Schlagwort-Archive: Nachbarschaft

Über die Merkwürdigkeit des Schienenersatzverkehrs

Der Schienenersatzverkehr ist gedanklich eine einfache Sache. Er transportiert die Fahrgäste entlang der Schienen von einem Anfangspunkt zu einem Endpunkt. Dies in beide Richtungen. Anzunehmen wäre, dass mit Ankunft des Schienenverkehrs die Ersatzfahrzeuge bereit stünden um ohne Zeitverzug den Weitertransport zu gewährleisten. Dieses ist mitnichten so. Die in Sichtkontakt fahrenden Busse haben ihre eigene Taktung, die vom Intervall des Schienenersatzverkehrs unabhängig ist. Zwei oder drei Busse fahren, wie gesagt, in kurzen Abständen hintereinander die Haltestellen an und bleiben so in Sichtkontakt. Sichtkontakt zu den Bussen hat damit auch die wartende Menge der Fahrgäste. Und der größte Teil von ihnen drängt auf und in den ersten Bus. Ist das ein massenpsychologisches Handeln? Oder ist das gesellschaftlich induziert indem dem Einzelnen Aktivität oder Hektik als Norm auferlegt wird? Was es auch sei, es bleibt merkwürdig.

Über die Physik der leeren Plastikflaschen im Winter

Leere Plastikflaschen, genauer gesagt leere Wasserflaschen, werden beim Discounter des Vertrauens zurückgegeben. Auch hier handelt es sich um einen Leergutautomaten, der aber mit seinen technischen Eigenschaften und als sozialer Ort vollständig anders erscheint als andere. Wir thematisierten das bereits hier. Im Winter wirkt nun die Physik auf die leeren Flaschen in besonderer Weise ein. Die Luft in den geschlossenen leeren Flaschen wird durch die niedrigen Temperaturen heruntergekühlt, erzeugt einen Unterdruck beult die Flaschen nach innen ein. Das wiederum hat zur Folge, daß die Lesesensorik bei Eingabe der verbeulten Flaschen stark überfordert ist und diese nicht angenommen werden. Also müssen die Eingebenden diese regelmäßig händisch in ihre ursprüngliche Form zurückbringen. Aber paradox ist, daß, sobald der Automat sie angenommen hat, sie von ihm mit lautem Schmatzen so flach wie möglich gepresst werden.

Der erste Urlaubstag

Der Titel ist etwas irreführend. Vierzehn Tage Urlaub samt einer anschließenden Woche Büro liegen hinter mir. Diese vierzehn Tage mit einer Inselkreuzfahrt um die Hawaiianischen Inseln waren aufregend. Sie waren mit langem Flug, Neugierde, gespannter Erwartung, Aufregung und ähnlichen Zuständen verbunden. Heute ist also der erste Urlaubstag Zuhause ohne „offizielles“ Programm und Terminkalendereinträgen. Trotzdem erfüllt mich schon am Morgen eine Unruhe und die gedanklichen Planungen setzen ein: zum Training gehen, Bugs Bunny um elf Uhr nicht verpassen, Mailaccounts abfragen oder sein lassen, Einkaufszettel schreiben, Blogbeitrag schreiben, Text für das Gasthörerstudium vorbereiten. Das Vorwegnehmen aller möglicher Aktivitäten gehen mir durch den Kopf. Eines scheint heute sehr schwierig zu sein – einfach an nichts davon denken. Eigentlich wäre kontemplatives Rumsitzen auf der Couch angemessen. Oder einfach mal zehn Minuten aus dem Fenster schauen. Das wird aber noch werden ….

Der Router verabschiedet sich mit lautem Knall

Einen Tag nachdem ich die Auftragsbestätigung zum Anbieterwechsel von Telephonie und Internet erhalte verabschiedet sich der Router mit lautem Knall. Lauter Knall deshalb, da die Sicherung rausspringt nachdem die Kondensatoren abgerauscht sind. Da will ich nicht meckern, der Router hat seine zehn Jahre durchgehalten. Mit dem Anbieterwechsel wird auch ein neuer Router kommen, bis dahin spendiere ich uns einen Ersatzrouter für einen schmaleren Euro. Witzig, dieser Zufall, nicht wahr?

Router

Router

Wann wird mein Home smart sein?

Smart Home ist in aller Munde. Ich verzichte auf die Begriffserklärung zu Smart Home und verweise auf einen Artikel in der Wikipedia, der für diesen Zweck genügt. Der überwiegende Teil des Wohnungsbestandes in Berlin sind Mietwohnungen, so auch meine.

Liest man die einschlägigen Artikel in Zeitungen, Fachzeitschriften und sonstigen Publikationen oder beschäftigt sich mit den Broschüren von Smart Home Technologieanbietern so wird schnell deutlich, daß das Smart Home eher als Konsumgut betrachtet wird und der Mieter seine Wohnung mit Eigenkäufen einrichten soll und der Vermieter mit dem Smart Home scheinbar nichts zu tun hat. Diese Sichtweise ist grundfalsch, Smart Home ist „Infrastruktur“ und damit vor allem Vermietersache. Sicherheit, Energiesparen, technische Funktionalität gewährleisten, Anschluß an leitungsgebundene Kommunikationssysteme sind Felder, die der kluge Vermieter bestellen kann. Ich nehme meine Wohnung als Beispiel. Die Gegensprechanlage und die Wohnungstür sind Mietsache. Diese könnte der Vermieter durch smarte Lösungen ersetzen. Die Heizungsanlage läuft mit Nachtabsenkung, die Thermostate sind analog mit Bimetalldrahtschaltung ausgestattet und funktionieren gut. Die Substitution der Heizungsthermostate auf meine eigenen Kosten ist nicht gerade rational.

