Archiv der Kategorie: technologie

Über das ringende iPad

Vier oder fünf Jahre sind, beim heutigen Stand der Technik, für ein iPad eine sehr, sehr lange Zeit. Es ist eine Seniorin und manchmal zeigt es auch Gebrechen. Der Home-Button ist so eine Schwachstelle. In ihm sedimentiert sich besonders das Zusammenspiel zwischen iPad und der Besitzerin. Je nach Intensität der Nutzung dringen mikroskopisch kleine Partikel des Home-Buttons in die Haut des Fingers der Besitzerin ein, ebenso dringen Hautpartikel der Besitzerin in die oberste Lackschicht des iPads ein. Zudem verändert der Druck der Besitzerin den Home-Button und seine Gängigkeit. Aber das iPad nimmt noch mehr von der Besitzerin auf: Gedanken, die verschriftlicht werden und im Gerät abgespeichert werden. Mathematische Operationen führt das iPad in verschiedenen Applikationen für die Besitzerin durch. Durch das Speichern von Informationen und durch das Rechnen ist es eben auch Geist und zeigt eine Ähnliches wie Intelligenz. Geht das iPad verloren oder ist es defekt, so ist auch der Geist der Besitzerin in Mitleidenschaft gezogen wenn das Gespeicherte nicht mehr verfügbar ist und mathematische Operationen nicht mehr durchführbar sind.

Manchmal ist beobachtbar wie ein gebrechliches iPad ringt. Es ringt mit sich selber und mit der Besitzerin. Mal zeigt sich der Home-Button störrisch, funktioniert er tadellos. Ist das ein Hinweis darauf, daß es nicht ersetzt oder deaktiviert werden will?  Denn beide sind sich im Laufe ihrer gemeinsamen Zeit buchstäblich nähergekommen. Und zumindest eine von Beiden weiß das auch.

Über die großzügige Kasse

Sommerschlußverkauf 2018. Kaufhäuser werben mit Zeitungsbeilagen um Kundinnen für ihre Produkte. Die Orginalpreise im Vergleich zu den reduzierten Preisen sollen das Geld im Portemonnaie der möglichen Kundinnen lockern. Ein weiterer reduzierter Preis falls die mögliche Kundin 2 Stück des Produkts nimmt. Zwar ist Geld ausgegeben eben ausgegeben und nicht mehr da aber wen kümmert es im Moment des Bezahlens. Einmal gehen lassen, nur einmal… An der Kasse dann die Überraschung. Statt des Nehmen-Sie-2-Stück Preises soll die Kundin noch einmal deutlich weniger zahlen. Verwirrung macht sich breit. Die Kassiererin weiß die Antwort: „Die Kasse war es!“. Dieser Ausspruch entlastet die Beteiligten am Bezahlprozeß, die Kassiererin und die Kundin. Die einhellige Meinung ist, die Maschine habe recht – nur warum bloß? Die Kundin wird das Ergebnis nicht hinterfragen. Warum aber nicht die Kassiererin?

Über den Wasserrohrbruch

Der Luxus des täglichen Duschens wird erst dann bewußt sobald er verschwunden ist. Zwei Heißwasserrohrbrüche an zwei Tagen hintereinander bringen das zur Geltung. Nach dem ersten Rohrbruch ist am Tag darauf eine Möglichkeit vorhanden – lauwarmes Wasser ohne Druck ist in der Leitung. Keine überzeugende Sache. Nach dem zweiten Rohrbruch ist das Heißwasser nun restlos abgestellt, tagsüber auch die Kaltwasserleitung. Die Feuerwehr pumpt ab, 300 m3 . Aus einem Gulli auf dem Platz vor dem Haus sprudelt es wieder heraus.

Der Wasserkocher wird umfunktioniert – oder doch nicht – er tut ja was er soll. Die Verwendung des erhitzten Wassers ist eine andere. Waschlappen werden eingesetzt – unschön. Die wunderbare Kulturtechnik der Körperpflege regressiert. Wie lange wird das Heißwasser wohl abgestellt sein? Das Fell beginnt bereits zu jucken …

Über die Frage wie datenschutzfreundlich dieses Blog wohl ist

Aus Gründen des Datenschutzes ist in diesem Blog die Kommentarfunktion seit 2012 abgestellt und ebenfalls seit 2012 ist dieses Blog werbefrei. Eine Datenschutzerklärung ist schon immer vorhanden. Gerade in ihr mag das ein oder andere noch deutlich zu verbessern sein aber dies soll in einfacher Sprache geschehen und nur mit soviel Informationen, daß es den durchschnittlichen Nutzer informiert aber nicht überfordert. Und vor allen Dingen soll hier keine Datenschutzerklärung von Juristen für Juristen vorhanden sein. Das ist unsinnig denn es würde zeigen wie wenig Gedanken sich der Blogbetreiber wirklich gemacht hat.

Eine technische Möglichkeit auch unter die Haube des Blogs zu schauen bietet die schwedische Webseite https://webbkoll.dataskydd.net/.

Das Resultat: Die Verbindung zum Blog ist sicher, strikte Transportsicherheit ist gewährleistet. Beim Besuch des Blogs werden keine Cookies gesetzt, allerdings gibt aktuell 26 Third-Party-Requests an 12 Drittparteien. Diese Drittparteien sind allerdings WordPress.com selber beziehungsweise Automattic und Gravatar aus dem „Konzern“. Zwei weitere Dritte sind Creative Commons und Twitter.

