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Sechs Jahre auf WordPress

Völlig überrascht bemerke ich beim Einloggen auf WordPress.com im Dashboard den Hinweis auf die Registrierung dieses Blogs auf den Tag genau vor sechs Jahren. Der erste Post ist übrigens der hier. Sechs Jahre sind schon ein ordentlicher Zeitraum und so werde ich den für heute geplanten Beitrag in Bälde veröffentlichen und mir jetzt zur Feier des Tages eine schöne kalte Flasche Craftbeer von Johannes aufmachen und genießen.

Die Kraftmaschine

In der Sonntagszeitung des Vertrauens lese ich einen Artikel über Wolfgang Schivelbuchs neues Buch “Das verzehrende Leben der Dinge. Versuch über die Konsumtion.” Gegenstand des Werkes ist die Analyse wechselseitiger Prozesse der “Einverleibung”. Einerseits verändert der menschliche Gebrauch (z.B. durch Abnutzung) den Gegenstand, andererseits verändert ein Gegenstand die Beziehung zu ihm selbst, so transformiert sich ein beliebiges Produkt in das eigene.

Ich muß beim Lesen an die Maschinen für das Kraftraining denken. Dort scheint mir die Richtung der Transformation in Richtung Mensch übermächtig. Durch die Maschine werden vielgestaltige metabolische Prozesse im Körper des Trainierenden aktiviert, die als Folge einen Muskel- und Kraftzuwachs zeitigen. Auch scheinen einzelne Maschinen der gleichen Übung Besitz von den Trainierenden zu ergreifen. Ich beobachte in meinem eigenen Trainingsablauf, daß ich eine Maschine den anderen Maschinen der gleichen Übung bevorzuge. Ergreife ich also Besitz von der Maschine oder ergreift die Maschine Besitz von mir?

Über essigsaure Tonerde

Gibt man in die Suchmaschine des Vertrauens die Wörter “essigsaure Tonerde” ein oder nimmt ein noch zufällig im Haushalt befindeliches Chemiebuch beziehungsweise einen Gesundheitsratgeber zur Hand, dann erfährt man einerseits die wissenschaftliche Bezeichnung Aluminiumdiacetat und lernt andererseits, daß die Konsistenz oder Aggregatzustand der Tonerde fest ist. Letzteres wundert bei dem Namen nicht. Mein Bild von der “essigsauren Tonerede”, geprägt in Kindheit und Jugend ist allerdings eines von einer Flüssigkeit im Standgefäß. Das Standgefäß selber ist eine enghalsige Rundschulterflasche aus Braunglas mit einem eingeschliffenen Glasstopfen. “Essigsaure Tonerde” gehörte zum elterlichen Haushalt wie ein Pflaster und wurde bei Insektenstichen, Prellungen und Verstauchungen zur Kühlung und Linderung verwendet.

Dieses erinnernd begebe ich mich zur Apotheke des Vertrauens in der Nachbarschaft und ordere einen halben Liter “essigsaure Tonerde”. Mein Anliegen scheint wie aus der Welt gefallen zu sein, zumindest irritiere ich mit meinem Wunsch die Bedienung. Die Apotheke des Vertrauens ist ein wunderlicher Ort, eine Art Potemkinsches Dorf. Ich vermute mal es gibt dort kein Lager, nur das was in den Auslagen der öffentlichen Verkaufsfläche liegt ist auch wirklich vorrätig. Alles andere muß bestellt werden. Und tatsächlich, auch bei diesem meinem Anliegen ist “essigsaure Tonerde” nicht im Bestand, weder in fester noch gelöster Form und ich habe fast den Verdacht sie gibt es nicht gelöst. Mein Verdacht wird bestärkt durch das Angebot der Apothekerin ich möge doch aluminiumdiacetathaltige Kompressen oder Salben erwerben, die aber selbstverständlich auch nicht vorrätig sind. Ich lehne höflich ab und verzichte auf einen Kauf. Die Breite des Angebots erscheint mir nicht hilfreich, ich möchte gerne den Klassiker verwenden und überlege ob ich mich nicht an eine Drogerie wenden sollte. Das erscheint sinnlos, da ich außer Drogeriemärkten keine klassische Drogerie in meinem Umfeld kenne. Das Verwenden wassergekühlter Wickel sollte vielleicht ebenso gute Dienste tun. Manchmal ist Fortschritt seltsam.

