Schlagwort-Archive: technischer Fortschritt

Bitte beachten Sie die angezeigte umgekehrte Wagenreihung

Nachts Viertelvorzwölf auf Gleis 2 des Hauptbahnhofs Bonn: „Bitte beachten Sie die angezeigte umgekehrte Wagenreihung!“ Diese Durchsage hat der durchschnittliche Bahnreisende sicher schon einmal gehört. Brav trotte ich in den Abschnitt, für den mein Wagen angezeigt ist; es ist der erste Wagen. Es sind noch ungefähr zehn Minuten bis zum Eintreffen des Zugs. Seltsamerweise tauchen Zweifel auf ob ich wirklich im richtigen Abschnitt warte. Ich gehe langsam zur nächstgelegenen analogen Wagenstandsanzeige und sehe, daß die normale Wagenreihung meinen Wagen am Ende des Zugs zeigt. Also alles in Ordnung. Ich begebe mich wieder in den vorgesehen Abschnitt. Der Zug trifft ein, mein Wagen ist nicht im durchgesagten Abschnitt. Der Zug ist normal gereiht!

Notiz zu Pownce

Um die Jahre 2007 und 2008 traten zahlreiche Mikrobloggingdienste auf den Plan. Die meisten sind verschwunden und heute fallen mir im Gespräch die meisten nicht mehr ein. Ein interessanter Dienst war Pownce. Trotz des für mein Ohr ungewöhnlichen Namens vergesse ich ihn immer wieder. Die Notiz soll ihn nun für mich festhalten. Ein weiterer Dienst ist fanfou, ein chinesischer Twitter-Klon, der 2009 der Zensurbehörde zum Opfer fiel und geschlossen wurde, ab 2010 jedoch wieder geöffnet ist. Von der Wiedereröffnung habe ich erst heute erfahren und mein Account existiert heute noch. Ich kann also wieder in China auf deutsch schreiben …

Screenshot vom chinesischen Microbloggingservice fanfou

Screenshot vom chinesischen Microbloggingservice fanfou

Politische Maßnahme und wirtschaftlicher Aufschwung

Martin Schulz hat die Tage eine Überprüfung der Hartz-Gesetzgebung angekündigt. Positive und negative Stellungnahmen sind sofort veröffentlicht. Insbesondere die negativen befürchten langfristig eine Gefährtung der Wirtschaft. Mir stellt sich in dem Zusammenhang die Frage ob die, vor gut zehn Jahren und seitdem immer wiederholten, Äußerungen, diese Gesetzgebung hätte einen wirtschaftlichen Aufschwung verursacht wirklich Sinn machen. Also exakt so, daß das Ereignis zum Zeitpunkt t0 ein Ereignis zum Zeitpunkt t1 kausal verursacht hat. Ich habe da meine Zweifel, ist die Wirtschaft doch ein so komplexes System, das nicht in einfachen Ursache-Wirkungsketten abgebildet werden kann. Also ähnlich S = Y – C = I. Ist damit einem so komplizierten sozialen Handeln wirklich Genüge getan?

Über die Klobrille

Ich frage mich ob die Digitalisierung bei der Klobrille Einzug gehalten hat und muß feststellen, daß das bereits seit den achziger Jahren der Fall ist. Zwar nicht unbedingt in Berlin, Deutschland oder Europa sondern am andere Ende der Welt in Japan, wie die Wikipedia weiß. Das erstaunt mich dann doch, hielt ich bisher unsere, mechanisch sich selbst absenkende Klobrille den Gipfelpunkt der Toilettentechnologie. Ich bin eines besseren belehrt und freue mich darüber.

