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Frühabendlicher Ausflug in die City West

Freitagabend während des Feierabends in der Linie 1; ich fahre in die City West um noch schnell ein paar Wochenendeinkäufe zu erledigen. Bin gehobener Stimmung und freue mich auf ein entspannendes Feierabendbier. Steige Wittenbergplatz aus, mache meine Erledigungen hier und dort, danach per Fahrstuhl in die Lebensmittelabteilung des großen Kaufhauses am Tauentzien. Das Kalbskarree sieht ansprechend aus, kaufe ein Kilo und begebe mich schnellen Schrittes zur Tschechischen Bierbar.

Es sind noch Hocker an der Theke frei, ich nehme Platz, lege das Device auf den Tresen und warte auf das erste Budweiser. Dabei ein wenig die Gäste abchecken, einige aus der Generation Achtundsechzig, die Mehrzahl aus der Generation Babyboomer, zwei oder drei Nasen aus der Generation Golf, jüngeres Publikum ist Fehlanzeige. Eine kleines Trüppchen Touristinnen bespricht laut ihren Wochenendaufenthalt in der Stadt, Lachen und Zuprosten, sie sind in guter Stimmung. Trinke mein erstes Bier, die Muskulatur entspannt sich, spiele mit dem iPhone herum, Twitter, Plurk, App.net. Landlordgame ist immer noch off aber es kümmert mich nicht in diesem Moment. Trinke das zweite Bier etwas zügiger, bestelle das dritte und bekomme unversehens Teile der Unterhaltung eines Mannes und einer Frau mit dem Barkeeper mit. Sie unterhalten sich leise, ein privates Gespräch in der Öffentlichkeit, nicht für die Umstehenden bestimmt. Erkenne, daß es um die aktuelle Sexismusdebatte handelt, die sie aus den Massenmedien (nicht Internet, meine Vermutung) kennen. Satzfetzen wie “wenn eine Frau mit einem tiefen Ausschnitt herumläuft, trägt sie eine Mitschuld” geäußert durch den Gast, erreichen mich. Kribbeln im Nacken, Muskulatur spannt sich, mein Herz schlägt etwas schneller. Stiere in mein Glas. Der Gast versucht sich zu seiner Äußerung die Bestätigung des Barkeepers zu holen. Erkenne an dessen Körpersprache, daß ihm das Gespräch deutlich unangenehm ist, er murmelt Unverständliches und dreht sich zu seinen Zapfhähnen und nimmt das Gepräch nicht mehr auf.

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Pillkaller (und) Machandel

Unser Lieblingsrestaurant in Charlottenburg ist uns leider verloren gegangen, sodaß wir zu einem besonderen Anlaß eine Alternative suchen wollten. Wir haben zum ersten Mal das seit 1985 bestehende Marjellchen ausprobiert. Ich erinnere mich an deren Auftritt vor gefühlten hunderten von Jahren in den Berliner Stadtmagazinen Zitty und Tip, schaute mir die Speisekarte auf ihrem Webauftritt an und war an der Küche interessiert, hat sie doch Speisen zu bieten, die ich nur selten genießen kann.

Als Aperitif nahm ich einen Pillkaller, diese hochinteressante Kombination von Klarem, einer Scheibe Leberwurst samt einem Klecks Senf. Ein ungewöhnlicher Appetitanreger.

Pillkaller

Pillkaller

Ich begann die Speisenfolge mit einer Suppe und zwar eine Tasse Rinderfleck, die großartig mit Essig abgeschmeckt war. Sie enthielt in der Tat eine ordentliche Menge Pansen und war ganz und gar nicht nur eine Brühe mit einigen verirrten Fleischbröckchen. Dazu wurde Majoran und Senf zum Nachwürzen gereicht. Das war vollkommen unnötig, denn für mich war das auf den Punkt.

