Über die Mikrowelle

Sie ist ein Ärgerniss, die Mikrowelle: sie funktioniert. Über zwanzig Jahre alt – die Farbe hat sich verändert, die Technik mit Drehknopf und einem Zeitdisplay ist alt – funktioniert sie noch wie am ersten Tag. Schön wäre doch eine Mikrowelle, inklusive Grill vielleicht, mit allem technischen Firlefanz wie Tastaturen, Programme, viel Blinkendem und Internet. Aber nein, die alte Mikrowelle macht brav seinen Dienst. Damit sagt sie etwas und sie wird verstanden.

Über den ungenutzten Einkaufszettel

Prophylaktisch schreibe ich Einkaufszettel und zwar auf anlogem Papier, nicht in Binärschrift. Die Einkaufszettel sind kleine Zettel, in post-it-Größe, zurechtgeschnitten aus größeren, auch benutzten Papierformaten. Den Inhalt der Einkaufszettel besprechen die Holde und ich genau. Der Inhalt bezieht sich auf die Lebensmitteleinkäufe einer Woche. Nach einem Einkauf wird der Zettel geprüft und das Erworbene durchgestrichen.

Nach dem heutigen Wochenendeinkauf stellte ich fest dass Zwiebeln fehlten. Ich hatte den Einkaufszettel während des Einkaufs mit dabei aber nicht gelesen. Die Holde bemerkte dazu, daß ich mich wohl so großartig fühle alles im Kopf zu behalten und es nicht nötig hätte auf den Zettel zu schauen. Das ist so nicht ganz richtig, ich hatte einfach vergessen auf den Zettel zu schauen. Haarkötter hat recht: Notizen sind dazu da, die verschriftlichten Gedanken zu vergessen um Platz für neue zu machen. Die Zwiebeln waren auf dem Einkaufszettel und nicht in meinem Kopf. Ich muß üben während des Einkaufs auf den Zettel zu schauen…

Über einen Sonntagspaziergang

Mai – endlich! 7:45 Uhr ist ein guter Zeitpunkt für einen Sonntagspaziergang. Die Luft ist mild, eine Jacke braucht es trotzdem. Der Nachbarschaftspark schlummert noch still im Schatten der Wolken vor sich hin. Der Besselpark ruht ebenfalls noch für sich. Wind frischt auf in der Charlottenstraße, sie ist wie ein Kaminzug in Richtung Mitte. Der Gendarmenmarkt ist menschenleer, der Covidtestpoint im Erdinger öffnete um sieben Uhr. Vor der Neuen Wache liegen drei eRoller verloren auf dem Trottoir. Im Lustgarten sind die Wasserspiele abgestellt, seit Tagen übrigens schon, warum eigentlich? Ist es Verlorenheit oder zufriedenen Ruhe, die man fühlt wenn man sich ganz alleine auf dem Platz befindet? Schnell ein paar Selfies auf der Museumsinsel machen. Der Fitnessparcour an der Märchenhütte ist wieder gut besucht, heute morgen ist es aber eher leise hier, was fehlt ist die Musik. Auf dem Hegelplatz die Hegelstatue fotografieren und den Prisma Tagesfilter drüberlegen – Stars. Sternenhaft ist er nicht und die wohlige Stimmung gibt er auch nicht wieder, egal. Kurze Sitzung auf der Bank um danach in Richtung Süden auf den Rückweg zu schwenken. Am Checkpoint Charlie erneutein Selfie, einmal sich wie ein Tourist im eigenen Kiez fühlen. Auch am Checkpoint ist nichts los. Um diese Zeit sind nur Hundebesitzer und verlorene Spaziergänger unterwegs. 16 Grad, mit Jacke ist es zu warm. Das erste mal in diesem Jahr ohne Jacke auf der Straße unterwegs. Um 10:05 wieder daheim. Endlich ist der Mai wie erwartet.

Über das manuelle Uhrenumstellen

Kurioserweise gibt es in diesem Haushalt immer noch zwei Uhren ohne Funkmodul. Ein Siemenshandapparat fürs Festnetz, dessen Basisstation am Router angeschlossen ist, wird nicht über irgendeine Systemzeit umgestellt, sondern muß manuell eingestellt werden. Die Uhr der noch betagteren Mikrowelle (die Mikrowelle denkt gar nicht daran kaputt zugehen, sodaß sie durch eine moderne ersetzt werden kann) bedarf ebenfalls der Umstellung per Hand.

Die neue Funkuhr im Schlafzimmer verweigert sich wie ihre Vorgängerin beharrlich der Umstellung. Dies liegt an der Exposition des Schlafzimmers, das durch die Signalquelle in Frankfurt am Main nicht zufriedenstellend erreicht wird. Die manuelle Einstellung der Zeit ist nicht benutzerfreundlich, zudem hat sich die Gebrauchsanweisung irgendwo versteckt. Die Uhr wird also mit zwei Batterien transportfähig gemacht und in das Wohnzimmer verbracht, das eine günstige Exposition zur Signalquelle hat. Einige Minuten später ist die Uhr auf die Sommerzeit umgestellt und wird an ihren gewohnten Ort zurückgebracht, das Netzkabel angeschlossen und die Batterien entfernt. Fertig.

