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Der Fliegende

Das Städtchen war klein, besaß zwar kein Kaufhaus dafür aber zwei Radio- und Fernsehfachgeschäfte, die, man könnte fast meinen die Nähe zueinander suchten, auf der gleichen Straße und Seite, nicht weit voneinander entfernt, lagen. Über den Tag verteilt füllten sich die Läden, wellenartig am Vormittag wenn die Schule aus war und kontinuierlich am Nachmittag und frühen Abend wenn die ersten Berufstätigen Feierabend machten. Das Hauptinteresse der Besucher galt überwiegend nicht den verschiedenen Apparaten sondern den Schallplatten, die dort auch zum Verkauf standen. Die Schallplatten waren in viele Kategorien eingeteilt und in unterschiedlichster Reihung angeordnet. So zum Beispiel nach aktueller Popularität, das heißt nach der Häufigkeit in der die Musik im Radio gespielt wurde oder nach den Verkaufszahlen der Schallplatten. Andere Einteilungen wie beispielsweise nach Musikarten, Stilrichtungen und Unter-Unterkategorien waren an der Tagesordnung. Aber die einfachste und entspannteste Ordnung war diejenige nach dem Alphabet. Der Musikfreund konnte sich in den Läden auch einzelne Musikstücke und Platten anhören. Dazu standen an Tresen Plattenspieler bereit und in den Tresen waren pro Plattenspieler zwei Hörer versenkt, die aus einer Vertiefung herauszuholen und mit einem Kabel am Plattenspieler verbunden waren. So konnten sich jeweils zwei Menschen das gleiche Lied anhören. Die Hörer waren lustig anzusehen, schwarz wie Telephonhörer aber ohne Sprechmuschel. Fortgeschrittene Musikfreunde hielten sich ein Hörer an das linke und den anderen an das rechte Ohr. Wollte der Interessent in eine Platte hinhören so mußte er sich an einen der Verkäufer wenden. Die Verkäufer, meist selbst noch sehr jung, stellten gegenüber den jüngeren oder gleichaltrigen Interessenten eine gewisse Überlegenheit und Blasiertheit zur Schau als ob sie sich mit den Musikkünstlern gemein machen wollten in dem Sinne, als ob durch sie der Künstler spricht.

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Segelboote in Kreuzberg

In der Großstadt ist die Geräuschkulisse permanent. Es gibt keinen Ort in der Stadt an dem nicht wenigstens so etwas wie ein Brummen der menschlichen und maschinellen Tätigkeiten zu hören ist, Hintergrundrauschen überall. Also ist auch der Balkon keine Oase der Ruhe in der Stadt. Liegt er in oberen Stockwerken und eine vielbefahrene Straße läuft abschüssig auf ihn zu richtet sich der Verkehrslärm zu einem Wellenberg auf und überflutet ihn brüllend. Tageszeiten mit geringerem Verkehr erzeugen flacherer Lärmberge dafür ist das Geräusch des vorbeifahrenden Fahrzeugs markant während es sonst im Vielklang untergeht. Bei geeigneter Windrichtung erzeugen die Flaggen neben dem Gebäude auf der anderen Straßenseite einen besonderen Chor des Klapperns, Klackerns und Klingens, der an ganz andere Klangkörper und Umstände erinnert.

Sie sagt: “Es sind Segelboote”.

Schöne neue Fahrstühle

Fahrstühle begleiten mich ja schon mein ganzes Leben. Der erste in meinem Geburtsort in einem Hochaus in dem die elterliche Wohnung lag war schon vor meiner Geburt da, hat quasi auf mich gewartet. Ich erinnere mich eigentlich ganz gut, groß war er damals als ich klein war, wurde aber im Laufe der Zeit immer kleiner als ich wuchs. Irgendwann wurden ihm so etwas wie eine Sicherheitstür eingebaut damit man sich nicht an den freiliegenden Etagentüren und Etagenböden verhakeln kann. Schnell war er für damalige Verhältnisse, vielleicht floß die Zeit aber auch allgemein langsamer. Eine seltsame grüne Farbe hatte die Kabinenwand, unterbrochen von Verziehrungen aus Blechleisten und einer Halteleiste rundherum. Besonders gruselig war es wenn man im Parterre einstieg, in die Wohnung fahren wollte, der Fahrstuhl aber zunächst in den Keller fuhr. Quälende Gedanken an Monster und Geister, die die Kellertür öffnen könnten durchlebten wir Kinder damals in so einer Situation. Später dann, in der Jugendzeit diente der Fahrstuhl als Geheimfach, wo man zwischen die Blende der Beleuchtungen allerlei Wichtiges, das man nicht in die Wohnung mitnehmen wollte wie z.B. Zigaretten, verstecken konnte. Fahre ich heute mit diesem Aufzug alleine, taste ich manchmal diese Blende ab, ob Nachfolgende vielleicht ein ähnliche Idee haben könnten, habe jedoch nie etwas gefunden. Heute hat die Kabinenwand eine neue gräuliche Farbe, er fährt immer noch mit dem gleichen sonoren Klang aus der Vergangenheit nur scheint er müder geworden zu sein, langsamer und ein wenig betagt, er scheint schneller zu altern als ich selber.

