Ein ganz besonderes Loch

Der technische Fortschritt macht vor den Dienstleistungen im Handel keinen Halt. Dort wo in vergangenen Zeiten freundliche Angestellte das Leergut dem Kunden persönlich abnahmen, das Pfandguthaben auf einen Zettel samt Unterschrift notierten, Zeit für ein Schwätzchen hatten, da steht heute eine blechernes Monstrum namens Leergutautomat.

Der Leergutautomat bei meinem Lebensmittelhändler um die Ecke scheint ein ganz eigenes Kaliber zu sein. Seinem Schlund entströmt ein gräßlicher Gestank aus Bier und undefinierbaren Ingredienzien; zu nahe herantreten geht nicht, denn die Übelkeit packt einen sofort. Flüssigkeiten sabbern aus dem Loch.

Trotzdem versammelt sich, egal zu welcher Tageszeit, eine interessierte Menschenmenge um ihn mit ihren Rückgaben zu füllen. Man stellt sich brav an, kann jede Wette eingehen, daß sein Inneres gefüllt ist bis man selber an der Reihe ist. Pech gehabt, Personal rufen, Personal hat keine Zeit, warten, warten, warten. Spätestens dann wird der Automat zum sozialen Ferment, die Menschen kommen über ihn miteinander ins Gespräch. Man lernt sich kennen, man grüßt sich ab jetzt und man wird sich wiedersehen.

Die Tücken seiner Technik reizen bis aufs Blut. Denn er kann nicht selber denken. Leergut, daß bis gestern ohne Murren angenommen wurde wird heute mit lauten Piepen und Displayblinken konsequent verweigert. Ebenso verweigert er Knall auf Fall die Annahme von Leergut derselben Firma, die er eben noch schluckte. Er läßt sich überlisten, ja, eine andere Flasche nehmen, dann mit der ersten erneut probieren. Jedoch auf spitzfindige Überlistungshandlungen läßt er sich nicht ein: schwungvolles Werfen des Leergutes durch seinen langgezogenen Schlund bis in die Auffangbehälter im Inneren lassen seine Sensoren nicht zu. Dann hilft wiederum nur Personal rufen, Flaschen übergeben, sich Flüche anhören.

Der Discounter des Vertrauens hat einen ähnlichen Automaten. Der verschlingt vornehmlich Plastikflaschen mit lautem Schmatzen. Sein Schlund ist das ganze Gegenteil: hell, steril und geruchlos.

Die Menschenmenge ist hier deutlich größer, das Leergut wird meist in großen grauen Plastiksäcken mitgebracht. Trotzdem funktioniert die Rücknahme reibungslos. Der Automat tut was er soll, man wartet wortlos. Was gibt es auch besonderes über ihn zu sagen?

SOPA und eine Verlagsdiät

Am vergangenen Mittwoch zum SOPA Tag habe ich auch mein Blog für 24 Stunden geschwärzt.

Zusätzlich belasse ich bis Ende Januar noch ein SOPA Ribbon in der oberen rechten Ecke der Seite.

Dieses Zeichen des Protestes gegen zensurartige technische und juristische Eingriffe in das Grundrecht der Meinungsfreiheit halte ich für notwendig und beteilige mich selbstverständlich.

Beim Reflektieren über die mutmaßlichen Folgen dieser Maßnahmen kam mir das Leistungsschutzrecht für Presseverleger in den Sinn und ich versuchte mir vorzustellen wie wohl ein www ohne Webseiten und Inhalte, die mit diesem Schutzrecht normiert werden könnten, aussähe. Dafür beschloß ich einige Tage auf die üblichen redaktionellen Inhalte zu verzichten und meine gewohnten Besuche auf den üblichen Publisherseiten einzustellen. Negative Folgen kann ich für mich bis jetzt nicht feststellen. Einen Informationsverlust hatte ich jedenfalls nicht, was wichtig war erreichte mich über Twitter, Facebook, Blogs oder sonstigen Seiten. Die Frage nach der alternativen Nutzung der Zeit kann ich zur Zeit nicht beantworten. Da dieses „Experiment“ noch andauert werde ich versuchen mich dazu selbst zu beobachten.
Ich fühle mich wohl bei dieser Verlagsdiät, vermisse nichts und freue mich schon auf die morgige Printausgabe der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, das einzige Presseerzeugnis, das ich für mich abonniert habe.