Über den Zwang zum Blockeditor

Jetzt ist es soweit, WordPress macht Ernst mit dem Gutenbergprojekt und erhöht den Druck auf die Bloggerïnnen: im Begleittext zum neuesten Update der App wird darauf hingewiesen, daß in Bälde neue Posts mit dem klassischen Editor nicht mehr möglich sein werden; die Bloggerïnnen mögen sich bitte an den Blockeditor gewöhnen.

Ich selber tue mich erheblich schwer mit dem Blockeditor. Nicht so sehr in der App, deren Möglichkeiten begrenzt sind, sondern in der Browserversion direkt auf WordPress.com. Dort mögen die Möglichkeiten deutlich erweitert sein, die Usablility ist für mich unterirdisch, es bedarf noch einiges an Übung bis zur Gewöhnung.

Das ist mein erster Post mit dem Blockeditor, geschrieben in der App auf dem iPad.

Über die Onleihe

Heute morgen um 5:30 Uhr war es soweit. Noch bevor die Tages- und die Wochenzeitung aus Holz zugestellt waren, habe ich zwei Tageszeitungen in digitaler Form über die Onleihe App heruntergeladen und gelesen. Dazu braucht es einen, zur Zeit kostenlosen, Besucherausweis der Öffentlichen Bibliotheken Berlin und natürlich die App um auf dem iPad lesen zu können. Eine Stunde Zeit gewähren die Bibliotheken zum Lesen nach dem jeweiligen Laden der Zeitung. Hier ist Eile geboten. Eingefahrenes Leseverhalten, die Zeitung weglegen und sich um etwas anderes kümmern oder die Aussicht, einen Artikel zu einem späteren Zeitpunkt (erneut) zu lesen funktioniert nicht. Das Zeitregime zwingt zur sofortigen Auswahl und zur Oberflächlichkeit. In der kapitalistischen Gesellschaft, in der Zeit Geld ist und Lizenzen Knappheiten produzieren ist das nicht überraschend. Ein Genuß ist diese Art Lesen jedenfalls nicht wirklich.

Über die neuen Lockerungen im Shutdown

Geradezu auffällig ist – die Politik hat aufgegeben. Der Schutz des Kollektivs in der Pandemie bröckelt. Er bröckelt nicht nur, er wird bewußt unterminiert denn klar ist, jede aufgehobene Schutzmaßnahme läßt die Infektionszahlen steigen. Die Politik tut also das, was sie immer tut, wenn sie nicht mehr weiterweiß und zudem den Einflüsterungen der Wirtschaft folgt: sie versucht die Verantwortung auf das Individuum zu schieben und sich so von Folgen freizusprechen. Das sollte nicht durchgehen, im September ist Wahltag.

Fällt also das Kollektiv aus, muß sich das Individuum behelfen. Das ist leider zwangsweise so und wird nicht vergessen werden. Was werden wir unter Ungewißheit tun bis eine Impfung schützend wirkt? Wir haben uns 4 Punkte fixiert:

  1. A-H-A Regeln weiter einhalten, Lüften
  2. Corona-App und Kontakttagebuch nutzen
  3. Physische Kontakte noch stärker reduzieren
  4. Fremde Räume möglichst meiden und/oder die Aufenthaltsdauer dort minimieren

Über einen winzigen Genuss

Allenthalben entsteht und vergeht Genuss. In der Pandemie scheint das Vergehen häufiger zu sein. Wenn der Stress zunimmt – wie kann da Muße sein, Genuss verdorrt. Ein geeigneter Moment des Genusses ist das Schlafengehen: die Muskulatur entspannt sich im ersten Liegen, Druck weicht vom Körper, der Leib öffnet sich.

Die Naturwissenschaft spricht gegen den Genuss von Schokolade am Abend; durch Inhaltsstoffe wie Koffein hilft sie nicht in den Schlaf. Ein kleines, 3 Gramm schweres Täfelchen aus Bitterschokolade auf die Zunge gelegt, schmiegt sich sanft an den Gaumen und schmilzt langsam mit herrlichem Geschmack.

Seit Beginn des Jahres gebe ich mich diesem winzigen Genuss hin, fühle mich wunderbar dabei und schlafe lächelnd ein. In der verbleibenden kalten Jahreszeit wird dieser Genuss jedenfalls nicht vergehen.

Über ein Narrenschiff

Das Narrenschiff der Gegenwart ist der Lauti auf dem – und um den herum – sich alte, dem Gilb anheimfallende Männer versammeln um in grotesker Weise gegen rationale Maßnahmen der Pandemiebekämpfung protestieren.