Rinderflecksuppe

Rinderflecksuppe

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Ein Jahr Iron Blogger Berlin

Heute vor einem Jahr, am 25.12.2011 begann die erste Auswertungswoche der Iron Blogger Berlin. Glückwunsch an alle Iron Blogger des Berliner Chapters zum “ersten Geburtstag”. Herzlichen Dank an Nicole und Michelle, die die Idee des eisernen Bloggens in Deutschland evangelisiert und in Berlin das erste Chapter in Deutschland gegründet haben.

Was hat mich damals eigentlich bewogen bei den Iron Bloggern mitzumachen? Jeder, der mich kennt weiß, daß mir allein schon das Motto “Blogging our way to beer” eine Herzensangelegenheit ist, selbstverständlich ist da aber noch mehr.
Ich hatte mein Blog im Jahre 2009 während der Zensursuladebatte aufgemacht, weil meine Empörung über Formen und Methoden der (Netz)Politik nicht mehr in 140 Zeichen paßten. Nach dieser sehr emotionalen Debatte mochte ich mich zu (netz)politischen Themen nur noch vereinzelt in meinem Blog äußern. Auch zum Schreiben über Themen abseits der Politik hatte ich keine Lust. Zudem tue ich mich seit jeher mit dem Schreiben schwer, es ist diese unsägliche mangelnde Zufriedenheit mit jeder Art des eigenen Textes, die mich dann lieber keinen Text schreiben ließen.

Als sich ein kleines Häuflein Leute Mitte Dezember letzten Jahres über das Iron Bloggen austauschten wurde mir klar, daß ich in dieser Situation nicht alleine war. Zeitmangel, Lustlosigkeit und “Schreibhemmungen” waren einige der Gründe weshalb andere ihr Blogs nicht mehr pflegten. Iron Bloggen war für uns die Gelegenheit zum virtuellen Unterhaken, zu einem Neustart.

Was hat sich während diesem Jahr des eisernen Bloggens für mich am Bloggen geändert? Erstens habe ich Interessen und Themen abseits des Politischen gefunden, die für mich genau so relevant sind. Beispielsweise sind mir gutes Essen und Trinken, gute Gastronomie, gute Hotellerie oder Themen aus meiner unmittelbaren Nachbarschaft wichtig und deshalb schreibe ich sie auf.
Zweitens gehe ich gelassener mit meinen Beiträgen um. Das geschliffene Wort können andere besser als ich, ich schreibe so wie ich kann, denn entscheidender als die Form des Beitrags ist die gelungene Selbsttransparenz des Schreibenden und deren bin ich mir sicher.

Besonders gefreut hat mich, daß ich in dieser Zeit viele tolle Bloggerinnen und Blogger kennengelernt habe. Bei Iron Blogger Berlin sind wir eine tolle Mischung verschiedenster Charaktere und damit auch Blogs. Ich lese alle Beiträge meiner Mitschreibenden und genieße jedes Treffen mit den großartigen Gesprächen und den kalten Getränken.

Ich hoffe, daß wir auch im nächsten Jahr so zahlreich weitermachen wie bisher und freue mich auf viele Beiträge, gute Gespräche und kalte Biere in 2013. Und ich hoffe, daß wir endlich ein klasse “Iron Blogger Berlin” – Logo finden.

Jahresendentspannung

In der Vorweihnachtszeit ist noch ein Besuch in Binz auf Rügen angesagt obwohl die Wetteraussichten alles andere als rosig sind. Nieselregen bei zwei Grad sind nicht unbedingt der Hit. Die Reise per Bahn begann hoffnungsvoll, keine Verspätung in Berlin, angenehme Mitreisende und freundliche Zugbegleiter schienen vielversprechend. Leider dann doch noch neunzig Minuten Verspätung am Zielort.
Das diesmal ausgesuchte Zimmer mit Meerblick ist fantastisch. Wohnen und Schlafen getrennt, Kitchenette, Meerblick mit großem Balkon (im Winter eher gehaltlos), Gästetoilette und Bad mit Dusche und Spaßbadewanne.

