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Überraschung im Zug

In den vergangenen vierzehn Tagen reiste ich zweimal mit der Deutschen Bahn in der 1. Klasse (natürlich mit Spartarif) von Berlin nach Frankfurt. Auf der ersten Hinfahrt ging ich, den Üblichkeiten entsprechend, mit dem iPhone ins Wlan, das tadellos funktionierte. Den Üblichkeiten entsprechend heißt mit dem Online Manager der Telekom. Das iPad blieb im Flugmodus, da mir die erforderlichen Zugangsdaten für den Online Manager fehlten. Ich ärgere mich regelmäßig über die weniger als nutzerfreundliche Abfrage eines Zugangscodes per SMS, bei der erst die Simkarte aus dem iPad geprökelt werden muß um sie dann in ein SMS-taugliches Device zu stecken, den Code abzurufen um dann die Karte wieder ins iPad zurück zustecken. Eine Usability-Hölle. Auf der Rückfahrt bekam ich zufällig mit, als die Zugbegleitung einem Fahrgast den Wlan-Zugang erklärte, daß der Online Manager nicht mehr notwendig ist. Es reicht aus das Wlan zu konnektieren, eine Seite aufzumachen und loszusurfen. Herrrlich! Das funktioniert ja schon eine Weile in der einfachen Art und Weise.

Warum hab ich das nicht mitbekommen? Warum habe ich an alten Gewohnheiten festgehalten? War das etwa ein Streich von System I?

Über essigsaure Tonerde

Gibt man in die Suchmaschine des Vertrauens die Wörter „essigsaure Tonerde“ ein oder nimmt ein noch zufällig im Haushalt befindeliches Chemiebuch beziehungsweise einen Gesundheitsratgeber zur Hand, dann erfährt man einerseits die wissenschaftliche Bezeichnung Aluminiumdiacetat und lernt andererseits, daß die Konsistenz oder Aggregatzustand der Tonerde fest ist. Letzteres wundert bei dem Namen nicht. Mein Bild von der „essigsauren Tonerede“, geprägt in Kindheit und Jugend ist allerdings eines von einer Flüssigkeit im Standgefäß. Das Standgefäß selber ist eine enghalsige Rundschulterflasche aus Braunglas mit einem eingeschliffenen Glasstopfen. „Essigsaure Tonerde“ gehörte zum elterlichen Haushalt wie ein Pflaster und wurde bei Insektenstichen, Prellungen und Verstauchungen zur Kühlung und Linderung verwendet.

Dieses erinnernd begebe ich mich zur Apotheke des Vertrauens in der Nachbarschaft und ordere einen halben Liter „essigsaure Tonerde“. Mein Anliegen scheint wie aus der Welt gefallen zu sein, zumindest irritiere ich mit meinem Wunsch die Bedienung. Die Apotheke des Vertrauens ist ein wunderlicher Ort, eine Art Potemkinsches Dorf. Ich vermute mal es gibt dort kein Lager, nur das was in den Auslagen der öffentlichen Verkaufsfläche liegt ist auch wirklich vorrätig. Alles andere muß bestellt werden. Und tatsächlich, auch bei diesem meinem Anliegen ist „essigsaure Tonerde“ nicht im Bestand, weder in fester noch gelöster Form und ich habe fast den Verdacht sie gibt es nicht gelöst. Mein Verdacht wird bestärkt durch das Angebot der Apothekerin ich möge doch aluminiumdiacetathaltige Kompressen oder Salben erwerben, die aber selbstverständlich auch nicht vorrätig sind. Ich lehne höflich ab und verzichte auf einen Kauf. Die Breite des Angebots erscheint mir nicht hilfreich, ich möchte gerne den Klassiker verwenden und überlege ob ich mich nicht an eine Drogerie wenden sollte. Das erscheint sinnlos, da ich außer Drogeriemärkten keine klassische Drogerie in meinem Umfeld kenne. Das Verwenden wassergekühlter Wickel sollte vielleicht ebenso gute Dienste tun. Manchmal ist Fortschritt seltsam.

Vom überraschenden Unbewußten

Gewisse Streiche spielt mir mein Gehirn ja gelegentlich und wenn ich das bemerke, bemerke ich es meistens mit Amusement wie die Filtertütensache. Ein Streich letzte Woche war völlig überraschend. Mich im Urlaub befindend wollte ich kurz ins Büro um einige Unterlagen abzulegen und etwas zu drucken. Bewußt ließ ich meine Paßwortnotizen daheim und schon in der U-Bahn auf dem Weg ins Office versuchte ich das Paßwort für die Macbookverschlüsselung zu erinnern. Es gelang mir nicht. Ich versuchte zu entspannen und nicht mehr weiter daran zu denken. Im Büro angekommen und das Macbook wie üblich angeschlossen erinnerte ich das Paßwort immer noch nicht. Ich mußte aufgeben, meine Sachen stehenlassen um wieder nach Hause zu fahren um in den Notizen nachzusehen. Beim Gang von der heimischen U-Bahnstation in Richtung der Wohnung war das Paßwort kurz vor dem Zuhause überraschend wieder präsent, sofort – ohne zu zögern und ohne Anstrengung.

Ich denke immer noch darüber nach, war es Zufall oder wollte etwas im Unbewußten mich von irgendeinem Tun abhalten? Verwirrend ….

