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Im Gänseparadies

Wie im letzten Jahr war auch in diesem Jahr wieder ein Gänseessen zum Lunch bei Christian Westrup in seinem Restaurant Advantage angesagt. Noch jetzt am frühen Abend spannt das Bäuchlein noch ein wenig sodaß ich zu längeren Ausführungen nicht in der Lage bin. Wie immer war alles Top, die Gans so wie sie sein soll, die Haut kross, das Fleisch saftig, dazu Tüften, Klöße, Rot- und Grünkohl. Die Bilder sprechen besser für sich selbst.

Gänseesssen 2013

Gänseesssen 2013

Gänseessen 2014

Gänseessen 2014

Die Sache mit der GDL

Zufällig hatte ich gestern mal wieder Deleuzes “Postskriptum über die Kontrollgesellschaften” in der Hand und las im Abschnitt “III. Programm” folgende Bemerkung über die Gewerkschaften:

Eine der wichtigsten Fragen dürfte die Untauglichkeit der Gewerkschaften betreffen: In ihrer ganzen Geschichte waren sie gebunden an den Kampf in den Einschließungsmilieus oder gegen die Disziplinierungen. Können sie sich der neuen Situation anpassen oder machen sie neuen Widerstandsformen gegen die Kontrollgesellschaften Platz?

Sicherlich haben sich neue Widerstandsformen gegen die Kontrollgesellschaften im zivilgesellschaftlichen Bereich gebildet aber die Organisation der Gewerkschaften als Vertreter der Beschäftigten hat sich ebenso gewandelt wie die Beschäftigtenstruktur und das Selbstverständnis der Beschäftigten. Spartengewerkschaften, wie die GDL, sind meines Erachtens tatsächlich eine Organisationsform der “Flüchtigen Moderne” wie Zygmunt Bauman sie beschreibt. Daß sie das tun, wozu sie da sind, nämlich im Interesse ihrer Mitglieder tätig zu sein, sollte eigentlich eine Binsenwahrheit sein, trotzdem haben mich manche Reaktionen auf den Streik gerade auch von Menschen, die sich selber links einstufen, erschreckt. Solidarität scheint ein Fremdwort geworden zu sein, Egoismus geht vor. Ebenfalls seltsam finde ich allerdings die Berichte des professionellen Journalismus, der die GDL, ihre Vertreter und ihre Kampfmaßnahmen thematisiert und überwiegend diskreditiert, zur Politik des Arbeitgebers, des Kapitals, zu Entlohnung und zu Arbeitszeiten jedoch schweigt. Die Gesellschaft hat sich deutlich verändert.

Der Tag vor fünfundzwanzig Jahren

Von den Berliner Ironbloggern schrieben in dieser Woche Miss Kitty und der Tillmann über ihre Erinnerungen an den Mauerfall. Ich denke mir, daß das eine gute Idee ist und versuche meine eigenen Erinnerungen an den Tag zu sortieren um sie schriftlich zu fixieren. Dabei stelle ich fest, daß ein – mehr oder weniger gnädiges – Vergessen schon sehr viel im Dunklen läßt und ich mich möglicherweise in die Gefahr der retrospektiven Verzerrung von Erinnerungen begebe und etwas schreibe was so nicht war. Denn leider habe ich meine Gedanken in der Zeit nicht verschriftlicht. Ich werde also versuchen nur Fakten und keine Vermutung wiederzugeben.

Vor fünfundzwanzig Jahren habe ich bereits in der Wohnung gelebt, in der ich heute noch wohne. Auf der anderen Straßenseite gab es nicht das Willy-Brandt-Haus sondern eine Grünfläche. Das ans Willy-Brandt-Haus angrenzende Gebäude existierte ebenfalls noch nicht sondern dort befand sich die “Wagenburg”; ein bunter Trupp Leute, die in Bauwagen lebten. Das Tommy-Weisbecker-Haus bestand bereits sechszehn Jahre, der angrenzende Theodor-Wolff-Park wurde gerade gestaltet und erhielt seinen Namen erst drei Jahre später. Schaute ich aus dem Fenster meines Arbeitszimmers, das direkt auf der Flucht der alten Wilhelmstraße lag, so sah ich in meheren hundert Metern Entfernung eine Mauer quer über die Straße. Von meinem Standpunkt aus bis dahin bei Dunkelheit gut ausgeleuchte, lag die Straße hinter der Sperre eher im Dunklen mit unzureichender Beleuchtung. Die Holde und ich kannten uns bereits, hatten auch ein wenig poussiert doch uns zu diesem Zeitpunkt seit über einem Jahr aus den Augen verloren.

