Archiv der Kategorie: allgemein

Über „Sie leben“

So ein schöner alter Film. Alt meint hier aus den achziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Schön alt ohne Smartphones und ähnlichen Devices, nur mit TV-Geräten. Frisuren mit hippieesquem Touch der siebziger Jahre kommen darin vor und Autos mit erkenn- und schraubbaren Motoren. Roddy Piper, der Wrestler, als Hauptdarsteller im blauen Karohemd wirkt manchmal etwas unbeholfen, ist aber cool. Aliens mit Gesichtern aus „Mars attacks!“, versteckt hinter glatter Wohlanständigkeit, die niemand durchschauen will. Feingeistige Kapitalismuskritik, die ungeheuer aktuell ist.

Über die Arbeit in der Werbewirtschaft

Die Arbeit in der Werbewirtschaft kann viele begeistern. „Irgendwas mit Medien“ sind die Schlagwörter. Ein „gutes“ Photo, ein „guter“ Film, ein „guter“ Spruch, das wollen viele kreieren. Warum? Information, Aufklärung der potentiellen Kundïnnen als Zweck? Illusion. Der Zweck verwandelt sich in ein Mittel, es geht darum zum Kaufen zu bewegen. Manche nennen es Manipulation. Es ist ein Vorgaukeln von Notwendigkeiten, die keine sind, was die Rezipientïnnen auch wissen und sich den Praktiken trotzdem ergeben. Die Arbeit auch in der Werbewirtschaft ist Selbsterhalt für die dort Tätigen und damit notwendig. Manchmal kommt der Punkt, da wird der Widerspruch zwischen dem, was sie einmal erreichen wollten und das, was sie tun, zu groß. Was dann? Wie können sie darüber hinausgehen?

Über das Schokoladenhaus

In Mitte steht das Schokoladenhaus prominent am Rande des Gendarmenmarkts. Dort gibt es süße Versuchungen zu probieren und zu kaufen. Touristïnnen aus aller Welt mögen das Angebot. Vor dem Haus kniet am Rande des Bordsteins, in einiger Entfernung vom roten Teppich, der in den Laden führt ein Bettler. Mit leiser Stimme trägt er sein Anliegen vor. Die Menschen übersehen ihn. Es ist ein kaum zu ertragenden Kontrast zwischen dem süßen Luxus im Gebäude und der bitteren Armut vor ihm.

Über die Frage „Wohin soll ich mich legen?“

Der bettlägerige, demente Hochbetagte stellt die Frage „Wohin soll ich mich legen?“. Auf die Antwort, dass er bereits in seinem Bett liege und das das der richtige Ort ist, befallen ihn Zweifel. Fragen stellen sich. Wie ist sein Körpergefühl? Merkt er nicht, dass er liegt? Und viele weitere Fragen… Aber die Umstehenden stellen die Fragen nicht. Warum?

Über Jobtitel

Kurze und einfache Jobtitel weisen auf diejenigen hin, die etwas zu sagen haben. Diejenigen mit langen und verschwurbelten Jobtiteln sind diejenigen, die gerne etwas zu sagen hätten aber nur aufgeblasene Egos vorweisen und damit ihre mangelnde Autorität kompensieren.

Über das Rennen der Wichtigen

Sogenannte wichtige Leute oder solche, die sich wichtig nehmen sind schnellen Schrittes. Sie rennen fast. Rennen sie auf ein Ziel zu oder rennen sie vor etwas davon? Rennen sie um der Zeit zu entfliehen? Befinden sie sich in einem raumzeitlichen Durcheinander? Warum schreiten die Weisen?

Über ein neues Device

Ein neues Device ist eingezogen. Geerbt hat es die Anwendungen und das Wissen des alten, das nun seine wohlverdiente Ruhe in der Tiefe und Stille einer Schublade genießt. Einen Namen hat das neue bereits, die Fetischisierung ist am ersten Tag vollständig.

Über Fragen zur Gebrechlichkeit

Wenn die Beine versagen und der Verlust des Gangs vollzogen ist, wie fühlt sich der Mensch? Wenn die anerzogenen Regeln der Notdurft nicht mehr eingehalten werden können, wie fühlt sich der Mensch? Wenn die Worte nicht mehr formuliert werden können, wie fühlt sich der Mensch? Wenn die Augen zusehens schwächer werden, wie fühlt sich der Mensch? Die Traurigkeit, die den Menschen erfaßt, wenn er nicht mehr laufen, nicht mehr sehen, nicht mehr anerzogen Notdurft verrichten, nicht mehr richtig sprechen und nicht mehr richtig sehen kann, was macht das mit seinem Denken? Wie kann der traurige, nichtgehende, nicht mehr wie anerzogen Notdurft verrichtende, schlecht sprechende und schlecht sehende Mensch würdevoll als Mensch leben und begleitet werden?

Über don’t meet because it’s Thursday

Das Wort „Leadership“ bewirkt eine Gänsehaut und das Zusammenziehen der Nackenmuskulatur. „Führung“ ist eine personifizierte Form des gesellschaftlichen Drucks, „Führungsprinzipien“ ihre Anwendung.

„Don’t meet because it’s Thursday“ ist ein negativ formuliertes „Führungsprinzip“. Nicht die Geschäftigkeit, nicht die Anwesenheit zählen. Auch die beliebten Sätze – das haben wir immer schon so gemacht; das haben wir noch nie gemacht – die Killer- und Todschlagphrasen jeglicher Veränderung werden damit negiert. Empirisch wird das Prinzip obstruiert indem Arbeitsprozesse so gestaltet werden, daß Geschäftigkeit und Anwesenheit doch trotz gegenteiliger Verlautbarung wieder als wesentliche Faktoren gesehen werden. Und Beharrungskräfte in der Organisation nehmen gemeinhin die Stärke der Gravitation Schwarzer Löcher ein. Trotzdem, das Prinzip bietet Chancen, denn es läßt Raum für das Finden von unbekannten Lösungen. Die Frage ist nur, in welcher Konstellation innerhalb der Organisation es sich verwirklichen läßt?

Über disagree and commit

Das Wort „Leadership“ bewirkt eine Gänsehaut und das Zusammenziehen der Nackenmuskulatur. „Führung“ ist eine personifizierte Form des gesellschaftlichen Drucks, „Führungsprinzipien“ ihre Anwendung.

„disagree and commit“ hat seine eigene Rationalität zur Handlungsfähigkeit von Organisationen: Widerspruch muß stattfinden können sonst ist zu viel Dampf im geschlossenen Kessel, Commitment soll die Entscheidung absichern, „disagree und commit“ soll den Entscheidungsprozeß beschleunigen in einer Welt voller Menschen, die sich selbst für aufgeklärt und wissend halten und in der „par ordre di mufti“ kein Entscheidungsprinzip mehr sein kann. Aber ist „disagree and commit“ nicht auch nur ein fahler Schein vermeintlich autonomen Handelns und die Zustimmung zu diesem Prinzip eine Hinwendung zu noch mehr Heteronomie?