Schlagwort-Archive: technischer Fortschritt

Der seltsame Schalter

Die Kulturtechnik der Konservierung durch Temperaturentzug ist weit verbreitet und auch in unserem Haushalt üblich. Die Technik jedoch, namentlich der Eisschrank (als Swarm/Foursquare Location auch Bierschrank genannt) erwartet in regelmäßigen zeitlichen Abständen Pflege: Der Eisschrank will abgetaut werden. Das überlegende Gemüt denkt sich – nichts einfacher als das – Eisschrank abstellen, ausräumen, abtauen, wischen, trocknen lassen, einräumen, anstellen. Um auf Nummer sicher zu gehen wird die Bedienungsanleitung bemüht. Die lacht sich eins ins Fäustchen und beschreibt den Vorgang des Abstellens mit Temperaturwähler auf Null stellen und Stecker ziehen. Das bringt den Leser in Verlegenheit, ist doch der Eisschrank ein Unterbauschrank und die Steckdose auf der Rückseite und ohne große Räumungen unerreichbar. Und was ist eigentlich mit dem Schalter an der rechten Innenwand? Ist dort ein Aus- und Einschalten des Geräts möglich? Der Schalter selbst und seine Funktion sucht der Leser in der Bedienungsanleitung vergeben. Leichtes Unbehagen stellt sich ein. Nach mehrmaligem Durchsuchen der Ablage mit den Bedienungsanleitungen der verschiedenen Haushaltsgeräten zeigt sich unschlüssig ein gefaltetes Dreifachblatt ohne Titel auf der Vorderseite. Natürlich im letzten Eck der Ablage. Und zaghaft enthüllt das Blatt tatsächlich die Funktion des seltsamen Schalters. Mit dem Schalter wird ein Eisschrankturbo angelassen, sollte die Umgebungstemperatur des Geräts unter vierzehn Grad sinken. Darauf muß man erstmal kommen….

Urlaub ohne Mobile

Die Holde liest in der gedruckten Version der Tageszeitung des Vertrauens und bemerkt, anlässlich eines Artikels zum zwanzigsten Todestag von Lady Di, daß wir genau an diesem Tag im Urlaub waren. Ich erinnere mich, wir waren in Tunesien und ich sah auch die Sonderberichterstattung zum Unfall im TV-Sender CNN. Ich erinnere mich an die Hotelanlage, den Strand, die Lage des Zimmers zum Meer – seitlicher Meerblick genannt – und das Essen. Ich frage nach Urlaubsbildern, doch wir rätseln ob wir überhaupt Photos machten. Und während ich die Frage ausspreche wird mir klar, daß wir vor zwanzig Jahren keine Mobiles, geschweige denn Mobiles mit Kameras hatten. Ein seltsames Gefühl beschleicht mich, eine Zeit ohne Mobiles erscheint mir fast undenkbar oder besser gesagt weit zurückliegend, eine Ewigkeit her. Da drängt sich der Gedanke auf, ob es ein Zuviel an Gebrauch gibt. Ich denke nicht, denn wir werden sicher auch dafür eine Kulturtechnik der mobilen/digitalen Kommunikation/Medialität entwickeln ob nun das Mobile ein Ding bleibt oder ob es eine Erweiterung meines Leibes ist. Aber irgendwie, in einer für mich noch nicht beschreibbaren Art und Weise, durchdringen wir uns schon gegenseitig ….

iPhone-Display

iPhone-Display

Über unverständliche Werbung

Werbung sollte verständlich sein um zu wirken. Dies ist eine Voraussetzung über die kaum nachgedacht wird, so banal scheint sie zu sein. So gibt es die Plurk App in deutscher Sprache. (Plurk ist ein Social Media Dienstleister und in Asien sehr erfolgreich. Ich nutze Plurk seit 2008) Die dort ausgelieferte Werbung von Unternehmen in Form von Antworten auf das eigene Geschriebene wird jedoch nur in chinesischer Schrift gezeigt. Wer kein Chinesisch beherrscht versteht die Werbung nicht. Möglicherweise betrachtet der ein oder die andere zu Beginn der „Plurkkarriere“ die ikonographische und geheimnisvolle Form der Schriftzeichen, die auch als ästhetisch schön empfunden werden können, etwas länger. Aber – die Werbung wird nicht den gewünschten Effekt erreichen. Die Auslieferung in chinesischen Schriftzeichen zeigt, daß die Werbetreibenden oder genauer Plurk die angesprochenen Nutzer zur selben Sprachgemeinschaft zählen. Damit scheint die Ansprache als Person gegeben zu sein. Aber ist es das wirklich, fühlt sich der Nutzer durch automatisierte und damit hochfrequente, unverständliche Werbung als Person angesprochen? In dem Kontext wäre die Frage eher zu verneinen.