Klobrille

Klobrille

Ich werde meinen Kumpel Roger beim Bier danach befragen …

Hemden im Internet

Voller Enthusiasmus mache ich mich auf die Suche nach Hemden im Internet. Bei einem Onlinefashionshop bekomme ich einen ordentlichen Rabatt sodaß die Hemden der Marke, die mich interessieren, doch spürbar billiger sind statt einem unrabattierten Preis von 99,95€. Hemden dieser Marke trage ich als Businesshemden zum Anzug denn es ist die mir einzig bekannte Marke, die schwarze Langarmhemden mit Button-Down-Kragen herstellen. Ich suche allerdings diesmal karierte Langarmhemden mit Button-Down-Kragen und freue mich zunächst sehr über das Angebot. Bei genauerem Hinsehen stelle ich fest, daß es sich ausschließlich Hemden in Slim-Fit-Form handelt. Grauenhaft, erinnert das an die taillierten Hemden der 1970ger Jahre. Ich trage ausschließlich Regular-Fit-Form, was auch den Vorteil hat bestimmte Partien am Körper mit Wohlgefallen zu verhüllen. Schade, so wird es nichts mit den Hemden aus dem Internet. Ich gehe statt dessen ins Kaufhaus des Vertrauen der Holden und kaufe mir zwei karierte Langarmhemden in Regular-Fit für 19,95€ pro Hemd ganz analog. Da freut sich auch der Sparfuchs in mir.

Piratenente

Die Kurzreise nach Hamburg bringt aus dem Hotel des Vertrauens eine neue Mitbewohnerin nach Kreuzberg – eine Piratenente. Sie fühlt sich sofort zwischen den hier lebenden Artgenossen wohl. Da sind eine Kapitänsente, eine Seefahrerente, eine Taucherente, eine Conciergeente und noch einige mehr. Allerdings sind diese gegenüber der neuen Mitbewohnerin etwas zurückhaltend, sind sie doch von den hochgezogenen Augenbrauen und der Axt irritiert. Da die Piratenente mich entzückt, folgt ein Photo auf dem Fuße samt algorithmischer Bildverbesserung mit Perfectly Clear, etwas algorithmischem Blurring mit Tadaa SLR und etwas Lux und Helligkeit mit Instagram. Auch Artwork ist selbstverständlich willkommen und Prisma bietet dafür mit dem algorithmischen Filter, benannt nach dem großen indischen Künstler Thota Vaikuntam, den richtigen satten Gelbausdruck.

Piratenente

Piratenente

Die Sache mit der widerspenstigen Heizung

Seit langem ist der technische Fortschritt in das Beherbergungsgewerbe eingezogen. Kein Hotel, das der geneigte Gast in den letzten Jahren besuchte hat an den Heizkörpern ein vom Gast bedienbares Heizungsventil, viele Hotels haben gar keine Heizkörper mehr sondern steuern die Zimmertemperatur mit der Klimananlge, die gleichtzeitig Heizung ist. Der Gast ist in der Lage an einer Konsole im Zimmer die gewünschte Zimmertemperatur festzulegen.

Das Zimmer im Hotel des Vertrauens, in dem der Gast die Weihachtsfeiertage verbringt, besitzt eine solche. Für den Gast soll die Bedienbarkeit so einfach wie möglich sein, er braucht nur drei Tasten an der Konsole zu bedienen: ein/aus, Temperatur hoch, Temperatur runter. Ein fabelhaftes Konzept wenn es denn funktioniert:

Die Zimmertemperatur ist bei Ankunft des Gastes auf 19 Grad gestellt. Der Gast erhöht auf 22 Grad und fährt mit seinen Tätigkeiten fort. Wie aus dem Nichts ist das System plötzlich auf 20 Grad eingestellt. Er erhöht erneut und macht anschließend einen Spaziergang ins Städtchen. Bei seiner Rückkehr sind nur noch 19 Grad eingestellt. Eine ähnliche Situation beim morgentlichen Aufstehen. Vor dem Schlafengehen auf 21 Grad eingestellt, beim Aufwachen ist das System auf 19 Grad parametrisiert. Eine automatische Nachtabsenkung scheint dem Gast plausibel aber warum ist die dann auf Dauer gestellt und die Temperatur erhöht sich morgens nicht?

Nun, nicht die Heizung ist widerspenstig oder hat ein Eigenleben sondern die Parametrisierung der zentralen Steuerung des Systems durch das Hotel ist gelinde und freundlich gesagt – eigenwillig. Der Gast wird das bei seinem nächsten Aufenthalt im Hotel ansprechen und ist gespannt auf die Antwort.

Die Sache mit der Uhrenumstellung

Vor dem Schreiben dieses Blogposts schaue ich alle von mir geschriebenen Beiträge durch und finde tatsächlich etwas über die Uhrenumstellung aus 2014.

