Schlagwort-Archive: ökonomie

Kleine gedruckte Ärgernisse

Diese Woche waren es zwei Sendungen. Von einigen ausgewählten Unternehmen lasse ich mir gerne Werbung per Post zusenden. Darunter sind auch einige Firmen aus dem Mobilitätsbereich und aus der Versicherungsbranche, deren Angebotsgestaltung mich gelinde gesagt verdrießlich machen. Sie senden Anträge auf Produktleistungen mit, die teilweise mit personenbezogenen Informationen bereits ausgefüllt sind: Kunden- oder Kartennummern, Name, Geschlecht, Teile der Adresse oder gar die vollständige Adresse etc. Ich finde dies in höchstem Maße unangenehm, denn ich möchte diese Anträge bei Nichtinteresse keineswegs für Jedermann lesbar entsorgen.  Diese Blätter zerreiße ich eben nicht einfach und gebe sie in den Papiercontainer sondern zerkleinere sie in einem Papierschredder, sodaß die Seiten nur mit größtem Aufwand wieder lesbar gemacht werden können. Es ist ein berechtigter Wunsch, daß ich diese Informationen anonym entsorgen kann. Mir wäre es deutlich lieber solche Angebot unausgefüllt erhalten zu können, so sind sie für mich kleine gedruckte Ärgernisse.

Gelbflossen-Thun

Der GrafTypo hat ja einen feinen Artikel mit dem Titel “Fische, die ich nicht mehr esse” gebloggt. Davon inspiriert könnte ich meinen kurzen Post etwa “Fische, die ich eigentlich nicht mehr essen sollte” nennen. Ich schreibe darin über den Gelbflossen-Thun, der auf der Roten Liste gefährdeter Arten steht und zur Zeit mit “gering gefährdet” bewertet wird. Ich sollte mich in Zurückhaltung üben und den Verzehr eigentlich ganz vermeiden.

Der Fischhändler des Vertrauens hatte Gelbflossen-Thun in Sashimi-Qualität im Angebot. Wobei Angebot eher ein relativer Begriff ist, war der Kilopreis von 79,90€ auf 49,90€ reduziert. Beim Kauf vom 500 Gramm ist das schon eine erkleckliche Summe. Der Thun in Sashimi-Qualität hat ein Aussehen wie ein hervorragendes Stück Rindersteak, rote Farbe mit einer feinen Maserung.

Gelbflossenthun

Gelbflossenthun


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Zur Kanzlerkandidaten-Kandidatenkür

Es ist schwierig im Nachhinein das Ergebnis der Kanzlerkandidaten-Kandidatenkür der SPD vernünftig ohne Rückschaufehler zu bewerten und deshalb schaue ich auf den Prozeß der Kür, da gibt es für mich genug Fragen.
Mich wundert zunächst, wieso genau dieser Prozeß der Kandidatenkür gewählt wurde. Es gäbe unzählige Verfahren der Kandidatenkür, warum also dieser Weg? Für mich völlig unklar. Und wieso wurde exakt diese Troika ausgerufen? Schaut man nach dem, was zunächst nicht sichtbar ist, stellt sich für mich die Frage nach den Frauen und Männern, die nicht in die veröffentlichte Dreiergruppe gelangt sind, warum lassen die das so geschehen? Denn eines ist doch klar, eine Partei wie die SPD verfügt über mehr als drei Personen, die Kanzlerkandidat werden könnten.
Die SPD hat bei der vergangenen Bundestagswahl mit 23% abgeschnitten und wird zur Zeit um die 28% bewertet. Um einen Regierungswechsel sicher herbeizuführen müssen da noch einige Schippen aufgelegt werden. Was davon schreibt man dem Kanzlerkandidaten zu? Gibt es eine vernünftige Erklärung, die vor der Bundestagswahl den Beitrag des Kandidaten zum Ergebnis vorhersagbar macht? Ich fürchte nicht und von daher ist m.E. diese ganze Personalie überschätzt. Entscheidend sind Programm und Auftreten der Partei als Ganzes, nicht das Auftreten einzelner. Ich erinnere abschließend an Sigmar Gabriels Rede auf dem Parteitag 2009 in Dresden:

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Optiker des Vertrauens

Vor ungefähr vierzehn Tagen ist mir der rechte Bügel meiner Brille so mir nichts, dir nichts während des Einkaufens in einem Lebensmittelgeschäft einfach abgefallen. Selbstverständlich bin im am nächsten Morgen zum Optiker des Vertrauens gleich in der Nachbarschaft gegangen mit der Bitte die Brille zu reparieren. Mein Wunsch wurde mir auch prompt erfüllt. Da ich das Gefühl hatte meine Sehwerte hätten sich geändert gab ich gleich, nachdem sich meine Vermutung durch einen Sehtest bestätigte, eine neue Brille in Auftrag. Das Gestell wurde am Sonnabend geliefert und ich begab mich in den Laden um die Augenabstandsmessung durchzuführen um daraus die resultierende optische Achse samt dem Schliff der Gläser berechnen zu lassen.