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Keine Bildung – dafür Burger

Meine Blogposts schreibe ich in einem Rutsch herunter. Einen Post anfangen, liegenlassen, an einem anderen Tag daran weiterarbeiten kommt für mich nicht in Frage. Der wunderbare @Pausanias hat mich zu einem Artikel über Bildung inspiriert, den ich jedoch nicht in einem Durchgang fertigschreiben kann. Das Thema ist zu komplex, meine Gedanken dazu noch zu ungeordnet und so habe ich nach ca. 120 Worten aufgegeben und das bisher Geschriebene gelöscht. Ich werde irgendwann einen neuen Versuch wagen.

Dieses ist ein Filler Post im Rahmen der Iron Blogger Berlin. Den Iron Bloggern Berlin sei es gestattet mich herzhaft auszulachen. Für gutes Wetter zeige ich noch zwei lecker Burger von New Burger.

Ich sollte mich zum Barcamp des Scheiterns anmelden…

The Ostrich - Straußenfleisch, Chilli-Mango, Oliven-Bohnenkraut, Tabouleh-Salat, Pflaumen-Preiselbeerchutney, Special Bun

The Ostrich – Straußenfleisch, Chilli-Mango, Oliven-Bohnenkraut, Tabouleh-Salat, Pflaumen-Preiselbeerchutney, Special Bun

Le Classique - Black Angus Beef, Eisbergsalat, Tomate, Zwiebeln, Ketchup & Senf, Delikatessgurke, Classic Bun

Le Classique – Black Angus Beef, Eisbergsalat, Tomate, Zwiebeln, Ketchup & Senf, Delikatessgurke, Classic Bun

Kassengespräch

Neulich entspann sich folgendes kurzes Gespräch mit der studentischen Aushilfe an der Kasse:

Aushilfe: “Hallo und guten Tag. Wie geht es Ihnen?
Ich: “Danke gut. Und wie geht es Ihnen selber ?”
Aushilfe: “Naja, könnte besser sein, wegen des Fastens ist es doch etwas anstrengend heute.”
Ich: “Oh, wie lange geht denn das Fasten noch?”
Aushilfe: “Den ganzen Monat noch.”
Ich: “Oh, dann viel Glück und auf Wiedersehen.”
Aushilfe: “Auf Wiedersehen.”

Ich habe viel Sympathie für die jungen Leute in meiner Hood.

New Burger am Wittenbergplatz

Gelegentlich werde ich ja in die Lebensmittelabteilung des Vertrauens in einem Kaufhaus am Wittenbergplatz geschickt. Dort befindet sich eine Stätte zum Stärken und Ausruhen, die ich nach anstrengenden Einkäufen gerne besuche und über die ich bereits berichtet habe. Eine weitere Stätte der Stärkung befindet sich seit Anfang April ebenfalls dort, gleich gegenüber der Fleischabteilung.

New Burger

New Burger

New Burger finde ich hochspannend. Das möchte nicht eine einfache Burgerbraterei sein sondern verwendet verschiedenste Fleisch- und Fischsorten und hat ebenfalls zwei vegetarische Varianten auf der Karte. Die Zutaten sind vielfältig. Die Beschreibung der Burger liest sich anspruchsvoll und die Produkte liegen ab ca. 9€ im höherpreisigen Segment. Dreimal habe ich die Gelegenheit genutzt und drei verschiedene Burger probiert, jeweils ohne Beilagen dafür aber mit leckerem Craft Beer aus Kalifornien.

Mein erster Versuch ist der Lamb Burger:

The Lamb Burger - Lamm, Feta, Minze, Chilli, Oliventapenade, Tomate, Gurke, Gemüsepaprika, Vollkorn Bun

The Lamb Burger – Lamm, Feta, Minze, Chilli, Oliventapenade, Tomate, Gurke, Gemüsepaprika, Vollkorn Bun

Dieser Burger ist eine kulinarische Überaschung. Beim ersten Bissen bereitet das perfekte Lammhack meinen Geschmackspapillen großes Vergnügen, der zweite Bissen löst Geschmacksexplosionen aus. Geschmacksexplosionen durch die Minze, die in hervorragendem Verhältnis das Lamm unterstreicht – ein Hochgenuß – und ich empfehle diesen Burger ausdrücklich weiter.

