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Vom überraschenden Unbewußten

Gewisse Streiche spielt mir mein Gehirn ja gelegentlich und wenn ich das bemerke, bemerke ich es meistens mit Amusement wie die Filtertütensache. Ein Streich letzte Woche war völlig überraschend. Mich im Urlaub befindend wollte ich kurz ins Büro um einige Unterlagen abzulegen und etwas zu drucken. Bewußt ließ ich meine Paßwortnotizen daheim und schon in der U-Bahn auf dem Weg ins Office versuchte ich das Paßwort für die Macbookverschlüsselung zu erinnern. Es gelang mir nicht. Ich versuchte zu entspannen und nicht mehr weiter daran zu denken. Im Büro angekommen und das Macbook wie üblich angeschlossen erinnerte ich das Paßwort immer noch nicht. Ich mußte aufgeben, meine Sachen stehenlassen um wieder nach Hause zu fahren um in den Notizen nachzusehen. Beim Gang von der heimischen U-Bahnstation in Richtung der Wohnung war das Paßwort kurz vor dem Zuhause überraschend wieder präsent, sofort – ohne zu zögern und ohne Anstrengung.

Ich denke immer noch darüber nach, war es Zufall oder wollte etwas im Unbewußten mich von irgendeinem Tun abhalten? Verwirrend ….

Horax Pale Ale

Hier ist es nun – Horax Pale Ale – mein erstes selbstgebrautes Bier. Sieht es nicht wunderschön aus – goldgelb mit einem feinen Schaum im Champagnerkelch? Ich bin glücklich. Allerdings – und das war so nicht geplant, schmeckt es eben nicht nach Pale Ale, der Cascade Hopfen kommt nicht so durch wie erwartet, Zitronen oder Aprikosenaromen fehlen. Es ähnelt etwas dem Eschenbräu Pils in seiner malzigen Note. Das ist, wie gesagt unerwartet, es trübt meine Freude jedoch nicht.

horax pale ale

horax pale ale

Verwendet habe ich die Braubox der Besserbrauer, die einen wirklich guten Start für den Anfänger bietet. Ich empfehle sie nachdrücklich.

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Die Sache mit der GDL

Zufällig hatte ich gestern mal wieder Deleuzes “Postskriptum über die Kontrollgesellschaften” in der Hand und las im Abschnitt “III. Programm” folgende Bemerkung über die Gewerkschaften:

Eine der wichtigsten Fragen dürfte die Untauglichkeit der Gewerkschaften betreffen: In ihrer ganzen Geschichte waren sie gebunden an den Kampf in den Einschließungsmilieus oder gegen die Disziplinierungen. Können sie sich der neuen Situation anpassen oder machen sie neuen Widerstandsformen gegen die Kontrollgesellschaften Platz?

Sicherlich haben sich neue Widerstandsformen gegen die Kontrollgesellschaften im zivilgesellschaftlichen Bereich gebildet aber die Organisation der Gewerkschaften als Vertreter der Beschäftigten hat sich ebenso gewandelt wie die Beschäftigtenstruktur und das Selbstverständnis der Beschäftigten. Spartengewerkschaften, wie die GDL, sind meines Erachtens tatsächlich eine Organisationsform der “Flüchtigen Moderne” wie Zygmunt Bauman sie beschreibt. Daß sie das tun, wozu sie da sind, nämlich im Interesse ihrer Mitglieder tätig zu sein, sollte eigentlich eine Binsenwahrheit sein, trotzdem haben mich manche Reaktionen auf den Streik gerade auch von Menschen, die sich selber links einstufen, erschreckt. Solidarität scheint ein Fremdwort geworden zu sein, Egoismus geht vor. Ebenfalls seltsam finde ich allerdings die Berichte des professionellen Journalismus, der die GDL, ihre Vertreter und ihre Kampfmaßnahmen thematisiert und überwiegend diskreditiert, zur Politik des Arbeitgebers, des Kapitals, zu Entlohnung und zu Arbeitszeiten jedoch schweigt. Die Gesellschaft hat sich deutlich verändert.