Blick von der Strandpromenade auf Zimmer und Balkon:

Hotelzimmer

Hotelzimmer

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Und jetzt auch noch MacBook Air

Die langjährige erfolgreiche Nutzung von iPhone und iPad haben mich langsam aber sicher auch im Notebooksegment weichgekocht: seit Freitag habe ich ein MacBook Air. Es ist mein erstes Notebook von Apple. Das Teil sieht großartig aus und fühlt sich großartig an aber werde ich es ebenfalls so gut oder sogar besser nutzen können wie meine alten Windowsrechner? Das Anmelden am heimischen Wlan war ein Klacks, sogar die Installation meines heißgeliebten Twitterclients Twhirl ging problemlos. Allerdings bereiten mir andere Dinge, die bis jetzt unter Windows ohne Nachdenken funktionieren, Schwierigkeiten. Wie legt man selbsterstellte Dateien und Dokumente ab, gibt es ein Ordnersystem, sowas wie einen Explorer oder muß ich mich völlig umgewöhnen? Wie konvertiere ich Fotos in ein anderes Format, wie richte ich mir den Bildschirm vernünftig ein? Wo sehe ich tiefergehende Systemeinstellungen?

Screenshot MacBook Air

Im Moment fühle ich mich mit dem Air wie ein Anfänger, wie ein Kind, das das völlig Unbekannte langsam tastend erkundet. Bin gespannt wie lange diese Phase dauert.

Urlaub 2

Hui, zwei Wochen Urlaub beginnen morgen. Zwei Wochen freie Zeit, die nicht verplant sind, freie Zeit, die einfach wunderbar offen für mich ist. Eine Zeit, die allerdings Begehrlichkeiten bei der Holden weckt:

“Wir könnten ja mal im Wald spazierengehen”. “Welchen Wald?”. “Grunewald”. “Aber warum sollte ich bei dem Wetter durch den Grunewald laufen?”. “Ja, oder wir könnten auch nach Potsdam fahren, zum Einkaufen”. “Hmmm”.

Tja, wie geht  das wohl mit dem Wunsch, einfach meine Ruhe haben zu wollen, zusammen? Wir werden sehen.

Seneca und die Rinderrouladen

Eine nachmittägliche Rundreise.

Gestern haben die Holde und ich unsere ritualisierte Wochenendeinkaufstour ändern müssen, da das Lebensmittelgeschäft des Vertrauens in der Nachbarschaft die gewünschten Rinderrouladen nicht vorrätig hatte. Daraus resultierte eine ungeplante Nachmittagsreise durch die Stadt. Wir entschlossen uns zu einer Fahrt von Kreuzberg nach Mitte um vor dem Einkauf im nächsten Lebensmittelgeschäft noch einem Kulturkaufhaus in der Friedrichstraße einen Besuch abzustatten. Gerne war ich dabei, denn an diesem Ort finde ich immer Lesestoff der, wenn nicht sofort konsumiert, meine Antibliothek füllt. (Meine Antibibliothek ist frei nach Nassim Taleb die Sammlung meiner ungelesenen Bücher, die mein [niedergeschriebenes] Nichtwissen enthalten und mir damit [fast] wertvoller/interessanter als die gelesenen sind.) Die Holde fand, wie gewünscht, Jo Nesbøs “Die Larve” und ich selber verließ den Buchladen mit David Graebers “Schulden”, einem Heftchen mit Texten von Immanuel Kant “Kant zum Vergügen” und Senecas Dialog “Von der Kürze des Lebens”. Graeber und Kant landeten sofort in meiner Antibibliothek, Seneca las ich gestern in einem Zug durch. Die Gelassenheit des Stoikers, seine “Theorie der Zeit” interessierten denn doch sofort.

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Kurzbericht zum gestrigen netzpolitischen Workshop der SPD

Im Juni 2009 saß ich an diesem Rechner und folgte gespannt dem Livestream vom Außerordentlichen Parteitag der SPD in Berlin. Wer, wenn nicht nicht die zweitstärkste Kraft im Bundestag sollte mit ihrem Wertekanon aus Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität im zu beschließenden Regierungsprogramm eine klare Alternative zu “Zensursula” schaffen. Ich wartete auf die Diskussion eines Initiativantrags gegen ein Netzsperrengesetz, den einige Mitglieder eingebracht hatten. Vergebens, der Antrag wurde gar nicht erst behandelt, die Enttäuschung saß tief, beeinflußte mein Wahlverhalten bei der Bundestagswahl 2009. Die SPD stand nun auch in Sachen Netzpolitik nackt da.

