Schlagwort-Archive: Heidenpeters

Freitag ist Würsteltag (5)

Bratwürste verkoste ich beim Metzger direkt. Der Metzger kennt sein Produkt, weiß um Bestandteile und Konsistenz und kann so mit Intensität und Dauer des Bratvorgangs das geschmacklich Beste herausholen. Die Black Angus Bratwurst ist ein Angebot der Metzgerei aus der Lebensmittelabteilung des Vertrauens in der Stadt – und sie hat leider keine Grillstelle. Also muß ich selber ran. Der Darm der Bratwurst fühlt sich fest an, sie ist eher locker gestopft. Ich versuche es mit mittlerer Hitze, da ich die Befürchtung habe, daß zu große Hitze die Wurst platzen lassen wird. Dazu röste ich gegen Ende des Bratvorgangs einige Scheiben Ciabatta natur neben der Wurst in der Pfanne an.
Die Wurst hat den charakteristischen Black-Angus-Beef-Geschmack, sie ist gut aber nicht aufdringlich gewürzt und der frische Ingwer tritt klar aber zum Brät hamonierend, hervor. Eine sehr gute Wurst. Dazu nehme ich ein gut gekühltes American Pale Ale, das mit seinen klar definierten Hopfen das Geschmackserlebnis erweitert.

Black Angus Bratwurst

Black Angus Bratwurst

Senf ist zu dieser Bratwurst völli überflüssig.

Freitag ist Würsteltag (4)

Wie wird eine fränkische Schweinsbratwurst zur Delikatesse? Einfache Antwort – mit gutem Fleisch und interessanter Gewürzmischung, die von kreativen Metzgern verarbeitet werden. So wird eine fränkische Bratwurst vom hällischen Landschwein mit Ingwer, Macis und Rohrzucker kreiert. Voller Geschmack – da muß ein gutes Bier gegenhalten können. Das Belgian Winter, ein Saison mit Zimt, Sternanis und Nelke kann das in unnachahmlicher Art und Weise. Wurst und Bier spielen auf den gesamten Klaviatur der Geschmackspapillen.

Fränkische Bratwurst und Belgian Winter

Fränkische Bratwurst und Belgian Winter

 

Senf ist bei dieser Wurst völlig überflüssig.

Freitag ist Würsteltag (3)

Zweimal hintereinander über eine Wildschweinbratwurst zu schreiben ist vielleicht ungewöhnlich aber dringend geboten. Geboten gerade auch in Kombination mit dem begleitenden Bier. Der Post bleibt jedoch kurz und unter 120 Worten, denn Worte können die Emergenz dieser Kombination nicht beschreiben. Die Wurst ist mit Blauschimmelkäse, Birne und Honig gefüllt. Sie hat einen feinen fast weichen Geschmack. Als begleitendes Bier ist ein Stout genau die richtige Wahl. Der Taoismus denkt das Vollkommene als leer und weich. Diese Kombination von Wurst und Bier versetzt den Essenden in einen Zustand der Glückseligkeit der sich tranceartig leer und weich anfühlt – die Geschmackspapillen erleben das Vollkommene.

Wildschweinbratwurst mit Blauschimmelkäse, Birne, Honig dazu Stout

Wildschweinbratwurst mit Blauschimmelkäse, Birne, Honig dazu Stout

Vollkommene Harmonie.

Senf erübrigt sich bei dieser Bratwurst.

Freitag ist Würsteltag (2)

Der Herbst ist Wildsaison, darauf hat sich die Gastronomie verständigt und bietet vielerorts Wildwochen an. Bret vom Wildschwein wird verwurstet und eine Wildschweinbratwurst kann ein kulinarischer Leckerbissen sein. Mehr als gelungen ist die Wildschweinbratwurst mit Orange, Limette und Kakao. Nach dem ersten Bissen offenbart sich ein wohlausgewogener Geschmack, erschlägt doch eine Zutat nicht die anderen, sodaß auch der Kakao fein aber bestimmt sein Aroma entfaltet.

