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Schlapphut und Alice

Einen leibhaftigen Schlapphut sehe ich bewußt in dieser Woche zum ersten Mal, einen Schlapphut aus der Behördenleitung. Ein Mann mittleren Alters mit Streichholzhaarschnitt trägt auf einer Konferenz vor. Wenn ich ihn beobachte wird mir klar, er könnte im Aussehen und Habitus auch in der Managemetebene eines beliebigen Unternehmens tätig sein. Er beschreibt die Werte der Arbeit seiner Behörde. “Dienstleister der Demokratie” ist so eine einlullende Beschreibung, ist es Marketingsprech?. Ein wenig zieht sich mein Magen zusammen, ich fühle mich unwohl. Ob der Mensch das glaubt was er sagt? In der anschließenden kurzen Fragerunde bleiben alle Fragen mit Hinweis auf Geheimhaltung unbeantwortet und so scheint mein vorgefaßtes Bild von solchen Behörden wieder zurechtgerückt.

Am Wochenende findet über zwei Tage eine Konferenz zu “Überwachung und Recht” statt, hochinteressant aber das Thema ist anstrengend, insbesondere wenn man die Argumente des Anderen nicht gleich beseite wischt sondern versucht zu prüfen. Was hat das mit Alice zu tun? Nichts natürlich, aber Dark Shadows läuft gerade im TV und Alice Cooper hat einen Auftritt.

Ideengarben

“Ideengarben” ist mein neues Lieblingskompositum. Ich lese es erstmals in Siegfried Kracauers Sammlung “Das Ornament der Masse” von 1963. Dabei sehe ich im ersten Moment das zweite Morphem nicht im Sinne einer (Maschinengewehr-)Salve auch nicht im Sinne einer Bündelung von Getreidehalmen sondern ich habe das Bild der Scharfgarbe und ihres scheindoldigen Blütenstands vor Augen. (Die Schafgarbe gehört zur Familie der Korbblüter und ist keine Doldengewächs.) Gerade dieses trugdoldige Bild will mir irgendwie nicht aus dem Kopf und ich stelle mir ein Häufchen Ideen doldenartig aufgereiht vor. Irgendwie ein schönes, beruhigendes Bild. Man kann sich die Ideen ansehen, drüberstreichen, daran schnuppern und vielleicht verströmen sie einen angenehmen Duft. Im Grunde verändert das Morphem “Garbe” meine Sicht auf die Dinge in eine positive Richtung. Die von mir getwitterte Komposition Motivationsgarbe drängt die positive Besetzung der “Motivation” noch einmal deutlich in die richtige Richtung. Kracauers Komposition der Garbe bringt mich auf interessante Ideen. Bestimmt werde ich noch eingie Garben zusammenbinden.

Über Seniorenteller

In wenigen Tagen werde ich auf einen Kurztrip nach Schleswig-Holstein fahren. Das Hotel ist gebucht und, wie es halt so meine Art ist, schaue ich mir die Speisenkarte des hoteleigenen Restaurants an. Nicht, daß mir Hotel und Restaurant fremd wären aber ein Blick in die Karte sollte sein, interessant was sich vielleicht geändert hat. Beim Lesen fällt mir auf, daß dort nichts von Seniorentellern geschrieben steht, sondern alle Hauptgerichte gibt es auch als Vorspeisenteller. Mir fällt ein, daß ich an diesem Ort im Restaurant eines traditionsreichen Hotel, daß eher einen älteren, gut betuchten Kundenstamm bedient, ebenfalls nie von Seniorentellern, sondern von kleinen Portionen gelesen habe. Auch im Restaurant des bevorzugten Hotels der Holden und mir auf Rügen wird diese Wortwahl verwendet. Das ist eine eher neue Entwicklung und ich finde diese Wortwahl ist respektvoll gegenüber der älteren Generation und ich goutiere das außerordentlich.

Gut erinnere ich mich an die Badeurlaube mit meinen Eltern an der ostholsteinischem Küste vor Urzeiten. Dort war es in den Restaurationen üblich Seniorenteller anzubieten, die mich eher an Kleinkindkost erinnern. Ich habe eine Erinnerung von viel Kartoffelbrei mit heller Sauce und einem gekoschte Ei. Die Vorstellungen an das Altern waren damals andere, Konrad Adenauer zum Trotz. Aber selbst heute noch, ein Blick in die Suchmaschine des Vertrauens verrät es, befleißigen sich Restaurant solcher Wortwahl. Das wird sich sicher im Laufe der Zeit noch ändern.