Tschechische Bierbar im KaDeWe

Als Ironblogger mit dem heroischen Wahlspruch „blogging our way to beer“ ist es angemessen auch über Lokationen zu berichten, die dieses erfreuliche Naß offerieren. Ein Quell der feuchten Freuden ist mir die Tschechische Bierbar im KaDeWe. Gelegentlich kaufe ich am Wittenbergplatz ein und finde mich dann regelmäßig magisch oder wurmlochreisend in der Feinschmeckerabteilung im 6. Stock wieder.

Die Bedienung versteht ihr Handwerk, ist zuvorkommend und die Biere sind großartig gezapft, haben die richtige Temperatur und eine famose Schaumkrone, in der der ein 2-Euro-Stück senkrecht fixiert werden kann. Der Preis von 4,10 € ist natürlich ambitioniert.

Das Publikum ist eine sehr eigene Mischung silbergrauer Stammgäste und Berlintouristen. Mit den Stammgästen habe ich noch nie ein Wort gewechselt allerdings das ein oder andere flüchtige Nicken des Erkennens ausgetauscht. Die Berlintouristen sind da expressiver, erzählen gerne von ihrer Reise und ihrer Herkunft und freuen sich auf Unterhaltung. Introvertiert wie es nun so meine Art ist bin ich meistens froh einfach nur bei einem gutgekühlten Budweiser dort sitzen und in mein Device sehen zu können.

Würde mich aber freuen, dort mit euch ein Pläuschen zu halten, falls ihr mal in der Gegend seid.

Und jetzt auch noch Path

Nach diesem interessanten Post von Martin Weigert auf netzwertig.com über Path faßte ich den Entschluß mir dieses Social Network einmal genauer anzusehen.
Wenn man kein klassischer „Pinger“ ist, der von einer zentralen Anwendung aus seine Ergüsse ohne Rücksicht auf die Nutzerstruktur einer speziellen Plattform durch den Orkus schießt, bedeutet jede zusätzliche Anwendung Mühsahl. Ich unterziehe mich gerne dieser Mühe, artikuliere mich auch in jeder Plattform anders und sehe in Path darum einen gewissen Reiz.

Path Screen

Die Begrenzung auf 150 „Freunde“ ist eine interessante Idee. Dadurch bietet Path die Möglichkeit einer speziellen Kommunikation mit einer speziellen Nutzerschaft und ist sicher eine Alternative für Leute, die plattformspezifisch kommunizieren wollen. Verschiedene Pathnutzer bestätigten mir dieses, nutzen sie die Begrenzung konsequent um wesentlich persönlichere Informationen mit einer sorgfältig ausgewählten Nutzerschaft zu teilen.

Mich enttäuscht in den ersten Tagen die deutlich verbesserungswürdige Stabilität der iPhone-App. Regelmäßige Abstürze sind an der Tagesordnung, die Ursache ist mir noch unklar. Die App verkürzt die Akkulaufzeit signifikant.

Ich bin gespannt wie sich Path entwickeln wird.

Silvesterkonzert

Vor langen Jahren, vor der Zeit des Privatfernsehens, zeigten die dritten Programme der ARD zwischen Weihnachten und Neujahr Wiederholungen der verschiedensten Ausgaben des Beat Clubs, das waren Highlights in den Weihnachtsferien, nach denen wir uns sehnten und die wir begierig sahen. (Es gab ja sonst nix.)

In jüngerer Zeit bringt 3sat an Silvester den Thementag „Rock around the clock“, eine für mich durchwachsene Mischung aus Konzerten großer Bands und Einzelkünstler, wie auch Interpreten, die mich noch nie ansprachen.
Drei meiner Lieblingsgruppen, Thin Lizzy,
Grand Funk Railroad und Led Zeppelin habe ich zum Thementag dort noch nicht gesehen und so schaue ich mir an diesem Silvester einige Youtube-Videos aus Konzerten meiner Favoriten an und bette sie hier ein.

Ich wünsche einen Guten Rutsch ins neue Jahr!

(Die Videos sind nicht unter einer Creative Commons Lizenz lizensiert)

Der Trend geht zu Cord, wie entsetzlich!

Mode ist nicht so mein Ding, jedenfalls heutzutage. Verstehe auch nichts davon. Trage halt meine (groß)karierten Hemden, in der kalten Jahreszeit auch gerne schwarze Sweatshirts. Muß ich aus beruflichen Gründen ein weißes Hemd oder einen Anzug anziehen, was ich tunlichst zu vermeiden suche, wird das von den Kollegen mit verwunderten Ahs und Ohs quittiert. Eines noch – Krawatten sind mir ein Greuel.
Am vergangenen Sonntag jedoch wurde in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung einer meiner schlimmsten modischen Albträume in einem Artikel mit Enthusiasmus propapagiert – die Cordhose.