Was hat sich seitdem geändert? Technisch sind wir immer noch auf dem gleichen Niveau. Dem Umstellungsprozeß bei Laptop, Tablet oder Smartphone, der die Uhren automatisch aktualisieren wird keine Aufmerksamkeit geschenkt, dem Prozeß der drei Funkuhren, die ebenfalls automatisch aktualisiert werden schon eher, da gibt es regelmäßig Ausälle nur eben in diesem Jahr in anderer Reihenfolge. Der, im Aktualisierungsprozeß unzuverlässige Funkwecker hat sich bereits umgestellt, die beiden anderen Funkuhren zeigen noch Sommerzeit an. Die Uhren an den Haushaltsgeräten und dem Festnetztelephon stelle ich händisch um. Same procedure as every year… Und nein, die Uhrenumstellung hat keinerlei Auswirkungen aus mein Wohlbefinden.

Über die Kaffeemaschine

Was kann interessant sein an einer Kaffeemaschine? Eigentlich nicht viel, höchstens das Verhältnis des Besitzers zu ihr. Gute neun Jahre hat meine Kaffeemaschine durchgehalten, eine Schwester von ihr, fast gleichaltrig und von mir damals erworben, steht seit Gründung in der Firma. Nun ist meine Kaffeemaschine inkontinent geworden und muß ersetzt werden. Oh nein, die Schwester erwähne ich nur um mir die Länge des Besitzes zu vergegenwärtigen, kein magisches Denken bewegt mich. Ein Ersatz ist gefunden, ein Nachfolgemodell der gleichen Firma. Der Nachfolger sieht ähnlich aus, die Technologie ist fast dieselbe, dazugekommen ist eine „Auto-Off-Funktion“, nicht mehr, keinerlei technologischer Fortschritt, ein Gerät ohne Funkschnittstelle und ohne GPS. Die Vermutungen zur Langlebigkeit der Technologien in meiner Wohnung konnten nicht widerlegt werden. Vermutlich nimmt die Langlebigkeit der Technologien in meiner Wohnung noch zu, denn in letzter Zeit ist die Menge der Bücher stetig gewachsen.

Was hat Craftbeer mit der re:publica zu tun?

Die zehnte re:publica ist vorbei, großen Dank an die Organisatoren, das habt ihr wieder knorke hinbekommen. Eine sehr gute Idee ist die Erweiterung der Räumlichkeiten um mehr Stages und einen zusätzlichen Außenbereich.

Inhalte

Meine must-haves sind die Sessions von Gunter Dueck „Cargo Kulte“, Richard Sennet „The city as an open system“ und Thomas Fischer „Strafrecht, Wahrheit und Kommunikation“. Zum den must-haves gehören auch die Sessions von Freunden wie Maxim & Katrin „Fluch und Segen – intime Körperdaten in eHealth Anwendungen“ sowie der Michi „Netzinnenpolitik – Grundzüge einer Politik der Plattformgesellschaft“.

Beeindruckend sind die Ausführungen von Carolin Emcke „Raster des Hasses“. Emcke beschreibt Hass nicht einfach als Emotion des Individuums sondern sucht nach den Bedingungen, die ihn generieren, strukturieren und kanalisieren. Hass kann also sozial konstituiert werden. Ihre zentrale Frage ist: „Was sehen die Hassenden?“ (am Beispiel des belagerten Flüchtlingsbus in Clausnitz) Sie sehen im Gegenüber nicht eine Person, sie fragen nicht „Wer einer ist?“, sie müssen etwas anderes sehen, einen Stellvertreter, sie verdinglichen. Ihre Ausführungen regen mich zum Weiterdenken an.

Total fasziniert bin ich von Kate Stones  Session „A feel for print – paper music instruments“. Die Verbindung von Papier mit Musik, das Überführen des Digitalen in Analoges, Körperliches, Materielles und damit Haptisches ist eine großartige Idee. Ihre Arbeit ist eine höchst anregende, kreative Art des Tüftelns, der Bricolage. Das Überführen eines Computerprogramms zum Erstellen von Musikstücken auf ein Papier mit aufgemalten Blumen und Tieren, die jeweils ein Feature der Software beinhalten und mit deren Berühren Musikstücke erstellt werden können ist verblüffend.

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