Jedenfalls habe ich mir vorab mein Dinner in der nächsten Woche schon zusammengestellt:

Vorspeise: Gebratenes Filet vom Barsch aus dem Selenter See mit buntem Mangold
Hauptgericht: Rumpsteak vom Holsteiner Rind mit Nordseekrabben, Zwiebelmarmelade, Krabbenbutter und Bratkartoffeln

Danach wird zur Verdauung ein Gang an die Hotelbar fällig werden und entgegen meiner Geflogenheiten werde ich mich für Gin-Cocktails interessieren. Denn beim Gin scheint es spannende Entwicklungen zu geben, die mich irgendwie an die Craft Beer Szene erinnern.

Heidenpeters

Das erste Bier von Johann Heidenpeter trinke ich auf dem Berliner Craft Bier Fest 2014 am 30 Mai. Das erste ist das Saisonniére, das zweite ist die Thirsty Lady und das dritte ist das Pale Ale, das ich sofort zu meinem Lieblingsbier erkläre. Meine Bewertungen zu den Bieren von Heidenpeters und anderen kann sich der geneigte Interessent bei Untappd ansehen. Danach dauert es eine Weile bis zu einem zufälligen Besuch in der Markthalle IX bei dem ich nun auch den Stand von Heidenpeters entdecke. Selbstverständlich trinke ich die Karte herunter was nicht sonderlich schwer ist, da sie grundsätzlich drei Biere umfaßt. Der selbstgebaute Stand aus Holz, hinten in der Ecke der Markthalle drückt Minimalismus aus, was ich besonders sympathisch, denn nichts lenkt den Besucher vom Genießen der Biere ab. Im Gespräch mit Bedienung und Kunden, sowie auch einer kurzen Recherche auf den einschlägigen Blogs beginne ich das Konzept von Heidenpeters zu verstehen und bin schon ein klein wenig beeindruckt von Johanns klarer Art der Selbstbestimmung. Das Bier zu brauen, das man selbst für das richtige hält ohne sich hereinreden zu lassen und dieses noch zum Erfolg zu führen finde ich bemerkenswert. Das ist ja fast “Steve-Jobs-artig”. Seit diesem ersten zufälligen Besuch komme ich, so oft es die Zeit erlaubt, wieder. Es ist irgendwie ein gutes Gefühl zu wissen, daß unter seinen Füßen im Keller des Gebäudes der Brauprozeß stattfindet. Das Bier wird in kleinen Mengen produziert, auch hier will Johann sich nicht irgendwelchen Zwängen ausliefern. Ich bin nur froh über den Außerhausverkauf, den man ebenfalls am Stand tätigen kann. Zwei Euro für eine 0,33l Flasche handgebrautes Bier finde ich angemessen und nehme gerne sechs davon fürs Wochenende mit. Zweifünfzig für ein Glas im Ausschank ist ebenfalls angemessen. Ich glaube, hätte das Heidenpeters Hocker an seinem Stand, dann wären meine Sessions dort sicherlich länger aber ich vermute mal darauf wurde bewußt verzichtet.

Pale Ale von Heidenpeters

Pale Ale von Heidenpeters

Ich finde es hochspannend, wie z.B. das Pale Ale je nach gebrauter Charge mal mehr, mal weniger im Geschmack differiert denn in einem handwerklichen Verfahren kommte es im Zeitablauf zu Abweichungen im Produktionsprozeß. Ich empfehle die Biere von Heidenpeters nachdrücklich.

Blick nach Oben

Bewege ich mich im Draußen ist es meistens zweckgebunden und zielgerichtet auf eine bestimmte Örtlichkeit. Das geschieht natürlich auch in der Nachbarschaft beim Gang zum Einkaufen beim Lebensmittelhändler des Vertrauens oder zum Entsorgen des Leerguts. Dann finden die Beine den Weg von alleine, die Aufmerksamkeit für die Umgegend ist abgeschaltet und die Gedanken melden sich lautstark. Sie sprechen über vielerlei Dinge, über die Arbeit, über das letzte Telephongespräch mit den Eltern, politische Auseinandersetzungen, übers Wetter oder über den letzten Besuch in der Craft Beer Brauerei, wobei letzteres meistens körperliche Auswirkungen in Gestalt Pawlowscher Reflexe zeitigt. Natürlich rede ich da mit, versuche das Gespräch freundlich zu halten, was mir aber oft genug mißlingt. Nur wenn ich auf dem Weg einem bekannten Gesicht begegne, wird das Gespräch kurz für einen Gruß unterbrochen.

