Die Berliner Verkehrsbetriebe haben eine unheimliche Kraft: Sie können, wie hier beschrieben, Minuten ins fast Unendliche ausdehnen oder zu einem Sekundenbruchteil schrumpfen lassen. Ähnliches gelingt dem Discounter des Vertrauens. In seinem Flyer für den 7.9. bis 12.9. bringt er unterschiedliche Zeiträume, die nicht verschiedener sein können, zur Deckung. Auf Seite 9 erscheint überraschend die Adventszeit mit Gewürzspekulatius, Stollenkonfekt, Weihnachtsgebäck und anderen Süßigkeiten. Auf dem Titelblatt und den Seiten 10 bis 13 manifestiert sich das Oktoberfest, hier als Wiesengenuss angesprochen, mit Weißwürsten, Grillhaxen, Leberkäse, Obazda, Oktoberfestbier und vielen anderen Spezereien. Dieses Zusammenbringen kann nur auf Magie beruhen. Ein im Flyer erwähntes Lebensmittel muß zudem aus der japanischen Lebensphilosophie des Nagomi entstammen – oder wer sonst denkt sich Weißwurstmaultaschen aus?
Schlagwort: ökonomie
-
Warum sollte die SPD ihren Wählern etwas zumuten?
In (bürgerlichen) Presseorganen – aus Frankfurt, München, Hamburg und Berlin – wird die Sozialdemokratie aufgefordert ihren Wählern und Mitgliedern etwas zuzumuten. Damit ist gemeint Renten, Krankenversicherungs- und Pflegeleistungen zu kürzen und einen ungebremsten Anstieg der Mieten zu gewährleisten sowie Arbeits- und Kündigungsschutz abzubauen.
Dieselben Presseorgane schreiben allerdings nichts über Zumutungen der konservativen oder sogenannten liberalen Parteien für ihre Wähler und Mitglieder.
Was begründet dieses seltsame Ungleichgewicht?
-
Stehend geschichtet oder im Kranz gelegt
Bis vor einigen Jahren war der Einkauf von Sardellenfilets beim Lebenshändler des Vertrauens einfach. Vorrätig waren einzig Sardellenfilets in Salzlake, stehend geschichtet in einem Behältnis, das einem Reagenzglas, allerdings mit flachem Boden, ähnelte. Der Deckel war eine Kombination aus Hartplastik mit einer Korkunterseite. Heute sind die Sardellenfilets in Rapsöl eingelegt und in Gläser gefüllt. Dabei gibt es zwei Varianten: stehend geschichtet oder im Kranz gelegt. Für die Unternehmen müssen beide Darreichungsformen Profit bringen sonst wären sie nicht im Angebot aber warum werden beide gekauft? Die Beschäftigten an der Bedientheke sind auf Nachfrage etwas ratlos, bemerken aber, daß die im Kranz gelegten Filets länger seien.
-
Über den Sprech von Mitte
Xerotisch und strunzdumpf ist die Moralisierung der „Mitte“ als „fleißige“ durch den institutionellen politischen Liberalismus in Deutschland.
-
Über Twitterlisten
Obwohl ich Listen in Twitter unnötig fand – die Beschäftigung damit würde Twitter zuviel Bedeutung zuschreiben – habe ich schließlich doch einen Set Listen eingerichtet. Die Listen sind themenspezifisch und auf privat gesetzt. Einige Listen konzentrieren Accounts und die Informationen weil das Thema relevant ist. Der Zugriff wird erleichtert. Andere Listen invisibilisieren Accounts und die Informationen weil das Thema zwar nicht unbedingt irrelevant ist aber spezifisch sehr viel Rauschen erzeugt. Das erleichtert das Lesen der Timeline ungemein. Ein Feature benutze ich schon länger für die Selbstsorge, das der stummgeschalteten Worte. Es ist hochwirksam…
-
Über Seniorität
„Ich habe den goldenen Knoten des Ehrgeizes durchhauen, um meine Freiheit zurückzugewinnen.“
Peter Paul Rubens (1634)
-
Über dreimal Produktion und Heute
Bemerkenswert beschreibt Walter Rathenau schon 1912 das Gewicht der Wirtschaft anhand des Bauens – des Er- und Umbauens der modernen Großstadt (Gesamtausgabe Band II, 1977, S. 93):
„Wozu nun dienen diese unerhörten Bauten? Zum großen Teil dienen sie direkt der Produktion. Zum Teil dienen sie dem Verkehr und Handel, somit indirekt der Produktion. Zum Teil dienen sie der Verwaltung, der Wohnung und der Gesundheitspflege, somit vorwiegend der Produktion. Zum Teil dienen sie der Wissenschaft, der Kunst, der Technik, dem Unterricht, somit indirekt … noch immer der Produktion.“
Viermal Produktion aus unterschiedlichen Blickwinkeln – die Dynamik der Ökonomie sickert ins Betonierte, manifestiert sich im Steinernen, im Erstarrten. Gut 110 Jahre später in der Pandemie wird über nichts Wichtigeres geschrieben oder gesprochen als über „die Wirtschaft“ – und die „Entfesselung“ der nicht einmal stillgestellten Ökonomie. Ökonomie wird wahnhaft betrachtet. Sie kollabiert wenn keiner mehr da ist der konsumiert.
-
Über eine Knechtschaft
Die Knechtschaft seiner selbst ist die schlimmste, allgegenwärtig und doch zu überwinden. Den Schritt Verpflichtung – Verschuldung seiner selbst gilt es zu nicht zu gehen. Sich selbst für durchgeführte oder nichtdurchgeführte Handlungen eine Belohnung zu geben ist zu unterlassen.
-
Über eine Bewegung
Philosophie ist eine Bewegung, mit deren Hilfe man sich […] von dem freimacht, was für wahr gilt, und nach anderen Spielregeln sucht.
Foucault
-
Über Technik und Liebe
Zitat Adorno aus „Erziehung nach Auschwitz“ in Kulturkritik und Gesellschaft II, stw, 2018, Seite 686:
„Bei dem Typus, der zur Fetischisierung der Technik neigt, handelt es sich, schlicht gesagt um Menschen, die nicht lieben können.“
Wird „der Technik“ durch „des Digitalen“ ersetzt, beschreibt das einen neuen Typus im 21. Jahrhundert.
Aufklärung, ökonomie, Berlin, das gute Leben, Digitale Gesellschaft, Digitalisierung, Gesellschaft, horax schreibt hier, Hypmomnema, internet, iron blogger, iron blogger berlin, ironblogger, ironbloggerberlin, kommunikation, Kultur, Medien, Philosophie, Technik, technischer Fortschritt, technologie, Verdinglichung