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Gedanken zum Suchmaschinenurteil des EuGH

Das Suchmaschinenurteil des EuGH ist bereits eine Weile gesprochen und ich habe dazu eine Menge Einschätzungen gelesen, war auf Veranstaltungen dazu, bin aber letzten Endes immer noch ratlos was denn die Konsequenzen sind. Mit Konsequenzen meine ich Konsequenzen sowohl im Suchmaschinenbereich als auch in anderen Kontexten. Die Meinungen dazu divergieren vehement. Mich hat überascht, daß es tatsächlich Leute überascht wenn das Gericht meint eine Suchmaschine verarbeite personenbezogene Daten. Was anderes sollte die Indexierung von Inhalten mit Namen und ihre (listenhaften) Präsentation sein? Auch der Hinweis, eine Suchmaschine müsse eine Abwägung eigener Interessen mit dem schutzwürdigen Interesse des Betroffenen durchführen ist eigentlich keine große Überaschung. Die Einschätzung eine rechtmäßig veröffentlichte personenbezogene Information in einem Informationssysteme sei in einem anderen kritisch kann doch so neu ebenfalls nicht sein. Wenn der Staat mich als Blogbetreiber zwingt ein Impressum mit personenbezogenen Daten bereit zu halten, da ist der Zweck klar und es heißt nicht, daß die Nutzung dieser veröffentlichen Information zu anderen Zwecken und in anderen Information-ssystemen rechtmäßig wäre. Allerdings sind das im Urteil ausgesprochene Marktortprinzip und der Handlungsrahmen zur Interessensabwägung so nicht erwartet. Die Bevorzugung der schutzwürdigen Interessen vor der Meinungsfreiheit gibt ja eben keinen wirklichen Abwägungsrahmen vor. Aber das ist etwas, was noch mit Leben ausgefüllt werden muß und scheint so noch offen zu sein. Ist das Marktortprinzip auch in anderen Kontexten so anwendbar? Ich habe auch da schon Zweifel von Juristen gehört und auch das scheint ebenfalls offen.

Für viele Leute gehören Suchmaschinen zur Infrastruktur, die in diesem Rahmen die Aufgabe hat dezentrale Inhalte zu zentralisieren und für die Nutzer erst verfügbar zu machen und schreiben so den Suchmaschinen besondere Eigenschaften zu, die bei der vorgenannten Interessensabwägung zugunsten der Meinungsfreiheit besonderes Gewicht bekommen sollten. Das ist umstritten und die Diskussion sicher noch nicht beendet. Das EuGH hat ein Urteil zu einfach verketteten Datenverarbeitungen gesprochen. Der technologische Fortschritt wird verkettete Datenverarbeitungen noch beschleunigter, quasi explosionsartig, vermehren und unüberschaubare Wege des Datenflusses generieren. Dabei die schutzwürdigen Interessen der Nutzer zu wahren wird eine Herkulesaufgabe sein, die nur im Zusammenspiel von Geistes- und Sozialwissenschaften, Technik und Recht gelöst wird.

Nachgedanken zur Sache mit dem Tempelhofer Feld

Zu der Sache mit dem Tempelhofer Feld muß ich für mich noch ein paar Nachgedanken niederschreiben. Nachgedanken deshalb, da mich teilweise die Reaktionen in Politik und Presse zum Ausgang des Volksentscheids doch ziemlich verblüfft haben: einerseits – Berlin sei im Stillstand, nichts geht mehr, Sankt Florian allerorten – andererseits – niemand brauche sich jetzt mehr über steigende Mieten zu wundern. Die ersten Reaktionen verbuche ich in der Kategorie politische Leerformeln, letztere allerdings scheint mir interessant zu sein und sollte genauer beleuchtet werden. Meine Gedanken dazu sind sicherlich vorläufig, unvollständig und biased, mindestens durch den Rückschaufehler.

