Schlagwort-Archive: kommunikation

Ein Hemdkauf ist gar nicht so einfach

Wie ich Klamotten kaufe habe ich hier bereits vor drei Jahren beschrieben: vorher überlegen was – rein in den Laden – anprobieren – kaufen. Kein Gewese, kein Geschlamper, kein Gucken hier, kein Gucken da. Diesmal muß ein neues Hemd her und zwar ein schwarzes Langarmhemd mit Button-Down-Kragen. Da bin ich eigen, es muß ein Button-Down-Kragen sein! Die Überraschung folgt auf dem Fuße in der „Herrenabteilung des Vertrauens in der Stadt“: schwarze Langarmhemden mit Button-Down-Kragen scheint es nicht zu geben. Dieser Kragen symbolisiere Lässigkeit und dazu trage man(n) in Europa keine Krawatte wird mir erklärt – und nur Krawatten-Hemden gebe es in schwarz. Kopfschüttelnd ob dieser Erläuterungen will ich aufgeben und die Abteilung verlassen aber zufällig fällt mein Blick auf einen Ralph Lauren Stand und was sehe ich: schwarze Langarmhemden mit Button-Down-Kragen. Gepriesen sei Ralph Lauren und seine Marke „Polo Ralph Lauren“, die altertümliche Modevorschriften aufbricht und Frisches bereithält. Und natürlich trage ich das Kemd (auch zum Anzug) über der Hose.

Schwarzes Langarmhemd mit Button-Down-Kragen

Schwarzes Langarmhemd mit Button-Down-Kragen

Heute ist Handtuch-Tag

Heute ist Towel Day und was der Tag sein will erklärt die Wikipedia sehr schön hier. Im vergangenen Jahr habe ich das Haus mit Handtuch verlassen und instagrammiert, in diesem Jahr ebenfalls ein „Selfie“ gepostet.

Towel Day 2015

Towel Day 2015

So ein Handeln ist vor mir selbst erklärungsbedürftig, habe ich kein Buch von Douglas Adams gelesen und an die Verfilmung von „Per Anhalter durch die Galaxis“ nur eine schwache Erinnerung. Ich bin also kein Fan. Warum sollte ich andere Menschen nachahmen? Das Erlangen von Aufmerksamkeit ist nicht wirklich stichhaltig und das Gefühl zu einer Gruppe (Fans) zu gehören erklärt das Handeln ebenfalls nicht. Es geht eigentlich nur darum (zur Entlastung?) Blödsinn, Quatsch, etwas Verrücktes zu machen und dafür in anderen, gewichtigeren Kontexten vernünftig zu handeln. (Ich soll früher soetwas wie der Klassenclown gewesen sein behaupten meine Eltern, die Erinnerung daran ist aber ausgelöscht)

Towel Day 2016

Towel Day 2016

Einen schönen Towel Day!

Begegnung mit einem Fußballfan

Heute ist DFB-Pokalfinale in der Stadt. Schon seit gestern trifft man, in den jeweiligen Vereinstrikots gewandete Fußballfans auf den Straßen. Selbst im tiefsten Kreuzberg finden sich Fans von Auswärts an meiner Lieblingsbierbar ein. Und man kommt so über das Bier leicht ins Gespräch. Ich erfahre, daß sie nicht ins Stadion gehen werden, da sie keine Tickets bekommen haben; für ein Ticket muß man sich bewerben – das wußte ich nicht. Auch an den bekannten Public-Viewing Örtlichkeiten werden sie sich das Endspiel nicht ansehen. Ich bin etwas überrascht – eine Reise quer durch die Republik zum Pokalfinale um das Spiel weder im Stadion noch im Publikum an quasiöffentlichen Gelegenheiten zu sehen – ja was denn dann? Die Lösung ist ziemlich einfach. Der Fan und seine Begleitung schauen das Spiel mit und bei einer Berliner Freundin im TV. Die Stimmung hier in der Stadt sei eben eine ganz besondere meinen sie – so mußten sie die Reise machen. Erstaunlich, nicht wahr?

Was hat Craftbeer mit der re:publica zu tun?

Die zehnte re:publica ist vorbei, großen Dank an die Organisatoren, das habt ihr wieder knorke hinbekommen. Eine sehr gute Idee ist die Erweiterung der Räumlichkeiten um mehr Stages und einen zusätzlichen Außenbereich.

Inhalte

Meine must-haves sind die Sessions von Gunter Dueck „Cargo Kulte“, Richard Sennet „The city as an open system“ und Thomas Fischer „Strafrecht, Wahrheit und Kommunikation“. Zum den must-haves gehören auch die Sessions von Freunden wie Maxim & Katrin „Fluch und Segen – intime Körperdaten in eHealth Anwendungen“ sowie der Michi „Netzinnenpolitik – Grundzüge einer Politik der Plattformgesellschaft“.