Um Eckpunkte für ein netzpolitisches Regierungsprogramm für 2013 zu besprechen fand gestern ein netzpolitischer Workshop im Willy-Brandt-Haus statt. Die Ergebnisse der verschiedenen Sessions wurden in Etherpads protokolliert, werden auf den Seiten von SPD.de veröffentlicht und können dort kommentiert werden.
Der Teilnehmerkreis war zwar übersichtlich, die Arbeit in den Sessions war dagegen konzentriert und fokussiert und es wurden konstruktive Ergebnisse erreicht, die ich auch hier als Update verlinken werde, sobald sie veröffentlicht sind.
Ich war u.a. in der Session “Datenschutz”, in der erfreulicherweise nicht ausschließlich über die üblichen Verdächtigen aus dem Bereich Social Media diskutiert wurde, sondern tiefer- und weitergehend, u.a. Informationelle Selbstbestimmung als ein Freiheitsrecht im Wettbewerb mit anderen Freiheitsrechten besprochen wurde. Die Session “Infrastrukur” war für mich eine hochinteressante Lernstunde, stecke ich so tief leider nicht in dem Thema.

Im Jahr 2012 stellt sich in der SPD eine andere Situation als 2009 dar. In der Partei haben sich zunehmend inhaltlich und organisatorisch netzpolitische Strukturen etabliert, wird die Digitalisierung nicht mehr nur aus dem Blickwinkel der Maschinenstürmerei gesehen. Ich habe die berechtigte Hoffnung, daß die SPD in Sachen Netzpolitik für eine eventuelle Regierungsverantwortung ab 2013 um Lichtjahre besser als im Jahr 2009 aufgestellt ist.

Burg Eisenhardt

Ein kurzer Ausflug zur Burg Eisenhardt bei Bad Belzig samt Burgbräubierverkostung war der kulturelle Teil am heutigen Ausflug. Für das Besteigen des Burgturms braucht es schon etwas Kondition, dafür wird man mit einem grandiosen Ausblick belohnt. Die alten Baumeister wußten schon warum.

Blick von der Burg

Blick von der Burg

Kurzbericht zum zweiten netzpolitischen Kongreß der Grünen Bundestagsfraktion

Als Vorarbeiten zu einem “Digitalen Gesellschaftsvertrag” sollte der gestrige zweite netzpolitische Kongreß der Bundestagsfraktion der Grünen im Paul-Löbe-Haus dienen. Dafür meldeten sich ca. 500 Interessenten an.
Mein Interesse beschränkte sich diesmal auf die Keynotes von Lawrence Lesig und Ben Scott, sowie die beiden Workshops zu Digitaler Arbeit.

Einen Vortrag von Lawrence Lessig hatte ich vorher noch nicht gesehen und er beeindruckte mich sehr mit seinem unkonventionellen Vortragsstil. Seine Vorstellungen von einem starken aber einfach zu verstehendem Urheberrecht für professionelle Urheber bei einer Abstufung des Rechts bei Remixen ihrer Orginale, sowie seine weiteren Vorschläge zu den Rechten von Amateuren als Urheber scheinen mir ausgefeilt zukunftsweisend.

Ben Scott forderte, wie mir scheint etwas sehr amerikanisch, nach dem großen Wurf zu greifen und nicht in regulatorischen Türmen zu Einzelproblemen wie Netzneutralität und Datenschutz zu denken, sondern das Gemeinwohl in den Mittelpunkt zu stellen und von dort aus ggf. etwas völlig Neues zu denken. Ich finde die Vorstellungen sehr erfrischend, leider erhielt er dafür nicht den meiner Meinung nach angemessenen Applaus.

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