Schlagwort-Archive: Philosophie

Über eine Frage zur Lustlosigkeit

Die Lustlosigkeit für das körperliche Training kann aus einem unausgeruhten oder auch gesundheitlich angeschlagenen Körper resultieren. Ruhe ist dann angesagt. Die Frage jedoch woher die Lustlosigkeit zum Denken kommt scheint rätselhaft. Ist das womit gedacht wird, das Denkende, etwas, das sich ebenfalls erschöpfen kann oder gesundheitlich angeschlagen sein kann?

Über die Taxonomie

Taxonomien mögen in der Logik und im Formalen ihre Berechtigung haben. Die Abstraktion und Deduktion unterstützen sie vortrefflich. Über das Verteilte, das Zerstreute, das Plurale, das Zufällige, das Vieldeutige sagen sie nichts. Deshalb sagen sie wenig über das Lebendige.

Über das Loslassen von Dingen

Dinge können mit Subjektivität und Objektivität aufgeladen sein. Subjektivität meint die Erinnerungen, Emotionen und Geschichten des Menschen, die sich im Ding sedimentieren. Objektivität meint die „Versunkenen Kosten“ des Dings, rechenbar als Quantitäten als Geld, die sich im Ding ebenfalls manifestieren. So geht das Ding über sich hinaus und steht dem Menschen als gegenüber als etwas Besonderes. Wie kann er davon lassen ohne Schmerz?

Über eine Frage des Aufrechnens

Entlässt ein Unternehmen an einer Stelle Mitarbeiter, um sie durch automatisierte Verfahren zu ersetzen und stellt auf der anderen Seite neue Mitarbeiter ein, die diese Verfahren programmieren sollen, ist es statthaft zu bilanzieren und wenn mehr Mitarbeiter eingestellt als entlassen sind, dieses Tun zu lobpreisen? Eine schwierige Frage, die wir hier nicht beantworten können. Dennoch ist dieses Tun zur Tatsache geronnen und damit in der Welt. Die Bilanzierung an sich zeigt die Reduktion des Menschen auf ein Ding, nein eine Zahl in einer mathematischen Gleichung. Das ist Adiaphorisierung pur. Es scheint zutiefst respektlos zu sein.

Über den Widerstand beim Schreiben

Schreiben ist nichts Flüssiges. Immer wieder werden Worte, Formulierungen, Sätze überprüft. Das Schreiben wird mit Pausen durchsetzt. Irgendein Widerstand hemmt und unterbricht das Schreiben. Es scheint eine Instanz zu geben, die das Schreiben prüft. Sie scheint nicht in der Innerlichkeit verortet, sondern dem Schreibenden außerhalb. Nur durch Anstrengung kann gegengehalten werden. Schreiben kostet Kraft.

Über Routine

Fragen wir doch einmal was an Routine schlecht sein kann. Im Reich der Notwendigkeiten und Zwecke kann sie genau das Gegenteil, das Richtige sein. Denn die Routine kann die Gedanken fließen lassen, die sich dann zur Spekulation aufraffen und sich wieder hinterfragen und sich reflektierten. In der Routine können sich die Rancièreschen Subjektivierungen entfalten, Dissens entstehen, sich Politik vorbereiten. Das Gegenteil von Routine benennen wir Innovationsprozeß.  Ein, in der heutigen Zeit, positiv konnotierter, vom Reich der Notwendigkeiten und Zwecke fast eingeforderter Zustand des Tuns. Nur was macht es mit dem Einzelnen wenn der Zustand auf Dauer gestellt ist?

Über verteilte Zufriedenheit

Erlösungsphantasien verstellen den Blick auf die Wirklichkeit. Wenn der Mensch erstmal Dies oder Das getan habe, wenn Person XY sich endlich dafür für die Sache Z entschließen würde – die Welt wäre im Lot. Der Irrtum ist wie folgt: einerseits ist hier eine Überschätzung der Person, ihre Subjektivität alleine könnte eine Änderung ihrer Verhältnisse hervorbringen und andererseits verkennt sie gleichzeitig die Objektivität der Wirklichkeit, ihre Widerstandskraft, die auch andere in ihrem Handeln bricht. Eine dauerhafte Zufriedenheit wird nicht aus einem einzigen Bereich des Lebens erreicht. Eine dauerhafte Zufriedenheit ist eine verteilte, die das Risiko der objektiven Verhältnisse streut. Zufriedenheit in der Relation zur Partnerin, in der Arbeit, im Hobby, im Lesen, im Musizieren, im Sporten u.v.a.m.. Schlagen die Verhältnisse in einem Bereich zu, so werden die anderen unabhängig vom Verlust sein. Und die Trauer um den Verlust wird sich in Maßen halten.

Über eine Frage zu Interesse und Entfremdung

Hier hatten wir über das „Interesse für“ und das „Interesse an“ berichtet. Beim weiteren Nachdenken darüber scheint das „Interesse für“ etwas aus dem Alltag, den Notwendigkeiten und den Zwecken geschiedenes zu sein, daß sicherlich nicht in Reinform zu finden ist. Wenn das so ist, dann ist das „Interesse für“ auch der Entfremdung entzogen, die die Welt des bedingten Menschen im Alltag, den Notwendigkeiten und den Zwecken begegnet. Steckt dann nicht im „Interesse für“ auch ein Stück Freiheit?

Über die Spießigkeit

Hanno Rauterberg schreibt im Feuilleton der „Die Zeit“ vom 1.2.2018 folgende Sätze:

Und dieses Verlangen, alles Unkontrollierbare abzuspalten, erinnert doch stark an das leitende Lust- und Lebensprinzip der Gegenwart: an Cola ohne Zucker und Koffein, Bier ohne Alkohol, den Rausch ohne Rausch. An Schnitzel vom garantierte glücklich getöteten Schwein. An all die schizoiden Versuche des Gegenwartsmenschen, seine Gelüste auszuleben, das aber mit besten Gewissen.

Wir wollen dieses Handeln als Spießigkeit und die Handelnden als Spießer bezeichnen. Allerdings unterscheidet sich dieser Spießer vom Spießer und der Spießigkeit der jungen Bundesrepublik bis Anfang der achziger Jahre. Jener war kleinbürgerlich und religiös angehaucht. Der heutige gibt sich jakobinerhaft in seiner Spießigkeit. Beide Arten der Spießigkeit haben wir mit höchstem Erstaunen betrachtet. Und wir wenden uns derweil leise lächelnd unserem Bier und unserer Wurst zu.

Über die Unleidlichkeit

Unleidlichkeit wollen wir hier als als ein Gefühl der Mißmutigkeit oder Mißgelauntheit verstehen. Unleidlich können wir, ähnlich der Dankbarkeit, gegenüber Personen, dem „Höchsten“, den Dingen und der Welt sein. Und unleidlich können wir, ebenfalls wie dankbar, gegen uns selbst sein. Temporäre Unleidlichkeit mag für die Hygiene des Geistes unerläßlich sein, dauerhafte Unleidlichkeit erfüllt die Umgebung des Unleidlichen mit Kälte und Mißachtung und der Unleidliche erzeugt diese ebenfalls in sich selbst. Dankbarkeit, zwar nicht der logische Gegensatz zu Unleidlichkeit, scheint uns ein geeigneteres Verhältnis zur Welt zu sein.