Beeindruckend sind die Ausführungen von Carolin Emcke „Raster des Hasses“. Emcke beschreibt Hass nicht einfach als Emotion des Individuums sondern sucht nach den Bedingungen, die ihn generieren, strukturieren und kanalisieren. Hass kann also sozial konstituiert werden. Ihre zentrale Frage ist: „Was sehen die Hassenden?“ (am Beispiel des belagerten Flüchtlingsbus in Clausnitz) Sie sehen im Gegenüber nicht eine Person, sie fragen nicht „Wer einer ist?“, sie müssen etwas anderes sehen, einen Stellvertreter, sie verdinglichen. Ihre Ausführungen regen mich zum Weiterdenken an.

Total fasziniert bin ich von Kate Stones  Session „A feel for print – paper music instruments“. Die Verbindung von Papier mit Musik, das Überführen des Digitalen in Analoges, Körperliches, Materielles und damit Haptisches ist eine großartige Idee. Ihre Arbeit ist eine höchst anregende, kreative Art des Tüftelns, der Bricolage. Das Überführen eines Computerprogramms zum Erstellen von Musikstücken auf ein Papier mit aufgemalten Blumen und Tieren, die jeweils ein Feature der Software beinhalten und mit deren Berühren Musikstücke erstellt werden können ist verblüffend.

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Vershicert

Seit einiger Zeit falle ich ja, lobet die Werbewirtschaft, nicht mehr in die „werberelevante Zielgruppe“ sondern bin werblich tot. Das ist entspannend, das ist großartig. Auch in die Zielgruppe der neu erschienenen „Frankfurter Allgemeinen Woche“ falle ich nicht. (Habe ich eben erst gelesen.) Trotzdem habe ich sie mir am ersten Erscheinungstag und in dieser Woche im Zeitungsladen des Vertrauens gekauft um sie für mich zu testen. Zu Testzwecken lag sie allerdings der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ in der letzten und in dieser Woche bei, sodaß ich jeweils 3,50€ unnötigerweise ausgegeben habe. Und nein, auch daß ich sie bereits am Erscheinungstag erhalte macht die Geldausgabe nicht wett. Ein klein wenig komme ich mir vershicert vor. Gelernt aus der Übung ist Geduld, warten auf kommenden Sonntag, und wenn ich sowieso nicht die Zielgruppe bin …

Tüftler und Theoretiker

Auf dem Forschungsgipfel sagt der Chef der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges, laut Telekom-Twitter-Account folgende Sätze:

„In der digitalen Welt siegen Tüftler über Theoretiker. Dafür müssen wir in Unternehmen Freiräume schaffen.“

Die beiden Sätze werfen mir Fragen auf. Erste Frage: Sind in der analogen Welt Theoretiker erfolgreicher als Tüftler und haben nicht auch in der analogen Welt Ingeneure und Handwerker die Nase vor gehabt und Theoretiker die Dinge nachlaufend erklärt? Die zweite Frage: Wer hat Freiräume in der analogen Welt; Theoretiker? Und daran schließen sich die dritte und noch mehr Fragen an: Wie müssen Unternehmen organisiert sein, damit Tüftler ihre Freiräume haben? Sind die hierarchisch, miltärisch, nach Befehl und Gehorsam organisierten Unternehmen für die Zukunft gerüstet? Sind Überwachung am Arbeitsplatz und Überwachung von Produktionsmitteln wie Rechner der Mitarbeiter samt Präsenzkultur zeitgemäß oder muß sich da was änderen?
Und wie verhält sich sich das Druckersche „Management by Objectives“ zum Vorgehensweise des Tüftlers?

Die Sache mit der Hühnerhaut

Das Presseerzeugnis des Vertrauens berichtet enthusiastisch über René Redzepis, Küchenchef des Noma, neueste Aktivitäten in Australien. Der Meisterkoch hat einen spektakulären Menueteller kreiert. Erdbeermuscheln und Pipis werden sekundenkurz blanchiert. Buschtomaten, Pfefferkörner, Lorbeerblätter und Knoblauchzehen werden zu einem Öl verarbeitet um Muscheln und Pipis damit zu parfümieren. Die hauchdünne Haut einer Hühnerbrühe wird karamelisiert, mit Krokodilfett bestrichen und auf die Muscheln gelegt und so das Ganze auf einem Kieselsteinpodest serviert.

Ich bin zutiefst beeindruckt.

Dan Ariely bemerkte, daß der Geschmack von Lebensmitteln nicht aus Nährwerttabellen erschließbar ist. Und ich vermute, Machine Learning Technologie scheitert ebenfalls. Nein, diese Kreationen entstehen durch beherzstes Ergreifen von Optionen, durch Versuch und Irrtum, durch Bricolage.

