Über eine leichte Brise

Leicht und luftig, sehr zart weht eine Brise. In ihrer Wahrnehmung erinnert sie an das Jahr 1997. Eine ähnliche Brise wehte und verdichtet sich zu einem veritablen Sturm, der die erstarrte konservative Politik 1998 zerstäubte. Das Besondere an der heutigen Brise ist, daß sie in der Generation der älteren, wirklich älteren Menschen ab 70 Jahren zutage tritt. Die Unzufriedenheit mit dem Bestehenden, diese Unzufriedenheit sucht sich ihre Überwindung personell in einer 40 jährigen Frau. Ja, Politik wird personalisiert. Hoffnungen werden nicht in Parteiprogramme gesetzt, Hoffnungen verbinden sich mit Personen, das Erscheinen von Personen und ihr bisheriges Handeln. Wenn Hoffnung auf Besserung unter den Alten verbreitet ist, wie verteilt sie sich in den anderen Generationen?

Über das manuelle Uhrenumstellen

Kurioserweise gibt es in diesem Haushalt immer noch zwei Uhren ohne Funkmodul. Ein Siemenshandapparat fürs Festnetz, dessen Basisstation am Router angeschlossen ist, wird nicht über irgendeine Systemzeit umgestellt, sondern muß manuell eingestellt werden. Die Uhr der noch betagteren Mikrowelle (die Mikrowelle denkt gar nicht daran kaputt zugehen, sodaß sie durch eine moderne ersetzt werden kann) bedarf ebenfalls der Umstellung per Hand.

Die neue Funkuhr im Schlafzimmer verweigert sich wie ihre Vorgängerin beharrlich der Umstellung. Dies liegt an der Exposition des Schlafzimmers, das durch die Signalquelle in Frankfurt am Main nicht zufriedenstellend erreicht wird. Die manuelle Einstellung der Zeit ist nicht benutzerfreundlich, zudem hat sich die Gebrauchsanweisung irgendwo versteckt. Die Uhr wird also mit zwei Batterien transportfähig gemacht und in das Wohnzimmer verbracht, das eine günstige Exposition zur Signalquelle hat. Einige Minuten später ist die Uhr auf die Sommerzeit umgestellt und wird an ihren gewohnten Ort zurückgebracht, das Netzkabel angeschlossen und die Batterien entfernt. Fertig.

Über den Zwang zum Blockeditor

Jetzt ist es soweit, WordPress macht Ernst mit dem Gutenbergprojekt und erhöht den Druck auf die Bloggerïnnen: im Begleittext zum neuesten Update der App wird darauf hingewiesen, daß in Bälde neue Posts mit dem klassischen Editor nicht mehr möglich sein werden; die Bloggerïnnen mögen sich bitte an den Blockeditor gewöhnen.

Ich selber tue mich erheblich schwer mit dem Blockeditor. Nicht so sehr in der App, deren Möglichkeiten begrenzt sind, sondern in der Browserversion direkt auf WordPress.com. Dort mögen die Möglichkeiten deutlich erweitert sein, die Usablility ist für mich unterirdisch, es bedarf noch einiges an Übung bis zur Gewöhnung.

Das ist mein erster Post mit dem Blockeditor, geschrieben in der App auf dem iPad.

Über die Onleihe

Heute morgen um 5:30 Uhr war es soweit. Noch bevor die Tages- und die Wochenzeitung aus Holz zugestellt waren, habe ich zwei Tageszeitungen in digitaler Form über die Onleihe App heruntergeladen und gelesen. Dazu braucht es einen, zur Zeit kostenlosen, Besucherausweis der Öffentlichen Bibliotheken Berlin und natürlich die App um auf dem iPad lesen zu können. Eine Stunde Zeit gewähren die Bibliotheken zum Lesen nach dem jeweiligen Laden der Zeitung. Hier ist Eile geboten. Eingefahrenes Leseverhalten, die Zeitung weglegen und sich um etwas anderes kümmern oder die Aussicht, einen Artikel zu einem späteren Zeitpunkt (erneut) zu lesen funktioniert nicht. Das Zeitregime zwingt zur sofortigen Auswahl und zur Oberflächlichkeit. In der kapitalistischen Gesellschaft, in der Zeit Geld ist und Lizenzen Knappheiten produzieren ist das nicht überraschend. Ein Genuß ist diese Art Lesen jedenfalls nicht wirklich.

Über die neuen Lockerungen im Shutdown

Geradezu auffällig ist – die Politik hat aufgegeben. Der Schutz des Kollektivs in der Pandemie bröckelt. Er bröckelt nicht nur, er wird bewußt unterminiert denn klar ist, jede aufgehobene Schutzmaßnahme läßt die Infektionszahlen steigen. Die Politik tut also das, was sie immer tut, wenn sie nicht mehr weiterweiß und zudem den Einflüsterungen der Wirtschaft folgt: sie versucht die Verantwortung auf das Individuum zu schieben und sich so von Folgen freizusprechen. Das sollte nicht durchgehen, im September ist Wahltag.