Nachtrag zum Rosenmontagszug

Der diesjährige Ausflug zum Rosenmontagszug nach Köln war wieder ein gelungener Kurztrip. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten, die mir meine Devices immer noch unterwegs bereiten war das Treffen mit den Narren auf dem ganz besonderen Wagen wieder sehr schön. Vorher hatte ich noch zum gemütlichen Vorglühen dem von mir so geschätzten Paeffgen einen Besuch abgestattet.

Die diesjährige Verkleidung als “Blue Man” habe ich um Perücke und Morph Maske erweitert. Leider waren die blauen Masken ausverkauft aber schräg genug fand ich es auch so.

Blue Man 2015

Blue Man 2015

Vor dem Rosenmontagszug

Und auch dieses Jahr fahre ich zum Rosenmontagszug nach Köln. Die Bahnfahrt ist ereignislos. Das Hotelzimmer hat eine hervorragende Aussicht auf die Strecke. Ich schlendere ein wenig durch die Brauhäuser der Umgegend aber eher lustlos. Noch ein Dinner im Em Krützche denn das Hotelrestaurant hat geschlossen.

Reise mit Tablet und Smartphone und ärgere mich über die mangelnden Fähigkeiten der WordPress-App mit der ordentliche Formatierungen und Bilduploads entweder unmöglich oder eine Geheimwissenschaft sind. Aber was solls…

Kalbskopf

Kalbskopf


 

Alte Freunde sprechen miteinander

Im Januar häufen sich Geburtstage. Alte Freunde, auch die, die sich über das Jahr kaum sehen, rufen einander an um sich ihrer Wertschätzung zu versichern. Das ist ein angenehmes Ritual, ein Ritual das die Zeit strukturiert, das das Ende eines Zeitraums versöhnlich abchließt und ein neuen Abschnitt markiert und somit Zeitverbrauch eine klein wenig die Grundlage entzieht. Alte Freunde unterhalten sich über den Zeitraum seit dem letzten Gespräch und natürlich, da sie Alte Freunde sind, von Früher. Ein Thema über das sich die Alten Freunde in diesem Jahr erstmalig etwas intensiver unterhalten ist ihr Alter. Ihr offizielles ist bereits eines, das für sie früher unerreichbar schien, da sie mit Sechzehn dachten mit Fünfzig wären die Menschen uralt und sie selber bereits mit Dreißig tot. Und überhaupt, als Kinder fühlten sie zwar irgendwie die Endlichkeit aber klar war, daß der älteste der Alten Freunde zuerst und der jüngste zuletzt ginge. Die Alten Freunde stellen also im Gespräch fest, daß es ein Alter des Leibes und ein Alter des Inneren, des Geistes oder wie immer man das auch nennen möchte, gibt. Und das Alter des Leibes und das Alter wie sich die Alten Freunde fühlen ist doch sehr unterschiedlich. Die Alten Freunde kommen überein, daß das innere Alter irgendwann stehengeblieben ist, einen Zeitpunkt festzulegen ist schwierig, vielleicht gar bei achtzehn Jahren oder doch bei einundzwanzig oder wann? Das ist keine einfache Sache. Wie führt man also ein gutes Leben wenn der Leib älter ist als das Innere? Dazu noch in einer Gesellschaft, die öffentliche Ambivalenzen privatisiert hat, sodaß sich die Individuen selber in verschiedenen durchökonomisierten Kontexten wie Beruf, Freizeit oder gar Partnerschaft zum Produkt tranformieren müssen um auf dem jeweiligen Markt bestehen. Die Alten Freunde machen es sich da eher einfach – sie versuchen diesen Druck zu ignorieren. Im Gegenteil, das Wissen um die Diskrepanz von äußerem und inneren Alter setzt sie aus bestimmten Konkurrenzsituationen frei, die sie sich von der Bühne aus lustvoll betrachten. Das Leben als Statler und Waldorf ist herrlich!

Oh Mother!

In der Sonntagszeitung des Vertrauens steht heute im Wirtschaftsteil ein Artikel über ein Gerät zur Vernetzung des Alltags. Ein Bild ist dabei und irgendwie kommt mir die Form bekannt vor. Das Gerät sieht aus wie ein Nabaztag ohne Ohren. Sofort fällt mir die re:publica-Session aus dem Jahr 2008 mit Rafi Haladjian ein, der den Nabaztag mit entworfen hatte. Die Session faszinierte mich sehr und einige Zeit später kaufte ich mir einen Nabaztag und taufte ihn Häschen P. Häschen P kommunizierte mit Schab0wski, dem Nabaztag vom Moellus. In der Tat ist Rafi auch der Gründer von Sen.se, der das Gerät namens Mother herstellt und es ist klar, daß hier die Idee des Nabaztags weitergeführt wird. Einem ersten Impuls folgend denke ich an einen Kauf, verwerfe das aber angesichts von 290€ ziemlich schnell. Auch wird hier die Datensammlung zentralisiert auf Servern von Sen.se fortgeführt, was mir angesichts von Erreichbarkeits- und Stabilitätsgründen unzureichend erscheint.

