Schlagwort-Archive: Digitalisierung

Über die Klobrille

Ich frage mich ob die Digitalisierung bei der Klobrille Einzug gehalten hat und muß feststellen, daß das bereits seit den achziger Jahren der Fall ist. Zwar nicht unbedingt in Berlin, Deutschland oder Europa sondern am andere Ende der Welt in Japan, wie die Wikipedia weiß. Das erstaunt mich dann doch, hielt ich bisher unsere, mechanisch sich selbst absenkende Klobrille den Gipfelpunkt der Toilettentechnologie. Ich bin eines besseren belehrt und freue mich darüber.

Klobrille

Klobrille

Ich werde meinen Kumpel Roger beim Bier danach befragen …

Die Sache mit der widerspenstigen Heizung

Seit langem ist der technische Fortschritt in das Beherbergungsgewerbe eingezogen. Kein Hotel, das der geneigte Gast in den letzten Jahren besuchte hat an den Heizkörpern ein vom Gast bedienbares Heizungsventil, viele Hotels haben gar keine Heizkörper mehr sondern steuern die Zimmertemperatur mit der Klimananlge, die gleichtzeitig Heizung ist. Der Gast ist in der Lage an einer Konsole im Zimmer die gewünschte Zimmertemperatur festzulegen.

Das Zimmer im Hotel des Vertrauens, in dem der Gast die Weihachtsfeiertage verbringt, besitzt eine solche. Für den Gast soll die Bedienbarkeit so einfach wie möglich sein, er braucht nur drei Tasten an der Konsole zu bedienen: ein/aus, Temperatur hoch, Temperatur runter. Ein fabelhaftes Konzept wenn es denn funktioniert:

Die Zimmertemperatur ist bei Ankunft des Gastes auf 19 Grad gestellt. Der Gast erhöht auf 22 Grad und fährt mit seinen Tätigkeiten fort. Wie aus dem Nichts ist das System plötzlich auf 20 Grad eingestellt. Er erhöht erneut und macht anschließend einen Spaziergang ins Städtchen. Bei seiner Rückkehr sind nur noch 19 Grad eingestellt. Eine ähnliche Situation beim morgentlichen Aufstehen. Vor dem Schlafengehen auf 21 Grad eingestellt, beim Aufwachen ist das System auf 19 Grad parametrisiert. Eine automatische Nachtabsenkung scheint dem Gast plausibel aber warum ist die dann auf Dauer gestellt und die Temperatur erhöht sich morgens nicht?

Nun, nicht die Heizung ist widerspenstig oder hat ein Eigenleben sondern die Parametrisierung der zentralen Steuerung des Systems durch das Hotel ist gelinde und freundlich gesagt – eigenwillig. Der Gast wird das bei seinem nächsten Aufenthalt im Hotel ansprechen und ist gespannt auf die Antwort.

Die Freitagsschlange

Gehe ich am Freitag die Wochenzeitschrift des Vertrauens beim Zeitschriftenhändler des Vertrauens in der Nachbarschaft einholen, dann treffe ich regelmäßig auf eine Warteschlange. Die Warteschlange bilden die Lottospieler, die an diesem Tag ihre Tips abgeben. Da viele davon System spielen oder diverse Scheine dabei haben, ist das Bedienen dieser Kunden trotz Digitalisierung noch zeitintensiv. Größere Geldscheine als Einsatzbezahlung sind der Regelfall. Lottospielen kommt für mich allerdings nicht in Frage, ist die Wette, gemessen an Chance und Ausschüttungsbetrag, eine unfaire. Roulette dagegen ist fast eine faire Wette, einzig das grüne Feld ist die leichte „Kantung des Würfels“ zugunsten der Spielbank.

Sehr große und sehr kleine Zahlen scheinen für sehr viele Menschen intuitiv nicht faßbar und selbst bei großer Anstrengung die Größe der Zahlen rational zu fassen bleibt vielfach der gewünschte Erfolg aus. Vor vielen, vielen Jahren habe ich versucht Lotto und seine Wahrscheinlichkeit für mich erfahrbar zu machen. Ich programmierte mittels GW-Basic ein Lottoprogramm, das Ziehungen simuliert und auswertet. Die Rechenzeit mit einem 286 AT war lang, die Simulation lief Tag und Nacht. Wie viele Ziehungen durchgeführt wurden, weiß ich nicht mehr, ich vermute bei der Langsamkeit des Prozessors keine erforderlichen 15 Millionen Ziehungen um theoretisch einen Volltreffer zu generieren sondern eher eine Höhe im im sechsstelligen Bereich. Demnach war das  Ergebnis, wie in einem mathematisch erfaßbaren ergodischen System klar: Keine sechs Richtigen!

