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Über die Kaffeemaschine

Was kann interessant sein an einer Kaffeemaschine? Eigentlich nicht viel, höchstens das Verhältnis des Besitzers zu ihr. Gute neun Jahre hat meine Kaffeemaschine durchgehalten, eine Schwester von ihr, fast gleichaltrig und von mir damals erworben, steht seit Gründung in der Firma. Nun ist meine Kaffeemaschine inkontinent geworden und muß ersetzt werden. Oh nein, die Schwester erwähne ich nur um mir die Länge des Besitzes zu vergegenwärtigen, kein magisches Denken bewegt mich. Ein Ersatz ist gefunden, ein Nachfolgemodell der gleichen Firma. Der Nachfolger sieht ähnlich aus, die Technologie ist fast dieselbe, dazugekommen ist eine “Auto-Off-Funktion”, nicht mehr, keinerlei technologischer Fortschritt, ein Gerät ohne Funkschnittstelle und ohne GPS. Die Vermutungen zur Langlebigkeit der Technologien in meiner Wohnung konnten nicht widerlegt werden. Vermutlich nimmt die Langlebigkeit der Technologien in meiner Wohnung noch zu, denn in letzter Zeit ist die Menge der Bücher stetig gewachsen.

Und nun auch noch Seeigel

Mit klarem Auftrag betrete ich den Verkaufsbereich für Seafood in der Lebensmittelabteilung des Vertrauens: Nordseekrabben, Westerländer Krabbensalat und Schollenfilets. Der Andrang ist übersichtlich, ich werde sofort bedient und während der freundliche Verkäufer die Schollenfilets pariert fällt mein Blick auf ein etwas ausgefallenes Angebot – Seeigel. Mein Interesse ist natürlich geweckt, allein es erscheint mir doch seltsam in so einem Stachelhäuter ein Nahrungsmittel zu sehen. Neugierig aber mit einem gehörigen Maß Skepsis ordere ich einen Seeigel und erkundige mich nach Zubereitungsart und Geschmack, die Antworten deuten eher auf ein Abenteuer.

Unterseite des Seeigels

Unterseite des Seeigels

Der Seeigel wird Vorspeise zum Dinner. Er kann roh oder gekocht gegessen werden, ich entscheide mich für die rohe Variante.

Oberseite des Seeigels

Oberseite des Seeigels

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Gekriech in der Nachbarschaft

Das erste Wochenende des Jahres mit viel Sonne und Temperaturen im zweistelligen Bereich ist wunderbar. Das macht Lust auf einen Besuch im Nachbarschaftspark und auf eine Session auf Balkonien. Die landschaftsgärtnerischen Strukturen vor dem Wohnhaus sind noch im Winterschlaf aber im Nachbarschaftspark sprießen die ersten Krokusse. Am Nachbarschaftspark bewegt sich der aufgeschüttete Boden auch unter der wohlgepflasterten Oberfläche. Das Gekriech verdrängt auch die senkrecht gestellten Plattenstufen.

Gekriech

Gekriech

Während meiner Nachmittagssession auf Balkonien besucht mich die erste Hummel in diesem Jahr. Langsam heißt es Winter adé…

Über essigsaure Tonerde

Gibt man in die Suchmaschine des Vertrauens die Wörter “essigsaure Tonerde” ein oder nimmt ein noch zufällig im Haushalt befindeliches Chemiebuch beziehungsweise einen Gesundheitsratgeber zur Hand, dann erfährt man einerseits die wissenschaftliche Bezeichnung Aluminiumdiacetat und lernt andererseits, daß die Konsistenz oder Aggregatzustand der Tonerde fest ist. Letzteres wundert bei dem Namen nicht. Mein Bild von der “essigsauren Tonerede”, geprägt in Kindheit und Jugend ist allerdings eines von einer Flüssigkeit im Standgefäß. Das Standgefäß selber ist eine enghalsige Rundschulterflasche aus Braunglas mit einem eingeschliffenen Glasstopfen. “Essigsaure Tonerde” gehörte zum elterlichen Haushalt wie ein Pflaster und wurde bei Insektenstichen, Prellungen und Verstauchungen zur Kühlung und Linderung verwendet.