Daß die Idee des Nabaztags weiterlebt finde ich spannend, werde es beobachten.

Vom überraschenden Unbewußten

Gewisse Streiche spielt mir mein Gehirn ja gelegentlich und wenn ich das bemerke, bemerke ich es meistens mit Amusement wie die Filtertütensache. Ein Streich letzte Woche war völlig überraschend. Mich im Urlaub befindend wollte ich kurz ins Büro um einige Unterlagen abzulegen und etwas zu drucken. Bewußt ließ ich meine Paßwortnotizen daheim und schon in der U-Bahn auf dem Weg ins Office versuchte ich das Paßwort für die Macbookverschlüsselung zu erinnern. Es gelang mir nicht. Ich versuchte zu entspannen und nicht mehr weiter daran zu denken. Im Büro angekommen und das Macbook wie üblich angeschlossen erinnerte ich das Paßwort immer noch nicht. Ich mußte aufgeben, meine Sachen stehenlassen um wieder nach Hause zu fahren um in den Notizen nachzusehen. Beim Gang von der heimischen U-Bahnstation in Richtung der Wohnung war das Paßwort kurz vor dem Zuhause überraschend wieder präsent, sofort – ohne zu zögern und ohne Anstrengung.

Ich denke immer noch darüber nach, war es Zufall oder wollte etwas im Unbewußten mich von irgendeinem Tun abhalten? Verwirrend ….

Horax Pale Ale

Hier ist es nun – Horax Pale Ale – mein erstes selbstgebrautes Bier. Sieht es nicht wunderschön aus – goldgelb mit einem feinen Schaum im Champagnerkelch? Ich bin glücklich. Allerdings – und das war so nicht geplant, schmeckt es eben nicht nach Pale Ale, der Cascade Hopfen kommt nicht so durch wie erwartet, Zitronen oder Aprikosenaromen fehlen. Es ähnelt etwas dem Eschenbräu Pils in seiner malzigen Note. Das ist, wie gesagt unerwartet, es trübt meine Freude jedoch nicht.

horax pale ale

horax pale ale

Verwendet habe ich die Braubox der Besserbrauer, die einen wirklich guten Start für den Anfänger bietet. Ich empfehle sie nachdrücklich.

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Die Sache mit der GDL

Zufällig hatte ich gestern mal wieder Deleuzes “Postskriptum über die Kontrollgesellschaften” in der Hand und las im Abschnitt “III. Programm” folgende Bemerkung über die Gewerkschaften:

Eine der wichtigsten Fragen dürfte die Untauglichkeit der Gewerkschaften betreffen: In ihrer ganzen Geschichte waren sie gebunden an den Kampf in den Einschließungsmilieus oder gegen die Disziplinierungen. Können sie sich der neuen Situation anpassen oder machen sie neuen Widerstandsformen gegen die Kontrollgesellschaften Platz?

Sicherlich haben sich neue Widerstandsformen gegen die Kontrollgesellschaften im zivilgesellschaftlichen Bereich gebildet aber die Organisation der Gewerkschaften als Vertreter der Beschäftigten hat sich ebenso gewandelt wie die Beschäftigtenstruktur und das Selbstverständnis der Beschäftigten. Spartengewerkschaften, wie die GDL, sind meines Erachtens tatsächlich eine Organisationsform der “Flüchtigen Moderne” wie Zygmunt Bauman sie beschreibt. Daß sie das tun, wozu sie da sind, nämlich im Interesse ihrer Mitglieder tätig zu sein, sollte eigentlich eine Binsenwahrheit sein, trotzdem haben mich manche Reaktionen auf den Streik gerade auch von Menschen, die sich selber links einstufen, erschreckt. Solidarität scheint ein Fremdwort geworden zu sein, Egoismus geht vor. Ebenfalls seltsam finde ich allerdings die Berichte des professionellen Journalismus, der die GDL, ihre Vertreter und ihre Kampfmaßnahmen thematisiert und überwiegend diskreditiert, zur Politik des Arbeitgebers, des Kapitals, zu Entlohnung und zu Arbeitszeiten jedoch schweigt. Die Gesellschaft hat sich deutlich verändert.