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Über unverständliche Werbung

Werbung sollte verständlich sein um zu wirken. Dies ist eine Voraussetzung über die kaum nachgedacht wird, so banal scheint sie zu sein. So gibt es die Plurk App in deutscher Sprache. (Plurk ist ein Social Media Dienstleister und in Asien sehr erfolgreich. Ich nutze Plurk seit 2008) Die dort ausgelieferte Werbung von Unternehmen in Form von Antworten auf das eigene Geschriebene wird jedoch nur in chinesischer Schrift gezeigt. Wer kein Chinesisch beherrscht versteht die Werbung nicht. Möglicherweise betrachtet der ein oder die andere zu Beginn der „Plurkkarriere“ die ikonographische und geheimnisvolle Form der Schriftzeichen, die auch als ästhetisch schön empfunden werden können, etwas länger. Aber – die Werbung wird nicht den gewünschten Effekt erreichen. Die Auslieferung in chinesischen Schriftzeichen zeigt, daß die Werbetreibenden oder genauer Plurk die angesprochenen Nutzer zur selben Sprachgemeinschaft zählen. Damit scheint die Ansprache als Person gegeben zu sein. Aber ist es das wirklich, fühlt sich der Nutzer durch automatisierte und damit hochfrequente, unverständliche Werbung als Person angesprochen? In dem Kontext wäre die Frage eher zu verneinen.

Gehen

Derjenige der ruht, besitzt alle Reichtümer. Ist es nicht dasselbe für denjenigen, dessen Fuß von einem Schuh umschlossen ist und der geht, als ob die ganze Erdoberfläche von Leder bedeckt wäre?

Dieses Zitat von Henry David Thoreau steht am Beginn des Buches „Lob des Gehens“ von David Le Breton. Ein unterhaltsames Buch, das zum Nach-Denken anregt, das ich aber nur bis Seite 75 geschafft habe. Über das Gehen als Sport berichtet die Sonntagszeitung auf fast einer ganzen Seite. Dieser Bericht beschreibt die abnehmende Akzeptanz der Sportart durch Verantwortliche von Olympischen Spielen und anderen Wettbewerben. Mangelnde mediale Attraktivität könnte man vermuten, mangelnde Einschaltquoten. Der Artikel bewegt mich tatsächlich dazu mir das 50 km-Gehen und das 20 km-Gehen als Liveberichtertstattung im Rahmen der Leichtathletikweltmeisterschaften im TV anzusehen. So verbringe ich gute fünf Stunden auf der Couch und sehe anderen beim Gehen zu. Was das nun mit Le Bretons Buch zu tun hat? Eigentlich nicht viel, ich hole es aus dem Regel, blättere ein wenig darin und komme zum Entschluß es (irgendwann) zu Ende zu lesen. Was mir allerdings nicht einfällt ist das Haus zu verlassen und einmal in gemächlichem Tempo durch meinen Kiez oder Kreuzberg zu gehen.

Was weiß ich schon?

Wissen scheint in der Philosophie ein gar seltsames Ding zu sein. Danach kann Wissen nur durch Erfahrung und/oder Nach-Denken gewonnen werden. Wären dies die einzigen Möglichkeiten müßte ich mich eigentlich fragen: „Was weiß ich schon?“. Denn es ist doch ziemlich klar, daß ich das meiste Wissen durch andere Menschen vermittelt bekommen habe. Eltern, Lehrer, Freunde – eine Vorlesung an der Universität; ich könnte eine Perspektive einnehmen diese Personen als Medien zu betrachten, die Wissen übertragen. Aber dieses Wissen soll gar kein Wissen sein? Das ist seltsam… Aber – was weiß ich schon?

Die Sache mit der Jodelei

Beim Lesen in der papiernen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung fällt mir ein Artikel über Jodel auf. Was das ist sagt der Link. Zu meiner Überaschung existiert die Applikation seit 2014 und ich könnte Stein auf Bein schwören noch nie von ihr gehört zu haben. Weder in irgendeinem journalistischen Format, der Twittertimeline noch im Gesichtsbuch oder im persönlichen Gespräch bin ich über Jodel gestolpert. Selbst als Gasthörer der FU Berlin ist mir die App dort nicht in den Räumlichkeiten begegnet. Natürlich lade ich sie runter und schaue mir auch einzelne Channel an: Foodporn und FU Berlin könnten interessant sein.

Was mich allerdings verwirrt ist die Tatsache erst heute von der Applikation zu erfahren. Ist das dieses Älterwerden und/oder eine (damit) verbundene selektive Wahrnehmung… ?

Die Kraft meiner Worte

Der Schöpfer-Gott erschafft die Welt durch das Wort. Der Schöpfer-Gott handelt durch das Wort. Der Schöpfer-Gott spicht in Wort und Tat: „Es werde Licht!“ Und es ward Licht. Mein Wort ist nicht demiurgisch: „Es werde Spiegelei!“ Und nichts passiert. Ein Mensch eben…

Mit bestem Dank an Frau Krämer für diesen inspirierenden Moment.

Wochenende


Eine schöne Party war das in Köln.