Der Tag vor fünfundzwanzig Jahren

Von den Berliner Ironbloggern schrieben in dieser Woche Miss Kitty und der Tillmann über ihre Erinnerungen an den Mauerfall. Ich denke mir, daß das eine gute Idee ist und versuche meine eigenen Erinnerungen an den Tag zu sortieren um sie schriftlich zu fixieren. Dabei stelle ich fest, daß ein – mehr oder weniger gnädiges – Vergessen schon sehr viel im Dunklen läßt und ich mich möglicherweise in die Gefahr der retrospektiven Verzerrung von Erinnerungen begebe und etwas schreibe was so nicht war. Denn leider habe ich meine Gedanken in der Zeit nicht verschriftlicht. Ich werde also versuchen nur Fakten und keine Vermutung wiederzugeben.

Vor fünfundzwanzig Jahren habe ich bereits in der Wohnung gelebt, in der ich heute noch wohne. Auf der anderen Straßenseite gab es nicht das Willy-Brandt-Haus sondern eine Grünfläche. Das ans Willy-Brandt-Haus angrenzende Gebäude existierte ebenfalls noch nicht sondern dort befand sich die “Wagenburg”; ein bunter Trupp Leute, die in Bauwagen lebten. Das Tommy-Weisbecker-Haus bestand bereits sechszehn Jahre, der angrenzende Theodor-Wolff-Park wurde gerade gestaltet und erhielt seinen Namen erst drei Jahre später. Schaute ich aus dem Fenster meines Arbeitszimmers, das direkt auf der Flucht der alten Wilhelmstraße lag, so sah ich in meheren hundert Metern Entfernung eine Mauer quer über die Straße. Von meinem Standpunkt aus bis dahin bei Dunkelheit gut ausgeleuchte, lag die Straße hinter der Sperre eher im Dunklen mit unzureichender Beleuchtung. Die Holde und ich kannten uns bereits, hatten auch ein wenig poussiert doch uns zu diesem Zeitpunkt seit über einem Jahr aus den Augen verloren.

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Müller

Michael Müller ist nach dem Mitgliedervotum der Berliner SPD nun designierter Nachfolger von Klaus Wowereit. Irgendwie läßt mich das Verfahren etwas ratlos zurück. Alle drei zur Wahl stehenden Kandidaten waren und sind mir fremd. Michael Müller habe ich zu seiner Zeit als Landesvorsitzenden in einer Neumitgliederversammlung persönlich erlebt, zu Zeiten als der Regierende und sein Landesvorsitzender das “Recht auf Wohnen im Innenstadtring” verneinten. Für mich immer Ausdruck einer unverständliche eristrische Dialektik um sich von der politischen Verantwortung zu immunisieren. Jan Stöß habe ich einmal auf einer Abteilungsweihnachtsfeier persönlich kennengelernt und zwei, drei Sätze gewechselt. Raed Saleh war und ist mir bis heute persönlich unbekannt. Diese drei Personen standen also beim Mitgliedervotum zur Wahl. Wie also soll ich eine Entscheidung treffen ohne umfassende Kenntnis dieser drei Personen. Was kann eigentlich ein Entscheidungskriterium sein? Ihre persönliche Geschichte bisher? Das Amt stellt möglicherweise andere Anforderungen zu denen ich über die Kandidaten eventuell keine Antworten bekomme. Veröffentlichungen in Presseerzeugnissen? Sind selektive und gefärbte Informationen… Unterscheiden sich die Kandidaten politisch? Nee, hängen ja am Parteiprogramm fest. Die Sache ist schwierig, es ist eigentlich egal ob ich würfele oder mir eine Story zusammenreime und dann mein Kreuzchen mache. Es gibt kein valides Entscheidungskriterium für mich…

#digitalLEBEN – Pausanias wirft ein Stöckchen

Der Pausanias hat mir in einem Blogbeitrag ein Stöckchen zugeworfen, das ich ihm nun beantworten möchte. Über Digitalisierung zu schreiben ist natürlich schwieriger als in der zunehmend digitalisierten Gesellschaft zu leben. Bemühe mich also um Verständlichkeit.