Dieses erinnernd begebe ich mich zur Apotheke des Vertrauens in der Nachbarschaft und ordere einen halben Liter “essigsaure Tonerde”. Mein Anliegen scheint wie aus der Welt gefallen zu sein, zumindest irritiere ich mit meinem Wunsch die Bedienung. Die Apotheke des Vertrauens ist ein wunderlicher Ort, eine Art Potemkinsches Dorf. Ich vermute mal es gibt dort kein Lager, nur das was in den Auslagen der öffentlichen Verkaufsfläche liegt ist auch wirklich vorrätig. Alles andere muß bestellt werden. Und tatsächlich, auch bei diesem meinem Anliegen ist “essigsaure Tonerde” nicht im Bestand, weder in fester noch gelöster Form und ich habe fast den Verdacht sie gibt es nicht gelöst. Mein Verdacht wird bestärkt durch das Angebot der Apothekerin ich möge doch aluminiumdiacetathaltige Kompressen oder Salben erwerben, die aber selbstverständlich auch nicht vorrätig sind. Ich lehne höflich ab und verzichte auf einen Kauf. Die Breite des Angebots erscheint mir nicht hilfreich, ich möchte gerne den Klassiker verwenden und überlege ob ich mich nicht an eine Drogerie wenden sollte. Das erscheint sinnlos, da ich außer Drogeriemärkten keine klassische Drogerie in meinem Umfeld kenne. Das Verwenden wassergekühlter Wickel sollte vielleicht ebenso gute Dienste tun. Manchmal ist Fortschritt seltsam.

Nachtrag zum Rosenmontagszug

Der diesjährige Ausflug zum Rosenmontagszug nach Köln war wieder ein gelungener Kurztrip. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten, die mir meine Devices immer noch unterwegs bereiten war das Treffen mit den Narren auf dem ganz besonderen Wagen wieder sehr schön. Vorher hatte ich noch zum gemütlichen Vorglühen dem von mir so geschätzten Paeffgen einen Besuch abgestattet.

Die diesjährige Verkleidung als “Blue Man” habe ich um Perücke und Morph Maske erweitert. Leider waren die blauen Masken ausverkauft aber schräg genug fand ich es auch so.

Blue Man 2015

Blue Man 2015

Vor dem Rosenmontagszug

Und auch dieses Jahr fahre ich zum Rosenmontagszug nach Köln. Die Bahnfahrt ist ereignislos. Das Hotelzimmer hat eine hervorragende Aussicht auf die Strecke. Ich schlendere ein wenig durch die Brauhäuser der Umgegend aber eher lustlos. Noch ein Dinner im Em Krützche denn das Hotelrestaurant hat geschlossen.

Reise mit Tablet und Smartphone und ärgere mich über die mangelnden Fähigkeiten der WordPress-App mit der ordentliche Formatierungen und Bilduploads entweder unmöglich oder eine Geheimwissenschaft sind. Aber was solls…

Kalbskopf

Kalbskopf


 

Wurst und Bier 2015

In der Markthalle Neun findet heute die zweite Wurst und Bier statt. Von 11 bis 19 Uhr ist das Verkosten von Craft Bieren und fleischlichen Genüssen angesagt. Ich bin pünktlich um 11 Uhr da, denn es wird garaniert voll werden, nasche leckere Bratwürste und delektiere mich an den Bieren von Heidenpeters, AleBrower, Hans Müller Sommelierbier/ Hans-Craft sowie Kehrwieder und anderen Köstlichkeiten. Wie vermutet, ist es recht schnell voll in der Halle, die Stimmung ist außerordentlich gut, um 14 Uhr verabschiede ich mich leider schon. Ich verlasse die Markthalle an einer riesigen Schlange Eintrittwilliger, die bis auf die Straße reicht, vorbei. Im nächsten Jahr werde ich gerne wieder dabei sein – und natürlich pünktlich zu Beginn.

Wurst und Bier 2015

Wurst und Bier 2015

Schneeengel

In der Nacht von Freitag auf Sonnabend so kurz nach Mitternacht stehe ich am Fenster und schaue auf die beleuchtete Stadt und dem Schneetreiben zu. Der Impuls einen Scheeengel in den frisch gefallenen und unberührten Schnee zu formen steigt in mir auf. Bei Twitter schreibe ich später:

Der Blick aus dem Wohnzimmerfenster zeigt strukturelle Ähnlichkeiten mit dem Blick aus meinem Zimmer in meinem Elternhaus. Die von mir selbstgeformten Scheeengel konnte ich von dort aus gut sehen. Zufall oder Impuls aus dem Unbewußten? Schön, daß Schneeengel einen Eintrag in der Wikipedia haben.