Mein Nachbar und ich machen uns gemeinsam auf den Weg zum Lebensmittelhändler des Vertauens um die Ecke und diesmal ist die Aufmerksamkeit nicht nach innen sondern auf den Mitgänger gerichtet. Unser Gespräch dreht sich rund um Mieten, die Veränderungen nach dem Eigentümerwechsel, die Mieten im Sozialwohnungsbestand nebenan. Wir erreichen unser Ziel und der Nachbar erzählt von einem Bekannten, der ihm über die sich verschlechternde Bausubstanz im Haus gegenüber des Ladens berichtet hat. Selbst Loggien sollen schon wegen Einsturzgefahr gesperrt worden sein. Unser beider Blick geht nach oben und wir sehen zu unserer Überraschung was schon seit Wochen Wirklichkeit ist, eine abgestützte Decke. Niemand von uns hat das vorher bemerkt obwohl jeder für sich unzählige Male daran vorbeigelaufen war. Die Aufmerksamkeit war ausschließlich auf uns selbst gerichtet.

Loggien in der Nachbarschaft

Loggien in der Nachbarschaft

Street Food Thursday

Über hundertzwanzig Jahre hat die Markthalle Neun in Kreuzberg auf dem Buckel, eine angemessene Örtlichkeit für den Street Food Thursday. Köche auch ohne Restaurant können hier ihren Gästen für überschaubares Geld Köstlichkeiten verschiedenster Art anbieten. Und in der Tat wandelt sich der Ort am Donnerstag gegenüber einem normalen Markttag freitags oder sonnabends deutlich. Die Stände nehmen in Häufigkeit zu, alles wirkt voller und bunter. Dabei sollte der Genießer bereits zu Beginn der Veranstaltung um 17 Uhr die Halle betreten und sich mit langsamen Schlendern die Köstlichkeiten erschließen, denn die Halle wird ziemlich schnell ziemlich voll. Genießen sollte eine gewisse Zeitdauer haben, Hektik erschlägt das Genießen genauso wie auch zu langes Anstehen und Warten an den Ständen.

Großartig ist das in Cidre eingelegte und elf Stunden sous-vide gegarte Rindersteak. Das Ergebnis sieht nicht nur sehr ansprechend aus, es ist auch ein Geschmackserlebnis für faire 5,50 Euro. (Leider habe ich vergessen wer der Koch war)

Street Food Thursday - 24 Stunden in Cidre eingelegtes Rindersteak, 11 Stunden sous-cide gegeart mit drei Stunden karamelisierten Zwiebeln auf Kartoffelbrot, gebeizten Senfkörnern & Schnittlauch

Street Food Thursday – 24 Stunden in Cidre eingelegtes Rindersteak, 11 Stunden sous-cide gegeart mit drei Stunden karamelisierten Zwiebeln auf Kartoffelbrot, gebeizten Senfkörnern & Schnittlauch

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Der Fliegende

Das Städtchen war klein, besaß zwar kein Kaufhaus dafür aber zwei Radio- und Fernsehfachgeschäfte, die, man könnte fast meinen die Nähe zueinander suchten, auf der gleichen Straße und Seite, nicht weit voneinander entfernt, lagen. Über den Tag verteilt füllten sich die Läden, wellenartig am Vormittag wenn die Schule aus war und kontinuierlich am Nachmittag und frühen Abend wenn die ersten Berufstätigen Feierabend machten. Das Hauptinteresse der Besucher galt überwiegend nicht den verschiedenen Apparaten sondern den Schallplatten, die dort auch zum Verkauf standen. Die Schallplatten waren in viele Kategorien eingeteilt und in unterschiedlichster Reihung angeordnet. So zum Beispiel nach aktueller Popularität, das heißt nach der Häufigkeit in der die Musik im Radio gespielt wurde oder nach den Verkaufszahlen der Schallplatten. Andere Einteilungen wie beispielsweise nach Musikarten, Stilrichtungen und Unter-Unterkategorien waren an der Tagesordnung. Aber die einfachste und entspannteste Ordnung war diejenige nach dem Alphabet. Der Musikfreund konnte sich in den Läden auch einzelne Musikstücke und Platten anhören. Dazu standen an Tresen Plattenspieler bereit und in den Tresen waren pro Plattenspieler zwei Hörer versenkt, die aus einer Vertiefung herauszuholen und mit einem Kabel am Plattenspieler verbunden waren. So konnten sich jeweils zwei Menschen das gleiche Lied anhören. Die Hörer waren lustig anzusehen, schwarz wie Telephonhörer aber ohne Sprechmuschel. Fortgeschrittene Musikfreunde hielten sich ein Hörer an das linke und den anderen an das rechte Ohr. Wollte der Interessent in eine Platte hinhören so mußte er sich an einen der Verkäufer wenden. Die Verkäufer, meist selbst noch sehr jung, stellten gegenüber den jüngeren oder gleichaltrigen Interessenten eine gewisse Überlegenheit und Blasiertheit zur Schau als ob sie sich mit den Musikkünstlern gemein machen wollten in dem Sinne, als ob durch sie der Künstler spricht.

