Schlagwort-Archive: das gute Leben

Über das Loslassen von Dingen

Dinge können mit Subjektivität und Objektivität aufgeladen sein. Subjektivität meint die Erinnerungen, Emotionen und Geschichten des Menschen, die sich im Ding sedimentieren. Objektivität meint die „Versunkenen Kosten“ des Dings, rechenbar als Quantitäten als Geld, die sich im Ding ebenfalls manifestieren. So geht das Ding über sich hinaus und steht dem Menschen als gegenüber als etwas Besonderes. Wie kann er davon lassen ohne Schmerz?

Über die Auszügler

Verschiedenste Presseveröffentlichungen schrieben in den letzten Tagen von Horst Seehofer als Auszügler und von seinem zukünftigen Amt als Auszugshaus. Das wird für den 68 jährigen sicher eine erfüllte Zeit werden. Auszügler und Auszugshaus sind typische bayerische Begriffe haben wir gelernt. Diese mußten wir in der Suchmaschine des Vertrauens zunächst nachschlagen. Mittels unserer Empathie können wir uns sehr gut in die Seehofersche Situation hinein versetzen, ist uns ein Leben im Auszugshaus selber nicht unbekannt.

Der erste Urlaubstag

Der Titel ist etwas irreführend. Vierzehn Tage Urlaub samt einer anschließenden Woche Büro liegen hinter mir. Diese vierzehn Tage mit einer Inselkreuzfahrt um die Hawaiianischen Inseln waren aufregend. Sie waren mit langem Flug, Neugierde, gespannter Erwartung, Aufregung und ähnlichen Zuständen verbunden. Heute ist also der erste Urlaubstag Zuhause ohne „offizielles“ Programm und Terminkalendereinträgen. Trotzdem erfüllt mich schon am Morgen eine Unruhe und die gedanklichen Planungen setzen ein: zum Training gehen, Bugs Bunny um elf Uhr nicht verpassen, Mailaccounts abfragen oder sein lassen, Einkaufszettel schreiben, Blogbeitrag schreiben, Text für das Gasthörerstudium vorbereiten. Das Vorwegnehmen aller möglicher Aktivitäten gehen mir durch den Kopf. Eines scheint heute sehr schwierig zu sein – einfach an nichts davon denken. Eigentlich wäre kontemplatives Rumsitzen auf der Couch angemessen. Oder einfach mal zehn Minuten aus dem Fenster schauen. Das wird aber noch werden ….

Suppentage

In dieser Woche ist das kulinarische Highlight nicht Gesottenes oder Gebratenes, auch keine Sterneküche sondern zwei Suppen.

In einem Brauhaus in Mitte nehme ich die Gulaschsuppe „ungarische Art“ als Kleinigkeit zum Bier. Sie wird in einem Töpfchen mit einem Roggenbrötchen serviert. Die Rindfleischstücken sind auf den Punkt und keine kleinen Kökel sondern ordentliche Stücke. Ungarisch mag an der Suppe das eine oder andere Stück Paprika sein, ich finde sie so gewürzt, daß der Geschmack des Fleisches betont wird und nicht von Schärfe überlagert und bedeckt wird. Sehr überraschend, meine Erwartungen werden übertroffen.

Gulaschsuppe

Gulaschsuppe

In der Lebensmittelabteilung des Vertrauens bestelle ich nach den anstrengenden Ostereinkäufen eine gratinierte Schneckensuppe mit Knoblauch. Heiß ist sie, sehr heiß und aromatisch, den herrlichen Knoblauchgeschmack werde ich bis in den Schlaf nicht mehr los. Anders als durch den Eigengeschmack des Rindfleischs bei der Gulaschsuppe ist an der Schneckenuppe kräftige Würze notwendig und sie gibt das auch her. Ich bin begeistert.