In einer digitalen Welt zu leben, bedeutet für mich …

… nichts, denn ähnlich wie Markus Gabriel meine ich, daß es die Welt nicht gibt. (Sorry Mäx aber diese Klugscheißerei mußte sein…) Meine Umgebung, mein Leben, das ist richtig, wird zunehmend digitalisiert und das seit langem. Denke ich unendlich viele Jahre zurück, an den Beginn meines Studiums, an dem ich in Sekundengeschwindigkeit mit Statistikprogrammen Faktorenanalysen rechnete, zu denen man in noch älteren Zeiten tagelang mit Millimeterpapier und Zirkel arbeitete, so war das erstaunlich. Wahrscheinlichkeiten ergodischer Systeme habe ich durch das Programmieren kleinerer BASIC Anwendungen verstanden. Digitalisierung dringt zwar in Produktionsprozesse ein, mein Stuhl auf dem ich gerade sitze ist aber noch ziemlich analog, ebenfalls das Fenster, aus dem ich schaue. Die digitale Kommunikation erweitert meine “Reichweite” und erlaubt vielfältige Verbindung zu Menschen die physisch entfernt aber mir nah sind ebenso wie ungewollte bzw. erzwungene Kommunikation.

Mein Computer ist für mich …

… eine Maschine. Davon habe ich drei in Besitz: Laptop, Tablet und Smartphone. Vor unendlich vielen Jahren als kleiner Junge habe ich immer die Kommunikatoren bzw. Assistenten in den Perry Rhodan Filmen und der Raumschiff Enterprise Serie bewundert. Das wollte ich immer haben, etwas ähnliches scheint das Smartphone zu sein.

Wirklich gut! Die größte Chance durch die Digitalisierung ist…

… mir jedenfalls unbekannt, da ich heute nicht vorhersehen kann was ich morgen wissen werde. Von daher ist mir das Verwenden von Superlativen ein Greuel. Ich würde mir aber Fortschritte im Bereich der Medizin wünschen, denn die Digitalisierung eröffnet die Chance personalisierte Medizin technisch und auch wirtschaftlich möglich zu machen. Eine weitere Chance ist das Zugänglichmachen von Wissen, gerade auch Wissen, das ganz spezielle Antworten auf verzwickte Fragen im Alltagsleben gibt.

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Getrübter Rückblick

In einer Diskusson über Musik verfalle ich gnadenlos einer narrativen Verzerrung und konstruiere eine Geschichte um den Entstehungszeitpunkt eines Musikstücks plausibel darzustellen. Es handelt sich dabei um Ian Durys Hit me with your Rhythm Stick von 1978. Dessen Veröffentlichzeitpunkt sowie das Wirken Ian Durys verlege ich in die achziger Jahre. Die Geschichte die ich dazu konstruiere scheint mir zwar logisch ist aber grundfalsch. In dieser Zeit habe ich regelmäßig auf BFBS John Peel’s Music gehöhrt. Ich finde John Peel hätte Ian Dury und seine Musik interessant gefunden und garantiert in seiner Sendung vorgestellt. Ob John Peel jemals Musik von Ian Dury gespielt hat erinnere ich natürlich nicht. Und diese Verknüpfung der Musik mit dem vermehrten Hören der Radiosendung läßt mich einen grandiosen Fehlschluß machen. Ich bin überzeugt viele Fehlschlüsse werden aufgrund solcher Geschichten getroffen und trüben den Rückblick auf die Vergangenheit.

Ich durchsuche meine übriggebliebenen analogen Musikkassetten aus uralten Zeiten und finde in der Tat noch ein Tape von Ian Dury aus den Siebzigern. Eine funktionierende Hardware zum Abspielen der Kassette habe ich seit Jahre nicht mehr. Aber dafür gibt es ja die ein oder andere digitale Möglichkeit, die ich hier einbinden kann.

Ian Dury mit Sex and Drugs and Rock and Roll.


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Horax in die Küche bitte!

Vierzehn Tage Strohwitwerdasein haben es mir wieder deutlich vor Augen geführt, ich esse nicht nur gerne gut, ich koche auch gern. In der Neunten und Zehnten Klasse hatte ich, mit zwei anderen Jungs, freiwillig am obligatorischen Kochuntericht für Mädchen in der Schule teilgenommen. Alle zwei Wochen montags jeweils vier Stunden war das, wenn ich mich nicht irre. Für Werkuntericht hatte ich zwei linke Hände aber Kochen, das hatte mir Spaß gemacht. Wie gesagt, in den letzten beiden Wochen, abzüglich zwei Abende Abwesenheit durch eine Reise und zwei Abende “Dinner” am Street Food Thursday außerhalb, machten fünf Dinner in zehn Tagen, also jeden zweiten Tag in der Küche gestanden. Über zwei Dinner habe ich bereits hier berichtet.