Poesie und Bürokratie

David Graebers Buch „Bürokratie – Die Utopie der Regeln“ lese ich mit zunehmendem Staunen, ist doch eine wichtiges Festsellung des Buches, daß Bürokratie überall existiert, mehr oder weniger sichtbar aber überall und im Zeitablauf sogar noch zugenommen hat. Sogenannte Deregulierungen sind nicht mehr als als das Verschieben von „Formularen und Regeln sowie Strafen bei Verstoß“ von staatlichen Organisationen in private Organisationen. Staunen deshalb, weil das Buch in der Tat den Blick dafür schärft. Die Beantragung eines Telephonanschlusses ist heute mit soviel Formularkram behaftet wie zu Zeiten des Staatsmonopols. Graeber differenziert die Form der Bürokratie an zwei Ausprägungen von Technologie, die er poetische und bürokratische Technologie nennt. Poetische Technologien bedienen sich bürokratischer Mittel um „überschäumende unrealistische Phantasien zum Leben zu erwecken“. Sie sind ambivalent. Bürokratischen Technologien transformieren „administrative Zwänge und Notwendigkeiten“ „von einem Mittel zu einem Zweck der technologischen Entwicklung“. Ticketsystem, Formularfelder, Einwilligungs- und Zustimmungsroutinen, CRM-Systeme u.v.m. stehen dafür. Eng verwoben mit den beiden Technologiebegriffen sind die Vorstellungen von Spielen (play) und Spiel (game). Das Spielen als ein Improvisieren ein kreatives Ausprobieren steht im Gegensatz zum Spiel, das „rein durch Regeln bestimmtes Handeln“ ist. Alles außerhalb des Spiels ist ohne Relevanz. Graeber erläutert, daß einerseits Spielen Spaß macht aber schnell zu Erschöpfung führt und andererseits das Einlassen auf ein Spiel Spaß und Freude schenkt.
Können Graebers Feststellungen zu Poesie und Bürokratie hilfreich sein um einen Ausblick auf das Internet der Dinge zu geben? Makerism und Tinkering scheinen Verfahren der poetischen Technologie zu sein. Wie führt dies aber zu entscheidenden technologischen Durchbrüchen zur Umsetzung phantastischer Ideen? Ein Bewegungssensor im Smart Home Bereich erinnert an bürokratische Technologien, kann aus der Vernetzung vieler Sensoren etws Einzigartiges entstehen? Fragen die offen bleiben müssen. Ein Einlassen auf Graebers Buch halte ich für richtig. Vorsichtige Hinweise jedenfalls können seine Erläuterungen sein.

Update 21.3.2016

Einen Sachverhalt sollte ich noch ergänzen. Graebers Überlegungen sind nicht dystopisch, sie machen Hoffnung. Denn er führt aus, daß eine „revolutionäre“ Situation und damit die Chance auf eine positive Veränderung jederzeit stattfinden kann. (In anderen Zusammanhängen und in einem anderen Bild wird das auch „Weißer Schwan“ genannt). Der zwangsläufige Weg in den „Untergang“ ist nach Graeber ein Mythos.

Ein besonderes Wochenende

Ein schönes Wochenende war es am Rhein, ein schönes aber auch anstrengendes. Mit Freunden und Bekannten gegessen, getrunken und über das Internet der Dinge nachgedacht. Mit einigem Erfolg. Im Moment wieder zuhause angekommen, im Kopf wirbeln die Gedanken immer noch durcheinander, sie müssen sich setzten, sich verbinden und somit zu einem Bild formen. Das hält vom Schreiben ab. Fasse mich also ultrakurz.

Blick auf den Rhein

Blick auf den Rhein

Der Platz im Zug

Wenn es paßt reise ich per Deutsche Bahn gerne in der 1. Klasse. Der Sparpreis mit BahnCard-Rabatt macht es finanziell erträglich. Die offerierte Zeitung, Wlan, Bedienung mit Speisen und Getränken am Platz und die im Preis eingeschlossene Reservierung sorgen für eine angenehme Reiseatmosphäre. Selbst zu reisestarken Zeiten mit gefülltem Zug ist so das Reisen kommod. Natürlich können unter solchen Bedingungen Abweichungen, wie ausgefallene oder verspätete Züge, fatal sein. In letzter Zeit hatte ich diesbezüglich Glück, Ausnahme war das Reisen an Weihnachten aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Ist der Zug jedoch nicht ausgelastet beobachte ich ein für mich eher überraschendes Verhalten der Mitreisenden. Diejenigen, die die Reservierung inkludiert haben setzten sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die reservierten Plätze selbst wenn der Wagen freie Plätze bietet, die bequemer und großzügiger sind. Warum werden die Optionen nicht genutzt?