Schlagwort-Archive: Kultur

Über don’t meet because it’s Thursday

Das Wort „Leadership“ bewirkt eine Gänsehaut und das Zusammenziehen der Nackenmuskulatur. „Führung“ ist eine personifizierte Form des gesellschaftlichen Drucks, „Führungsprinzipien“ ihre Anwendung.

„Don’t meet because it’s Thursday“ ist ein negativ formuliertes „Führungsprinzip“. Nicht die Geschäftigkeit, nicht die Anwesenheit zählen. Auch die beliebten Sätze – das haben wir immer schon so gemacht; das haben wir noch nie gemacht – die Killer- und Todschlagphrasen jeglicher Veränderung werden damit negiert. Empirisch wird das Prinzip obstruiert indem Arbeitsprozesse so gestaltet werden, daß Geschäftigkeit und Anwesenheit doch trotz gegenteiliger Verlautbarung wieder als wesentliche Faktoren gesehen werden. Und Beharrungskräfte in der Organisation nehmen gemeinhin die Stärke der Gravitation Schwarzer Löcher ein. Trotzdem, das Prinzip bietet Chancen, denn es läßt Raum für das Finden von unbekannten Lösungen. Die Frage ist nur, in welcher Konstellation innerhalb der Organisation es sich verwirklichen läßt?

Über disagree and commit

Das Wort „Leadership“ bewirkt eine Gänsehaut und das Zusammenziehen der Nackenmuskulatur. „Führung“ ist eine personifizierte Form des gesellschaftlichen Drucks, „Führungsprinzipien“ ihre Anwendung.

„disagree and commit“ hat seine eigene Rationalität zur Handlungsfähigkeit von Organisationen: Widerspruch muß stattfinden können sonst ist zu viel Dampf im geschlossenen Kessel, Commitment soll die Entscheidung absichern, „disagree und commit“ soll den Entscheidungsprozeß beschleunigen in einer Welt voller Menschen, die sich selbst für aufgeklärt und wissend halten und in der „par ordre di mufti“ kein Entscheidungsprinzip mehr sein kann. Aber ist „disagree and commit“ nicht auch nur ein fahler Schein vermeintlich autonomen Handelns und die Zustimmung zu diesem Prinzip eine Hinwendung zu noch mehr Heteronomie?

Über Insubordination

Ist die Teilnahme am Rosenmontagszug unmöglich und wird im Unternehmen Karneval nicht gebührend gewürdigt, hilft nur Insubordination – der Livestream vom WDR.

Über Schulpflicht und sogenanntes Schulschwänzen

Die aktuelle Diskussion um Schulpflicht und Schulschwänzen im Rahmen der Freitagsdemonstrationen der Schüler ist ein Treppenwitz. Diejenigen, die Schulpflicht geifernd propagieren zeigen exakt was sie von Schule halten: Disziplinaranstalt zur gesellschaftlichen (De)Formierung junger Menschen.

Über das tägliche Bloggen

Für das tägliche Bloggen stehen zwei Inhalte, erstens das Tagebuchbloggen und zweitens das Businessbloggen. Beide Inhalte kennzeichnet zur Periodizität eine weitere gemeinsame Form: sie sind etwas Neues – kleinste Formen: Tägliches Bloggen vermittelt sich durch kurze Posts. Das Tagebuchbloggen, das Aufschreiben dessen, was am Tag war, wird oft als banal bezeichnet. Das ist kleingeistig. Das was heute war, kann in der Rückschau eine gewichtige Bedeutung bekommen. Das Businessbloggen gerät andereseits in der Rückschau zum Banalen wenn die Enge der Sicht der Schreibenden deutlich wird. Kann man sich kleinste Formen als Konzentrat vorstellen, als etwas, das über sich hinausgeht?

