Über 10:36 Uhr

Tragikomisch mutet die Genauigkeit des Termins in zwei Monaten beim Bürgeramt an: 10:36 Uhr. Nicht 10:30 Uhr oder 10:35 Uhr oder 10:40 Uhr – nein 10.36 Uhr. Das verschlägt den Atem. Was will diese Genauigkeit ausdrücken, die sowieso nicht eingehalten wird? Ist der Ausdruck des Selbstverständnisses einer Verwaltung? Ist es nur eine Markierung ohne weitere Aussage? Wann ist der nachfolgende Termin anberaumt: 10:46 Uhr? Ist es ein Spiegel der theoretischen Arbeitszeit einer Mitarbeiterin, die am Tag sieben Stunden und einundzwanzig Minuten arbeiten muß?

Was wird wohl die Antwort darauf sein?

Über die Lage mit Delta

Ramba Zamba machen oder Vorsicht walten lassen? Die Situation mit Delta ist nicht einfach. Die Impfung ist so außerordentlich wichtig um Leid zu verhindern, die Impfung ist aber kein Allheilmittel. Die Impfung reduziert das Risiko von Krankheit und Tod, sie senkt das Risiko aber nicht auf Null. Das ist so wichtig zu verstehen. Ältere und vorerkrankte Personen, Risikopersonen allgemein, profitieren von der Impfung, ihr Risiko ist aber immer noch deutlich höher als bei jüngeren und gesunden Personen. Deshalb ist weiter Vorsicht angesagt. Die bewährten Maßnahmen Abstand, Hygiene, Maske sollten von den Personen, die ein Risiko haben weiter eingehalten werden.

Über die verschüttete Suppe

Quo vadis soup.io? Die Suppe ist demnächst ein Jahr abgestellt. Schade, war sie doch ein Aggregator europäischer Herkunft und für mich ein weiteres Tumblelog neben Tumblr. Auf meiner Suppe „horax ist hier“ hatte ich die Domain „horax.me“ gemappt. Gestern habe ich auf Tumblr die Seite „horax ist hier“ als Nebenblog zum Tumblelog aufgemacht und die Domain darauf gemappt. „horax ist hier“ ist kein zweites Tumblelog sondern ein weiteres Blog. Ich begann vor geraumer Zeit auf dem Tumblelog Blogposts zu schreiben, die ich hier in diesem Blog nicht schreiben wollte. Dazu ist aber das Tumblelog nicht gedacht. Das neue Blog wird solche Posts enthalten. Drei Blogs sind dann aber wirklich genug…

Über den ungenutzten Einkaufszettel

Prophylaktisch schreibe ich Einkaufszettel und zwar auf anlogem Papier, nicht in Binärschrift. Die Einkaufszettel sind kleine Zettel, in post-it-Größe, zurechtgeschnitten aus größeren, auch benutzten Papierformaten. Den Inhalt der Einkaufszettel besprechen die Holde und ich genau. Der Inhalt bezieht sich auf die Lebensmitteleinkäufe einer Woche. Nach einem Einkauf wird der Zettel geprüft und das Erworbene durchgestrichen.

Nach dem heutigen Wochenendeinkauf stellte ich fest dass Zwiebeln fehlten. Ich hatte den Einkaufszettel während des Einkaufs mit dabei aber nicht gelesen. Die Holde bemerkte dazu, daß ich mich wohl so großartig fühle alles im Kopf zu behalten und es nicht nötig hätte auf den Zettel zu schauen. Das ist so nicht ganz richtig, ich hatte einfach vergessen auf den Zettel zu schauen. Haarkötter hat recht: Notizen sind dazu da, die verschriftlichten Gedanken zu vergessen um Platz für neue zu machen. Die Zwiebeln waren auf dem Einkaufszettel und nicht in meinem Kopf. Ich muß üben während des Einkaufs auf den Zettel zu schauen…

Über Twitterlisten

Obwohl ich Listen in Twitter unnötig fand – die Beschäftigung damit würde Twitter zuviel Bedeutung zuschreiben – habe ich schließlich doch einen Set Listen eingerichtet. Die Listen sind themenspezifisch und auf privat gesetzt. Einige Listen konzentrieren Accounts und die Informationen weil das Thema relevant ist. Der Zugriff wird erleichtert. Andere Listen invisibilisieren Accounts und die Informationen weil das Thema zwar nicht unbedingt irrelevant ist aber spezifisch sehr viel Rauschen erzeugt. Das erleichtert das Lesen der Timeline ungemein. Ein Feature benutze ich schon länger für die Selbstsorge, das der stummgeschalteten Worte. Es ist hochwirksam…

Über den Blick in die Wetterapp

Niederschlag – was nun? Beim morgentlichen Blick in die Wetterapp bleibt es nicht, auch tagsüber wird vor dem Gang ins Freie des Öfteren nachgeschaut. Wenn es geht, warum nicht? Aber es scheint, als wäre in letzter Zeit die Wettervorhersage instabiler geworden, müsse sich häufiger korrigieren. Stimmt das? Eine Hypothese wäre, die Vorhersage wäre ungenauer, da es weniger Flugbewegungen gibt und somit einen geringeren Umfang von durch Flugzeugsensorik gemessene Wetterdaten, die zur Prognose verfügbar wären. Das stimmt nicht für Mitteleuropa, es gibt genug bodengebundene Wettersensorik. So ein Umweg des Denkens ist interessant, führt aber in die Irre. Das Wetter ist zur Zeit einfach sehr wechselhaft und das wird mit dem Blick in die App sichtbar. Ganz einfach, nicht wahr?