Über das SPD-Mitgliedervotum zum Koalitionsvertrag

Die SPD scheint eine höchst erstaunliche Partei zu sein. Sie hält Regionalkonferenzen zu einem noch in keiner Weise finalisierten Koalitionsvertrag mit der CDU/CSU ab und streitet sich leidenschaftlich dabei. Wie kann das eigentlich sein? Ist das Absurde in die Partei eingezogen? (Einige Gegner aber auch Freunde der SPD würden behaupten, das Absurde wohne schon geraume Zeit dort.)

Es gibt, sehr grob gesagt, zwei Möglichkeiten Entscheidungen zu treffen. Die schnelle, leichte Art, die auf einer wie immer gearteten Heuristik beruht und die langsame, anstrengende Art und Weise, die das intensive Nachdenken und Reflektieren zur Methode hat. So wie der Prozeß des Mitgliedervotums angelegt ist, vermute ich, fürchtet die Parteiführung die erste Art, will sie aber gleichzeitig als möglichst alleinige Entscheidungsfindung durchdrücken. Was meine ich damit?

Nicht jedes Mitglied wird den Koalitionsvertrag durcharbeiten um dann eine wohlabgewogene Entscheidung zu treffen sondern eher die Abkürzung nehmen, nach dem Motto „Mit den Konservativen sowieso nicht!“ oder „Mein Herzensthema ist nicht dabei“. Einer solchen Art der Verkürzung wird die Parteiführung mit Ersetzung entgegenwirken. Die Ersetzung erfolgt mit entpolitisierten Entgegnungen wie z.B. „Wenn wir das Leben von Millionen verbessern können, dann müssen wir das machen!“. Eine solche Aussage fällt vielleicht in die Philosophie, hat aber mit politischem Handeln nichts zu tun, da eine Gegenposition unmöglich ist. Die Mitglieder sollen ihre genutzte Heuristik durch diejenige des Parteivorstands ersetzen und zur Zustimmung bewegt werden.
Eine weitere Ersetzung, die der Parteivorstand anbietet ist die der Führung durch Vertrauen. Die Mitglieder sollen entlastet werden damit sie den Vertrag nicht unbedingt selber zu lesen brauchen. Der Parteivorstand werde ja schon nichts Unsozialdemokratisches vorlegen.
Wenn am 5.12. der Vertrag online publiziert wird, am 6.12. bei allen Mitgliedern postalisch eingegangen ist, dann muß die Entscheidung der Mitglieder spätestens am 9.12. in der Post sein. Allein dieses enge Zeitregime wird viele Mitglieder in eine heuristische Entscheidungsfindung zwingen. Dafür muß von Seiten der Parteiführung der Boden bereitet werden und eben eine Vielzahl von alternativen Heuristiken angeboten werden, die die Mitglieder als Ersetzung verwenden können und es damit einfacher haben zuzustimmen.

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Ob das Aufschreiben hilft?

Gut eine Woche nach dem Aufschreiben meiner Filtertüteneigenheit ist sie verschwunden. Bin erstmal fasziniert davon und habe da aber eher noch mehr Fragen: Ist das durch das Aufschreiben verschwunden und falls ja, für wie lange oder ist das nur vorübergehend? Wie funktioniert der Mechanismus? Welche anderen Tätigkeiten können helfen? Irgendwie scheint das ja ein Gewinn an Autonomie zu sein. Und falls das so wäre, welche weiteren Eigenheiten, insbesondere im sozialen Kontext lassen sich so verändern? Kann sich die Lebensqualität dadurch verbessern? Das wird sicher noch eine interessante Reise ….

Filtertüten verwirren mich

Unsere Kaffeemaschine ist eine olle Kruke, über sieben Jahre alt, so ein weißes Standardgerät von Severin mit zwei Thermokannen, jeweils acht Normtassen fassend. Wir benutzen zum Kaffeekochen naturbraune, ungebleichte Filtertüten der Größe 4.

Vor ein paar Wochen kam die Holde auf die Idee jeden Kaffeefilter zweimal zu benutzen und bat mich dieses ebenfalls zu tun. Die beiden Gründe, ökologische und pekuniäre Sparsamkeit sind einleuchtend. Dissens gibt es nicht, dann also einfach machen. Die Überraschung folgt auf dem Fuß, denn eine Verhaltensänderung ist für mich gar nicht so leicht. Wenn ich morgens die zweite Kanne Kaffee aufsetzte, hatte ich die Bitte völlig vergessen und eine neue Filtertüte benutzt. Die Holde mußte mich also erinnern und mahnen. In meinem Leben habe ich sicher hunderte von Kannen Kaffee gekocht, immer im gleichen Muster: Kaffeekanne spülen und Wasser auffüllen, alten Kaffeefilter entsorgen und neuen einsetzen, den Kaffee löffelweise abgezählt in den Filter geben. Ein Verfahren, das sich scheinbar tief in des Gedächtnis gegraben hat und automatisch abgerufen wird. Wie gesagt, trotz Einsicht in die Bitte und dem Wollen so zu verfahren, ging die Handlung schief. Es klingt vielleicht seltsam aber ich habe mir angewöhnt sobald ich mich zum Kochen der zweiten Kanne entschließe leise vor mich her zu murmeln: „Filtertüte drinnen lassen! Filtertüte drinnen lassen!…“. Das funktioniert eigentlich hervorragend. Heute morgen gibt es jedoch eine interessante Situation. Kurz nachdem ich mein Sprüchlein so vor mich hin murmele spricht mich die Holde an und wir reden über irgendein Thema und auf einmal halte ich die alte Filtertüte in der Hand und habe sie fast in den Mülleimer verbracht, da wird mir schlagartig die Situation bewußt und ich kann die Handlung unterbrechen.

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