Was hat Craftbeer mit der re:publica zu tun?

Die zehnte re:publica ist vorbei, großen Dank an die Organisatoren, das habt ihr wieder knorke hinbekommen. Eine sehr gute Idee ist die Erweiterung der Räumlichkeiten um mehr Stages und einen zusätzlichen Außenbereich.

Inhalte

Meine must-haves sind die Sessions von Gunter Dueck „Cargo Kulte“, Richard Sennet „The city as an open system“ und Thomas Fischer „Strafrecht, Wahrheit und Kommunikation“. Zum den must-haves gehören auch die Sessions von Freunden wie Maxim & Katrin „Fluch und Segen – intime Körperdaten in eHealth Anwendungen“ sowie der Michi „Netzinnenpolitik – Grundzüge einer Politik der Plattformgesellschaft“.

Beeindruckend sind die Ausführungen von Carolin Emcke „Raster des Hasses“. Emcke beschreibt Hass nicht einfach als Emotion des Individuums sondern sucht nach den Bedingungen, die ihn generieren, strukturieren und kanalisieren. Hass kann also sozial konstituiert werden. Ihre zentrale Frage ist: „Was sehen die Hassenden?“ (am Beispiel des belagerten Flüchtlingsbus in Clausnitz) Sie sehen im Gegenüber nicht eine Person, sie fragen nicht „Wer einer ist?“, sie müssen etwas anderes sehen, einen Stellvertreter, sie verdinglichen. Ihre Ausführungen regen mich zum Weiterdenken an.

Total fasziniert bin ich von Kate Stones  Session „A feel for print – paper music instruments“. Die Verbindung von Papier mit Musik, das Überführen des Digitalen in Analoges, Körperliches, Materielles und damit Haptisches ist eine großartige Idee. Ihre Arbeit ist eine höchst anregende, kreative Art des Tüftelns, der Bricolage. Das Überführen eines Computerprogramms zum Erstellen von Musikstücken auf ein Papier mit aufgemalten Blumen und Tieren, die jeweils ein Feature der Software beinhalten und mit deren Berühren Musikstücke erstellt werden können ist verblüffend.

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Tüftler und Theoretiker

Auf dem Forschungsgipfel sagt der Chef der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges, laut Telekom-Twitter-Account folgende Sätze:

„In der digitalen Welt siegen Tüftler über Theoretiker. Dafür müssen wir in Unternehmen Freiräume schaffen.“

Die beiden Sätze werfen mir Fragen auf. Erste Frage: Sind in der analogen Welt Theoretiker erfolgreicher als Tüftler und haben nicht auch in der analogen Welt Ingeneure und Handwerker die Nase vor gehabt und Theoretiker die Dinge nachlaufend erklärt? Die zweite Frage: Wer hat Freiräume in der analogen Welt; Theoretiker? Und daran schließen sich die dritte und noch mehr Fragen an: Wie müssen Unternehmen organisiert sein, damit Tüftler ihre Freiräume haben? Sind die hierarchisch, miltärisch, nach Befehl und Gehorsam organisierten Unternehmen für die Zukunft gerüstet? Sind Überwachung am Arbeitsplatz und Überwachung von Produktionsmitteln wie Rechner der Mitarbeiter samt Präsenzkultur zeitgemäß oder muß sich da was änderen?
Und wie verhält sich sich das Druckersche „Management by Objectives“ zum Vorgehensweise des Tüftlers?