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Poken

Gut – dies ist ein Füll-Post aber ich bin sehr begestert davon, daß katti heute mit einem Tweet die Erinnerung an die Pokens auf der re:publica 2009 wachgerufen hat. Hier mein Überbleibsel:

Poken

Poken

Freitag ist Würsteltag (6)

Ich stehe vor der gläsernen Metzgerei und schaue den Kollegen beim Wursten zu. Und ich habe Glück, sie kreieren eine neue Bratwurst. Eine Bratwurst, halb mit Rind- und Schweinefleisch, dazu Frühlingszwiebeln und die Fleischmasse wird Brlo Porter aromatisiert. Diese Wurst ist ein Versprechen aber sie bereitet auch Kopfzerbrechen – welches Bier begleitet hervorragend wenn kein Porter zur Hand ist?

„On Tap“ sind sechs Biere, von denen ich zwei sofort exkludiere. Die Thirsty Lady und das Gastbier, ein Sauerbier, werden dem eigensinnigen Aroma der Wurst nicht gerecht werden. Das heutige Mosaic Session IPA ist sehr floral, der Grund des Fasses ist erreicht, das „Dicke“ wird ausgeschenkt. Es zeigt sich zaghaft und wird den Geschmack nicht unterstützen wollen. Das IPA, mein Freund Mäx nennt es das Holunderblütenbier, ist blumig aber mit schönen Blumen ist der Rauheit der Wurst nicht beizukommen. Das New England IPA hat stramme 7% ist aber fragil zur Dominanz der Wurst. Allein das American IPA mit einer ungestümen Hartnäckigkeit ist einereits in der Lage dem Aroma der Wurst Paroli bieten zu können und andererseits unkonventionell genug eben dieses Aroma zurückhaltend aber vortrefflich zu unterstützen.

Bratwurst aromatisiert mit Porter dazu ein American IPA

Bratwurst aromatisiert mit Porter dazu ein American IPA

Die auferstandene Lederjacke

Wer kennt sie nicht, die sockenfressenden Ungeheuer, die sich Waschmaschinen nennen. Daß Kleiderschränke ebenso sein können, ihre Beute überraschenderweise ohne großen Kampf wieder hergeben, das ist mir neu. Ich habe in den Tiefen unseres Kleiderschranks eine alte Lederjacke gefunden. Sie stammt aus den achziger Jahren des vorigen Jahrhundert. Die Marke existiert nicht mehr, im Internet findet man auf den einschlägigen Plattformen von Privatpersonen Angebote dieser Marke zum Pfennigpreis. Die Jacke ist ein wenig zerknittert und ihr Geruch ist eine Mahnung. Sie riecht nach altem Tabakrauch – seltsam – ich muß wohl selber mal geraucht haben – die Erinnerung daran ist fast verblaßt. In einer Innentasche befindet sich eine Packung Taschentücher, ebenso herrlich tabakrauchduftend, und eine Einladung zur SPSS-Roadshow in Berlin aus dem Jahr 1999. Geschlagene achtzehn Jahre war diese Jacken vom Kleiderschrank verschluckt. Ich muß allerdings zugestehen, ich hatte sie vollkommen vergessen und auch nicht vermißt. Ich werde sie gleich anziehen, mit ihr zum Discounter des Vertrauens gehen und ihr zeigen, wie sich Kreuzberg seit der Jahrhundert-/-tausendwende verändert hat. Was sie wohl darüber denkt?

Lederjacke

Lederjacke

GML-Taschenmesser

Ich suche in der Küchenschublade den Entklammerer. Da fällt mir ein kleines schwarzes Etui auf, das ich vorher noch nie gesehen hatte (meine ich). Es enthält ein Taschenmesser mit etwa acht Zentimeter Klingenlänge. Dabei liegt ein kleiner Zettel mit der Aufschrift GML-Taschenmesser sowie EVP 9,40. Ich denke letzteres meint Ostmark, denn ich gebe in die Suchmaschine des Vertrauens „GML“ ein und erhalte als Ergebnis „Genossenschaft der Messerschmiede Leegebruch“. Auf der Seite des Geschichtsvereins Leegebruch finden sich mehr Informationen darüber.

Auch die Holde kann sich nicht erklären wie das Messer dorthin kommt. Wir sind beide verwirrt.

GML-Taschenmesser

GML-Taschenmesser

Reißwolftage

Ja natürlich ich weiß es … Ablage machen ist unangenehm, freudlos aber notwendig. Zwei Tage lang persönliche Akten sortieren, schreddern, neue Ordner anlegen, so stelle ich mir Urlaub nicht vor. Allerdings muß ich mich selbst loben, die vor Jahrzehnten eingeführte Kategorisierung innerhalb der Ordner hält noch. Die Frage ist nun ob die regelmäßige Aktualisierung der Ablage freudvoller ist als das Procedere einmal am Stück zu machen. Ich bin mir da nicht sicher …