Cord ist ein furchtbare Erinnerung aus meiner Jugend. Die braune Cordhose, das grüne Cordhemd, die weinrote Cordjacke. In der weinroten Cordjacke war übrigens in der linken Brusttasche definitiv die Haarbürste oder der Kamm zu tragen, der Coolness wegen. Aber Cord war uncool, Cord rockte nicht, keiner in den Rockbands trug Cord. Der einzig wahre Look war Jeans, natürlich nur als Hose und Jacke, Jeanshemden gab es nicht. Und klaro, damals nur die richtigen Marken Lee oder Wrangler.

Das ist schon eine Weile her, wie gesagt, heute bin ich da leidenschaftslos aber kommt mir nur nicht mit Cord!

HTTP und eine eingelassene Datenschutzproblematik

Die technischen Grundlagen des WWW und das europäische wie deutsche Datenschutzrecht scheinen orthogonal zueinander zu stehen. Das ist keine neue Erkenntnis. Es sind jedoch für mich in Europa oder Deutschland auch keine Institutionen erkennbar, die die technischen Grundlagen analysieren und die daraus resultierenden Problemlagen für die Menschen so humanisieren, daß eine risikoadäquate Nutzung möglich ist.
Wie heutzutage die Einbindung einer einfachen Grafik samt Trackingmechanismus, die den Facebook-Like-Button simuliert, grundsätzliche datenschutzrechtliche Fragen aufwerfen kann zeigt Henning Tillman in seinem Blogbeitrag.

PrivacyImg - Ein interaktives Beispiel. Konfiguration ueber http://tilli.me/privacyimg
Konfiguration ueber http://tilli.me/privacyimg

Ungleichgewicht – ist das was Offline geht, Online problemlos?

Der Markus Breuer hat mit kühlem Kopf und heißem Herzen einen Blogpost zum Thema Adreßhandel als Antwort auf die Aufgeregtheiten, die ein Artikel über Google in verschiedenen „Qualitätsmedien“ verursacht hat, geschrieben. Ich möchte an Markusens Beitrag anschließen und frage mich ob ähnliche Handlungen innerhalb oder außerhalb des Internets unterschiedliche Qualitäten zugeschrieben bekommen. Das Beispiel, das ich wähle ist der Zeit in Berlin angemessen, es handelt sich um Wahlwerbung der/für politische Parteien.

Jeder Wahlkampfmanager hat seinen bewährten Instrumentenkasten. Ein Instrument, daß wahrscheinlich jede Partei benutzt, ist die Erstwähleransprache. Die Erstwähleranspracher erfolgt in der Regel per Brief, als Anregung doch überhaupt an der Wahl teilzunehmen oder auch als Einladung zu Events. Nun sind die Erstwähler den Parteien zunächst unbekannt und so bedient man sich selbstverständlich den (kommunalen/staatlichen) Melderegistern. Natürlich nur, wenn der Erstwähler der Nutzung seiner Daten nicht widersprochen hat. Ich bezweifle allerdings, daß der Großteil der Erstwähler sein Widerspruchsrecht kennt.
Das zweite Instrument, das Wahlkampfmanager virtuos beherrschen ist die briefliche „zielgruppengerechte“ Ansprache nach Parteienaffinität. Briefliche Parteienwerbung wird heutzutage natürlich nicht per Zufall und über die Fläche gestreut, sondern grundsätzlich nur an diejenigen adressiert, von denen man auch den Gang zur Urne im eigenen gewünschten Sinne erwartet. Dieses Verfahren klappt hervorragend, verringert Streuverluste (hört, hört) und erbringt eine ordentliche Kosten-Nutzen-Relation (und wird natürlich über Adreßhändler abgewickelt). Das Ganze ist datenschutzrechtlich geprüft und für problemlos befunden worden. Niemand käme auf die Idee an einem solchen Verfahren Anstoß zu nehmen.

Eine solche Werbemaßnahme kann auch jederzeit technisch problemlos und methodisch sauber Online durchgeführt werden. Dabei werden die Parteienaffinitäten einem Rechner (Client) zugeordnet und der Click des Internetnutzers auf die werbetreibende Seite samt der Affinität an einen Adserver gesendet, der dann die entsprechende Wahlwerbung ausliefert. Allerdings, aufgepaßt! Parteienaffinitäten in Verbindung mit der IP-Adresse, die technisch für den Transport durch das Netz gebraucht wird, sind nach Maßgabe der Aufsichtsbehörden besondere personenbezogene Daten nach §3 (9) BDSG. Und in dieser Kombination wäre eine gesonderte Einwilligung des Adressaten zwingend notwendig. Ohne diese Einwilligung wäre also unter den gegebenen rechtlichen Rahmenbedingungen eine solche Werbemaßnahme rechtswidrig.