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Zeitabschnitte

Ende Oktober haben meine Eltern ihr Auto verkauft und die gemietete Garage gekündigt. Das ist jetzt nichts Weltbewegendes aber ich weiß genau, daß sie darin einen besonderen Moment sehen. Ein Zeitabschnitt ist beendet, das Gefühl Herr über die eigene Mobilität zu sein ist beendet. Dieser Schnitt wurde notwendig, da beide als Betagte, machen würden meinen bereits Hochbetagte ein immer größer werdendes Risiko für sich und Andere im Straßenverkehr darstellten. Sie sind traurig über den gemachten Schritt, ich finde ihn aber mutig, sehe ihre Traurigkeit natürlich auch und sie geht mir nah. Der Schritt beendet einen Zeitabschnitt, er fügt einen neuen hinzu. In diesem werden sie sich zurechtfinden müssen und sie werden das schaffen. Solche Zeitabschnitte strukturieren das Leben, stellen die Erfahrung auf Dauer und schaffen somit Sinn. Das macht Hoffnung. Schaue ich auf mein eigenes Leben so ist es ebenfalls mit Zeitabschnitten und sinnvollen Erzählungen die diese verbinden gefüllt. Das macht mich heute wiederum hoffnungsvoll, neugierig und voller Erwartung.

In the Gärung

Heute ist mein erster Brautag, ich habe es also getan: Mein erstes Bier gemaischt, geläutert, Hopfen gekocht, viel sterilisiert und die Würze in das Glasgefäß zum Gären abgefüllt. Jetzt heißt es abwarten bis nächste Woche. Bin völlig erledigt von der Aufregung und dem Tag. Deshalb erlaube ich mir nur eine kurzen Post und das Weitere dann wenn das Bier fertig ist.

So wunderschön gärt es vor sich hin:

Pale Ale

Pale Ale

Müller

Michael Müller ist nach dem Mitgliedervotum der Berliner SPD nun designierter Nachfolger von Klaus Wowereit. Irgendwie läßt mich das Verfahren etwas ratlos zurück. Alle drei zur Wahl stehenden Kandidaten waren und sind mir fremd. Michael Müller habe ich zu seiner Zeit als Landesvorsitzenden in einer Neumitgliederversammlung persönlich erlebt, zu Zeiten als der Regierende und sein Landesvorsitzender das “Recht auf Wohnen im Innenstadtring” verneinten. Für mich immer Ausdruck einer unverständliche eristrische Dialektik um sich von der politischen Verantwortung zu immunisieren. Jan Stöß habe ich einmal auf einer Abteilungsweihnachtsfeier persönlich kennengelernt und zwei, drei Sätze gewechselt. Raed Saleh war und ist mir bis heute persönlich unbekannt. Diese drei Personen standen also beim Mitgliedervotum zur Wahl. Wie also soll ich eine Entscheidung treffen ohne umfassende Kenntnis dieser drei Personen. Was kann eigentlich ein Entscheidungskriterium sein? Ihre persönliche Geschichte bisher? Das Amt stellt möglicherweise andere Anforderungen zu denen ich über die Kandidaten eventuell keine Antworten bekomme. Veröffentlichungen in Presseerzeugnissen? Sind selektive und gefärbte Informationen… Unterscheiden sich die Kandidaten politisch? Nee, hängen ja am Parteiprogramm fest. Die Sache ist schwierig, es ist eigentlich egal ob ich würfele oder mir eine Story zusammenreime und dann mein Kreuzchen mache. Es gibt kein valides Entscheidungskriterium für mich…