Wildschweinbratwurst mit Orange, Limette, Kakao und Coffee IPA

Wildschweinbratwurst mit Orange, Limette, Kakao und Coffee IPA

An Bieren zu der Wurst kann man jedes Pils oder Weißbier ausschließen aber auch ein Pale Ale wäre deplaziert. Dunklere Biere scheinen besser geeignet zu sein. Das Coffee IPA verträgt sich blendend mit der Orange und dem Kakao, ist das Kaffeearoma doch fein abgestimmt, nicht dominant zum Geschmack der Wurst sondern es bildet sich eine schlüssige Emergenz beider Komponenten.

Übrigens – Senf ist hier völlig überflüssig, er würde den Geschmack der Wurst nur unnötig diskreditieren.

Freitag ist Würsteltag (1)

Für den Autor, seit vielen Jahren in Kreuzberg beheimatet, ziemt es sich diese Reihe im ersten Beitrag mit Kreuzberger Herstellern und Produkten beginnen zu lassen, zumal die vorgestellten Bratwürste auch noch „Kreuzberger“ heißen. Die Kreuzberger erinnern in der Länge den Nürnberger Rostbratwürsten, sind jedoch etwas rundlicher. Sie treten dem Interessenten filigraner gegenüber, besitzt die Konsistenz der Wurst nicht die Körnigkeit der Nürnberger. Das wird an dem Drittelanteil fein zerkleinertem Kalbfleisch liegen.

Kreuzberger und Pale Ale

Kreuzberger und Pale Ale

Welches Bier paßt zu einer Wurst, deren Geschmack dem Hungrigen unbekannt ist und der sich aufgrund der vorliegenden Informationen schlecht abschätzen läßt? Im Zweifel wird ein Pale Ale passen, das mit leichter bis mittlerer Bitterkeit und seiner ihm eigenen Blumigkeit an Holunderblüten erinnert. Und in der Tat, der Geschmack der Kreuzberger ist deutlich feiner, fast heiter und zart zu nennen, als der Geschmack der Nürnberger mit ihrer intensiven Majoranigkeit, sodaß sie mit dem Aromen der Hopfen des Pale Ales ein harmonisches und rundes Geschmackserlebnis bieten.

Die Herbstschöne

Für den Sommer braut der Johannes Heidenpeter gelegentlich ein Framboise. Sein beliebtetstes Bier, das American Pale Ale wird eine angessene Zeit lang auf gefrorenen Himbeeren gelagert und entwickelt sich so zu einem Framboise – mein absolutes Oberlieblingslieblingsbier. Im Sommer ist es herrlich zu trinken, in Sommernächten noch viel, viel herrlicher. Ein Sommerbier also, nicht für die ungemütliche oder kalte Jahreszeit gedacht. Allerdings haben er und sein Team sich doch an eine weitere Framboise gewagt, die sogenannte „Herbst Framboise“. Was für ein Ale auf den Himbeeren gelagert wird ist mir unbekannt. Im fehlt auf jeden Fall die Fruchtigkeit und der Duft der amerikanischen Hopfen, kein Aprikosen- oder Holunderblütenaroma, es fehlt die Leichtigleit. Das Ale der „Herbst Framboise“ ist schwer, der Alkoholgehalt höher. Die Schwere zusammen harmoniert ungewöhnlich mit einer gewissen Säure, es ist biergewordene Bricolage. Deshalb trinkt sich diese schwere, säuerliche Framboise wunderbar zu Pfannkuchen. Die Säure der Farmboise kontrastiert die Süße des Pfannkuchens (natürlich mit Eierlikör) zu einem ganz ungewöhnlichen Geschmackserlebnis. Passend in der eher ungemütlichen Jahreszeit ist es zum Karnevalsbeginn am 11.11. eine überraschende Herbstschöne.

Herbst Framboise, Pfannkuchen mit Eierlikör

Herbst Framboise, Pfannkuchen mit Eierlikör

Bericht zum Craft Beer Crawl der Bierinseln Berlin

Der mit Spannung erwartete Tag ist da, der Craft Beer Crawl der Bierinseln Berlin beginnt. (Felix schreibt über die Hintergründe, die Bedeutung der Bierinsel Initiative wie immer kenntnisreich in diesem Post.) Eine Route habe ich mir bereits festgelegt. Alle ausgesuchten Bierinseln auf diesem Kurs sind Gelegenheiten, die ich noch nicht besucht habe. Eine Menge neuer Eindrücke erwarten mich.

