Freitagabend während des Feierabends in der Linie 1; ich fahre in die City West um noch schnell ein paar Wochenendeinkäufe zu erledigen. Bin gehobener Stimmung und freue mich auf ein entspannendes Feierabendbier. Steige Wittenbergplatz aus, mache meine Erledigungen hier und dort, danach per Fahrstuhl in die Lebensmittelabteilung des großen Kaufhauses am Tauentzien. Das Kalbskarree sieht ansprechend aus, kaufe ein Kilo und begebe mich schnellen Schrittes zur Tschechischen Bierbar.
Es sind noch Hocker an der Theke frei, ich nehme Platz, lege das Device auf den Tresen und warte auf das erste Budweiser. Dabei ein wenig die Gäste abchecken, einige aus der Generation Achtundsechzig, die Mehrzahl aus der Generation Babyboomer, zwei oder drei Nasen aus der Generation Golf, jüngeres Publikum ist Fehlanzeige. Eine kleines Trüppchen Touristinnen bespricht laut ihren Wochenendaufenthalt in der Stadt, Lachen und Zuprosten, sie sind in guter Stimmung. Trinke mein erstes Bier, die Muskulatur entspannt sich, spiele mit dem iPhone herum, Twitter, Plurk, App.net. Landlordgame ist immer noch off aber es kümmert mich nicht in diesem Moment. Trinke das zweite Bier etwas zügiger, bestelle das dritte und bekomme unversehens Teile der Unterhaltung eines Mannes und einer Frau mit dem Barkeeper mit. Sie unterhalten sich leise, ein privates Gespräch in der Öffentlichkeit, nicht für die Umstehenden bestimmt. Erkenne, daß es um die aktuelle Sexismusdebatte handelt, die sie aus den Massenmedien (nicht Internet, meine Vermutung) kennen. Satzfetzen wie “wenn eine Frau mit einem tiefen Ausschnitt herumläuft, trägt sie eine Mitschuld” geäußert durch den Gast, erreichen mich. Kribbeln im Nacken, Muskulatur spannt sich, mein Herz schlägt etwas schneller. Stiere in mein Glas. Der Gast versucht sich zu seiner Äußerung die Bestätigung des Barkeepers zu holen. Erkenne an dessen Körpersprache, daß ihm das Gespräch deutlich unangenehm ist, er murmelt Unverständliches und dreht sich zu seinen Zapfhähnen und nimmt das Gepräch nicht mehr auf.