Entenzungen online

Bin zum Dinner eingeladen und treffe mich mit Gastgeber und Mitessenden vor dem Restaurant. Der Abend ist lau, wir unterhalten uns ein wenig, warten noch auf Nachzügler um dann gemeinsam unseren reservierten Tisch zu besetzen. Die Runde besteht aus sehr netzaffinen Menschen, ein paar Jährchen jünger als ich. Der Crémant wird serviert, wir prosten dem Gastegeber zu, trinken auf sein Wohl. Speisenkarten werden verteilt und ich spreche darüber, daß ich mich ein wenig über das Restaurant im Netz informiert habe, einige Artikel in Presseerzeugnissen, die online verfügbar sind, gelesen habe und die ein oder andere Kritik in Blogs. Ich erzähle so weiter über die etwas ungewöhnlichen Speisen auf Karte und was ich davon gerne probieren möchte, Entenzungen zum Beispiel und das Quallencarpaccio. Ich rede über die glühenden Empfehlungen und die vermeintlichen Enttäuschungen, die Gäste ins Netz gestellt haben. Einer der Mitessenden meint darauf hin zu mir: “Mußt Du aber Zeit haben Dich mit sowas zu beschäftigen.” Bin leicht verwirrt, was ist denn da falsch gelaufen…?

#digitalLEBEN – Pausanias wirft ein Stöckchen

Der Pausanias hat mir in einem Blogbeitrag ein Stöckchen zugeworfen, das ich ihm nun beantworten möchte. Über Digitalisierung zu schreiben ist natürlich schwieriger als in der zunehmend digitalisierten Gesellschaft zu leben. Bemühe mich also um Verständlichkeit.

In einer digitalen Welt zu leben, bedeutet für mich …

… nichts, denn ähnlich wie Markus Gabriel meine ich, daß es die Welt nicht gibt. (Sorry Mäx aber diese Klugscheißerei mußte sein…) Meine Umgebung, mein Leben, das ist richtig, wird zunehmend digitalisiert und das seit langem. Denke ich unendlich viele Jahre zurück, an den Beginn meines Studiums, an dem ich in Sekundengeschwindigkeit mit Statistikprogrammen Faktorenanalysen rechnete, zu denen man in noch älteren Zeiten tagelang mit Millimeterpapier und Zirkel arbeitete, so war das erstaunlich. Wahrscheinlichkeiten ergodischer Systeme habe ich durch das Programmieren kleinerer BASIC Anwendungen verstanden. Digitalisierung dringt zwar in Produktionsprozesse ein, mein Stuhl auf dem ich gerade sitze ist aber noch ziemlich analog, ebenfalls das Fenster, aus dem ich schaue. Die digitale Kommunikation erweitert meine “Reichweite” und erlaubt vielfältige Verbindung zu Menschen die physisch entfernt aber mir nah sind ebenso wie ungewollte bzw. erzwungene Kommunikation.

Mein Computer ist für mich …

… eine Maschine. Davon habe ich drei in Besitz: Laptop, Tablet und Smartphone. Vor unendlich vielen Jahren als kleiner Junge habe ich immer die Kommunikatoren bzw. Assistenten in den Perry Rhodan Filmen und der Raumschiff Enterprise Serie bewundert. Das wollte ich immer haben, etwas ähnliches scheint das Smartphone zu sein.

Wirklich gut! Die größte Chance durch die Digitalisierung ist…

… mir jedenfalls unbekannt, da ich heute nicht vorhersehen kann was ich morgen wissen werde. Von daher ist mir das Verwenden von Superlativen ein Greuel. Ich würde mir aber Fortschritte im Bereich der Medizin wünschen, denn die Digitalisierung eröffnet die Chance personalisierte Medizin technisch und auch wirtschaftlich möglich zu machen. Eine weitere Chance ist das Zugänglichmachen von Wissen, gerade auch Wissen, das ganz spezielle Antworten auf verzwickte Fragen im Alltagsleben gibt.