Fällt also das Kollektiv aus, muß sich das Individuum behelfen. Das ist leider zwangsweise so und wird nicht vergessen werden. Was werden wir unter Ungewißheit tun bis eine Impfung schützend wirkt? Wir haben uns 4 Punkte fixiert:

  1. A-H-A Regeln weiter einhalten, Lüften
  2. Corona-App und Kontakttagebuch nutzen
  3. Physische Kontakte noch stärker reduzieren
  4. Fremde Räume möglichst meiden und/oder die Aufenthaltsdauer dort minimieren

Über Clubhouse

Faszinierend wie der Fortschritt Haken schlägt: vom Bild zur Sprache codiert in Binärschrift. Sprache ist schnell, spontan, fluffig – Schrift ist langsam und widerständig, sperrig halt. Von Clubhouse ist heute kaum noch die Rede, es scheint zu funktionieren und seine Nutzerïnnen gefunden zu haben… ein Hypechen.

Persistierte eigene Mündlichkeit ist mir ein Graus – dem Knochenschall sei dank. Ich rede oder singe gerne mit mir selber…

Selbstreferentielles (4)

Zurzeit ist die Form des Blogs zum Inhalt geworden. Das soll kurz ein letztes Mal in diesem Blogpost beleuchtet werden.

Ein guter Ausgangspunkt ist die zunehmende Selbstreflexion während der, gefühlt langsamer verrinnenden Zeit in der Pandemie. Das Gespräch zwischen mir und mir selbst dreht sich noch einmal verstärkt um die Dinge, die für ein gutes Leben wichtig sind. Dies wirkt hinein bis in abgelegene Bereiche, in die Formen der Kleidung und eben auch in die Form des Blogs.

Dieses Blog ist kein Themenblog. Dieses Blog hat keine „Message“, gleichwohl werden politische Standpunkte deutlich, werden Präferenzen in allen möglichen Bereichen erkennbar aber kein Mensch soll von irgendetwas überzeugt werden. Dieses Blog ist kein Diskussionsforum. Die Kommentarfunktion ist abgestellt, wer etwas zu den Inhalten zu sagen hat möge das in den eigenen digitalen vier Wänden tun, Pingbacks und Trackbacks werden moderiert. Dieses Blog ist auch nicht auf Reichweite aus. Nichts von dem hier Geschriebenen wird auf anderen Kanälen distribuiert außer in meinem Tumblelog verlinkt.

Dieses Blog ist dazu da, verstreute Gedanken für mich zu verschriftlichen. Es ist eine Art Tumblelog meiner Gedanken. Leserïnnen können gerne am Geschriebenen teilhaben – es ist sichtbar – aber es ist eben nicht primär für ein Publikum gedacht. Das Blog ist ein Versuchsraum für das Formulieren meiner Gedanken, für die angemessene Art sie in Materialität zu bringen. Nun zur Form: Da meine Gedanken für mich verschriftlicht werden, soll es auch in einer Form geschehen, die mir zusagt. Vom Blog ist deshalb alles Magazinartige, alles Blogübliche wie der Avatar, das Twitterwidget, die Blogrolle und alles „Klickibunti“ verbannt um nur auf hellem Hintergrund mit einer mir etwas bedeutenden Schriftart zu erscheinen. Damit sedimentiert sich ein klitzekleiner Baustein für (m)ein gutes Leben. Jetzt aber genug davon…!

#8f9699 oder Selbstreferentielles (3)

Das Problem des mageren Kontrasts zwischen Schriftfarbe und Hintergrund hat keinen Namen: #8f9699, eine namenlose Farbe im Ton „hellgrau blau“. Als Schriftfarbe ungeeignet kontrastiert sie bei weißem Hintergrund und normaler Schriftgröße nicht wirklich, bei schwarzem Hintergrund und normaler Schriftgröße gerade so. Hier liegt der Pferdefuß des Themes Scrawl.

Als ich heute beim Lesen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung feststellte, dass die jeweilige Rubriküberschrift links beziehungsweise rechts oben auf den Seiten in einer ähnlichen Farbe gedruckt ist, hat mich das halbwegs beruhigt.

Glücklicherweise erscheint die Farbe nicht im überall im Fließtext. Blockquote-Text und Introtext werden damit dargestellt, zudem Erstellungsdatum, Autor, Kategorien, Beitragsverweise, die Website-Identität und der Hamburger Button.

Über das Tragen der Maske

Cineastisch gesehen ähnelt die ffp2-Maske dem Mundschutz eines antiken Helden aus der Ilias. In zeitlich entgegengesetzter Richtung finden wir sie in derselben Funktion bei den Helferïnnen von Sith-Lords oder Sith-Ladies.

Auf der Straße besehen wirkt die Maske wie ein über Kinn und Nase gestülpter Kaffeefilter. Sie läßt schiefe Zähne, verfilzten Bart, Sabber im Mundwinkel und fauligen Atem verschwinden. Sarkasmus, Häme, Gekränktheit, Wut und Freude werden unsichtbar. Ein Kopf mit Fliegenlabium?

Wie auch immer die Maske das Aussehen verändert, wie auch immer die Anderen nur ungenau gelesen werden können, dort wo Menschen sich zur Zeit begegnen ist das Nichttragen der Maske unsolidarisch, es ist selbstsüchtig.