Beim Zahnarzt

Die Zahnarztpraxis des Vertrauens liegt weit tief im Berliner Westen. Der Weg dahin ist zermürbend, insbesondere wenn man wie ich, nicht mit einem Übermaß an Tapferkeit und Heldenmut beim Zahnarzt ausgestattet ist. Also wechsele ich zu einer Praxis die fußläufig und damit gut von zuhause aus zu erreichen ist. Sowohl die Anmeldung als auch das Wartezimmer muten unauffällig, wie tausende andere an, allein es überrascht, daß die Nutzung von Smartphones nicht unerwünscht ist. Das Behandlungszimmer birgt eine weitere Überraschung – ein einladender Behandlungsstuhl, nein eine Behandlungsliege. Beruhigende Musik ertönt dezent im Hintergrund. Die Durchsicht des Gebiß ist schnell erledigt, der Zahnarzt sagt an, die Zahnarzthelferin notiert, die Ergebnisse sind auf einem Wanddisplay ablesbar. Danach geht es zum Röntgen des Gebiß in den Röntgenraum, bei Rückkehr in das Behandlungszimmer ist die Aufnahme bereits auf einem Display über der Behandlungsliege verfügbar. Beim Abschluß der Untersuchung wird ein Nachfolgetermin vereinbart, der Terminkalender ist ebenfalls auf dem Wanddisplay einsehbar. In der Zahnarztpraxis im tiefen Berliner Westen bin ich bis dahin Papier und Kugelschreiber sowie Röntgenaufnahmen auf Film gewöhnt. Die Digitalisierung schreitet auch in der Zahnarztpraxis voran. Inwieweit ist das nun „gut“ oder „schlecht“? Wird durch Digitalisierung eingesparte Zeit nun mit Zuwendung zum Patienten gefüllt oder werden mehr Patienten (pro Zeiteinheit) behandelt? Kapitalrendite. Die Frage scheint mir offen. (Eine Medaille für Mut und Tapferkeit beim Zahnarzt erhalte ich am Ende der Session leider nicht. )

Was haben Gehäkeltes und Weintrauben gemeinsam?

Um die Frage in der Überschrift sofort zu beantworten, beides bestaune ich auf der Maker Faire Berlin. Auf zwei Etagen im Postbahnhof und in seinem Außenbereich zeigen Maker und Organisiationen Interessantes zum Selberbasteln. Während das Erdgeschoß eher von den Sponsoren und somit Unternehmungen belegt wird und professionalisiert wirkt, ist das Obergeschoß eher vom Maker im klassischen Sinne belegt.

Die bunt umhäkelten Fahrräder springen dem Betrachter förmlich ins Auge.

Maker Faire Berlin Gehäkeltes

Maker Faire Berlin Gehäkeltes

Beeindruckt bin ich vom Weintraubenklavier, allein schon von der Idee her. Die Weintrauben werden als Tasten benutzt und liegen auf Sensoren, die die Berührungen registrieren und anschließend werden diese in Töne gewandelt. Durchaus eine wundersame Kombination von pflanzlichen Früchten, Technologie und der menschlichen Sinnesapparatur. Das ist Futter für die Einbildungskraft.

Weintraubenklavier - Photo von Sebaso CC-Lizenz CC BY-SA 4.0

Weintraubenklavier – Photo von Sebaso CC-Lizenz CC BY-SA 4.0

(Leider war ich unaufmerksam und habe mir nicht die Namen der Maker des Gehäkelten und des Weintraubenklaviers gemerkt.)

Gedanken am Tag nach dem SPD Parteikonvent

Auch heute morgen ist die Sonne aufgegangen, hat die Kaffeemaschine ihren Dienst getan, lagen die Sonntagszeitungen vor der Tür, stand das Willy-Brandt-Haus steinern-gläsern auf der anderen Straßenseite und kein Tor zur Hölle als lava-glühender Schlund ist an seine Stelle getreten. Das Leben geht weiter.

Der SPD Parteikonvent hat gestern die Vorratsdatenspeicherung beschlossen, das hat mich erstaunlich ruhig gelassen obwohl dieser Beschluß ein Fehler ist. Der Beschluß ist sachlich falsch, er ist politisch falsch, was die Befürworter in der SPD möglicherweise unter Schmerzen lernen werden. Die SPD ist vor solchen falschen Entscheidungen nicht gefeit selbst die Ikone der Sozialdemokratie, Willy Brandt, hat Anfang der siebziger Jahre dem Radikalenerlaß zugestimmt. Damit wurden Teile einer junge Generation unter Generalverdacht gestellt, vorgeführt und diskriminiert. Der Fehler wurde erkannt und behoben. Auch die Vorratsdatenspeicherung wird von deutscher wie europäischer Gerichtsbarkeit unter die Lupe genommen und Fehler werden korrigiert werden. Der politische Schaden, den die Zustimmung zur Vorratsdatenspeicherung gerade unter der jüngeren Generation anrichtet ist noch nicht abzusehen. Ohne Not könnte sich die SPD damit eines händerringend gesuchten langfristigen Wählerpotentials entledigen. Sie dokumentiert mit dem Beschluß ihre Tradition einer Partei der vergangenen Disziplinargesellschaft, in deren DNA noch tief die überkommenen Methoden der Aufklärung wie Überwachung und die Disziplinen verwurzelt sind. Auch das wird in Zukunft notwendig sein zu modernisieren um nicht dauerhaft in einem Zwanzigprozentkeller zu verharren. Trotzdem hat mich, wie bereit geschrieben, diese Entscheidung erstaunlich ruhig gelassen denn sie wird korrigiert werden.

