Über die Mikrowelle

Sie ist ein Ärgerniss, die Mikrowelle: sie funktioniert. Über zwanzig Jahre alt – die Farbe hat sich verändert, die Technik mit Drehknopf und einem Zeitdisplay ist alt – funktioniert sie noch wie am ersten Tag. Schön wäre doch eine Mikrowelle, inklusive Grill vielleicht, mit allem technischen Firlefanz wie Tastaturen, Programme, viel Blinkendem und Internet. Aber nein, die alte Mikrowelle macht brav seinen Dienst. Damit sagt sie etwas und sie wird verstanden.

Über den Blick in die Wetterapp

Niederschlag – was nun? Beim morgentlichen Blick in die Wetterapp bleibt es nicht, auch tagsüber wird vor dem Gang ins Freie des Öfteren nachgeschaut. Wenn es geht, warum nicht? Aber es scheint, als wäre in letzter Zeit die Wettervorhersage instabiler geworden, müsse sich häufiger korrigieren. Stimmt das? Eine Hypothese wäre, die Vorhersage wäre ungenauer, da es weniger Flugbewegungen gibt und somit einen geringeren Umfang von durch Flugzeugsensorik gemessene Wetterdaten, die zur Prognose verfügbar wären. Das stimmt nicht für Mitteleuropa, es gibt genug bodengebundene Wettersensorik. So ein Umweg des Denkens ist interessant, führt aber in die Irre. Das Wetter ist zur Zeit einfach sehr wechselhaft und das wird mit dem Blick in die App sichtbar. Ganz einfach, nicht wahr?

Über das manuelle Uhrenumstellen

Kurioserweise gibt es in diesem Haushalt immer noch zwei Uhren ohne Funkmodul. Ein Siemenshandapparat fürs Festnetz, dessen Basisstation am Router angeschlossen ist, wird nicht über irgendeine Systemzeit umgestellt, sondern muß manuell eingestellt werden. Die Uhr der noch betagteren Mikrowelle (die Mikrowelle denkt gar nicht daran kaputt zugehen, sodaß sie durch eine moderne ersetzt werden kann) bedarf ebenfalls der Umstellung per Hand.

Die neue Funkuhr im Schlafzimmer verweigert sich wie ihre Vorgängerin beharrlich der Umstellung. Dies liegt an der Exposition des Schlafzimmers, das durch die Signalquelle in Frankfurt am Main nicht zufriedenstellend erreicht wird. Die manuelle Einstellung der Zeit ist nicht benutzerfreundlich, zudem hat sich die Gebrauchsanweisung irgendwo versteckt. Die Uhr wird also mit zwei Batterien transportfähig gemacht und in das Wohnzimmer verbracht, das eine günstige Exposition zur Signalquelle hat. Einige Minuten später ist die Uhr auf die Sommerzeit umgestellt und wird an ihren gewohnten Ort zurückgebracht, das Netzkabel angeschlossen und die Batterien entfernt. Fertig.

Über den Zwang zum Blockeditor

Jetzt ist es soweit, WordPress macht Ernst mit dem Gutenbergprojekt und erhöht den Druck auf die Bloggerïnnen: im Begleittext zum neuesten Update der App wird darauf hingewiesen, daß in Bälde neue Posts mit dem klassischen Editor nicht mehr möglich sein werden; die Bloggerïnnen mögen sich bitte an den Blockeditor gewöhnen.

Ich selber tue mich erheblich schwer mit dem Blockeditor. Nicht so sehr in der App, deren Möglichkeiten begrenzt sind, sondern in der Browserversion direkt auf WordPress.com. Dort mögen die Möglichkeiten deutlich erweitert sein, die Usablility ist für mich unterirdisch, es bedarf noch einiges an Übung bis zur Gewöhnung.

Das ist mein erster Post mit dem Blockeditor, geschrieben in der App auf dem iPad.