Gratinierte Schneckensuppe mit Knoblauch

Gratinierte Schneckensuppe mit Knoblauch

Alte Freunde sprechen miteinander

Im Januar häufen sich Geburtstage. Alte Freunde, auch die, die sich über das Jahr kaum sehen, rufen einander an um sich ihrer Wertschätzung zu versichern. Das ist ein angenehmes Ritual, ein Ritual das die Zeit strukturiert, das das Ende eines Zeitraums versöhnlich abchließt und ein neuen Abschnitt markiert und somit Zeitverbrauch eine klein wenig die Grundlage entzieht. Alte Freunde unterhalten sich über den Zeitraum seit dem letzten Gespräch und natürlich, da sie Alte Freunde sind, von Früher. Ein Thema über das sich die Alten Freunde in diesem Jahr erstmalig etwas intensiver unterhalten ist ihr Alter. Ihr offizielles ist bereits eines, das für sie früher unerreichbar schien, da sie mit Sechzehn dachten mit Fünfzig wären die Menschen uralt und sie selber bereits mit Dreißig tot. Und überhaupt, als Kinder fühlten sie zwar irgendwie die Endlichkeit aber klar war, daß der älteste der Alten Freunde zuerst und der jüngste zuletzt ginge. Die Alten Freunde stellen also im Gespräch fest, daß es ein Alter des Leibes und ein Alter des Inneren, des Geistes oder wie immer man das auch nennen möchte, gibt. Und das Alter des Leibes und das Alter wie sich die Alten Freunde fühlen ist doch sehr unterschiedlich. Die Alten Freunde kommen überein, daß das innere Alter irgendwann stehengeblieben ist, einen Zeitpunkt festzulegen ist schwierig, vielleicht gar bei achtzehn Jahren oder doch bei einundzwanzig oder wann? Das ist keine einfache Sache. Wie führt man also ein gutes Leben wenn der Leib älter ist als das Innere? Dazu noch in einer Gesellschaft, die öffentliche Ambivalenzen privatisiert hat, sodaß sich die Individuen selber in verschiedenen durchökonomisierten Kontexten wie Beruf, Freizeit oder gar Partnerschaft zum Produkt tranformieren müssen um auf dem jeweiligen Markt bestehen. Die Alten Freunde machen es sich da eher einfach – sie versuchen diesen Druck zu ignorieren. Im Gegenteil, das Wissen um die Diskrepanz von äußerem und inneren Alter setzt sie aus bestimmten Konkurrenzsituationen frei, die sie sich von der Bühne aus lustvoll betrachten. Das Leben als Statler und Waldorf ist herrlich!

Monothematik

Man photographiert Dinge um sie aus dem Sinn zu verscheuchen. (Franz Kafka nach Gustav Janouch)

Für dieses Jahr habe ich bewußt keine Herzliste aufgestellt, denn mir erscheint es wichtiger die Vorauaussetzungen der Notwendigkeit einer solchen Herzliste, “…was aber im Alltag auf Grund von Zeitmangel, Stress oder fehlender Ruhe meist untergeht”, möglichst zu verändern. Die Grundstock für das gute Leben ist die Vermittlung von vita activa und vita contemplativa und nicht ein Übergewicht von „Aktivität“. Auch einen schriftlichen Jahresrückblick habe ich mir verkniffen, dafür aber im Gesichtsbuch die Funktion Jahresrückblick auf Basis der eingestellten Photographien genutzt. Die Kommentare zum Ergebnis sind irgendwie belustigend, von „Essen und Bier, mehr gabs nicht…“ über „man könnte sagen: beer & burger“ und „fast etws monothematisch – aber genau mein Ding“ zu „geradezu kronknorke“ wird das Übergewicht von Essens- und Bierbildern beschrieben. Dabei ist dies nur eine ziemlich kleine Auswahl an Bildern, die ich an anderen Orten aufbewahre. Die für mich wirklich wichtigen Bilder, die, die ich sehe wenn ich die Augen geschlossen gehalte, die sozusagen aus dem Unbewußten kommen sind das gezeigte Panorama und die Homebrewingbilder. Letzteres ist sicher keine Überraschung, das Panorama „verstehen“ nur drei Menschen mit denen ich im Gesichtsbuch verbunden bin.