Was haben Boquerones fritos mit der re:publica zu tun?

Oha, im letzten Jahr hatte ich meine Eindrücke zur re:publica nicht im Blog festgehalten, mach ich aber für die diesjährige. Ich fange mit dem Wichtigsten an, den Inhalten, wobei ich hier selektiv vorgehe und nur die für mich spannensten notiere:

Inhalte

Überwachung durch die Geheimdienste war ein Schwerpunkt der re:publica 2014. Zu dem Thema habe ich die Session „Geheimdienste vs Demokratie“ mit Markus Löning, Katja Gloger und Christian Flisek gesehen. Mir geht es darum das politisch-institutionelle Procedere der Aufklärung und Kontrolle zu verstehen, zu verstehen was der NSA-Untersuchungsausschuß leisten kann und ob ihre Mitglieder überhaupt wollen. Mit dem Verständis wird mir klarer werden ob und wie auch von außerhalb des institutionellen Gefüges dieses Vorgehen begleitet werden kann. Der Talk war interessant, erste, eher zarte Änderungen zu Stärkung der parlamentarischen Kontrolle gegenüber den Geheimdiensten wurden besprochen.
Die Sessions zu Big Data waren für mich der zweite wichtige Bereich. Hervorzuheben ist der Vortrag von Viktor Mayer-Schönberger, der mich dazu bewogen sein Buch zu Big Data zu lesen. Zum Weiterdenken haben mich seine Bemerkungen zur Umgestaltung des Datenschutzes im Big Data Bereich angeregt. Ähnlich wie Martin Rost (ULD) in seinem Artikel zur „Soziologie des Datenschutzes“ (2013) argumentiert Mayer-Schönberger mit der strukturellen Machtasymmetrie zwischen Organisation und Individuum, die nicht mit individalisierten Einwilligungslösungen zum Verschwinden gebracht werden können. Es ist nach diesem Verständis Aufgabe der Politik kollektive Regularien zu finden. Meines Erachtens bräuchte dazu nicht einmal das Verbotsprinzip abgeschafft werden sondern Erlaubnistatbestände könnten formuliert werden, die organisations-intern und -extern kontrollierbar sein müssten und bei Vergehen strafbewehrt wären.
Leider habe ich die Sessions zur Maker Bewegung in Afrika verpaßt. In die Kategorie Maker oder Bricolage topfe ich etliche der Talks. Von „Programmieren für Nullcheckerbunnies“ bis „Web 1.0 + 2.0 remixen: Digitale Identität zurück erlangen!“ gab es einiges, daß zum Selbermachen, zum Tüfteln und Andersdenken eingeladen hat. Den gut besuchten Vortrag von @holadiho über seine Rasberry PI-Projekte kategorisiere ich mit diesem Label ebenso wie @jbennos „Open Foresight – Vorhersagen über die Zukunft mit offenen Daten und frei verfügbaren Werkzeugen“. Do-it-yourself und Tüfteln scheint sich mir vom spießig wirkenden Heimwerken des letzten Jahrhundert zu einem Ding mit emanzipatorischem Kern gewandelt zu haben.
Das menschliche Miteinander, den Respekt vor dem Anderen, die Debattenkultur thematisierten @fraeulein_tessa sowie @habichthorn jeweils in ganz eigener Weise. Teresas Talk über Gewalterfahrungen und mangelnden Respekt von Onlineaktivisten auch und gerade untereinander machen sehr nachdenklich. Frau Habichts Vortrag über das Entlieben in Zeiten des Internets war ein feiner, auch mit Selbstironie durchsetzter Vortrag.
Obwohl ich Holm Friebes Buch „Die Stein-Strategie“ bereits gelesn hatte war ich neugierig auf seine Session. In betont lässiger Manier hat er den Talk auch durchgezogen, mir scheint er hat sie wirklich verinnerlicht. Das Buch empfehle ich nachdrücklich.

Leute

Meine erste re:publica war 2008. Damals und in den folgenden Jahren habe ich eine Menge Leute kennengelernt, die außerhalb der Stadt wohnen und die die Konferenz immer wieder besuchen. Sich mit ihnen face-to-face auszutauschen, ein wenig zu erfahren wie ihr Leben verlaufen ist, ist eine großartige Sache. Der privat-persönliche Aspekt an dem Event ist für mich ein bedeutsamer.

Side Events

Zur re:publica gehören die Side Events wie das Salz in die Suppe. Neu war der netzpolitische Abend des SPD-Vorstands im Lapidarium, das bequem von der Station zu erreichen ist. Nach kurzer Begrüßung durch die Generalsekretärin Yasmin Fahimi und den netzpolitischen Sprecher des SPD Bundestagsfraktion Lars Klingbeil diskutierten die Teilnehmer bei gepflegten Getränken netz- politische Positionen der SPD und was in dem Politikfeld besser laufen könnte. Ebenfalls politischen Charakter hatte ein gemeinsames Frühstück von D64 Mitgliedern und Mitgliedern des cnetz. Sich persönlich kennenzulernen, Positionen austauschen und ein Verständis von den Vorstellungen des jeweils Anderen zu bekommen halte ich für richtig und hoffe solche Treffen finden in Zukunft auch mit anderen netzpolitischen Vereinen statt.
Traditionell ist das sogenannte Tapas Dinner. Beim Tapas Dinner treffen sich Menschen aus dem Umfeld der Arbeitsgemeinschaft Social Media, die anlässlich der re:publica 2008 gegründet wurde. Persönlich mag ich dieses Treffen besonders gern, da ich hier Menschen aus der Medienbranche treffe, die etwas anders sind als die im täglichen Geschäft. (Ich laß das jetzt mal so unausgeführt hier stehen). Und, in Beantwortung der Frage aus der Überschrift, einige der Leute essen liebend gerne Boquerones, vorzugsweise frittierte Boquerones.
Ebenfalls traditionell ist das Steak Geek Dinner, das diesmal in einer anderen Location stattfand. Es kamen ca. fünfzig Personen zusammen um größere Mengen Fleisch zu essen. Unter größer verstehe ich Portionen bis ca. 800 gr. Ausgangsgewichts eines Steaks. Das Geschäftsmodelle der neuen Location ist auf deutlich größere Mengen ausgelegt, das man durchaus hinterfragen kann.
Ironblogger Side Events gab es ebenfalls. Ein spontanes Treffen der an der re:publica teilnehmenden Ironblogger auf dem Hof der Station mit anschließendem Gruppenbild fand statt. Unter den Anwesenden hatten Ironblogger aus der Schweiz und Ironblogger vom Bodensee die längste Anreise. Die Berliner Ironblogger verabredeten sich für Mittwochabend zum Biertrinken.
Eine Bierverkostung vor der Station brachte für mich die Neuigkeit, daß es in Berlin eine Bier Akademie gibt, die Profi- und Amateurkurse anbietet und Themenverkostungen durchführt. (Und ich wußte nix davon….) Wir haben vor der Station das Rotbier von beer4wedding verkostet, das ich anschließend auf untappd bewertete.

Schnittchen

Dieses Jahr hatte ich wieder Zugang zur VIP-Lounge samt Catering rund die Uhr. Das Catering hat gegenüber dem letzten Jahr gewonnen. Auf dem Gelände war ein Stand des Bonner Unternehmens Bugs Food, das eßbare Insekten anbietet. Hab ich erst hinterher erfahren, hätte ich natürlich probiert.
Auf Flickr habe ich ein Album zu meinen diesjährigen re:publica-Schnittchen zusammengestellt.

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