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Segelboote in Kreuzberg

In der Großstadt ist die Geräuschkulisse permanent. Es gibt keinen Ort in der Stadt an dem nicht wenigstens so etwas wie ein Brummen der menschlichen und maschinellen Tätigkeiten zu hören ist, Hintergrundrauschen überall. Also ist auch der Balkon keine Oase der Ruhe in der Stadt. Liegt er in oberen Stockwerken und eine vielbefahrene Straße läuft abschüssig auf ihn zu richtet sich der Verkehrslärm zu einem Wellenberg auf und überflutet ihn brüllend. Tageszeiten mit geringerem Verkehr erzeugen flacherer Lärmberge dafür ist das Geräusch des vorbeifahrenden Fahrzeugs markant während es sonst im Vielklang untergeht. Bei geeigneter Windrichtung erzeugen die Flaggen neben dem Gebäude auf der anderen Straßenseite einen besonderen Chor des Klapperns, Klackerns und Klingens, der an ganz andere Klangkörper und Umstände erinnert.

Sie sagt: “Es sind Segelboote”.

Schöne neue Fahrstühle

Fahrstühle begleiten mich ja schon mein ganzes Leben. Der erste in meinem Geburtsort in einem Hochaus in dem die elterliche Wohnung lag war schon vor meiner Geburt da, hat quasi auf mich gewartet. Ich erinnere mich eigentlich ganz gut, groß war er damals als ich klein war, wurde aber im Laufe der Zeit immer kleiner als ich wuchs. Irgendwann wurden ihm so etwas wie eine Sicherheitstür eingebaut damit man sich nicht an den freiliegenden Etagentüren und Etagenböden verhakeln kann. Schnell war er für damalige Verhältnisse, vielleicht floß die Zeit aber auch allgemein langsamer. Eine seltsame grüne Farbe hatte die Kabinenwand, unterbrochen von Verziehrungen aus Blechleisten und einer Halteleiste rundherum. Besonders gruselig war es wenn man im Parterre einstieg, in die Wohnung fahren wollte, der Fahrstuhl aber zunächst in den Keller fuhr. Quälende Gedanken an Monster und Geister, die die Kellertür öffnen könnten durchlebten wir Kinder damals in so einer Situation. Später dann, in der Jugendzeit diente der Fahrstuhl als Geheimfach, wo man zwischen die Blende der Beleuchtungen allerlei Wichtiges, das man nicht in die Wohnung mitnehmen wollte wie z.B. Zigaretten, verstecken konnte. Fahre ich heute mit diesem Aufzug alleine, taste ich manchmal diese Blende ab, ob Nachfolgende vielleicht ein ähnliche Idee haben könnten, habe jedoch nie etwas gefunden. Heute hat die Kabinenwand eine neue gräuliche Farbe, er fährt immer noch mit dem gleichen sonoren Klang aus der Vergangenheit nur scheint er müder geworden zu sein, langsamer und ein wenig betagt, er scheint schneller zu altern als ich selber.

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Keine Bildung – dafür Burger

Meine Blogposts schreibe ich in einem Rutsch herunter. Einen Post anfangen, liegenlassen, an einem anderen Tag daran weiterarbeiten kommt für mich nicht in Frage. Der wunderbare @Pausanias hat mich zu einem Artikel über Bildung inspiriert, den ich jedoch nicht in einem Durchgang fertigschreiben kann. Das Thema ist zu komplex, meine Gedanken dazu noch zu ungeordnet und so habe ich nach ca. 120 Worten aufgegeben und das bisher Geschriebene gelöscht. Ich werde irgendwann einen neuen Versuch wagen.

Dieses ist ein Filler Post im Rahmen der Iron Blogger Berlin. Den Iron Bloggern Berlin sei es gestattet mich herzhaft auszulachen. Für gutes Wetter zeige ich noch zwei lecker Burger von New Burger.

Ich sollte mich zum Barcamp des Scheiterns anmelden…

The Ostrich - Straußenfleisch, Chilli-Mango, Oliven-Bohnenkraut, Tabouleh-Salat, Pflaumen-Preiselbeerchutney, Special Bun

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Le Classique - Black Angus Beef, Eisbergsalat, Tomate, Zwiebeln, Ketchup & Senf, Delikatessgurke, Classic Bun

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