Die Frage, die ich mir stelle, ist also, bedarf es für die briefliche Werbung von Parteien keine gesonderte Einwilligung? Und falls doch, wieso geben die Bürger millionenfach diese Einwillung für briefliche Parteienwerbung und wie wäre die Response Online? Oder braucht es für die briefliche Parteienwerbung keine gesonderte Einwilligung und falls nicht – warum?
Oder werden einfach nach Gusto unterschiedliche Maßstäbe benutzt um ähnliche Sachverhalte zu legitimieren?

Post von Kahta – mein Weg zu Google+

Am 30.06 so um 11.30 Uhr erreichten mich 2 Mails von Kahta, gesendet über Google+ mit leicht kryptischem Inhalt und dem Link „Learn more about Google+“. Zwei Clicks weiter war ich dabei. Die ganze Aufmachung der Seiten hieße im WordPress-Sprech ein „squeaky-clean“, ein blitzsauberes Theme ohne viel Zierrat. Ich finde das sehr erfrischend. Zugleich zeigt Google+ gute Performance auf meinem Akoya E1222, 1 GB RAM und Windows 7 Home Edition, dem sogenannten „Plurkbook“. Da ruckelt nichts, die Seiten laufen sauber. Der Wechsel zu Gmail und weiteren Tools über die obige Taskleiste ist problemlos. Ich habe alle voreingestellten Circles gelöscht, einen Circle namens „geeks“ aufgemacht. Hier sind alle Kontakte eingetopft.

Es gibt 3 Kontaktlisten, eine bspw. mit der Bezeichnung „Personen in meinen Kreisen“. In allen 3 Listen werden die Kontakte per default nach Relevanz geordnet. Eine äußerst interessante Sache und sicher eines von Googles Kerngeschäften – die Ordnung der Dinge nach Relevanz. Allerdings erschließt sich mir der Algorithmus nicht aus seinem Ergebnis. An erster Stelle in der obigen Liste stehen die Personen, mit denen ich über Gmail kommuniziert habe, erst dann werden weitere Kontakte aufgeführt, die sich m.E. nach über das „Verbundene Konto“ zu Twitter erklären. Auch werden dieselben Kontakte, die in 2 Listen stehen, extrem unterschiedlich geordnet. Nach meinen eigenen Ordnungsmaßstäben würde ich die Kontakte ganz anders listen. Die Relevanzordnung bei Google+ geht also auf einen Algorithmus zurück, der zu meinem eigenen menschlichen Ordnungsmechanismus orthogonal ist. Hier sollte m.E. Google nacharbeiten. Über die intransparente Relevanzordnung habe es bereits mit einigen Kontakten einenThread in Google+ gehabt.

Die ersten datenschutzrechtlichen Erwägungen hat Nina Diercks vom Social Media Recht Blog bereits getroffen. Dazu ist eigentlich nur folgendes zu ergänzen. Google möchte und wird die einzelnen unverbundene „Karteikästchen“, in denen Informationen über den Nutzer stehen, innerhalb und außerhalb seines Systems verbinden, analysieren, für den Nutzer verfügbar und für sich selbst geschäftlich nutzbar machen. Das geht über Einwilligung und Technik wie bei den „Verbundenen Konten“ und das geht über Transparenz im eigenen System. Man merkt, daß Google sich anstrengt, sich dem Thema Informationsschutz ernsthaft widmet. Transparenz gerade durch einfaches und kurzes Erklären sollte eine Maxime sein und weiter ausgebaut werden.

Zusammengefaßt, ich finde Google+ interessant, weiß aber mit den Circles (noch) nichts anzufangen, sehe viele neue Kontakte und war in den letzen Tagen nur in einem anderen Social Network um Veranstaltungsermine und Geburtstage zu checken. Ich werde mich bei Google+ einrichten.

Domain Mapping auf horax.io

Ja, das Fleisch ist schwach und irgendwann kann ich halt nicht widerstehen. Mit leichtem aber nur ganz leichtem Narzismus gesegnet habe ich mir dann doch eine Domain für dieses Blog gegönnt:

horax.io

Find ich knorke!
Eines sollte jetzt aber auch passieren. Öfter was schreiben. Ich weiß es klappt.