Wunderliche Schnellschüsse

Ich bin auf der Konferenz „Digitales Leben – Vernetzt. Vermessen. Verkauft?“ auf der Heiko Maas seine Ideen zu soetwas wie einer „Algorithmenregulierung“ vorstellt. Das was ich höre ist aber nicht das, was ein Onlinemedium vor der Konferenz veröffentlicht hat und auch weitere literale Medien nach der Konferenz veröffentlichen werden. Der Minister hat nur etwas mehr Transparenz zu Algorithmen angesprochen, wie diese ausgestaltet werden kann soll aber dem politischen Prozeß überlassen werden. Es gibt von ihm keinerlei Vorgaben. Nicht gefordert hat er die Vorstellung jedes komplexen Algorithmus bei einer Aufsicht. Genehmigungsverfahren soll es nicht geben. Also bürokratische Monster sollen nicht geschaffen werden. Daß der Minister seine Ideen noch kurzfristig öffentlich vorgestellt hat mag man ihm nachsehen, er möchte halt Aufmerksamkeit haben. Daß nun einige Medien so wunderliche Schnellschüsse über seine Rede absondern mag auch mit Aufmerksamkeitsdefiziten erklärt werden. Über Letzteres kann ich aber nur den Kopf schütteln.

Google meint ich hätte kein Gesicht

Ich richte mir eine Teststellung G Suite ein. Eigentlich möchte ich die Domain .io darauf mappen aber das WordPressangebot dazu verunsichert mich zur Zeit ein wenig. Also nehme ich eine andere Domain um einmal die Einrichtungsroutine durchzuspielen. Alles klappt ohne Probleme bis zum Installieren des Profilbildes, das andere G Suite Nutzer sehen können. Natürlich nehme ich das Bild des „obamisierten Horax“, den Twitteravatar, der auch Header in diesem Blog und anderen Diensten ist. Zu meinem Erstaunen erklärt mir G Suite, daß kein Gesicht auf dem Bild zu erkennen sei. Das automatisierte Gesichtserkennungssystem – ich bringe es nicht mit Künstlicher Intelligenz in Verbindung, denn die würde ein Gesicht erkennen – läßt mich das Bild nicht einbauen. Klar ist, die Teststellung wird auslaufen und der Account wird gelöscht.

Du hackst Computer – ich hacke die Welt

„Du hackst Computer – ich hacke die Welt“ sagt MacGyver in der erste Folge des Reboots der TV-Erfolgsserie aus den achtziger Jahren um eine neue Kollegin für das Team zu gewinnen. Die ersten Kritiken des Reboots sind eher durchwachsen, ich gebe dem Reboot eine Chance.

Aber nicht die Serie an sich ist interessant sondern die Denkungsart, die Problemlösungsart des Protagonisten – die eines Bricoleurs. Und die Figur des MacGyver ist das filmgewordene Ideal des Bricoleurs. Heutzutage manifestiert sich diese Denkungsart des Tüftlers sozial und kulturell in der Gestalt des Makers oder Makerbewegung. Das ist spannend zu beobachten …

Das kann Instagram doch eigentlich besser

Ja, Instagram ist knorke, genauer gesagt war knorke. Es ist nachvollziebar, daß die Eigentümer diesen Dienst nicht aus reiner Philanthropie betreiben, nein, der Dienst soll auch wirtschaftlich sein. Verständlich sind Versuche die Timeline in der Form zu verändern, daß der geneigte Nutzer dort länger verweilt und somit den Dienst wirtschaftlich attrakiver macht. Diese Manipulation von Chronologie zu einem irgendwie gearteten Gebilde ist einigen, mir auch, sauer aufgestoßen. Aber der Mensch lernt damit umzugehen, erfindet Techniken, sodaß das gestörte Nutzererlebnis fast wieder wie unter chronologischen Bedingungen ist. Auch das Problem der, zunächst erratischen und dann nicht mehr angebotenen instagram-2-flickr-bridge läßt sich verschmerzen.

