Die Berliner Verkehrsbetriebe haben eine unheimliche Kraft: Sie können, wie hier beschrieben, Minuten ins fast Unendliche ausdehnen oder zu einem Sekundenbruchteil schrumpfen lassen. Ähnliches gelingt dem Discounter des Vertrauens. In seinem Flyer für den 7.9. bis 12.9. bringt er unterschiedliche Zeiträume, die nicht verschiedener sein können, zur Deckung. Auf Seite 9 erscheint überraschend die Adventszeit mit Gewürzspekulatius, Stollenkonfekt, Weihnachtsgebäck und anderen Süßigkeiten. Auf dem Titelblatt und den Seiten 10 bis 13 manifestiert sich das Oktoberfest, hier als Wiesengenuss angesprochen, mit Weißwürsten, Grillhaxen, Leberkäse, Obazda, Oktoberfestbier und vielen anderen Spezereien. Dieses Zusammenbringen kann nur auf Magie beruhen. Ein im Flyer erwähntes Lebensmittel muß zudem aus der japanischen Lebensphilosophie des Nagomi entstammen – oder wer sonst denkt sich Weißwurstmaultaschen aus?
Schlagwort: Aufmerksamkeit
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Über die Flasche Ingwer Sirup
Links neben dem Messerblock und vor dem Behältnis mit verschiedenen Küchenutensilien, wie Schöpfkellen, Heber, Wender und Kochlöffeln, steht eine Flasche Ingwer Sirup. Die schlanke Flasche ist 30,5 Zentimeter hoch, enthält 375 Milliliter Ingwer Sirup und hat einen kombinierten Plastik-Kork-Verschluß, der mit einer Folie versiegelt ist. Spuren im Inneren des Flaschenhalses zeigen, daß einiges an Flüssigkeit trotz der Versiegelung verdunstet ist. Am Boden der Flasche befindet sich ein Aufkleber mit dem Verbrauchsdatum: Spätestens zu verbrauchen bis 20.4.2012. Die Flasche Ingwer Sirup stammt aus den Nullerjahren. Sie erregt keine Aufmerksamkeit und hat sich vom Lebensmittel zur Dekoration gewandelt.
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Über den ungenutzten Einkaufszettel
Prophylaktisch wird der Einkaufszettel geschrieben und zwar auf anlogem Papier, nicht in Binärschrift. Die Einkaufszettel sind kleine Zettel, in post-it-Größe, zurechtgeschnitten aus größeren, auch benutzten Papierformaten. Der Inhalt der Einkaufszettel wird genau besprochen; er bezieht sich auf die Lebensmitteleinkäufe einer Woche. Nach einem Einkauf wird der Zettel geprüft und das Erworbene durchgestrichen.
Zwiebeln fehlten nach dem Wochenendeinkauf. Der Einkaufszettel war während des Einkaufs mit dabei aber nicht gelesen. Es wurde einfach vergessen auf den Zettel zu schauen. Haarkötter hat recht: Notizen sind dazu da, die verschriftlichten Gedanken zu vergessen um Platz für neue zu machen. Die Zwiebeln waren auf dem Einkaufszettel und nicht im Kopf. Es bedarf der Übung während des Einkaufs auf den Zettel zu schauen…
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Über Twitterlisten
Obwohl ich Listen in Twitter unnötig fand – die Beschäftigung damit würde Twitter zuviel Bedeutung zuschreiben – habe ich schließlich doch einen Set Listen eingerichtet. Die Listen sind themenspezifisch und auf privat gesetzt. Einige Listen konzentrieren Accounts und die Informationen weil das Thema relevant ist. Der Zugriff wird erleichtert. Andere Listen invisibilisieren Accounts und die Informationen weil das Thema zwar nicht unbedingt irrelevant ist aber spezifisch sehr viel Rauschen erzeugt. Das erleichtert das Lesen der Timeline ungemein. Ein Feature benutze ich schon länger für die Selbstsorge, das der stummgeschalteten Worte. Es ist hochwirksam…
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Über Meetings
Meetings sind die entzündlichen Tonsillen des Arbeitslebens – irgendwie notwendig und überflüssig zugleich. Die geistige Gesundheit vor und während ihnen läßt sich bewahren indem man den Widerwillen gegen sie durch Neugier auf sie ersetzt. Neugier und Lust durchdringen einander…
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Über Schulpflicht und sogenanntes Schulschwänzen
Die aktuelle Diskussion um Schulpflicht und Schulschwänzen im Rahmen der Freitagsdemonstrationen der Schüler ist ein Treppenwitz. Diejenigen, die Schulpflicht geifernd propagieren zeigen exakt was sie von Schule halten: Disziplinaranstalt zur gesellschaftlichen (De)Formierung junger Menschen.
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Über das tägliche Bloggen
Für das tägliche Bloggen stehen zwei Inhalte, erstens das Tagebuchbloggen und zweitens das Businessbloggen. Beide Inhalte kennzeichnet zur Periodizität eine weitere gemeinsame Form: sie sind etwas Neues – kleinste Formen: Tägliches Bloggen vermittelt sich durch kurze Posts. Das Tagebuchbloggen, das Aufschreiben dessen, was am Tag war, wird oft als banal bezeichnet. Das ist kleingeistig. Das was heute war, kann in der Rückschau eine gewichtige Bedeutung bekommen. Das Businessbloggen gerät andereseits in der Rückschau zum Banalen wenn die Enge der Sicht der Schreibenden deutlich wird. Kann man sich kleinste Formen als Konzentrat vorstellen, als etwas, das über sich hinausgeht?
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Über einen Verlegenheitspost
Ein Verlegenheitspost camoufliert die Verlegenheit des Autors ob der Leere seiner Einbildungskraft. Und das ist doch auch schon was…