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Gehen

Derjenige der ruht, besitzt alle Reichtümer. Ist es nicht dasselbe für denjenigen, dessen Fuß von einem Schuh umschlossen ist und der geht, als ob die ganze Erdoberfläche von Leder bedeckt wäre?

Dieses Zitat von Henry David Thoreau steht am Beginn des Buches „Lob des Gehens“ von David Le Breton. Ein unterhaltsames Buch, das zum Nach-Denken anregt, das ich aber nur bis Seite 75 geschafft habe. Über das Gehen als Sport berichtet die Sonntagszeitung auf fast einer ganzen Seite. Dieser Bericht beschreibt die abnehmende Akzeptanz der Sportart durch Verantwortliche von Olympischen Spielen und anderen Wettbewerben. Mangelnde mediale Attraktivität könnte man vermuten, mangelnde Einschaltquoten. Der Artikel bewegt mich tatsächlich dazu mir das 50 km-Gehen und das 20 km-Gehen als Liveberichtertstattung im Rahmen der Leichtathletikweltmeisterschaften im TV anzusehen. So verbringe ich gute fünf Stunden auf der Couch und sehe anderen beim Gehen zu. Was das nun mit Le Bretons Buch zu tun hat? Eigentlich nicht viel, ich hole es aus dem Regel, blättere ein wenig darin und komme zum Entschluß es (irgendwann) zu Ende zu lesen. Was mir allerdings nicht einfällt ist das Haus zu verlassen und einmal in gemächlichem Tempo durch meinen Kiez oder Kreuzberg zu gehen.

Du hackst Computer – ich hacke die Welt

„Du hackst Computer – ich hacke die Welt“ sagt MacGyver in der erste Folge des Reboots der TV-Erfolgsserie aus den achtziger Jahren um eine neue Kollegin für das Team zu gewinnen. Die ersten Kritiken des Reboots sind eher durchwachsen, ich gebe dem Reboot eine Chance.

Aber nicht die Serie an sich ist interessant sondern die Denkungsart, die Problemlösungsart des Protagonisten – die eines Bricoleurs. Und die Figur des MacGyver ist das filmgewordene Ideal des Bricoleurs. Heutzutage manifestiert sich diese Denkungsart des Tüftlers sozial und kulturell in der Gestalt des Makers oder Makerbewegung. Das ist spannend zu beobachten …

Die eigensinnige Abdeckplatte

Absonderlichkeiten und Irritationen der Dinge und durch Dinge betrachte ich mit großem Interesse. Über Technik mit Eigenleben gibt es einen Post ebenso über meinen betagten Planus. Ihm wende ich mich heute noch einmal zu. Der Planus besitzt unter dem Bildschirm eine Reihe von Funktionsknöpfen, die mit einer Abdeckplatte versehen sind. Die Abdeckplatte wird durch leichten Andruck geöffnet und in der selben Weise wieder geschlossen. Im Laufe der Zeit hat sie jedoch eine ganz eigene Art der Interaktion mit den Bedienern und auch mit sich selbst entwickelt. Will ich sie schließen so sträubt sie sich und läßt sich wieder nach unten fallen. Sehr oft kann ich sie dabei überlisten und mit sanften Andruck verschließen allerdings bin ich manchmal chancenlos und sie geht auf mein schmeichelndes Drücken nicht ein. Resigniert unterwerfe ich mich dann ihrem Willen. Seltsamerweise hat die Holde eine hundertprozentige Erfolgsquote woraus ich schließe, daß die Abdeckplatte und ich ein spezielles aber noch ungeklärtes Verhältnis haben. Neuerdings reagiert sie sogar auf das morgendliche Lüften und öffnet sich selbstständig mit einem Klacken, ganz so als wolle sie die Funktionsknöpfe an der frischen Luft teilhaben lassen. Ich glaube wir werden noch eine interessante Zeit miteinander verbringen.

Der Satz

Der Satz ist eigentlich ganz einfach „Klaatu barada nikto“. Meint man zumindest. Als Kurze haben sich mein bester Freund und ich immer gestritten über das was der Roboter gesagt hat – ich so „warara“ er so daran erinnere ich mich nicht mehr. Heute abend kommt die Neuauflage des Films im TV – natürlich schaue ich mir das an und denke zurück – weit zurück in die Kindheit.

Über die zarte Digitalisierung meines Fernsehkonsums

Kabelanschluß ist in meiner Wohnung Teil der Mietsache, schon von Beginn an und zunächst als analoger, später in den Nuller-Jahren als digitaler Anschluß. Das hat mich nie sonderlich interessiert, genügend Programme waren immer da. Die letzte Hardware dazu habe ich von zehn Jahren gekauft, einen mächtigen Röhrenfernseher von Loewe, Modell Planus. Zur Kaufzeit fand ich, daß das Ding einen wunderbar großen Bildschirm mit Bild-im-Bild-Funktion und Stereolautsprechern hatte. Der Planus entwickelte sich im Laufe der Zeit zum unverzichtbaren Inventar, den ich mit allen seinen Macken und Zacken schätzen lernte. Seine erratischen Lautstärkeschwankungen zwischen Sendungen und Programmen, seine ausgeleierte Abdeckklappe für die Funktionsknöpfe, solcherlei Eigenheiten machen ihn halt liebenswert. Digitalprogramme kann er nicht empfangen, war auch unnötig. Dies änderte sich Mitte Oktober als der Kabelbetreiber des Vertrauens unvermittelt etliche Dritte Programme des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks im Analogbereich abschaltete und nur noch digital übertrug. Die Holde und ich waren konsterniert. Was tun? Ich schaute mich zunächst im Internet, dann in verschiedenen Geschäften nach neuen Fernsehern um und kapitulierte vor dem aktuellen Stand der Fernsehtechnologie. Ein neuer Fernseher kommt mir nicht ins Haus.

Dieses Wochenende sollte die Lösung bringen, ein Digitalreceiver für den Kabelempfang mußte her. Entschlossen begab ich mich zum Alexanderplatz und hatte zunächst Mühe, den neuen Standort des Medienhändlers des Vertrauens zu finden, so lange war ich nicht mehr dort. Ein ausgesprochen netter Verkäufer erklärte mir die Funktionsweisen verschiedener Modelle und ich erstand ein Gerät im zweistelligen Eurobereich und ein neues Scartkabel. Der Anschluß des Gerätes und die Erstinstallation waren kinderleicht.

Ich bin begeistert. Ich kann nun wieder alle Programme, die ich auch vorher hatte und ein paar mehr empfangen. Der Neomanie in der TV-Geräte- und Fernsehtechnologie kann ich mich mit der Weiterverwendung meiner alten Röhrenkiste elegant entziehen. Allerdings findet schließlich doch eine zarte Digitalisierung meines Fernsehkonsums statt. Diese ist aber meinen Bedürfnissen angemessen.