Lieblingsbier reloaded

Heute ist eine gute Gelegenheit auf “horax schreibt hier” ein Blog vorzustellen, das seinem geneigten Publikum sicherlich viel Anregungen und Diskussionsstoff bietet und bieten wird, das Blog Lieblingsbier von Bierblogger Felix vom Endt. Felix Blog lag ein halbes Jahr im Dornröschenschlaf, hat nun ein Relaunch erfahren und ist seit dieser Woche wieder online. Für Felix war Lieblingsbier vor dem Relaunch eher ein Magazin, zukünftig soll es klar als Blog mit den Themenbereichen Bier, Essen sowie Kultur ausgerichtet sein. Ich bin sehr gespannt und nehme Lieblingsbier in meine Blogrolle auf. Felix habe ich an der Heidenpeters Bar kennengelernt. Felix hat in Craft Beer Brauereien in Vancouver gebraut, braut bei Johannes Heidenpeters mit und ist auch Heimbrauer. Felix weiß genau wovon er spricht, seine Gedanken zu Bier, Brauen und gutes Essen sind höchst anregend. Ich schätze ihn als onlineaffinen interessanten und sympathischen Mensch, seine Gedanken auf Lieblingbier empfehle ich gerne weiter.

Street Food Thursday - Pale Ale von Heidenpeters

Pale Ale von Heidenpeters

Alte Freunde sprechen miteinander

Im Januar häufen sich Geburtstage. Alte Freunde, auch die, die sich über das Jahr kaum sehen, rufen einander an um sich ihrer Wertschätzung zu versichern. Das ist ein angenehmes Ritual, ein Ritual das die Zeit strukturiert, das das Ende eines Zeitraums versöhnlich abchließt und ein neuen Abschnitt markiert und somit Zeitverbrauch eine klein wenig die Grundlage entzieht. Alte Freunde unterhalten sich über den Zeitraum seit dem letzten Gespräch und natürlich, da sie Alte Freunde sind, von Früher. Ein Thema über das sich die Alten Freunde in diesem Jahr erstmalig etwas intensiver unterhalten ist ihr Alter. Ihr offizielles ist bereits eines, das für sie früher unerreichbar schien, da sie mit Sechzehn dachten mit Fünfzig wären die Menschen uralt und sie selber bereits mit Dreißig tot. Und überhaupt, als Kinder fühlten sie zwar irgendwie die Endlichkeit aber klar war, daß der älteste der Alten Freunde zuerst und der jüngste zuletzt ginge. Die Alten Freunde stellen also im Gespräch fest, daß es ein Alter des Leibes und ein Alter des Inneren, des Geistes oder wie immer man das auch nennen möchte, gibt. Und das Alter des Leibes und das Alter wie sich die Alten Freunde fühlen ist doch sehr unterschiedlich. Die Alten Freunde kommen überein, daß das innere Alter irgendwann stehengeblieben ist, einen Zeitpunkt festzulegen ist schwierig, vielleicht gar bei achtzehn Jahren oder doch bei einundzwanzig oder wann? Das ist keine einfache Sache. Wie führt man also ein gutes Leben wenn der Leib älter ist als das Innere? Dazu noch in einer Gesellschaft, die öffentliche Ambivalenzen privatisiert hat, sodaß sich die Individuen selber in verschiedenen durchökonomisierten Kontexten wie Beruf, Freizeit oder gar Partnerschaft zum Produkt tranformieren müssen um auf dem jeweiligen Markt bestehen. Die Alten Freunde machen es sich da eher einfach – sie versuchen diesen Druck zu ignorieren. Im Gegenteil, das Wissen um die Diskrepanz von äußerem und inneren Alter setzt sie aus bestimmten Konkurrenzsituationen frei, die sie sich von der Bühne aus lustvoll betrachten. Das Leben als Statler und Waldorf ist herrlich!