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Über „gute“ Things

Es ist fast ein Jahr her als der @holadiho einen Blogpost mit dem Titel „Warum ist es so schwer gut zu sein?“ schrub. Ich empfehle den Post samt Kommentaren nachdrücklich, denn er macht im Grunde genommen klar, daß, sobald das Denken in ökonomische Kategorien abgleitet – das Denken sich vom Gegenstand entfernt und vom Reden über Geschäftsmodelle überlagert wird – sich das „Gute“ verflüchtigt. Er bittet die Leser:

Und noch konkreter – könnt ihr mir helfen mit Ideen, wie das Internet of Things diese Wende hin zum Guten schaffen könnte? Fallen Euch „Things“ ein, die Frontex das Leben schwermachen würden? Oder kleine Devices, die SchülerInnen zu mehr Empathie und weniger Bullying und Ausgrenzung anregen? Anwendungen die Obdachlosen den Zugang zu Leergut erleichtern?

Ob er ein Antwort bekommen hat weiß ich nicht, jedenfalls in den Kommentaren ist keine ersichtlich. Ich mußte an seinen Post denken als ich heute vormittag diesen Tweet las:

Ein Blick auf die Seite Open Refugee Ware und ein wenig Stöbern in der Suchmaschine des Vertrauens zeigen beeindruckend wie mit neuester Technologie wie z.B. 3D-Drucken quasi in Makermanier die Produktion von low-cost Prothesen für Kriegsopfer in Flüchtlingslagern möglich ist. (Ja verdammt, scheinbar bedarf, paradoxerweise und im Widerspruch zu meinen obigen Worten, Gutes-Tun durch Herstellen der Begleitung eines  ökonomischen Arguments).

Mir jedenfalls macht so eine Initiative Hoffnung daß es mit den „guten“ Things klappen könnte.

Blick aus dem Fenster – #BloggerfuerFluechtlinge

Blickt der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands aus seinem Büro im Willy-Brandt-Haus Richtung Osten über die Wilhelmstraße hinweg, schaut er über den Kiez, in dem ich mehr als mein halbes Leben zuhause bin, länger als das Willy-Brandt-Haus überhaupt steht. Er blickt also über einen Kiez, der eine bewegte Vergangenheit hinter sich hat, bewegt was seine bauliche Erscheinung als auch seine Bewohner betrifft. Übrigens, im Norden angrenzend liegen die Teile der Friedrichstadt, in der durch Anweisung seiner Majestät, des Königs, auch Häuser für französische Flüchtlinge nach der Gründung errichtet wurden. In meinem Kiez kam es seit Ende der achziger Jahre bis in die Zweitausender hinein zum Einzug vieler Flüchtlinge samt ihrer Familien durch die Umbrüche in Südosteuropa. Im Januar 2014 haben 71,89% der 5485 Bewohner einen Migrationshintergrund. Hat sich durch den Einzug der Menschen etwas an der Lebensqualität der (Alt)Bewohner geändert? Ich sehe das nicht. Natürlich gab und gibt es Nachbarschaftsstreitigkeiten und Reibungen, doch das sind Reibungen im normalen Zusammenleben in einem Kiez und gründen eben nicht darauf was einer ist, welche Eigenschaften er hat, welche Hautfarbe, ob mit Haaren auf dem Kopf oder ohne. So ist das Zusammenleben im Kiez eben ein ganz alltägliches und das, glaube ich, ist überall möglich.

Allerdings, und deshalb habe ich den Vorsitzenden der SPD im ersten Satz erwähnt, hat die Politik eine Pflicht zum Sprechen und Handeln bezüglich der internationalen Flüchtlingssituation. Um das gleich einzuhegen, nein ich habe keine fertigen und abschließende Rezepte, genau so wenig wie die Gewählten. Mich hat einer der Aufbau-Texte von Hannah Arendt sehr nachdenklich gemacht, der Text heißt „Die Entrechteten und Entwurzelten“ vom 15 Dezember 1944. Der letzte Absatz lautet:

Die eigentliche Schwierigkeit des Flüchtlings – und Staatenlosenproblems liegt darin, daß es innerhalb einer alten nationalen Organisation der Völker schlechthin unlösbar ist. Die Staatenlosen zeigen vielmehr, deutlicher als alles andere, die Krise des Nationalstaats an…

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