Schlagwort-Archive: Kreuzberg

Über Autofreie Sonntage

1973 gab es Autofreie Sonntage. Die Politik hatte sie beschlossen, da Öl knapp zu werden drohte. Einfach so beschlossen. Was ging damals, das heute nicht mehr geht?

Über den Spießer und den E-Scooter

Aus einem Lieferwagen stellen zwei junge Männer E-Scooter auf den Bürgersteig. Schön aufgestellt in Reih und Glied, sodass sie keinen Passanten auf dem Gehweg stören. Von hier aus, zentral in Kreuzberg, sollen die interessierten KundÏnnen in alle Richtungen ausschwärmen. Und da kommt er auch schon, der Spießer. Kurze Hosen, Sandalen und Socken. Frotteehütchen und Sonnenbrille, Schnäuzer, ein Bild von einem Spießer. Einen kleinen weißen Pudel führt er an der Leine. „Könnt ihr mal euren Kunden sagen…“ poltert er los. Ja was denn? Ihn stört die Unordnung, die E-Scooter werden mitten auf dem Gehweg abgestellt, die KundÏnnen fahren auch noch auf dem Bürgersteig. Etwas Neues ist plötzlich in der Stadt, neue Technik, neues Verhalten, Chaos, das macht ihn kirre. Ihn, der als Baby lustvoll in die Windeln gekackt hat und den Selbsthaß über die Scham darüber unbewußt als Wut auf das Neue kanalisiert.

Über die Wespenzeit

Im Frühjahr ist da dieses gemütliche Gebrummel – die ersten Hummeln sind unterwegs. Später dann das hellere und geschäftigere Gebrummel der Bienen. Jetzt zu Beginn des Augusts ist das helle Sirren der Wespen zu hören. Auch sie sollen nützlich sein. Nützlichkeit im Sinne von Fressen und Gefressenwerden. Blieben sie auf den Feldern, Wiesen und in den Wäldern – warum nicht. Sie gehen in der bebauten Welt an den Tellern, Schüsseln und Gläser der Menschen auf Jagd. Sie kommern nahe und haben Stacheln. Das macht sie nicht sympathisch und Stoizismus ist keine sehr verbreitete Tugend. Jedes Jahr dasselbe Theater…

Über die Hitze

38 Grad Celsius sind für Berliner Verhältnisse heiß. Die Hitze hat die Stadt im Griff, kaum Menschen im Nachbarschaftspark, wenige auf den Straßen unterwegs. Der Sonntagspaziergang entfällt, selbst ein Museumsbesuch verspricht dabei keine wirkliche Linderung. Ein bewegungsloser Sonntag – dank der Hitze.

Über das Weißwurstfrühstück

Weißwurstfrühstück

Weißwurstfrühstück

Über das Totenglöcklein des Unternehmens

Das Totenglöcklein eines Unternehmens macht sich in der Sprache des Managements bemerkbar. Es sind Satzfragmente wie „…der Markt fordert dies…“ oder „…wir müssen dem Markt folgen…“ die die Sterbephase begleiten. Auf den Markt verweisen, mit ihm schwimmen wollen und nicht eigenen Idee haben und verwirklichen zeigen erste Leichenblässe an.

Über Schaschlik

Nennt sich Schaschlik ist aber keins…

Schaschlik

Schaschlik

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Gute Reise Dad und danke für alles

Über den Wahlkampf zum Europäischen Parlament

Die Plakate sind unauffällig. Keine Erinnerung bleibt zurück. Gesichter, Losungen, Sprüche, Sätze, Worte verdampfen im Vergessen – sehr erleichternd. TV ist wahlkampfentleert – äußerst beruhigend. Die Inbox ist vollgestopft von Werbemails: die Parteileitung informiert, der Generalsekretär teilt mit, die Spitzenkandidatin fordert auf zur Demonstration, die Wahlkreiskandidaten lädt ein zum Spazierengehen, die lokale Abteilung bittet zum Treffen – und, und, und. Social Media ist in dieser Zeit ein Albtraum der Hyperventilation – in alarmierender Sprache, in grellen Worten – mute, mute, mute, mute… Sonntag ist Wahltag, das Wahllokal wartet. Das Bier steht bereit für die Prognose…

Über das „zu lang; nicht gelesen“

Das, was kurz sein soll ergießt sich als ungenießbarer Brei vor die Augen des entnervten Publikums: Nutzungsbedingungen, AGBs, Datenschutzerklärungen. Für das Publikum geschrieben wären sie kurz, einfach und klar. Sie sind aber von Juristen für Juristen geschrieben, die sich daran ergötzen, das Publikum liest sie nicht.

In den Sozialen Netzwerken ist Kürze Programm. Die Kürze bedingt teilweise Übles, Gemeines, Dummes.

Was kurz ist in der Literatur wie Miniatur, Fragment, Aphorismus, Essay oder Traktat, zeigt durch die Form besonderen Anspruch. Kleine Formen zu deuten benötigt Kontemplation. Kontemplation ist länglich.