Schlagwort-Archive: ökonomie

Über die Frage warum der Gast im Hotel putzt

Manche Gäste reinigen ihr Hotelzimmer. Sie richten das Bett, nicht vollständig aber immerhin so, daß Laken, Bettdecke und Kissen eine erkennbare Ordnung haben. Sie stellen benutzte Gläser und Tassen zusammen und wenn sie sich ein Mahl auf das Zimmer bestellt haben ordnen sie auch das benutze Geschirr sauber an. Zudem öffnen sie das Fenster zum Lüften. Das wirft nun die Frage auf warum die Gäste dies tun. In der Zimmermiete ist die Reinigung inkludiert, ein Herrichten scheint also ökonomisch unsinnig. Vermutlich denken sie nicht einmal über ihr Handeln nach. Was also treibt sie an?

Über das Putzen vor dem Putzen

Viele Privathaushalte beschäftigen eine Reinigungskraft. Beschäftigen meint hier ein ökonomisches Tauschverhältnis. Viele Menschen putzen regelmäßig bevor die Reinigungskraft beginnt und ebenda dasselbe tut. Das scheint etwas merkwürdig zu sein, wird aber sofort einsichtig sobald der Grund erkannt wird. Sie wollen der Reinigungskraft zeigen wie das Ergebnis auszusehen hat. Soweit, so gut aber wenn dies aber zur Regelmäßigkeit wird sei die Frage erlaubt warum das Tauschverhältnis nicht beendet und ein anderes eingegangen wird? Ist diese Art von Tauschverhältnis wirklich ein rein ökonomisches oder tritt da noch etwas anderes, Vermitteltes, hinzu?

Über automatisierten Datenabgleich

Automatisierter Datenabgleich ist, insbesondere wenn es um große Datenmengen geht, ein Segen für Organisation und Individuum. Prozesse werden beschleunigt und verbilligt, Entscheidungen werden schneller getroffen. Was ist jedoch, wenn die Organisation mit unbekannten oder seltenen Fehlern konfrontiert ist? Folgendes Beispiel möge dies skizzieren:

Das Finanzamt schickt einen neuen Steuerbescheid. Nachträglich wird eine Steuerermäßigung nicht anerkannt und eine Steuerforderung gestellt. Eine Nachfrage beim Finanzamt ergibt, der Steuerpflichtige habe die Berechtigung für die Steuerermäßigung verloren. Eine Nachfrage bei der Zentralen Zulagenstelle ergibt, die Rentenversicherung habe die Berechtigung für das Steuerjahr nicht übermittelt. Ein Termin bei der Rentenversicherung ergibt, die Meldebescheinigung zur Sozialversicherung sei nicht übermittelt worden. Eine Nachfrage beim Lohnbüro des Arbeitgebers ergibt die Meldung sei übermittelt. Eine Nachfrage bei der Krankenkasse des Arbeitnehmers ergibt die Meldung sei der Rentenversicherung fristgemäß übermittelt worden. Alle Datenübermittlungen erfolgten elektronisch und der Datenabgleich zwischen Rentenversicherung, Zentraler Zulagenstelle und Finanzamt automatisiert. Die Organisationen meinen alles sei korrekt verlaufen, es wäre kein Fehler passiert, sie hätten keinen Grund zu handeln. Das Individuum staunt und ist ratlos, es sieht sich in einer absurden, in einer kafkaesken Situation. Das Individuum findet keine Worte, hat für dieses Szenario keinen Begriff. Dies ist der Moment der Philosophie, die dazu Fragen stellen kann: Gibt es Wechselwirkungen zwischen Technik und Organisationshandeln, genauer gefragt wird der Technik von der Organisation magische, nicht zu hinterfragende, Kräfte zugeschrieben? Oder hat das konformierte Bewußtsein der Organisation, zum Beispiel nach dem Motto, wir machen keine Fehler – Petent, etwas damit zu tun? Letztens, hat dieses formale, nichtempathische Handeln der Organisation vielleicht auch etwas Gutes? Und viele weitere Fragen …

Über Live Canning

Aktuell läuft die Berlin Beerweek. Zwei Events dem Live Canning gewidmet, dem Abfüllen von Craftbier vor Publikum. Das regt zum Nachdenken an.

Aus der Fadheit industriell produzierter Biere hat sich die Craftbierszene entwickelt. Diese Szene wächst. Das Brauen besonderer Biere deren Geschmack im Gegensatz zur Fadheit der industriellen Biere steht scheint ein Schritt zur Ästhetisierung der Brauwirtschaft zu sein. Die Hervorhebung sinnlicher Wahrnehmung, die Betonung von besonderem Genuß und Geschmack deuten darauf hin. Dass es die Beerweek überhaupt gibt zeigt u.a. die Eventisierung rund um das Craftbier. Auch das Live Canning ist als Event Teil davon aber noch mehr. Während des Events setzt es den Druck künstlerischer Etiketten auf die Dosen die Ästhetisierung fort. Die Anzahl der Dosen sind limitiert. Die Dosen werden zum Kunstwerk und zum Sammlerobjekt. Das Publikum beim Live Canning wird so zur Anhängerschaft. Und diese wird wiederkommen… Ästhetisierung und Eventisierung katechisieren auch die Gläubigen, die Craftbiertrinkenden.