Kritisch, nein, nervend ist die aktuelle Ausspielung von Werbung, der gesponserten Post. Dabei hat Instagram die sanfte Werbeausspielung hat ja beherrscht. Zur Zeit ist es so: Wird Instagram geöffnet, ist nach den ersten drei Posts der vierte ein gesponserter, danach folgt nach acht bis neun Posts ein gesponserter. Das ist zuviel, das ist Flatulenz. Die Aufforderung, bzw die Möglichkeit diesen Posts zu verwerfen, indem man ihn anklickt um dann eine Begründung zu markieren ist respektos gegenüber dem Nutzer. Dieses wäre bei einer deutlich geringeren Frequenz angemessen. Aber man weiß ja nie. Vielleicht lernen die Nutzer damit zu leben. Ist das Muster halbwegs erkannt kann sich eine Technik des Weiterscrollens, des Nichtwahrnehmens etablieren. Davon haben zwar Instagram und der Werbetreibende nichts, für den Nutzer wird die Flatulenz der gesponserten Posts halbwegs erträglich

Trotzdem, das geht so nicht. Instagram ist kaputt!

Die Sache mit dem Streetscooter Work

Der Weg vom Hotel in die Innenstadt führt zu Beginn über eine langgezogenen Straße abwärts. Sonnabendmorgen gegen neun Uhr ist das Städtchen noch unschlüssig ob es schon wach oder noch weiter dämmern möchte. Dementsprechend ist fast kein Verkehr auf der Straße auch Fußgänger lassen sich noch nicht blicken. Einzig ein Streetscooter Work der Deutschen Post ist im Einsatz. Die Zustellerin hat ihre Ladung verteilt, öffnet die Fahrertür des Wagens, läßt den Motor an und setzt die Tour fort. Die Szene wirkt verstörend, na ja nicht wirklich verstörend sondern eher überaschend. Warum? Der Anlasser ist kurz zu hören und dann – Stille. Der Motor ist auf der anderen Straßenseite nicht hörbar. Erst als der Wagen fährt sind leise Abriebgeräusche der Reifen zu hören, sehr zart, unaufdringlich. Jetzt stellt sich natürlich die Frage wie das sein wird wenn alle Fahrzeuge mit Elektromotor fahren. Die belästigenden aber alltäglichen Motorengeräusche fallen weg. Motorengeräusch kitzelt die Aufmerksamkeit der am Verkehr Beteiligten. Der Hörsinn wird in einer leiseren Verkehrswelt unwichtiger, Aufmerksamkeit auf die anderen Verkehrsteilnehmer muß anders gelebt werden, das Auge wird wichtiger. Daß sich die Menschen daran anpassen werden ist klar. In der heutigen, lärmenden Zeit ist die neue leisere Zeit nur eine Fiktion aber an diesem Sonnabendmorgen ist sie auf dieser Straße im Städtchen eine überaschende, schöne Realität.

Poken

Gut – dies ist ein Füll-Post aber ich bin sehr begestert davon, daß katti heute mit einem Tweet die Erinnerung an die Pokens auf der re:publica 2009 wachgerufen hat. Hier mein Überbleibsel:

Poken

Poken

Die Sau ist ein Mastodon

Dieser Tage wird, in Sachen Mikroblogging, eine Sau namens Mastodon durchs Dorf getrieben. Im Gegensatz zu Twitter und dem Gesichtsbuch werden diesem Dienst die üblichen Heilsversprechen wie Dezentralität, Open Source und antikapitalistische Haltung zugeschrieben. Natürlich bin ich vollkommen begeistert und in meiner tiefsitzenden Neomanie melde ich sofort einen Account auf einer Instanz an. Leider ist auf der „Urinstanz“ „mastodon.social“ wegen Überfüllung keine Anmeldung möglich und so versuche ich es auf „hostux.social“, was problemlos klappt. Auf der Suche nach Mails von dieser Instanz, die im Spam-Ordner verschwinden, stelle ich fest, daß ich Mails von der „Urinstanz“ erhielt und somit bereits dort einen Account dort eröffnete.

Mastodon

Mastodon

Das ist schon geschlagene fünf oder sechs Monate her. Merkwürdig, daß ich mich nicht erinnere; wurde der Dienst einfach uninteressant?