Schlagwort-Archive: Nachbarschaft

Sonnabendnachmittagsnack

Bei Geflügel bin ich wählerisch nachdem ich mich an einem frischen Hähnchen vergiftete. Ente und Gans esse ich, Pute und Hähnchen vermeide ich. Für den Wochenendeinkauf hole ich alles Notwendige und aus einer Laune heraus zusätzlich ein Taubenbrüstchen als Nachmittagsnack. Taubenbrüstchen hatte ich mal als Strohwitwer in einem „keep-it-simple-Dinner“ verhandelt aber wieder vergessen gehabt bis ich den Tag „Taubenbrüstchen“ eingebe. Da überrasche ich mich selber, na denn…

Taubenbrust

Taubenbrust

Die Ordnung im Bücherregal

Die Ordung der Romane im Taschenbuchformat ist nach einem simplen Muster gestrickt – nach dem Alphabet. Bei Sachbüchern gestaltet sich das Muster etwas komplexer. Das erste Muster sind Kategorien wie Ökonomie, Politik, Soziologie und Philosophie. Innerhalb dieser Kategorien sind die Bücher nach Autoren geordnet. Die Ordnung der Sachbücher verkompliziert sich noch einmal, seitdem ich die Bücher in zwei Reihen hintereinander ins Regal stelle. Es ist zur Zeit kein Platz für weitere Regale in der Wohnung bestimmt. Die Ordnung in zwei Reihen hintereinander erfordert eine Klarstellung meiner Präferenzen. Soll ich die selten in die Hand genommene Werke nach hinten oder diejenigen, auf die ich mit Wohlgefallen schaue oder öfter in die Hand nehme nach vorne stellen? So wirklich zufriedenstellend ist dieses Ordnungmuster nicht. Mit der Zeit vergesse ich nämlich die Sortierung der Autoren in der zweiten Reihe. Michel de Montaignes „Essais“ nehme ich selten in die Hand, es steht in der zweiten Reihe und ich suche heute viel zu lange nach ihm. Das Ordnungsmuster ist verbesserbar …

Freitag ist Würsteltag (5)

Bratwürste verkoste ich beim Metzger direkt. Der Metzger kennt sein Produkt, weiß um Bestandteile und Konsistenz und kann so mit Intensität und Dauer des Bratvorgangs das geschmacklich Beste herausholen. Die Black Angus Bratwurst ist ein Angebot der Metzgerei aus der Lebensmittelabteilung des Vertrauens in der Stadt – und sie hat leider keine Grillstelle. Also muß ich selber ran. Der Darm der Bratwurst fühlt sich fest an, sie ist eher locker gestopft. Ich versuche es mit mittlerer Hitze, da ich die Befürchtung habe, daß zu große Hitze die Wurst platzen lassen wird. Dazu röste ich gegen Ende des Bratvorgangs einige Scheiben Ciabatta natur neben der Wurst in der Pfanne an.
Die Wurst hat den charakteristischen Black-Angus-Beef-Geschmack, sie ist gut aber nicht aufdringlich gewürzt und der frische Ingwer tritt klar aber zum Brät hamonierend, hervor. Eine sehr gute Wurst. Dazu nehme ich ein gut gekühltes American Pale Ale, das mit seinen klar definierten Hopfen das Geschmackserlebnis erweitert.

Black Angus Bratwurst

Black Angus Bratwurst

Senf ist zu dieser Bratwurst völli überflüssig.

Freitag ist Würsteltag (4)

Wie wird eine fränkische Schweinsbratwurst zur Delikatesse? Einfache Antwort – mit gutem Fleisch und interessanter Gewürzmischung, die von kreativen Metzgern verarbeitet werden. So wird eine fränkische Bratwurst vom hällischen Landschwein mit Ingwer, Macis und Rohrzucker kreiert. Voller Geschmack – da muß ein gutes Bier gegenhalten können. Das Belgian Winter, ein Saison mit Zimt, Sternanis und Nelke kann das in unnachahmlicher Art und Weise. Wurst und Bier spielen auf den gesamten Klaviatur der Geschmackspapillen.