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Getrübter Rückblick

In einer Diskusson über Musik verfalle ich gnadenlos einer narrativen Verzerrung und konstruiere eine Geschichte um den Entstehungszeitpunkt eines Musikstücks plausibel darzustellen. Es handelt sich dabei um Ian Durys Hit me with your Rhythm Stick von 1978. Dessen Veröffentlichzeitpunkt sowie das Wirken Ian Durys verlege ich in die achziger Jahre. Die Geschichte die ich dazu konstruiere scheint mir zwar logisch ist aber grundfalsch. In dieser Zeit habe ich regelmäßig auf BFBS John Peel’s Music gehöhrt. Ich finde John Peel hätte Ian Dury und seine Musik interessant gefunden und garantiert in seiner Sendung vorgestellt. Ob John Peel jemals Musik von Ian Dury gespielt hat erinnere ich natürlich nicht. Und diese Verknüpfung der Musik mit dem vermehrten Hören der Radiosendung läßt mich einen grandiosen Fehlschluß machen. Ich bin überzeugt viele Fehlschlüsse werden aufgrund solcher Geschichten getroffen und trüben den Rückblick auf die Vergangenheit.

Ich durchsuche meine übriggebliebenen analogen Musikkassetten aus uralten Zeiten und finde in der Tat noch ein Tape von Ian Dury aus den Siebzigern. Eine funktionierende Hardware zum Abspielen der Kassette habe ich seit Jahre nicht mehr. Aber dafür gibt es ja die ein oder andere digitale Möglichkeit, die ich hier einbinden kann.

Ian Dury mit Sex and Drugs and Rock and Roll.


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Horax in die Küche bitte!

Vierzehn Tage Strohwitwerdasein haben es mir wieder deutlich vor Augen geführt, ich esse nicht nur gerne gut, ich koche auch gern. In der Neunten und Zehnten Klasse hatte ich, mit zwei anderen Jungs, freiwillig am obligatorischen Kochuntericht für Mädchen in der Schule teilgenommen. Alle zwei Wochen montags jeweils vier Stunden war das, wenn ich mich nicht irre. Für Werkuntericht hatte ich zwei linke Hände aber Kochen, das hatte mir Spaß gemacht. Wie gesagt, in den letzten beiden Wochen, abzüglich zwei Abende Abwesenheit durch eine Reise und zwei Abende “Dinner” am Street Food Thursday außerhalb, machten fünf Dinner in zehn Tagen, also jeden zweiten Tag in der Küche gestanden. Über zwei Dinner habe ich bereits hier berichtet.

Das wiedererwachende Interesse am Selberkochen hängt ganz klar mit der Methode des Niedrigtemperaturgaren zusammen. Das lange und Geduld fordernde Garen im Ofen, mit exakter Temperaturbeobachtung und einem fulminanten Geschmackserlebnis verändert bei mir das Verhältnis zum Gargut und zu den Lebensmitteln allgemein. Die Wertschätzung steigt. Dabei spreche ich mich keinesfall gegenüber der industrieller Produktion aus, die notwendig ist, doch im persönlichen Bereich findet ein Umdenken zur Wertigkeit des Essens statt. Das steht nun keinesfalls im Gegensatz zu den schnellen und einfachen fünf Gerichten, die ich mir in den letzte Tagen zubereitet habe. Die Wertschätzung der Hauptbestandteile ist m.E. zu spüren. Was ich so spannend am “sponanten” Kochen der letzten Tage finde ist, daß es ohne ausgeklügelten Plan funktioniert. Ich sehe ein mögliches Gargut, kaufe es und überlege erst dann wie und mit welchen anderen Lebensmitteln ich es zubereite. Dabei ist das Ausprobieren und die Kombination zufällig vorhandener Bestandteile irgendwie großartig. Das Braten der Lammhüfte mit Ingwer fällt mir erst beim Blick auf die Ingwerwurzel zuhause ein.

Mit frischem Ingwer gebratene Lammhüfte, Oliven-Kürbis Schrippe

Mit frischem Ingwer gebratene Lammhüfte, Oliven-Kürbis Schrippe

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