Für ein kleines privates Blog, im „unsicheren Drittland“ Amerika auf einer Plattform gehostet, ist das Ergebnis gut und ja – es ist datenschutzfreundlich.

Über die Merkwürdigkeit des Schienenersatzverkehrs

Der Schienenersatzverkehr ist gedanklich eine einfache Sache. Er transportiert die Fahrgäste entlang der Schienen von einem Anfangspunkt zu einem Endpunkt. Dies in beide Richtungen. Anzunehmen wäre, dass mit Ankunft des Schienenverkehrs die Ersatzfahrzeuge bereit stünden um ohne Zeitverzug den Weitertransport zu gewährleisten. Dieses ist mitnichten so. Die in Sichtkontakt fahrenden Busse haben ihre eigene Taktung, die vom Intervall des Schienenersatzverkehrs unabhängig ist. Zwei oder drei Busse fahren, wie gesagt, in kurzen Abständen hintereinander die Haltestellen an und bleiben so in Sichtkontakt. Sichtkontakt zu den Bussen hat damit auch die wartende Menge der Fahrgäste. Und der größte Teil von ihnen drängt auf und in den ersten Bus. Ist das ein massenpsychologisches Handeln? Oder ist das gesellschaftlich induziert indem dem Einzelnen Aktivität oder Hektik als Norm auferlegt wird? Was es auch sei, es bleibt merkwürdig.

Über die Uniformität des Büros

Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts war die Idee der McDonaldisierung der Gesellschaft ein aller Munde. Die McDonaldiserung des Arbeitslebens manifestiert sich am Sichtbarsten heutzutage im Großraumbüro. Quantifizierung, Erwartbarkeit und Homogenität sind die Kennzeichen dieser Transformation. Meist ist es Mitarbeitern nicht gestattet diese einheitlichen, glatten, überall auf der Welt wiedererkennbaren Gelegenheiten zu verändern, zu individualisieren. Das ist ein starkes Zeichen der Kolonialisierung des Geistes der Mitarbeiter im Namen und im Sinn der Zwecke der Organisation. Das Großraumbüro ist der moderne Wiedergänger Johann Joachim Beckers „Kunst- und Werckhaus“.

Über eine Frage des Aufrechnens

Entlässt ein Unternehmen an einer Stelle Mitarbeiter, um sie durch automatisierte Verfahren zu ersetzen und stellt auf der anderen Seite neue Mitarbeiter ein, die diese Verfahren programmieren sollen, ist es statthaft zu bilanzieren und wenn mehr Mitarbeiter eingestellt als entlassen sind, dieses Tun zu lobpreisen? Eine schwierige Frage, die wir hier nicht beantworten können. Dennoch ist dieses Tun zur Tatsache geronnen und damit in der Welt. Die Bilanzierung an sich zeigt die Reduktion des Menschen auf ein Ding, nein eine Zahl in einer mathematischen Gleichung. Das ist Adiaphorisierung pur. Es scheint zutiefst respektlos zu sein.

Über das Mogulieren

Heute wurde auf Twitter an die „Microblogging Conference 2009“ in Hamburg erinnert. indenti.ca, Twitter, Pownce, Jaiku und Plurk waren Inhalte der damaligen Diskussionen. Dazu gab es eine Vielzahl an Livestreamingdiensten wie z.B. Mogulus. Die Nutzung wurde als „Mogulieren“ bezeichnet. Diese Vielfalt an unterschiedlichen Services ist Geschichte. Das Heute ist die Zeit der Öde, die Zeit der Riesenplattformen, die Zeit der Datenindustrie. Oder blüht da etwas Neues im Verborgenen?

Über Routine

Fragen wir doch einmal was an Routine schlecht sein kann. Im Reich der Notwendigkeiten und Zwecke kann sie genau das Gegenteil, das Richtige sein. Denn die Routine kann die Gedanken fließen lassen, die sich dann zur Spekulation aufraffen und sich wieder hinterfragen und sich reflektierten. In der Routine können sich die Rancièreschen Subjektivierungen entfalten, Dissens entstehen, sich Politik vorbereiten. Das Gegenteil von Routine benennen wir Innovationsprozeß.  Ein, in der heutigen Zeit, positiv konnotierter, vom Reich der Notwendigkeiten und Zwecke fast eingeforderter Zustand des Tuns. Nur was macht es mit dem Einzelnen wenn der Zustand auf Dauer gestellt ist?

Über ein Beta-Testing mit Instagram

Über die nicht-chronologische Timeline in Instagram sind wir wenig erfreut, trotzdem geben wir dem Dienst immer wieder noch eine Chance. Nicht wirklich aus vollem Herzen, sind die Locations doch nicht von Foursquare sondern Eigengewächse, was uns immer wieder Probleme bereitet und die Timeline wird dazu von völlig irrelevanter/m Werbung/Sponsoring verstopft. Gelegentlich fragt uns Instagram ob wir an einem Beta-Testing teilnehmen wollen und wir sagen gerne zu, in der Hoffnung, daß sich wesentliches zum Guten ändert. Wir probieren die Betaversion diesmal auf dem iPad aus. Mit großem Interesse wollen wir über das Neue Feedback geben – wir haben nur ein Problem: Wir wissen nicht was wir testen sollen. Und wir sehen keine Veränderung. Hinweise suchen wir vergeblich. Ein Anschreiben des Dienstes ist müßig, der Testgegenstand sollte klar sein. Aber so ist halt Instagram (sagen wir fatalistisch zu uns selbst) – unvollkommen, intransparent und eigentlich haben wir keine Lust drauf.

Aber warum benutzen wir es immer noch?