Die Ledercouch, ein Zweisitzer, ist auf linken Seite belegt. Auf dieser Sitzfläche ist eine Ansammlung an Papier in verschiedenen Formen: Bücher, Zeitungsseiten, Zeitschriften, Notizen und Papierschnipsel. Ganz obenauf liegen eine Brille, ein Kopfhörer sowie ein USB-Stick. Die Basis des Haufens bilden Bücher, drei mal drei Bücher deren Rücken in den freien Raum zeigen, nach oben zeigen die Rückseiten. Darüber geschichtet ist eine zweite Lage Bücher, ebenso geordnet. Die dritte Schicht an der Armlehne besteht aus teilweise schon gilbigen Zeitungsausschnitten und bedeckt zwei mal drei Bücher. Auf den verbleibenden Büchern ist direkt an der Rückenlehne ein Stapel aus sieben Büchern gebaut, davor sind zwei aufgehäuft und daneben liegen drei Finanzzeitschriften. Zwischen allem verstreut sind Notizzettel und handschriftlich beschriebene Papierschnipsel gelagert.
(mehr …)Schlagwort: Zeit
-
Minuten unterschiedlicher Dauer
Ich stehe auf dem U-Bahnhof Hallesches Tor und warte auf den Zug. Vier Minuten bis Ankunft. Die Sonne scheint und so gehe ich zur Erbauung langsam bis zum Ende des Bahnsteigs und wieder zurück. Dies dauert ungefähr zwei Minuten. Die Fahrzeitanzeige zeigt immer noch vier Minuten an. Zwei weitere Minuten vergehen – immer noch vier Minuten bis Ankunft des Zuges. Solche sich dehnenden Minuten kenne ich selbstverständlich aus langer Erfahrung, doch auch der ärgste Skeptiker lernt hier in der Nahverkehrsmatrix die Nichtlinearität der Zeit. Natürlich machte ich auch die Erfahrung in der anderen Richtung: Aus vier oder fünf Minuten wurden im Bruchteil eines Wimpernschlages nur noch eine Minute Wartezeit. Die atmende Zeit ist ein gar faszinierendes Ding.
-
Printsonntag
Heute ist Sonntag und neben mir auf der Couch stapeln sich diverse Zeitungen in einem Umfang, der mich trefflich eine Weile beschäftigt hält. Die Sonntagszeitung des Vertrauens, die Sonntagsausgabe der Tageszeitung des Vertrauens, zwei Wochenzeitungen, sowie noch Teile der Freitags-, Sonnabends- bzw. Wochenendausgabe zweier weiterer Tageszeitungen. Von Letzteren allerdings nur die Feuilleton-, Gesellschafts- und Stilteile. Feuilleton sowie Gesellschaft und Stil sind Rubriken, deren Inhalt ich weniger als Rauschen empfinde als Nachrichten in den Politik- und Wirtschaftsteilen. Und die relevanten Angelegenheiten aus Politik oder Wirtschaft werden (zumindest seit Schirrmacher) im Feuilleton diskutiert. Heute frage ich mich ob dieser Zeitungs-Lese-Umpfang eine eine Art Eskapismus darstellt, denn auch andere Angelegenheiten verlangen eigentlich meine Aufmerksamkeit, denen ich mich so bequem entziehen kann.