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Über Automatisches Schreiben (2)

Perspektivwechsel: Weg von der Psychologie und hin zum künstlerischen Procedere. Automatisches Schreiben ist Montage. Ist es aus dieser Perspektive relevant ob ein Mensch schreibt oder eine Maschine?

Über Automatisches Schreiben

Veränderung eines Begriffs in der Zeit: Vor hundert Jahren war Automatisches Schreiben die Verschriftlichung von Gefühlen, Emotionen, der emporsteigenden Sedimenten des Unbewußten unter Absehung der Vernunft und ohne Korrektur des Geschriebenen. Heute ist Automatisches Schreiben Textproduktion unter Verwendung maschineller Binärschrift ohne daß die Maschinen das Geschriebene interpretieren können. Was macht das mit den Lebenden?

Über das Lesen und das Schreiben

Eine Fraktion sieht in dem Schreiben eine klare Ordnung: Einleitung, Hauptteil, Schluß. Innerhalb des Hauptteils bereitet das Geschriebene vor und führt dann auf den zentralen Gedanken hin. Die andere Fraktion sieht im Schreiben eine Notierung des Gedankenflusses. Die Gedanken werden so wie sie fließen verschriftlicht und stehen gleichberechtigt nebeneinander. Wie ist das beim Lesen? Ist es für das Denken besser ein Buch strikt von Vorne bis Hinten durchzulesen oder ist es besser sich der verwiesenen Literatur anzunehmen, sie zu lesen um sich in einen Gedankenfluß zu begeben, der wie ein Umweg scheint?

Über das Totenglöcklein des Unternehmens

Das Totenglöcklein eines Unternehmens macht sich in der Sprache des Managements bemerkbar. Es sind Satzfragmente wie „…der Markt fordert dies…“ oder „…wir müssen dem Markt folgen…“ die die Sterbephase begleiten. Auf den Markt verweisen, mit ihm schwimmen wollen und nicht eigenen Idee haben und verwirklichen zeigen erste Leichenblässe an.

Über ein Argument gegen geschlechtergerechte Schrift

Goethe, so hieß es in einem TV-Kulturmagazin, habe die Begriffe Studenten und Studierende unterschieden. Der Begriff Studenten umfasse den gesellschaftlichen Status, die Rolle o.ä., der Begriff Studierende sei zeitlogisch zu sehen, eine Gruppe Menschen, die eben gerade dabei sind zu studieren. Die Begriffe Arbeiter und Arbeitende oder Unternehmer und Unternehmende mögen das ebenfalls zeigen. Die begriffliche Differenz von Kapitalisten und Kapitalisierenden überzeugt nicht.

Das Argument stellt die Autorität Goethes in den Mittelpunkt, vergisst dabei die Geschichtlichkeit von Gesellschaft und Schrift. Und Autorität besitzt einen Zeitkern. Das Seiende mit Ypsilon ist perdue. Die unterschiedliche Betrachtung von Begriffen des Status und Begriffen in der Zeit ist ebenfalls obsolet, die Schrift differenziert darin nicht mehr. Die Substitution der Begriffe von Status durch die Begriffe in der Zeit ist keine Unmöglichkeit.

Das Argument sticht nicht.

Über das tägliche Bloggen

Für das tägliche Bloggen stehen zwei Inhalte, erstens das Tagebuchbloggen und zweitens das Businessbloggen. Beide Inhalte kennzeichnet zur Periodizität eine weitere gemeinsame Form: sie sind etwas Neues – kleinste Formen: Tägliches Bloggen vermittelt sich durch kurze Posts. Das Tagebuchbloggen, das Aufschreiben dessen, was am Tag war, wird oft als banal bezeichnet. Das ist kleingeistig. Das was heute war, kann in der Rückschau eine gewichtige Bedeutung bekommen. Das Businessbloggen gerät andereseits in der Rückschau zum Banalen wenn die Enge der Sicht der Schreibenden deutlich wird. Kann man sich kleinste Formen als Konzentrat vorstellen, als etwas, das über sich hinausgeht?

Über den Datenmineur

Das Englische hat den Data Miner, das Deutsche hat seinen Datenhuber. Die schweizer Schriftsprache hat den Datenmineur. Das liest sich unauffällig doch der Klang des Wortes beim Lesen ist ungewöhnlich. Ist der Klang gediegen oder gar vornehm, hofratartig? Nur – der Leser wird ihn bei sich selbst hören und erleben. Ist die Lautsprache in der Schweiz nicht völlig anders?

Über Revolutionsfotos

Berlin in der Revolution 1918/19: Die Ausstellung im Museum für Fotografie ist chronologisch nach Monaten sortiert. Liebknecht, Luxemburg, Ebert, Noske sind präsent, Scheidemann ist unsichtbar. Flankiert von Plakaten der Theater, Kinos, Etablissements sind die Fotos das Zeugnis der revolutionären Vergeblichkeit in Berlin. Die abgebildete Mode, die Schnitte der Mäntel, die Form der Hüte und die Mützen versetzen den Betrachter in eine Zeitreise zurück in die Armut der Umstände, in die Not der Nachkriegsmonate und machen die Mühen sichtbar mit etwas Würde zu überleben. Die Wahrheit der Fotos der Massen auf Kundgebungen und Demonstrationen kontrastieren nur unmerklich mit der Falschheit der gestellten Aufnahmen von kämpfenden Regierungssoldaten und Revolutionären in den Straßen des Regierungs- und des Zeitungsviertels. Die Unwahrheit verwandelt sich in Wahrheit während der Refexion darüber, daß die tatsächlichen Kämpfe in der unmittelbaren Nachbarschaft stattgefunden haben die heute fast täglich durchquert wird.

Über einen Verlegenheitspost

Ein Verlegenheitspost camoufliert die Verlegenheit des Autors ob der Leere seiner Einbildungskraft. Und das ist doch auch schon was…

Über ein Schreibprogramm

Die Rechtschreib- und Grammatikkorrektur des Schreibprogramms markiert das Wort „Adiaphorisierung“ als falsch geschrieben.  Das in der Korrektur enthaltene Vokabular ist unzureichend.  Aber es schleicht sich der Gedanke ein, das Programm selbst sei adiaphorisiert.