Das wiedererwachende Interesse am Selberkochen hängt ganz klar mit der Methode des Niedrigtemperaturgaren zusammen. Das lange und Geduld fordernde Garen im Ofen, mit exakter Temperaturbeobachtung und einem fulminanten Geschmackserlebnis verändert bei mir das Verhältnis zum Gargut und zu den Lebensmitteln allgemein. Die Wertschätzung steigt. Dabei spreche ich mich keinesfall gegenüber der industrieller Produktion aus, die notwendig ist, doch im persönlichen Bereich findet ein Umdenken zur Wertigkeit des Essens statt. Das steht nun keinesfalls im Gegensatz zu den schnellen und einfachen fünf Gerichten, die ich mir in den letzte Tagen zubereitet habe. Die Wertschätzung der Hauptbestandteile ist m.E. zu spüren. Was ich so spannend am “sponanten” Kochen der letzten Tage finde ist, daß es ohne ausgeklügelten Plan funktioniert. Ich sehe ein mögliches Gargut, kaufe es und überlege erst dann wie und mit welchen anderen Lebensmitteln ich es zubereite. Dabei ist das Ausprobieren und die Kombination zufällig vorhandener Bestandteile irgendwie großartig. Das Braten der Lammhüfte mit Ingwer fällt mir erst beim Blick auf die Ingwerwurzel zuhause ein.

Mit frischem Ingwer gebratene Lammhüfte, Oliven-Kürbis Schrippe

Mit frischem Ingwer gebratene Lammhüfte, Oliven-Kürbis Schrippe

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Digitale Evaporation der Sachsenwahlen

Es ist Dienstagmittag und ich schaue ein wenig über die Onlineangebote der großen Tages- bzw. Wochenzeitungen, -magazine, der üblichen Verdächtigen halt. Schaue nicht wirklich zielgerichtet aber habe im Stillen die Hoffnung weitere Analysen oder Meinungen zur vorgestrigen Sachsenwahl zu finden. Zu meiner Überraschung finde ich nur bei einem Angebot einen neuen Artikel auf der Startseite, die anderen Angeboten berichten auf der Startseite nicht mehr davon. Natürlich sind Artikel mit Klick auf die Kategorie Politik zu finden aber Neues findet sicht nicht.

Genau am zweiten Tag nach der Sachsenwahl ist dieses Ereignis auf den “wichtigsten” Nachrichtenseiten des Landes digital verdunstet.

Schlapphut und Alice

Einen leibhaftigen Schlapphut sehe ich bewußt in dieser Woche zum ersten Mal, einen Schlapphut aus der Behördenleitung. Ein Mann mittleren Alters mit Streichholzhaarschnitt trägt auf einer Konferenz vor. Wenn ich ihn beobachte wird mir klar, er könnte im Aussehen und Habitus auch in der Managemetebene eines beliebigen Unternehmens tätig sein. Er beschreibt die Werte der Arbeit seiner Behörde. “Dienstleister der Demokratie” ist so eine einlullende Beschreibung, ist es Marketingsprech?. Ein wenig zieht sich mein Magen zusammen, ich fühle mich unwohl. Ob der Mensch das glaubt was er sagt? In der anschließenden kurzen Fragerunde bleiben alle Fragen mit Hinweis auf Geheimhaltung unbeantwortet und so scheint mein vorgefaßtes Bild von solchen Behörden wieder zurechtgerückt.

Am Wochenende findet über zwei Tage eine Konferenz zu “Überwachung und Recht” statt, hochinteressant aber das Thema ist anstrengend, insbesondere wenn man die Argumente des Anderen nicht gleich beseite wischt sondern versucht zu prüfen. Was hat das mit Alice zu tun? Nichts natürlich, aber Dark Shadows läuft gerade im TV und Alice Cooper hat einen Auftritt.