Wunderliche Schnellschüsse

Ich bin auf der Konferenz „Digitales Leben – Vernetzt. Vermessen. Verkauft?“ auf der Heiko Maas seine Ideen zu soetwas wie einer „Algorithmenregulierung“ vorstellt. Das was ich höre ist aber nicht das, was ein Onlinemedium vor der Konferenz veröffentlicht hat und auch weitere literale Medien nach der Konferenz veröffentlichen werden. Der Minister hat nur etwas mehr Transparenz zu Algorithmen angesprochen, wie diese ausgestaltet werden kann soll aber dem politischen Prozeß überlassen werden. Es gibt von ihm keinerlei Vorgaben. Nicht gefordert hat er die Vorstellung jedes komplexen Algorithmus bei einer Aufsicht. Genehmigungsverfahren soll es nicht geben. Also bürokratische Monster sollen nicht geschaffen werden. Daß der Minister seine Ideen noch kurzfristig öffentlich vorgestellt hat mag man ihm nachsehen, er möchte halt Aufmerksamkeit haben. Daß nun einige Medien so wunderliche Schnellschüsse über seine Rede absondern mag auch mit Aufmerksamkeitsdefiziten erklärt werden. Über Letzteres kann ich aber nur den Kopf schütteln.

Google meint ich hätte kein Gesicht

Ich richte mir eine Teststellung G Suite ein. Eigentlich möchte ich die Domain .io darauf mappen aber das WordPressangebot dazu verunsichert mich zur Zeit ein wenig. Also nehme ich eine andere Domain um einmal die Einrichtungsroutine durchzuspielen. Alles klappt ohne Probleme bis zum Installieren des Profilbildes, das andere G Suite Nutzer sehen können. Natürlich nehme ich das Bild des „obamisierten Horax“, den Twitteravatar, der auch Header in diesem Blog und anderen Diensten ist. Zu meinem Erstaunen erklärt mir G Suite, daß kein Gesicht auf dem Bild zu erkennen sei. Das automatisierte Gesichtserkennungssystem – ich bringe es nicht mit Künstlicher Intelligenz in Verbindung, denn die würde ein Gesicht erkennen – läßt mich das Bild nicht einbauen. Klar ist, die Teststellung wird auslaufen und der Account wird gelöscht.

Du hackst Computer – ich hacke die Welt

„Du hackst Computer – ich hacke die Welt“ sagt MacGyver in der erste Folge des Reboots der TV-Erfolgsserie aus den achtziger Jahren um eine neue Kollegin für das Team zu gewinnen. Die ersten Kritiken des Reboots sind eher durchwachsen, ich gebe dem Reboot eine Chance.

Aber nicht die Serie an sich ist interessant sondern die Denkungsart, die Problemlösungsart des Protagonisten – die eines Bricoleurs. Und die Figur des MacGyver ist das filmgewordene Ideal des Bricoleurs. Heutzutage manifestiert sich diese Denkungsart des Tüftlers sozial und kulturell in der Gestalt des Makers oder Makerbewegung. Das ist spannend zu beobachten …

Orcabrau und der Tap Takeover

Felix ist mit Bieren seiner Brauerei Orcabrau in da House und übernimmt vier Hähne für das Wochenende bei Heidenpeters. Schon nachmittags ist die Bar sehr gut besucht, die Wiedersehensfreude auf allen Seiten groß. Und endlich, endlich können wir seine Köstlichkeiten direkt vom Hahn verkosten, Nürnberg ist eben doch ein wenig weiter weg. Felix bietet folgende Biere an:

1. „Brokantie“ Sour Saison 5,2% – mit Sauermalz gesäuert, klassisch mit Herkules, Perle und Saphir gehopft
2. „Brokantie“ sour saison rosmarin/orange 5,5% – mit Sauermalz gesäuert und vor Kochende mit Orangenschalen, Orangensaft und Rosmarin verfeinert
3. „Kirschenwäldchen“ gose style 5,1% – mit Salz, Koriander und mit Sauermalz natürlich gesäuert, gelagert auf Kirschbaumchips
4. „anders!“ Double Pale Ale dry hopped w/ Citra & Mosaic 6,8% – viel Hopfen, wenig Malzsüße, leicht zu trinken

Da Würsteltag ist rät Felix zur Bratwurst das „Brotkanie“ mit Rosmarin und Orange, das sich als ausgezeichnet Wahl herausstellt. Rosmarin und Orange sowie die erfrischende Säure kitzeln aus der Bratwurst die gesamte Köstlichkeit heraus und ergeben so einen hervorragenden Start.

„Bronkantie“ Sours Saison Rosmarin/ Orange, frische Bratwurst von Kumpel & Keule, Rind und Schwein mit Lauch und Hellem von Brlo.

Meine Favoriten sind das „Brokantie“ Sour Saison 5,2% und das „anders“. Das „Brokantie“ mit seiner erfrischenden aber nicht übermäßigen Säure ist ein tolles Bier für die heißen Tage. Das „anders“ überrascht mit einem weißbierhefigen Abgang. Gut zu trinken auch und gerade bei Durst. Nur mit 6,8% ist Vorsicht geboten. Die Biere von Orcabrau lassen den besonderen Stil von Felix Brauweise erkennen. Der ist nämlich eine vorsichte, fast defensive Karbonisierung. (Das galt schon für sein, vor zwei oder drei Jahren  privat gebrautes und bereits legendäres auf Bacon gelagertes Ale). Dementsprechend ist der Kohlensäuregehalt gering, ich finde das spannend, kann man die Biere doch anders – intensiver – „schmecken“ und mit ihnen im Mund spielen als bei hohem Kohlensäuregehalt. Orcabraus erstes Tab Takeover in Berlin ist begeisternd.