Über den Brotberuf

Der Brotberuf existiert in einer unfreien Gesellschaft. Sagt jemand von sich er habe einen Brotberuf und übe daneben etwas anderes aus, seine sich selbst gegebene Berufung, so ist darin ein Hauch von Freiheit. Was ist mit denen, die den Brotberuf nicht kennen? Ist eine Gesellschaft freiheitlich zu nennen, in der es keinen Brotberuf gibt?

Über Vorbilder

Im vergangenen Jahrhundert: Der Deutschlehrer gibt eine besondere Hausaufgabe auf. Die Kinder sollen sich bis zur nächsten Stunde ein Vorbild überlegen. Der Name wird auf einen Zettel geschrieben in ein Behältnis gelegt, die Zettel werden vom Lehrer gezogen und vorgelesen werden. Die nächste Aufgabe für die Kinder wird dann sein einen Aufsatz über ihr Vorbild zu schreiben.

Der Zehnjährige ist ratlos. Ein Vorbild hat er nicht, hat nicht darüber nachgedacht was das sein soll oder wozu er es brauchen könnte. Hilfesuchend wendet er sich an seinen Vater, der ihm den Namen eines Politikers des Deutschen Bundestags nennt. Warum nicht denkt der Zehnjährige, einer ist so egal wie der andere. Der Lehrer zieht einen Zettel nach dem anderen aus dem Behältnis und liest die Namen vor. Die Kinder haben Sportler, Musiker, Künstler zu Vorbildern, selten wird auch der Name eines Familienmitglieds vorgelesen. Als der Name des Politikers genannt wird, verfällt die Klasse in brüllendes Gelächter. Der Lehrer wird wütend, hat die Unreife der Klasse unterschätzt und bricht das Vorlesen ab. Eine gewaschene Standpauke an die Klasse folgt, die Kinder sind erschrocken.

Weiterlesen

Über die tödliche Männergrippe

Die tödliche Männergrippe hat uns fest in ihrer Gewalt. Die Wurst & Bier heute vorzeitig verlassen. Nicht mal das Bier schmeckt. Sehr schade….

Über Hochhäuser in Honolulu

Hawai’i-Five-O war der Beitrag der Kulturindustrie in den 70-Jahren, der das Bild von der Insel und dem amerikanischen Bundesstaat in Deutschland geprägt hat. Hochhäuser als Kathedralen des Kapitalismus zeigten sich bereits im Trailer neben Strand und Meer. Wer leibhaftig in Downtown Honolulu zwischen ihnen, dem Meer, dem dortigen Strand und Waikīkī Beach gestanden hat empfindet eben nicht schal. Ein tiefes Gefühl des Glücks, der Freude durchströmt die Seele beim Anblick der Unterschiedlichkeiten. Hawai’i und speziell Honolulu bleiben ein Sehnsuchtsort…

Über Revolutionsfotos

Berlin in der Revolution 1918/19: Die Ausstellung im Museum für Fotografie ist chronologisch nach Monaten sortiert. Liebknecht, Luxemburg, Ebert, Noske sind präsent, Scheidemann ist unsichtbar. Flankiert von Plakaten der Theater, Kinos, Etablissements sind die Fotos das Zeugnis der revolutionären Vergeblichkeit in Berlin. Die abgebildete Mode, die Schnitte der Mäntel, die Form der Hüte und die Mützen versetzen den Betrachter in eine Zeitreise zurück in die Armut der Umstände, in die Not der Nachkriegsmonate und machen die Mühen sichtbar mit etwas Würde zu überleben. Die Wahrheit der Fotos der Massen auf Kundgebungen und Demonstrationen kontrastieren nur unmerklich mit der Falschheit der gestellten Aufnahmen von kämpfenden Regierungssoldaten und Revolutionären in den Straßen des Regierungs- und des Zeitungsviertels. Die Unwahrheit verwandelt sich in Wahrheit während der Refexion darüber, daß die tatsächlichen Kämpfe in der unmittelbaren Nachbarschaft stattgefunden haben die heute fast täglich durchquert wird.