Über Clubhouse

Faszinierend wie der Fortschritt Haken schlägt: vom Bild zur Sprache codiert in Binärschrift. Sprache ist schnell, spontan, fluffig – Schrift ist langsam und widerständig, sperrig halt. Von Clubhouse ist heute kaum noch die Rede, es scheint zu funktionieren und seine Nutzerïnnen gefunden zu haben… ein Hypechen.

Persistierte eigene Mündlichkeit ist mir ein Graus – dem Knochenschall sei dank. Ich rede oder singe gerne mit mir selber…

Über dreimal Produktion und Heute

Bemerkenswert beschreibt Walter Rathenau schon 1912 das Gewicht der Wirtschaft anhand des Bauens – des Er- und Umbauens der modernen Großstadt (Gesamtausgabe Band II, 1977, S. 93):

„Wozu nun dienen diese unerhörten Bauten? Zum großen Teil dienen sie direkt der Produktion. Zum Teil dienen sie dem Verkehr und Handel, somit indirekt der Produktion. Zum Teil dienen sie der Verwaltung, der Wohnung und der Gesundheitspflege, somit vorwiegend der Produktion. Zum Teil dienen sie der Wissenschaft, der Kunst, der Technik, dem Unterricht, somit indirekt … noch immer der Produktion.“

Viermal Produktion aus unterschiedlichen Blickwinkeln – die Dynamik der Ökonomie sickert ins Betonierte, manifestiert sich im Steinernen, im Erstarrten. Gut 110 Jahre später in der Pandemie wird über nichts Wichtigeres geschrieben oder gesprochen als über „die Wirtschaft“ – und die „Entfesselung“ der nicht einmal stillgestellten Ökonomie. Ökonomie wird wahnhaft betrachtet. Sie kollabiert wenn keiner mehr da ist der konsumiert.

Über Anpassung

Kein sonnabendliches Frühstück an der Tschechischen Bierbar? So what… Kein freitagliches Biertrinken mit den Kumpels? Schade, aber nun denn… Sonnabendliches Frühstücken und freitagliches Trinken guter Biere schmecken zuhause.
Nicht mehr mit den Öffentlichen fahren? Laufen ist gesünder. Kein Gasthörerdasein im Sommersemester? Der Bücherschrank ist reichlich bestückt und Onlinevorlesungen gibt es genug.
Kein Besuch bei der betagten Mutter? Das ist ambivalent, den Kümmerimpuls zu unterdrücken und das schlechtes Gewissen abzuschließen verlangt Vernunft und Kraft; ist anstrengend.
Erstaunen und Unverständnis wenn Menschen, deren Mantra Liberalität und Vernunft schien, sich vehement für den Ausnahmezustand erklären. Hier ist das Nichtmitmachen erste Bürgerpflicht.

Über Technik und Liebe

Zitat Adorno aus „Erziehung nach Auschwitz“ in Kulturkritik und Gesellschaft II, stw, 2018, Seite 686:

„Bei dem Typus, der zur Fetischisierung der Technik neigt, handelt es sich, schlicht gesagt um Menschen, die nicht lieben können.“

Wird „der Technik“ durch „des Digitalen“ ersetzt, beschreibt das einen neuen Typus im 21. Jahrhundert.

Über die Ortsabwesenheit

Reist ein Mensch für einige Tage an einen anderen Ort ist das möglicherweise ein Urlaub. Urlaub heißt für Arbeitslose „Ortsabwesenheit“. 21 Tage haben sie davon im Jahr. Ortsabwesenheit meint auch Reisen am Wochenende oder an Feiertagen. Das ist von der Arbeitsagentur zu genehmigen. Die Kundïnnen müssen sich Reisen genehmigen lassen – wie gesagt als Kundïnnen – was für eine Camouflage. Offiziell heißt es, die Arbeitsagentur möchte so schnell wie möglich vermitteln. Am Wochenende? Ob die Einschließung bei aller Digitalisierung nicht eher eine Disziplinarmaßnahme ist?