Über die Onleihe

Heute morgen um 5:30 Uhr war es soweit. Noch bevor die Tages- und die Wochenzeitung aus Holz zugestellt waren, habe ich zwei Tageszeitungen in digitaler Form über die Onleihe App heruntergeladen und gelesen. Dazu braucht es einen, zur Zeit kostenlosen, Besucherausweis der Öffentlichen Bibliotheken Berlin und natürlich die App um auf dem iPad lesen zu können. Eine Stunde Zeit gewähren die Bibliotheken zum Lesen nach dem jeweiligen Laden der Zeitung. Hier ist Eile geboten. Eingefahrenes Leseverhalten, die Zeitung weglegen und sich um etwas anderes kümmern oder die Aussicht, einen Artikel zu einem späteren Zeitpunkt (erneut) zu lesen funktioniert nicht. Das Zeitregime zwingt zur sofortigen Auswahl und zur Oberflächlichkeit. In der kapitalistischen Gesellschaft, in der Zeit Geld ist und Lizenzen Knappheiten produzieren ist das nicht überraschend. Ein Genuß ist diese Art Lesen jedenfalls nicht wirklich.

Über die neuen Lockerungen im Shutdown

Geradezu auffällig ist – die Politik hat aufgegeben. Der Schutz des Kollektivs in der Pandemie bröckelt. Er bröckelt nicht nur, er wird bewußt unterminiert denn klar ist, jede aufgehobene Schutzmaßnahme läßt die Infektionszahlen steigen. Die Politik tut also das, was sie immer tut, wenn sie nicht mehr weiterweiß und zudem den Einflüsterungen der Wirtschaft folgt: sie versucht die Verantwortung auf das Individuum zu schieben und sich so von Folgen freizusprechen. Das sollte nicht durchgehen, im September ist Wahltag.

Fällt also das Kollektiv aus, muß sich das Individuum behelfen. Das ist leider zwangsweise so und wird nicht vergessen werden. Was werden wir unter Ungewißheit tun bis eine Impfung schützend wirkt? Wir haben uns 4 Punkte fixiert:

  1. A-H-A Regeln weiter einhalten, Lüften
  2. Corona-App und Kontakttagebuch nutzen
  3. Physische Kontakte noch stärker reduzieren
  4. Fremde Räume möglichst meiden und/oder die Aufenthaltsdauer dort minimieren

Über Clubhouse

Faszinierend wie der Fortschritt Haken schlägt: vom Bild zur Sprache codiert in Binärschrift. Sprache ist schnell, spontan, fluffig – Schrift ist langsam und widerständig, sperrig halt. Von Clubhouse ist heute kaum noch die Rede, es scheint zu funktionieren und seine Nutzerïnnen gefunden zu haben… ein Hypechen.

Persistierte eigene Mündlichkeit ist mir ein Graus – dem Knochenschall sei dank. Ich rede oder singe gerne mit mir selber…

Selbstreferentielles (4)

Zurzeit ist die Form des Blogs zum Inhalt geworden. Das soll kurz ein letztes Mal in diesem Blogpost beleuchtet werden.

Ein guter Ausgangspunkt ist die zunehmende Selbstreflexion während der, gefühlt langsamer verrinnenden Zeit in der Pandemie. Das Gespräch zwischen mir und mir selbst dreht sich noch einmal verstärkt um die Dinge, die für ein gutes Leben wichtig sind. Dies wirkt hinein bis in abgelegene Bereiche, in die Formen der Kleidung und eben auch in die Form des Blogs.

Dieses Blog ist kein Themenblog. Dieses Blog hat keine „Message“, gleichwohl werden politische Standpunkte deutlich, werden Präferenzen in allen möglichen Bereichen erkennbar aber kein Mensch soll von irgendetwas überzeugt werden. Dieses Blog ist kein Diskussionsforum. Die Kommentarfunktion ist abgestellt, wer etwas zu den Inhalten zu sagen hat möge das in den eigenen digitalen vier Wänden tun, Pingbacks und Trackbacks werden moderiert. Dieses Blog ist auch nicht auf Reichweite aus. Nichts von dem hier Geschriebenen wird auf anderen Kanälen distribuiert außer in meinem Tumblelog verlinkt.

