Über das Beklauben

An diesem sonnigen aber kalten Wochenende haben wir Appetit auf einen schönen Kasselerbraten mit Sauerkraut, ein herrliches Essen für die kalte Jahreszeit. Im Lebenmittelgeschäft des Vertauens am Potsdamer Platz kann ich ein schönes 1,5 Kilogrammstück Kasselerkotelette erstehen und lasse das gute Stück gleich ordentlich ausschälen, damit wir weniger Arbeit haben. Fleisch, Knochen und ein paar Zutaten wie Zwiebel und etwas Suppengrün werden mit gebrutzelt.

Kasselerbraten

Kasselerbraten

Was soll man eigentlich nach dem Essen mit dem Knochen anfangen, an dem sich noch nennenswerte Fleischreste befinden? Etwa Wegwerfen?

Irgendwie stellt sich mir der Gedanke gar nicht, sondern tief in mein Denken und Handeln hat sich durch die Erziehung meiner Eltern die Maxime eingegraben, daß Essen wegwerfen undenkbar ist. Ich sage jetzt bewußt undenkbar und nicht Sünde, denn ihr Handeln darin hat keine religiöse Motivation. Es ist einfach eine Maxime, erworben in der puren Not der Kriegs- und Nachkriegsjahre des Zweiten Weltkriegs: Essen wirft man nicht weg.

Kasselerknochen

Kasselerknochen

Also nehme ich den Knochen in die Hand und beklaube ihn nach allen Regeln der Kunst. Knigge würde in Ohnmacht fallen, nur schwieriges Essen darf in die Hand genommen werden, dazu gehören Knochen nicht. Beklauben, ein Wort, das ich außerhalb meiner Familie noch nie gehört habe, fällt mir ein. Ein Wort, das ich heute zum ersten Mal überhaupt geschrieben habe. Und wenn man das Wort in die große Suchmaschine wirft, bekommt man auch nicht wirklich aktuelle Treffer, sondern muß sich mit eingescannten Wörterbüchern aus dem 19. Jahrhundert zufrieden geben. Hier nun ein Bild aus: Vollständiges „Wörterbuch der deutschen Sprache mit Bezeichnung der …, Band 2 von Theodor Heinsius, Wien 1829.

Und so sieht nun ein beklaubter Kasselerknochen aus.

Beklaubter Kasselerknochen

Beklaubter Kasselerknochen

(Die beiden Knochenbilder habe ich erst durch „Dynamic Light“ gezogen und dann per „ShakeItPhoto“ polaroidisiert. Mal was anderes…)

Eine Antwort zu “Über das Beklauben

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