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Printsonntag

Heute ist Sonntag und neben mir auf der Couch stapeln sich diverse Zeitungen in einem Umfang, der mich trefflich eine Weile beschäftigt hält. Die Sonntagszeitung des Vertrauens, die Sonntagsausgabe der Tageszeitung des Vertrauens, zwei Wochenzeitungen, sowie noch Teile der Freitags-, Sonnabends- bzw. Wochenendausgabe zweier weiterer Tageszeitungen. Von Letzteren allerdings nur die Feuilleton-, Gesellschafts- und Stilteile. Feuilleton sowie Gesellschaft und Stil sind Rubriken, deren Inhalt ich weniger als Rauschen empfinde als Nachrichten in den Politik- und Wirtschaftsteilen. Und die relevanten Angelegenheiten aus Politik oder Wirtschaft werden (zumindest seit Schirrmacher) im Feuilleton diskutiert. Heute frage ich mich ob dieser Zeitungs-Lese-Umpfang eine eine Art Eskapismus darstellt, denn auch andere Angelegenheiten verlangen eigentlich meine Aufmerksamkeit, denen ich mich so bequem entziehen kann.

Die Suche nach der Wochenzeitschrift des Vertrauens

Ein verlängertes Wochenende auf der Insel im Ostseebad des Vertrauens – Entspannung pur, relaxen, schwimmen, schlemmen, spazierengehen und lesen. (Glotze möglichst auslassen!) Lesen ist Lebenselexier, zwei Bücher sind mitgenommen, die Zeitungen werden vor Ort gekauft. Letzteres scheint gar nicht so einfach. Die Wochenzeitschrift des Vertrauens ist nicht aufzufinden.

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang

Das Hotel hält selbstverständlich die überregionalen Tageszeitungen bereit und zeigt sogar gegenüber den Berliner Gästen Großzügigkeit, indem es die dortige Regionalzeitungen offeriert, jedoch die Wochenzeitschrift des Vertrauens führt es nicht. Kein Problem, es gibt ja noch mehr Geschäfte im Städtchen. Immerhin strahlt das Städtchen Urbanität aus das bemerkt der Gast im tiefsten Winter, wenn in den umliegenden Bädern der Winterschlaf Rinzug gehalten hat. Jedoch ist auch im großen, mit Zeitschriften wohlsortierten Lebensmittelgeschäft in der Stadtmitte die gewünschte Zeitschrift nicht vorhanden; ebenso in den üblichen Zeitschriftenläden. Dem geneigten Gast fällt glücklicherweise ein, daß das Städtchen hat einen Bahnhof mit ICE-Anschluß hat und sich im Bahnhof eine Filliale einer Zeitschriftenladenkette befindet. Die Wochenzeitschrift des Vertrauens ist dort vorrätig, den Gast freut es.

Vershicert

Seit einiger Zeit falle ich ja, lobet die Werbewirtschaft, nicht mehr in die „werberelevante Zielgruppe“ sondern bin werblich tot. Das ist entspannend, das ist großartig. Auch in die Zielgruppe der neu erschienenen „Frankfurter Allgemeinen Woche“ falle ich nicht. (Habe ich eben erst gelesen.) Trotzdem habe ich sie mir am ersten Erscheinungstag und in dieser Woche im Zeitungsladen des Vertrauens gekauft um sie für mich zu testen. Zu Testzwecken lag sie allerdings der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ in der letzten und in dieser Woche bei, sodaß ich jeweils 3,50€ unnötigerweise ausgegeben habe. Und nein, auch daß ich sie bereits am Erscheinungstag erhalte macht die Geldausgabe nicht wett. Ein klein wenig komme ich mir vershicert vor. Gelernt aus der Übung ist Geduld, warten auf kommenden Sonntag, und wenn ich sowieso nicht die Zielgruppe bin …

Ausrutscher auf der Bananenschale?

Seit dem letzten Jahrhundert bin ich begeisterter Leser der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, FAZ. Selbstverständlich gilt dies auch für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Gerne erinnere ich mich an die verschiedensten lange eingestellten Sonderbeilagen wie das Magazin, die alte Tiefdruckbeilage der „Bilder und Zeiten“ sowie die Berlinbeilage. Wehmüte Erinnerung schwingt mit. Selbst der Wirtschafts- bzw. der Finanzteil machte mit den Anlageempfehlungen von Heinz Brestel spürbar gute Laune, wirkte die Zeitung doch dabei erfrischend anarchistisch wie sie von Matthöfer bis Eichel den Begehrlichkeiten der Finanzverwaltung Schnippchen schlug.
Die politischen Meinungen der FAZ, ihre Kommentare, die Ansichten über Wirtschaftstheorie und -politik als auch über Gesellschaftstheorie und -poltik stammten und stimmen nur wenig mit meinen eigenen überein. Ich lese sie genau aus diesem Grund um meinen eigenen Standpunkt kritisch an denen Anderer prüfen zu können.
Zensursula sei Dank ist nun auch das Internet verstärkt Thema der politischen Berichterstattung in der FAZ geworden. Der erste Kommentar dazu, leider habe ich den Artikel nicht zur Hand, warb selbstverständlich hochgradig positiv für Netzsperren. Im Laufe der Zeit konnte man Lerneffekte in der Redaktion bemerken, die sich immer häufiger in einer differenzierten Auseinandersetzung mit dem Thema widerspiegelten. Der geneigte Leser konnte die Mühen, die dieser Lernprozeß abverlangt sehr gut beobachten. Dass sich eine Redaktion aus der Pfadabhängigkeit von Überzeugungen emanzipert ist nicht selbstverständlich und hat mich positiv überrascht.
Heute jedoch machte die Sonntagszeitung zum spickmich Urteil, über das man getrost geteilter Meinung sein kann, mit einem Kommentar auf, der mit folgendem Satz endete: Es ist höchste Zeit, das Internet entschlossen zu zivilisieren, es Recht und Gesetz zu unterwerfen.
Das macht mich doch ein wenig fassungslos. Haben hier Teile der Redaktion in einem jahrelangen Tiefschlaf gelegen? Haben sie sich nicht informiert? Genau diese Art der leerformelhaften, gehaltlosen Phrasendrescherei beschreibt in sehr plastischer Art und Weise ein Artikel auf spiegel.de vom vergangenen Freitag. Ich kann nicht glauben, daß diese Phrasen ernst gemeint sind. An dieser Art Gewölle leidet selbst der geneigteste Leser.
Aber vielleicht war dieser Artikel nur ein seltenes Ereignis, ein Ausrutscher auf einer geistigen Bananenschale. Ich bin für diese Art der Zufälle gerüstet.