen ist eine “Auto-Off-Funktion”, nicht mehr, keinerlei technologischer Fortschritt, ein Gerät ohne Funkschnittstelle und ohne GPS. Die Vermutungen zur Langlebigkeit der Technologien in meiner Wohnung konnten nicht widerlegt werden. Vermutlich nimmt die Langlebigkeit der Technologien in meiner Wohnung noch zu, denn in letzter Zeit ist die Menge der Bücher stetig gewachsen.