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Offiziell ist der soziale Wohnungsbau in Berlin seit 2002 eingestellt. Die Gründe dafür sind vielfältig, lagen z.B. im Rückzug aus der Förderung durch den Bund, in der schwierigen Haushaltslage des Landes und in einem methodisch fragwürdig berechneten Leerstand von 100.000 Wohnungen, der seltsamerweise trotz Bevölkerungsgewinnen über die Jahre fortgeschrieben wurde und sich schließlich in Luft auflöste. Dieser fiktive Leerstand diente als Argument ausreichender Wohnraumversorgung. Bestände kommunaler Wohnungs-unternehmen wurden an Finanzinvestoren verkauft, die Privatisierung des Mietwohnungsbestands in Berlin war erklärtes Ziel der Politik. Dieses Ziel ist erreicht, heute befindet sich der Großteil des Berliner Wohnungsbestandes auf dem freien Wohnungsmarkt. Flankierend dazu setzte die Politik auf die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt um auf diese Weise über Hebung des allgemeinen Einkommensniveaus auch ärmeren Schichten den Zugang zu angemessenem Wohnraum zu gewähren. Ideen, die im damaligen Zeitgeist lagen aber nicht überzeugen können. Zunehmende Residualisierung aber auch Verharren in der Wohnung durch steigende Mieten in den Beständen sind die Folgen. Nun agieren auf dem freien Wohnungsmarkt unterschiedliche Anbieter mit unterschiedlichen Verwertungsinteressen. Finanzinvestoren und das ist ihr legitimes Interesse wollen eine möglichst gute Verzinsung des eingesetzten Kapitals, die Wohnungen in diesen Beständen stehen unter Miet- erhöhungsdruck. Kleine Privateigentümer, die ihre Mieter noch persönlich kennen, möglicherweise auch im selben Haus wohnen, haben Interessen an langfristiger Vermögenssicherung und kontinuierlichen Mieteinahmen, hier wird der Mieterhöhungsdruck geringer sein.

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Kotelett mit Filet

Natürlich hätte ich es besser wissen können, ein Kotelett vom Schwein ist nicht gleich einem Kotelett von Schwein, es gibt Unterschiede. Ein Blick in die Wikipedia hätte genügt. Mit der unerschütterlichen Gewißheit ein Kotelett sei ein Kotelett begebe ich mich zum Schlachter des Vertrauens im großen Haus am Wittenbergplatz und staune. Verschiedene Koteletts vom Schwein werden angeboten, welches ich denn gerne hätte werde ich gefragt. Nackenkotelett schließe ich gleich aus aber was sind eigentlich Stielkoteletts oder Koteletts mit Filet? Intuitiv entscheide ich mich für Letzteres, hört sich einfach besser an “… mit Filet”. Selbstverständlich gebe ich mein Nichtwissen von dem Verkäufer nicht zu sondern entscheide, Wissen vorspielend, mit Nachdruck.

Kotelett mit Filet

Kotelett mit Filet

Mein Wahl ist die richtige. Das Filetstück ist nach dem kurzen Anbraten besonders weich und schmackhaft. Für den nächsten Einkauf bin ich jedenfalls gerüstet.

Bußgeld gegen Betreiber einer Blog-Plattform

Carlo Piltz berichtet in seinem Blog über das Verhängen eines Bußgeldbescheids der spanischen Datenschutzaufsichtsbehörde gegen Google als den Betreiber der Blog-Plattform “Blogger”. Hintergrund ist die Interpretation der “Cookierichtlinie” in 2009/136/EG durch die Aufsichtsbehörde. Auf “Blogger” werden Cookies zu Webanalyse- und Werbezwecken gesetzt. Der Blogbetreiber erhält dazu vom Plattformbetreiber weder ausreichend Information noch hat er die Möglichkeit das Setzen der Cookies zu unterbinden. Der Betreiber der Plattform informiert auch nicht die Besucher der jeweiligen Blogs in ausreichendem Maße. Um das mal für mich selber in die hiesige Datenschutzsemantik zu übersetzten scheint es so zu sein als sehe die spanischen Aufsichtsbehörde den Plattformbetreiber als “Verantwortliche Stelle”. Er hat die aus dieser Position resultierenden Pflichten gegenüber Blogbetreiber und Blogbesucher: die Pflicht der Information, die Pflicht Zugang zu den erhobenen Daten zu gewährleisten, eine Widerspruchs- /Einwilligungsmöglichkeit gegen bzw. für die Datenerhebung bereit zustellen.

Die Erwägungen der Spanier gelten natürlich auch für weitere Plattformen wie z.B. WordPress.com oder Tumblr. Die Betreiber dieser Plattformen, Automattic und Yahoo, sollten sich ggf. fragen wie sie diese Erwägungen bewerten und ob sie für ihre europäischen Blogbetreiber nicht einige unterstützende Tools zur Verfügung stellen sollten. Ich selber habe in diesem Blog vor drei Jahren meine Datenschutzerklärung angepaßt und die Widerspruchsmöglichkeiten aktualisiert; das Ganze ohne Unterstützung von Automattic, dem Betreiber von WordPress.com. Heute abend habe ich noch mal kurz nachgesehen ob Automattic Cookies zu Webanalyse- oder Werbezwecken über mein Blog dropped und stelle fest, daß da von ihm nichts gesetzt wird, ebenfalls nicht in html 5 Local Storage. Bei meinem Tumblr sieht das ganz anders aus, diverse Tracker zu den genannten Zwecken werden gesetzt.

Wird spannend sein zu sehen ob weitere Enforcements anderer Aufsichts-behörden folgen, die Spanier jedenfalls scheinen gerade in diesem Sinne einen Lauf zu haben.