Pünktlich um 12 Uhr geht es mit der U6 vom Mehringplatz zur Seestraße, dann sind es nur ein paar Schritte zu Fuß bis zur ersten Bierinsel, der Vagabund Brauerei. Beim Betreten des Taprooms habe ich das Gefühl einer Zeitreise in die Vergangenheit. War ich doch in einem anderen Leben rund um die damalige TFH und im Afrikanischen Viertel unterwegs. Der Taproom erinnert in Lage und Ausstattung daran. Vier Biere sind am Hahn, ich wähle drei davon aus und bitte den Vagabunden mir die richtige Reihenfolge zu benennen, in der ich die Biere verkosten soll, das Ergebnis ist folgendes:

Vagabund Brauerei: von rechts, Double IPA 7,1%, Szesuan Saison 5,2%, Rainer`s Rye Saison 7,5%

Vagabund Brauerei: von rechts, Double IPA 7,1%, Szesuan Saison 5,2%, Rainer`s Rye Saison 7,5%

Die Gläser empfinde ich sehr angenehm, die Temperatur der Biere ist an diesem doch heißen Tag auf den Punkt. Die drei Biere schmecken mir ausgezeichnet und ich bin mir sicher, daß dies nicht mein letzter Besuch bei Vagabund sein wird.

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Route der Bierinseln Berlin

Was die „Bierinseln Berlin“ sind, ist hier zu lesen. Der famosen Craft Beer Crawl lege ich meine persönliche Route zugrunde. Sie beginnt im Wedding, führt über Gesundbrunnen nach Prenzlauer Berg und Mitte und endet schließlich in Kreuzberg. Von den insgesamt 21 Bierinseln besusche ich sieben, zusätzlich kommt noch die Stammbar dazu. Die Route mit den Taprooms und Besuchszeiten sind auf den folgenden beiden Bildern aus Swarm zu sehen:

craft beer crawl 1

craft beer crawl 1

craft beer crawl (2)

craft beer crawl (2)

Ein umfangreicherer Post zur „Bierinseln Berlin“ folgt in den nächsten Tagen.

Zum Tag des deutschen Bieres

Heute ist Tag des deutschen Bieres, der eigentlich kein wirklicher Feiertag für die Biertrinker sondern eher ein Feiertag für die (Groß)Brauindustrie ist. Der Tag erinnert an den Erlaß der Bayerischen Landesordnung von 1516, in dem das „Bayerische Reinheitsgebot“ verschriftlicht wurde. Warum das Reinheitsgebot im 21. Jahrhundert langsam antiquitiert und verbraucherunfreundlich ist schildert Volker Quante in seinem Blog. Welche Seltsamkeiten dieser Erlaß bedeutet ist auf der Seite Bier des Tages zu lesen. Felix gar, fordert ganz geekig ein Reinheitsgebot 2.0. Diesen Ausführungen möchte ich mich gerne anschließen und plädiere einerseits für das Selberbrauen oder für den Schwenk der Konsumgewohnheiten hin zu Bieren von (kleineren) Brauereien die handwerklich produzieren. Also Prost!

horax pale ale

horax pale ale

Wurst und Bier 2015

In der Markthalle Neun findet heute die zweite Wurst und Bier statt. Von 11 bis 19 Uhr ist das Verkosten von Craft Bieren und fleischlichen Genüssen angesagt. Ich bin pünktlich um 11 Uhr da, denn es wird garaniert voll werden, nasche leckere Bratwürste und delektiere mich an den Bieren von Heidenpeters, AleBrower, Hans Müller Sommelierbier/ Hans-Craft sowie Kehrwieder und anderen Köstlichkeiten. Wie vermutet, ist es recht schnell voll in der Halle, die Stimmung ist außerordentlich gut, um 14 Uhr verabschiede ich mich leider schon. Ich verlasse die Markthalle an einer riesigen Schlange Eintrittwilliger, die bis auf die Straße reicht, vorbei. Im nächsten Jahr werde ich gerne wieder dabei sein – und natürlich pünktlich zu Beginn.

Wurst und Bier 2015

Wurst und Bier 2015