Fränkische Bratwurst und Belgian Winter

Fränkische Bratwurst und Belgian Winter

 

Senf ist bei dieser Wurst völlig überflüssig.

Alt – ein Riß in der Matrix

Wer die Dreißig um zehn oder zwanzig Jahre übertroffen hat und im Spiegel den nagenden Zahn der Zeit an sich sieht besitzt in aller Regel einen Geist, ein Bewußtsein von sich selbst, das doch eher jugendlich und radikal ist (also so zwischen 17 und 25 Jahren), gepaart allerdings mit einem gehörigen Schuß Gelassenheit.

Ich warte im Parterre auf den Fahrstuhl. Ein Nachbar Anfang der Zwanzig nestelt an seinem Briefkasten und gesellt sich langsam zu mir. Die Fahrstuhltür öffnet sich und ich gebe ihm Zeichen er möge einsteigen. Er weigert sich strikt, murmelt etwas Unverständliches und bedeutet mir den Vortritt. Ich steige ein und frage nach dem Schließen der Fahrstuhltür, was er gesagt hätte. Die Antwort verblüfft mich, ein Riß geht durch die Matrix: „Ich habe gelernt, Ältere haben den Vortritt“. Unvermittelt alt – ein Hoch auf die Gelassenheit …

Freitag ist Würsteltag (3)

Zweimal hintereinander über eine Wildschweinbratwurst zu schreiben ist vielleicht ungewöhnlich aber dringend geboten. Geboten gerade auch in Kombination mit dem begleitenden Bier. Der Post bleibt jedoch kurz und unter 120 Worten, denn Worte können die Emergenz dieser Kombination nicht beschreiben. Die Wurst ist mit Blauschimmelkäse, Birne und Honig gefüllt. Sie hat einen feinen fast weichen Geschmack. Als begleitendes Bier ist ein Stout genau die richtige Wahl. Der Taoismus denkt das Vollkommene als leer und weich. Diese Kombination von Wurst und Bier versetzt den Essenden in einen Zustand der Glückseligkeit der sich tranceartig leer und weich anfühlt – die Geschmackspapillen erleben das Vollkommene.

Wildschweinbratwurst mit Blauschimmelkäse, Birne, Honig dazu Stout

Wildschweinbratwurst mit Blauschimmelkäse, Birne, Honig dazu Stout

Vollkommene Harmonie.

Senf erübrigt sich bei dieser Bratwurst.

Drei leere Pullen

Lustig kann es werden, schlägt der Zufall zu und man glaubt sich ganz im Gegenteil kausal bedingt. Während ich gedankenverloren Flaschen in den Container werfe fällt mein Blick auf die halbleere Rotweinflasche auf dem Container. Amusement! Lache vor mich hin uns versuche mir vorzustellen welche Menschen da partyesque oder übermütig das gute Stück dort abgestellt haben.

Theodor Wolff Park

Theodor Wolff Park

Später, nach dem Verlassen der Bank beim Überqueren der Bayreuther Straße am Wittenbergplatz entdecke ich eine leere Jägermeisterflasche, die auf einem Tischchen abgestellt ist. Wieder Amusement und Imagination. Lustiger Zufall, denke ich, was du heute siehst, sage ich zu mir.

Wittenbergplatz

Wittenbergplatz

Beim Verlassen der U-Bahnstation stolpere ich fast über eine leere Vodkaflasche. So einen Zufall gibt es doch nicht – drei leere Pullen an einem Vormittag, das kann doch nicht sein.

Mehringplatz

Mehringplatz

Ist es aber doch und zwar reiner Zufall…

Freitag ist Würsteltag (2)

Der Herbst ist Wildsaison, darauf hat sich die Gastronomie verständigt und bietet vielerorts Wildwochen an. Bret vom Wildschwein wird verwurstet und eine Wildschweinbratwurst kann ein kulinarischer Leckerbissen sein. Mehr als gelungen ist die Wildschweinbratwurst mit Orange, Limette und Kakao. Nach dem ersten Bissen offenbart sich ein wohlausgewogener Geschmack, erschlägt doch eine Zutat nicht die anderen, sodaß auch der Kakao fein aber bestimmt sein Aroma entfaltet.