Mir war bei meinem Besuch vor vierzehn Tagen bereits ein interessanter Screen mitten im Laden aufgefallen und ich fragte mich damals bereits was der wohl für eine Funktion haben soll.

Optikerscreen


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ACTA ist vom Tisch, was kommt nun?

Das Europäische Parlament hat sich einen Ruck gegeben und ACTA abgelehnt. Damit ist dieser Vorschlag vom Tisch. Was letztendlich den Ausschlag für diese deutliche Ablehnung gegeben hat vermag ich nicht zu sagen. War es die öffentliche Diskussion, die die Zivilgesellschaft angestoßen hatte oder waren es Animositäten des Europäischen Parlaments gegenüber den anderen EU-Institutionen, die klammheimlich dieses Abkommen durch den Gesetzgebungsprozeß bringen wollten? Ich weiß es nicht. Im Moment ist es auch egal, Freude ist angesagt.

Aufgeben werden die Befürworter und Nutznießer einer solchen Regelung sicher nicht und die nächsten monströsen Regulierungsanliegen der EU-Kommission wie z.B. IPRED sind immer noch in der Pipeline. Politik und Öffentlichkeit werden sich also weiter mit dem Thema beschäftigen müssen.

Als Lektüre sei den Urhebern dieses Gesetzesvorhabens mit ihrem doch etwas intransparenten Politikstil einmal Immanuel Kants Zum ewigen Frieden von 1795 geraten. Schon vor über 200 Jahren wandte sich Kant gegen lichtscheue Politik  unter anderem mit den Worten:

Alle auf das Recht anderer Menschen bezogene Handlungen, deren Maxime sich nicht mit der Publizität verträgt, sind unrecht.

Ich habe Hoffnung, daß sich auch  die Politik zum Positiven verändern kann.

Stiller Eigentümerwechsel

In dem Quartier, in dem ich lebe, lebe ich sehr gern. In der Wohnung, in der wohne, wohne ich sehr gerne. Trotzdem ist es kein idyllischer, kein kuscheliger  Ort. Es ist ein Quartier, das neuerdings als Sanierungsgebiet ausgewiesen ist und schon seit langen Jahren unter Quartiersmanagement steht, seit 2010 mit der höchsten Interventionsstufe. Das Berliner Quartiersmanagement beschreibt die Stufe “Starke Intervention” wie folgt:

Dies betrifft Gebiete mit überwiegend überdurchschnittlich hohen Anteilen von Arbeitslosen, Menschen mit Zuwanderungserfahrungen und Empfängern von Transferleistungen sowie einer hohen Mobilität, also instabilen Nachbarschaften.

Die soziale Situation beschreibt das Quartiersmanagement so:

Die Lebens- und Wohnsituation der Bewohner und Bewohnerinnen des Gebietes ist durch starke ökonomische und soziale Belastungen gekennzeichnet. 98 Prozent der Schüler und Schülerinnen haben Migrationshintergrund. Ausgeprägt ist die prekäre Einkommenssituation: 22 Prozent der erwerbsfähigen Bewohner und Bewohnerinnen sind arbeitslos, 24 Prozent leben von Sozialhilfe. (veraltete Beschreibung vor Hartz IV Einführung)

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Kommentar zum netzpolitischen Kongreß der SPD Bundestagsfraktion

Vorbemerkung: Die Tagesordnung des Kongresses vom 15.6.2012 ist im Blog der SPD-Bundestagsfraktion zu lesen. Martin Oetting hat dankenswerterweise die Keynote von Urs Gasser live mitgebloggt.

In Presseerzeugnissen und Blogs ist vieles über diesen Kongreß geschrieben worden, auf Twitter sind unzählige Kommentare in 140 Zeichen zu lesen gewesen, ich möchte mich auf zwei Aspekte beschränken. Der erste ist personeller Art und bezieht sich auf Frank-Walter Steinmeier auch als Stellvertreter seiner Generation, der zweite Aspekt ist inhaltlicher Art und bezieht sich auf den Diskussionspunkt “Gute digitale Arbeit”.

“Sowohl, als auch” – “ja, aber” in dieser abwägenden Art äußerte sich Frank-Walter Steinmeier zu den Fragen und Stichworten des Moderators. Jeder Chance eines Aspekts der Digitalisierung wurde sogleich das Risiko gegenübergestellt. Schließlich das Eingeständnis, in seiner Bewertung des Strukturwandels durch Digitalisierung noch zu keinem Urteil gekommen zu sein. Dies ist kein Beinbruch, um sich ein Urteil bilden zu können braucht man Zeit, andererseits sollte man dann aber jederzeit Gründe für sein Urteil geben können.
Ein Urteil zum Datenschutz und Digitalisierung hat sich Frank-Walter Steinmeier bereits gebildet und hier könnte Kritik ansetzen, denn anekdotische Ausführungen und die Vergleiche eines Staatswesens aus den beginnenden achziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts samt seiner autoritären Sicherheitsgesetzgebung mit einem Internetunternehmen aus dem 21. Weiterlesen

