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Über die Cocktailstunde

Bestimmt gibt es ernsthafte kulturhistorische Betrachtungen der Cocktailstunde. Mir selbst ist die Beschreibung der Cocktailstunde eher aus der Literatur, genauer gesagt aus der Krimiliteratur bekannt. Ich denke an Agatha Christie und Hercule Poirot. Meist treffen sich Menschen zu einer mehr oder weniger festgelegten Uhrzeit,  meist bevor es das Dinner beginnt und der weitere Abend in unterschiedlicher Form verbracht wird. Sie nehmen ein paar Cocktails und unterhalten sich.

Cocktailstunde

Cocktailstunde

Die Cocktailstunde erlebe ich selber meist im Urlaub, einmal die Woche aber auch in der Gastronomie in der Nachbarschaft. Zur Cocktailstunde nehme ich grundsätzlich zwei Runden, bestehend aus einem Bier für den Durst und einem Cocktail für den Geschmack. Entgegen der Üblichkeit verbringe ich die Cocktailstunde allein, ohne Gespräch mit anwesenden Personen. Ich lese Zeitungen, die ich nicht abonniert habe oder bringe ein Buch mit.

Cocktailstunde

Cocktailstunde

Bei Letzterem findet also ein Gepräch mit dem Author statt oder ein Gespräch zwischen mir und mir selbst über das Gelesene.

Cocktailstunde

Cocktailstunde

Die meiste Zeit jedoch ist die Cocktailstunde reine Kontemplation, völlig aufmerksamkeitslos, mit frei flottierenden Gendanken.

Cocktailstunde

Cocktailstunde

Alte Freunde sprechen miteinander

Im Januar häufen sich Geburtstage. Alte Freunde, auch die, die sich über das Jahr kaum sehen, rufen einander an um sich ihrer Wertschätzung zu versichern. Das ist ein angenehmes Ritual, ein Ritual das die Zeit strukturiert, das das Ende eines Zeitraums versöhnlich abchließt und ein neuen Abschnitt markiert und somit Zeitverbrauch eine klein wenig die Grundlage entzieht. Alte Freunde unterhalten sich über den Zeitraum seit dem letzten Gespräch und natürlich, da sie Alte Freunde sind, von Früher. Ein Thema über das sich die Alten Freunde in diesem Jahr erstmalig etwas intensiver unterhalten ist ihr Alter. Ihr offizielles ist bereits eines, das für sie früher unerreichbar schien, da sie mit Sechzehn dachten mit Fünfzig wären die Menschen uralt und sie selber bereits mit Dreißig tot. Und überhaupt, als Kinder fühlten sie zwar irgendwie die Endlichkeit aber klar war, daß der älteste der Alten Freunde zuerst und der jüngste zuletzt ginge. Die Alten Freunde stellen also im Gespräch fest, daß es ein Alter des Leibes und ein Alter des Inneren, des Geistes oder wie immer man das auch nennen möchte, gibt. Und das Alter des Leibes und das Alter wie sich die Alten Freunde fühlen ist doch sehr unterschiedlich. Die Alten Freunde kommen überein, daß das innere Alter irgendwann stehengeblieben ist, einen Zeitpunkt festzulegen ist schwierig, vielleicht gar bei achtzehn Jahren oder doch bei einundzwanzig oder wann? Das ist keine einfache Sache. Wie führt man also ein gutes Leben wenn der Leib älter ist als das Innere? Dazu noch in einer Gesellschaft, die öffentliche Ambivalenzen privatisiert hat, sodaß sich die Individuen selber in verschiedenen durchökonomisierten Kontexten wie Beruf, Freizeit oder gar Partnerschaft zum Produkt tranformieren müssen um auf dem jeweiligen Markt bestehen. Die Alten Freunde machen es sich da eher einfach – sie versuchen diesen Druck zu ignorieren. Im Gegenteil, das Wissen um die Diskrepanz von äußerem und inneren Alter setzt sie aus bestimmten Konkurrenzsituationen frei, die sie sich von der Bühne aus lustvoll betrachten. Das Leben als Statler und Waldorf ist herrlich!

Monothematik

Man photographiert Dinge um sie aus dem Sinn zu verscheuchen. (Franz Kafka nach Gustav Janouch)

Für dieses Jahr habe ich bewußt keine Herzliste aufgestellt, denn mir erscheint es wichtiger die Vorauaussetzungen der Notwendigkeit einer solchen Herzliste, “…was aber im Alltag auf Grund von Zeitmangel, Stress oder fehlender Ruhe meist untergeht”, möglichst zu verändern. Die Grundstock für das gute Leben ist die Vermittlung von vita activa und vita contemplativa und nicht ein Übergewicht von „Aktivität“. Auch einen schriftlichen Jahresrückblick habe ich mir verkniffen, dafür aber im Gesichtsbuch die Funktion Jahresrückblick auf Basis der eingestellten Photographien genutzt. Die Kommentare zum Ergebnis sind irgendwie belustigend, von „Essen und Bier, mehr gabs nicht…“ über „man könnte sagen: beer & burger“ und „fast etws monothematisch – aber genau mein Ding“ zu „geradezu kronknorke“ wird das Übergewicht von Essens- und Bierbildern beschrieben. Dabei ist dies nur eine ziemlich kleine Auswahl an Bildern, die ich an anderen Orten aufbewahre. Die für mich wirklich wichtigen Bilder, die, die ich sehe wenn ich die Augen geschlossen gehalte, die sozusagen aus dem Unbewußten kommen sind das gezeigte Panorama und die Homebrewingbilder. Letzteres ist sicher keine Überraschung, das Panorama „verstehen“ nur drei Menschen mit denen ich im Gesichtsbuch verbunden bin.