Über eine leichte Brise

Leicht und luftig, sehr zart weht eine Brise. In ihrer Wahrnehmung erinnert sie an das Jahr 1997. Eine ähnliche Brise wehte und verdichtet sich zu einem veritablen Sturm, der die erstarrte konservative Politik 1998 zerstäubte. Das Besondere an der heutigen Brise ist, daß sie in der Generation der älteren, wirklich älteren Menschen ab 70 Jahren zutage tritt. Die Unzufriedenheit mit dem Bestehenden, diese Unzufriedenheit sucht sich ihre Überwindung personell in einer 40 jährigen Frau. Ja, Politik wird personalisiert. Hoffnungen werden nicht nur in Parteiprogramme gesetzt, Hoffnungen verbinden auch sich mit Personen, das Erscheinen von Personen und ihr bisheriges Handeln. Wenn Hoffnung auf Besserung unter den Alten verbreitet ist, wie verteilt sie sich in den anderen Generationen?

Über das manuelle Uhrenumstellen

Kurioserweise gibt es in diesem Haushalt immer noch zwei Uhren ohne Funkmodul. Ein Siemenshandapparat fürs Festnetz, dessen Basisstation am Router angeschlossen ist, wird nicht über irgendeine Systemzeit umgestellt, sondern muß manuell eingestellt werden. Die Uhr der noch betagteren Mikrowelle (die Mikrowelle denkt gar nicht daran kaputt zugehen, sodaß sie durch eine moderne ersetzt werden kann) bedarf ebenfalls der Umstellung per Hand.

Die neue Funkuhr im Schlafzimmer verweigert sich wie ihre Vorgängerin beharrlich der Umstellung. Dies liegt an der Exposition des Schlafzimmers, das durch die Signalquelle in Frankfurt am Main nicht zufriedenstellend erreicht wird. Die manuelle Einstellung der Zeit ist nicht benutzerfreundlich, zudem hat sich die Gebrauchsanweisung irgendwo versteckt. Die Uhr wird also mit zwei Batterien transportfähig gemacht und in das Wohnzimmer verbracht, das eine günstige Exposition zur Signalquelle hat. Einige Minuten später ist die Uhr auf die Sommerzeit umgestellt und wird an ihren gewohnten Ort zurückgebracht, das Netzkabel angeschlossen und die Batterien entfernt. Fertig.

Über den Zwang zum Blockeditor

Jetzt ist es soweit, WordPress macht Ernst mit dem Gutenbergprojekt und erhöht den Druck auf die Bloggerïnnen: im Begleittext zum neuesten Update der App wird darauf hingewiesen, daß in Bälde neue Posts mit dem klassischen Editor nicht mehr möglich sein werden; die Bloggerïnnen mögen sich bitte an den Blockeditor gewöhnen.

Ich selber tue mich erheblich schwer mit dem Blockeditor. Nicht so sehr in der App, deren Möglichkeiten begrenzt sind, sondern in der Browserversion direkt auf WordPress.com. Dort mögen die Möglichkeiten deutlich erweitert sein, die Usablility ist für mich unterirdisch, es bedarf noch einiges an Übung bis zur Gewöhnung.

Das ist mein erster Post mit dem Blockeditor, geschrieben in der App auf dem iPad.

Über die Onleihe

Heute morgen um 5:30 Uhr war es soweit. Noch bevor die Tages- und die Wochenzeitung aus Holz zugestellt waren, habe ich zwei Tageszeitungen in digitaler Form über die Onleihe App heruntergeladen und gelesen. Dazu braucht es einen, zur Zeit kostenlosen, Besucherausweis der Öffentlichen Bibliotheken Berlin und natürlich die App um auf dem iPad lesen zu können. Eine Stunde Zeit gewähren die Bibliotheken zum Lesen nach dem jeweiligen Laden der Zeitung. Hier ist Eile geboten. Eingefahrenes Leseverhalten, die Zeitung weglegen und sich um etwas anderes kümmern oder die Aussicht, einen Artikel zu einem späteren Zeitpunkt (erneut) zu lesen funktioniert nicht. Das Zeitregime zwingt zur sofortigen Auswahl und zur Oberflächlichkeit. In der kapitalistischen Gesellschaft, in der Zeit Geld ist und Lizenzen Knappheiten produzieren ist das nicht überraschend. Ein Genuß ist diese Art Lesen jedenfalls nicht wirklich.