Von Neuem Realismus und Sinnfeldern

Vom Lindy-Effekt her zu urteilen müßte ich gegenüber philosophischen Veröffentlichungen, die noch nicht einmal ein Jahr alt sind eher skeptisch sein. Skeptisch in dem Sinne, daß hier möglicherweise Irrelevantes geschrieben wird. Allerdings hat mich ein Interview von Markus Gabriel in einem Presseerzeugnis zum Thema Kant und Internet neugierig auf sein neuestes Buch gemacht. Gabriel blickt in dem Interview mit der Kantschen Erkenntnistheorie auf das Internet, sagt Spannendes und Lesenswertes zu Algorithmen und Öffentlichkeit. (Den Artikel im Presserzeugnis verlinke ich aus Gründen des Leistungsschutzrechts nicht, er sollte jedoch problemlos über Suchmaschinen zu finden sein).

In seinem Buch „Warum es die Welt nicht gibt“ entfaltet er in einfacher Sprache seine Philosophie vom „Neuen Realismus“. Totalbegriffe wie „das Universum“, „die Welt“, „die Realität“ und die philosophische Vogelperspektive wie den „Gottesstandpunkt“ lehnt er ab und zeigt auf, daß diese gehaltos und eine Illusion sind. Er führ die Kategorie Sinnfeld ein, ein Ort an dem alle Phänomene, seien es materielle oder gedachte, Dinge oder Vorstellungen, erscheinen und uns zugänglich werden. Die Zahl der Sinnfelder ist unendlich, sie sind verschachtelt. Sinnfeld kann einerseits die limnologische Analyse des Wannsees sein, der Wannsee kann aber ebenfalls im Sinnfeld eines Kustwerkes, eines Bildes erscheinen. Diese Ausführungen sind ziemlich spannend und unterhaltsam, ich empfehle die 255 Seiten des Buches nachdrücklich. Spricht Gabriel über Gesellschaft so öffnet das Perspektiven, denn Gesellschaft ist nach seiner Auffassung kein Totalbegriff sondern erscheint in unterschiedlichsten Sinnfeldern :

Unsere Gesellschaft ist kein Gesellschaftsblock, in dem alle gleich sind und aus dem dann einige angebliche Fremde oder Ausländer herausfallen. …. Die Gesellschaft ist immer auch eine bunte Vielfalt von Perspektiven auf sie und keine Einheit, in die man dann die angeblich Fremden integrieren müsste.
Die Anerkennung des Umstandes, daß andere anders denken und leben, ist der erste Schritt zur Überwindung eines Denkzwanges der alles umfassen möchte.

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