Wildschweinbratwurst mit Orange, Limette, Kakao und Coffee IPA

Wildschweinbratwurst mit Orange, Limette, Kakao und Coffee IPA

An Bieren zu der Wurst kann man jedes Pils oder Weißbier ausschließen aber auch ein Pale Ale wäre deplaziert. Dunklere Biere scheinen besser geeignet zu sein. Das Coffee IPA verträgt sich blendend mit der Orange und dem Kakao, ist das Kaffeearoma doch fein abgestimmt, nicht dominant zum Geschmack der Wurst sondern es bildet sich eine schlüssige Emergenz beider Komponenten.

Übrigens – Senf ist hier völlig überflüssig, er würde den Geschmack der Wurst nur unnötig diskreditieren.

Die Freitagsschlange

Gehe ich am Freitag die Wochenzeitschrift des Vertrauens beim Zeitschriftenhändler des Vertrauens in der Nachbarschaft einholen, dann treffe ich regelmäßig auf eine Warteschlange. Die Warteschlange bilden die Lottospieler, die an diesem Tag ihre Tips abgeben. Da viele davon System spielen oder diverse Scheine dabei haben, ist das Bedienen dieser Kunden trotz Digitalisierung noch zeitintensiv. Größere Geldscheine als Einsatzbezahlung sind der Regelfall. Lottospielen kommt für mich allerdings nicht in Frage, ist die Wette, gemessen an Chance und Ausschüttungsbetrag, eine unfaire. Roulette dagegen ist fast eine faire Wette, einzig das grüne Feld ist die leichte „Kantung des Würfels“ zugunsten der Spielbank.

Sehr große und sehr kleine Zahlen scheinen für sehr viele Menschen intuitiv nicht faßbar und selbst bei großer Anstrengung die Größe der Zahlen rational zu fassen bleibt vielfach der gewünschte Erfolg aus. Vor vielen, vielen Jahren habe ich versucht Lotto und seine Wahrscheinlichkeit für mich erfahrbar zu machen. Ich programmierte mittels GW-Basic ein Lottoprogramm, das Ziehungen simuliert und auswertet. Die Rechenzeit mit einem 286 AT war lang, die Simulation lief Tag und Nacht. Wie viele Ziehungen durchgeführt wurden, weiß ich nicht mehr, ich vermute bei der Langsamkeit des Prozessors keine erforderlichen 15 Millionen Ziehungen um theoretisch einen Volltreffer zu generieren sondern eher eine Höhe im im sechsstelligen Bereich. Demnach war das  Ergebnis, wie in einem mathematisch erfaßbaren ergodischen System klar: Keine sechs Richtigen!

Freitag ist Würsteltag (1)

Für den Autor, seit vielen Jahren in Kreuzberg beheimatet, ziemt es sich diese Reihe im ersten Beitrag mit Kreuzberger Herstellern und Produkten beginnen zu lassen, zumal die vorgestellten Bratwürste auch noch „Kreuzberger“ heißen. Die Kreuzberger erinnern in der Länge den Nürnberger Rostbratwürsten, sind jedoch etwas rundlicher. Sie treten dem Interessenten filigraner gegenüber, besitzt die Konsistenz der Wurst nicht die Körnigkeit der Nürnberger. Das wird an dem Drittelanteil fein zerkleinertem Kalbfleisch liegen.

Kreuzberger und Pale Ale

Kreuzberger und Pale Ale

Welches Bier paßt zu einer Wurst, deren Geschmack dem Hungrigen unbekannt ist und der sich aufgrund der vorliegenden Informationen schlecht abschätzen läßt? Im Zweifel wird ein Pale Ale passen, das mit leichter bis mittlerer Bitterkeit und seiner ihm eigenen Blumigkeit an Holunderblüten erinnert. Und in der Tat, der Geschmack der Kreuzberger ist deutlich feiner, fast heiter und zart zu nennen, als der Geschmack der Nürnberger mit ihrer intensiven Majoranigkeit, sodaß sie mit dem Aromen der Hopfen des Pale Ales ein harmonisches und rundes Geschmackserlebnis bieten.