Dieses Blog ist dazu da, verstreute Gedanken für mich zu verschriftlichen. Es ist eine Art Tumblelog meiner Gedanken. Leserïnnen können gerne am Geschriebenen teilhaben – es ist sichtbar – aber es ist eben nicht primär für ein Publikum gedacht. Das Blog ist ein Versuchsraum für das Formulieren meiner Gedanken, für die angemessene Art sie in Materialität zu bringen. Nun zur Form: Da meine Gedanken für mich verschriftlicht werden, soll es auch in einer Form geschehen, die mir zusagt. Vom Blog ist deshalb alles Magazinartige, alles Blogübliche wie der Avatar, das Twitterwidget, die Blogrolle und alles „Klickibunti“ verbannt um nur auf hellem Hintergrund mit einer mir etwas bedeutenden Schriftart zu erscheinen. Damit sedimentiert sich ein klitzekleiner Baustein für (m)ein gutes Leben. Jetzt aber genug davon…!

Über das Tragen der Maske

Cineastisch gesehen ähnelt die ffp2-Maske dem Mundschutz eines antiken Helden aus der Ilias. In zeitlich entgegengesetzter Richtung finden wir sie in derselben Funktion bei den Helferïnnen von Sith-Lords oder Sith-Ladies.

Auf der Straße besehen wirkt die Maske wie ein über Kinn und Nase gestülpter Kaffeefilter. Sie läßt schiefe Zähne, verfilzten Bart, Sabber im Mundwinkel und fauligen Atem verschwinden. Sarkasmus, Häme, Gekränktheit, Wut und Freude werden unsichtbar. Ein Kopf mit Fliegenlabium?

Wie auch immer die Maske das Aussehen verändert, wie auch immer die Anderen nur ungenau gelesen werden können, dort wo Menschen sich zur Zeit begegnen ist das Nichttragen der Maske unsolidarisch, es ist selbstsüchtig.

Über dreimal Produktion und Heute

Bemerkenswert beschreibt Walter Rathenau schon 1912 das Gewicht der Wirtschaft anhand des Bauens – des Er- und Umbauens der modernen Großstadt (Gesamtausgabe Band II, 1977, S. 93):

„Wozu nun dienen diese unerhörten Bauten? Zum großen Teil dienen sie direkt der Produktion. Zum Teil dienen sie dem Verkehr und Handel, somit indirekt der Produktion. Zum Teil dienen sie der Verwaltung, der Wohnung und der Gesundheitspflege, somit vorwiegend der Produktion. Zum Teil dienen sie der Wissenschaft, der Kunst, der Technik, dem Unterricht, somit indirekt … noch immer der Produktion.“

Viermal Produktion aus unterschiedlichen Blickwinkeln – die Dynamik der Ökonomie sickert ins Betonierte, manifestiert sich im Steinernen, im Erstarrten. Gut 110 Jahre später in der Pandemie wird über nichts Wichtigeres geschrieben oder gesprochen als über „die Wirtschaft“ – und die „Entfesselung“ der nicht einmal stillgestellten Ökonomie. Ökonomie wird wahnhaft betrachtet. Sie kollabiert wenn keiner mehr da ist der konsumiert.

Über den Schlaf beim Fernsehschauen

Glotze zu schauen in unentspannter Haltung ist nicht wirklich das Wahre. Am besten liegen die Beine hoch, die Füße auf dem Tisch, jedenfalls sollte der Sitz angenehm und leicht sein. Ist die Sendung spannend reagieren die Menschen unterschiedlich. Sie fiebern mit: die Einen geben sich aktiven Körperbewegungen hin, die Anderen sitzen regungslos in ihren Polstern. Fitnesstracker messen diese Regungslosigkeit auf ihre besondere Weise, sie behaupten Schlaf. Der Geist gebannt vor Spannung, der Körper scheinbar in einem ganz anderen Modus, so misst das Meßsystem nach Vorschrift das Falsche. Oder misst es doch richtig was nach dem menschlichen Blick nicht sein kann? Wie?

Über ein Narrenschiff

Das Narrenschiff der Gegenwart ist der Lauti auf dem – und um den herum – sich alte, dem Gilb anheimfallende Männer versammeln um in grotesker Weise gegen rationale Maßnahmen der Pandemiebekämpfung protestieren.

Über eine Knechtschaft

Die Knechtschaft seiner selbst ist die schlimmste, allgegenwärtig und doch zu überwinden. Den Schritt Verpflichtung – Verschuldung seiner selbst gilt es zu nicht zu gehen. Sich selbst für durchgeführte oder nichtdurchgeführte Handlungen eine Belohnung zu geben ist zu unterlassen.