#digitalLEBEN – Pausanias wirft ein Stöckchen

Der Pausanias hat mir in einem Blogbeitrag ein Stöckchen zugeworfen, das ich ihm nun beantworten möchte. Über Digitalisierung zu schreiben ist natürlich schwieriger als in der zunehmend digitalisierten Gesellschaft zu leben. Bemühe mich also um Verständlichkeit.

In einer digitalen Welt zu leben, bedeutet für mich …

… nichts, denn ähnlich wie Markus Gabriel meine ich, daß es die Welt nicht gibt. (Sorry Mäx aber diese Klugscheißerei mußte sein…) Meine Umgebung, mein Leben, das ist richtig, wird zunehmend digitalisiert und das seit langem. Denke ich unendlich viele Jahre zurück, an den Beginn meines Studiums, an dem ich in Sekundengeschwindigkeit mit Statistikprogrammen Faktorenanalysen rechnete, zu denen man in noch älteren Zeiten tagelang mit Millimeterpapier und Zirkel arbeitete, so war das erstaunlich. Wahrscheinlichkeiten ergodischer Systeme habe ich durch das Programmieren kleinerer BASIC Anwendungen verstanden. Digitalisierung dringt zwar in Produktionsprozesse ein, mein Stuhl auf dem ich gerade sitze ist aber noch ziemlich analog, ebenfalls das Fenster, aus dem ich schaue. Die digitale Kommunikation erweitert meine „Reichweite“ und erlaubt vielfältige Verbindung zu Menschen die physisch entfernt aber mir nah sind ebenso wie ungewollte bzw. erzwungene Kommunikation.

Mein Computer ist für mich …

… eine Maschine. Davon habe ich drei in Besitz: Laptop, Tablet und Smartphone. Vor unendlich vielen Jahren als kleiner Junge habe ich immer die Kommunikatoren bzw. Assistenten in den Perry Rhodan Filmen und der Raumschiff Enterprise Serie bewundert. Das wollte ich immer haben, etwas ähnliches scheint das Smartphone zu sein.

Wirklich gut! Die größte Chance durch die Digitalisierung ist…

… mir jedenfalls unbekannt, da ich heute nicht vorhersehen kann was ich morgen wissen werde. Von daher ist mir das Verwenden von Superlativen ein Greuel. Ich würde mir aber Fortschritte im Bereich der Medizin wünschen, denn die Digitalisierung eröffnet die Chance personalisierte Medizin technisch und auch wirtschaftlich möglich zu machen. Eine weitere Chance ist das Zugänglichmachen von Wissen, gerade auch Wissen, das ganz spezielle Antworten auf verzwickte Fragen im Alltagsleben gibt.

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Digitale Evaporation der Sachsenwahlen

Es ist Dienstagmittag und ich schaue ein wenig über die Onlineangebote der großen Tages- bzw. Wochenzeitungen, -magazine, der üblichen Verdächtigen halt. Schaue nicht wirklich zielgerichtet aber habe im Stillen die Hoffnung weitere Analysen oder Meinungen zur vorgestrigen Sachsenwahl zu finden. Zu meiner Überraschung finde ich nur bei einem Angebot einen neuen Artikel auf der Startseite, die anderen Angeboten berichten auf der Startseite nicht mehr davon. Natürlich sind Artikel mit Klick auf die Kategorie Politik zu finden aber Neues findet sicht nicht.

Genau am zweiten Tag nach der Sachsenwahl ist dieses Ereignis auf den „wichtigsten“ Nachrichtenseiten des Landes digital verdunstet.