Über die großzügige Kasse

Sommerschlußverkauf 2018. Kaufhäuser werben mit Zeitungsbeilagen um Kundinnen für ihre Produkte. Die Orginalpreise im Vergleich zu den reduzierten Preisen sollen das Geld im Portemonnaie der möglichen Kundinnen lockern. Ein weiterer reduzierter Preis falls die mögliche Kundin 2 Stück des Produkts nimmt. Zwar ist Geld ausgegeben eben ausgegeben und nicht mehr da aber wen kümmert es im Moment des Bezahlens. Einmal gehen lassen, nur einmal… An der Kasse dann die Überraschung. Statt des Nehmen-Sie-2-Stück Preises soll die Kundin noch einmal deutlich weniger zahlen. Verwirrung macht sich breit. Die Kassiererin weiß die Antwort: „Die Kasse war es!“. Dieser Ausspruch entlastet die Beteiligten am Bezahlprozeß, die Kassiererin und die Kundin. Die einhellige Meinung ist, die Maschine habe recht – nur warum bloß? Die Kundin wird das Ergebnis nicht hinterfragen. Warum aber nicht die Kassiererin?

Über die Uniformität des Büros

Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts war die Idee der McDonaldisierung der Gesellschaft ein aller Munde. Die McDonaldiserung des Arbeitslebens manifestiert sich am Sichtbarsten heutzutage im Großraumbüro. Quantifizierung, Erwartbarkeit und Homogenität sind die Kennzeichen dieser Transformation. Meist ist es Mitarbeitern nicht gestattet diese einheitlichen, glatten, überall auf der Welt wiedererkennbaren Gelegenheiten zu verändern, zu individualisieren. Das ist ein starkes Zeichen der Kolonialisierung des Geistes der Mitarbeiter im Namen und im Sinn der Zwecke der Organisation. Das Großraumbüro ist der moderne Wiedergänger Johann Joachim Beckers „Kunst- und Werckhaus“.

Über eine Frage des Aufrechnens

Entlässt ein Unternehmen an einer Stelle Mitarbeiter, um sie durch automatisierte Verfahren zu ersetzen und stellt auf der anderen Seite neue Mitarbeiter ein, die diese Verfahren programmieren sollen, ist es statthaft zu bilanzieren und wenn mehr Mitarbeiter eingestellt als entlassen sind, dieses Tun zu lobpreisen? Eine schwierige Frage, die wir hier nicht beantworten können. Dennoch ist dieses Tun zur Tatsache geronnen und damit in der Welt. Die Bilanzierung an sich zeigt die Reduktion des Menschen auf ein Ding, nein eine Zahl in einer mathematischen Gleichung. Das ist Adiaphorisierung pur. Es scheint zutiefst respektlos zu sein.

Über das Mogulieren

Heute wurde auf Twitter an die „Microblogging Conference 2009“ in Hamburg erinnert. indenti.ca, Twitter, Pownce, Jaiku und Plurk waren Inhalte der damaligen Diskussionen. Dazu gab es eine Vielzahl an Livestreamingdiensten wie z.B. Mogulus. Die Nutzung wurde als „Mogulieren“ bezeichnet. Diese Vielfalt an unterschiedlichen Services ist Geschichte. Das Heute ist die Zeit der Öde, die Zeit der Riesenplattformen, die Zeit der Datenindustrie. Oder blüht da etwas Neues im Verborgenen?

Über die Auszügler

Verschiedenste Presseveröffentlichungen schrieben in den letzten Tagen von Horst Seehofer als Auszügler und von seinem zukünftigen Amt als Auszugshaus. Das wird für den 68 jährigen sicher eine erfüllte Zeit werden. Auszügler und Auszugshaus sind typische bayerische Begriffe haben wir gelernt. Diese mußten wir in der Suchmaschine des Vertrauens zunächst nachschlagen. Mittels unserer Empathie können wir uns sehr gut in die Seehofersche Situation hinein versetzen, ist uns ein Leben im Auszugshaus selber nicht unbekannt.

Über eine Frage zu Interesse und Entfremdung

Hier hatten wir über das „Interesse für“ und das „Interesse an“ berichtet. Beim weiteren Nachdenken darüber scheint das „Interesse für“ etwas aus dem Alltag, den Notwendigkeiten und den Zwecken geschiedenes zu sein, daß sicherlich nicht in Reinform zu finden ist. Wenn das so ist, dann ist das „Interesse für“ auch der Entfremdung entzogen, die die Welt des bedingten Menschen im Alltag, den Notwendigkeiten und den Zwecken begegnet. Steckt dann nicht im „Interesse für“ auch ein Stück Freiheit?