Im Rausch der Geschwindigkeit

Im Laufe dieses Nachmittags tauchte dieser Artikel auf t3n in meiner Twittertimeline auf. Ich erinnerte mich wieder an Googles PageSpeed, das, wenn ich nicht alles vergessen habe, nicht den Seitenaufbau in einer Zeiteinheit mißt sondern prüft welche Eigenschaften auf einer Webseite vorhanden sind, die einen schnelle Seitenaufbau verhindern. Also im Klartext wird die Frage beantwortet ob eine Webseite nach Googles Meinung auf Geschwindigkeit getrimmt ist. Ich fragte mich nun, wie die Webseiten der politischen Parteien optimiert sind und ob es wenigstens einen stochastischen Zusammenhang zwischen guter Netzpolitik und performanter Seite gebe könne.
Die Rangfolge von heute 18 Uhr sieht wie folgt aus, maximal 100 Punkte können erreicht werden:

1. FDP 88
2. Bündnis 90/Die Grünen 78
3. CSU 77
4. Piratenpartei 72
5. Die Linke 61
6. SPD 56
7. CDU 38

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Von Nadelöhr und Erlösung

Von ethischen Fragen des Wirtschaftens liest man in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wenn überhaupt, im Feuilleton. Heute fand sich ausnahmsweise im Wirtschaftsteil ein Kommentar zu ethischen Fragen der Ökonomie mit dem Titel “Das Nadelöhr“. Der Kommentator bezieht sich auf den Katholikentag und beklagt die Hinwendung der katholischen Kirche zu den Armen und fordert die moralische und theologische Rechtfertigung von “Gründergeist, Risikofreude und Profitgier”, die er als positive persönliche Eigenschaften der Reichen sieht.

Allein schon diese Etikettierung ist widersprüchlich. Einerseits erliegt der Kommentator dem Survivorship Bias und sieht nicht die Massen der Gescheiterten, die sich ebenfalls mit den Eigenschaften von “Gründergeist, Risikofreude und Profitgier” etikettiern lassen aber erfolglos blieben, andererseits kann unternehmerischer Erfolg aus den verschiedensten Bestimmungsgründen resultieren, die nicht in der Person liegen, einer meiner Lieblingsgründe ist der Zufall.

Weiterhin übersieht der Kommentator wichtige Konzepte des christlichen Glaubens. Da wären die göttliche Gerechtigkeit, die nicht auf dieser Welt stattfindet sondern im Himmel und die Erlösung, die von Gott gegeben wird, die man sich nicht verdienen kann Epheser 2,8-9:

Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft – Gott hat es geschenkt -, nicht aufgrund eurer Werke, damit keiner sich rühmen kann.

Die katholische Kirche ist also der falsche Adressat zur moralischen Rechtfertigung des Reichtums. Natürlich findet der Kommentator die Rechtfertigung auch nicht wirklich in der aktuellen Wirtschaftslehre, denn hier hat hier hat Bernard Mandeville seine Spuren hinterlassen. Seine Version der “Unsichtbaren Hand”, niedergelegt in der Bienenfabel, geht von einer negativen Korrelation zwischen persönlichem Verhalten und öffentlichem Nutzen aus.

Selbstverständlich wird der Kommentator auch bei Kant nicht fündig werden. Der gute Wille, die Pflicht und der kategorischen Imperativ wirken selbstlos, verfolgen keine Belohnungsabsicht. Kant würde dem Kommentator wahrscheinlich empfehlen zu versuchen sich aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit zu befreien, denn nichts anderes ist die Zuschreibung der Profitgier als “Triebfeder” guten Handelns.

Weltökonomin Zensursula

Bin erstaunt, in einem für seine glasklaren ökonomischen Analysen bekanntem Blatt entpuppt sich Bundesarbeitsministerin Zensursula in einem Beitrag als “Weltökonomin”.
Nach der üblichen konservativen Litanei über faule Hartz IV Empfänger kommt sie am Ende des Artikel zu wohlfeilen Einsichten über den in der Krise wegbrechenden Export:

[...]Die Kurzarbeit wird nicht verdecken, dass es in einigen Betrieben zu Entlassungen kommen wird, wenn keine Aufträge reinkommen. Unser großes Risiko liegt im Ausland. Da wir so viel exportieren, muss die weggebrochene Nachfrage aus dem Ausland wieder steigen.

Wow! Sollte dies die Erkenntnis sein, daß es eine gesamtwirtschaftliche Nachfrage gibt? Falls ja, was sind die politischen Implikationen? Ich konnte davon in dem Artikel nichts Substantielles lesen. Aber wahrscheinlich meint sie, wie in der konservativen Wirtschaftsanalyse üblich, Politik sollte sich in Attentismus ergehen und am besten nichts tun, langfristig wird’s schon werden, die Krise muß “ausgeschwitzt werden”. Und bis dahin, ja bis dahin sind wir alle tot (J.M. Keynes) oder die entlassenen Arbeitnehmer werden auf Hartz IV angewiesen sein und da sie keine bezahlte Arbeit finden, da es keine gibt werden sie aus konservativer Sicht der “Weltökonomin” als arbeitsunwillig gelten und mit Sanktionen bestraft werden. Politik kann so einfach sein.