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Über die Sache mit Schulle

In der Sache „Martin Schulz“ ist seine Person nicht wirklich von erstem Interesse. Er hat gehandelt wie er handeln konnte, was für ihn möglich war. Rätselhaft und paradox sind die Reaktionen des Publikums. Darunter seien Journalisten, Parteifreunde, Parteivorstand und Delegierte gemeint. Als ob er ihnen als Erlöser erschienen wäre, die Berichte voll Lobpreisungen, mit 100 Prozent gewählt – Blumenkränze und Hosiannagesänge. Und am Ende dann Hohn, Spott und Mißachtung. Wie kann das sein? Die Euphorie am Beginn, resultiert die aus der Freude über den Rückzug seines Vorgängers, der ihnen zur Qual geworden war oder war sie eine Art Selbstbeweihräucherung? Die Negativität am Ende, camoufliert sie die Scham des Irrtums am Beginn? Darüber wäre nachzudenken.

Über die Spießigkeit

Hanno Rauterberg schreibt im Feuilleton der „Die Zeit“ vom 1.2.2018 folgende Sätze:

Und dieses Verlangen, alles Unkontrollierbare abzuspalten, erinnert doch stark an das leitende Lust- und Lebensprinzip der Gegenwart: an Cola ohne Zucker und Koffein, Bier ohne Alkohol, den Rausch ohne Rausch. An Schnitzel vom garantierte glücklich getöteten Schwein. An all die schizoiden Versuche des Gegenwartsmenschen, seine Gelüste auszuleben, das aber mit besten Gewissen.

Wir wollen dieses Handeln als Spießigkeit und die Handelnden als Spießer bezeichnen. Allerdings unterscheidet sich dieser Spießer vom Spießer und der Spießigkeit der jungen Bundesrepublik bis Anfang der achziger Jahre. Jener war kleinbürgerlich und religiös angehaucht. Der heutige gibt sich jakobinerhaft in seiner Spießigkeit. Beide Arten der Spießigkeit haben wir mit höchstem Erstaunen betrachtet. Und wir wenden uns derweil leise lächelnd unserem Bier und unserer Wurst zu.

Über die Unleidlichkeit

Unleidlichkeit wollen wir hier als als ein Gefühl der Mißmutigkeit oder Mißgelauntheit verstehen. Unleidlich können wir, ähnlich der Dankbarkeit, gegenüber Personen, dem „Höchsten“, den Dingen und der Welt sein. Und unleidlich können wir, ebenfalls wie dankbar, gegen uns selbst sein. Temporäre Unleidlichkeit mag für die Hygiene des Geistes unerläßlich sein, dauerhafte Unleidlichkeit erfüllt die Umgebung des Unleidlichen mit Kälte und Mißachtung und der Unleidliche erzeugt diese ebenfalls in sich selbst. Dankbarkeit, zwar nicht der logische Gegensatz zu Unleidlichkeit, scheint uns ein geeigneteres Verhältnis zur Welt zu sein.

Über einen Versuch zu Dankbarkeit

Auf den ersten Blick fällt uns auf, dass Dankbarkeit anders gedacht werden muss als das Interesse. Beim Interesse konnten wir mit Alain Caillé das „Interesse an“ und das „Interesse für“ sachlogisch unterscheiden. Dankbar sind wir ausschließlich „für“. Allerdings ist dieses „dankbar für“ nicht allein eine soziale Verbindung zwischen Individuen sondern dankbar kann ich dem „Höchsten“ sein wie aber auch einem „Ding“, einer Institution, einer Organisation oder auch längst Verstorbenen. Dankbarkeit richtet sich also direkt an die Welt. Eine spannende Frage, die uns überhaupt dazu bringt über Dankbarkeit nachzudenken, ist:

Können wir uns selbst dankbar sein?

Wir suchen eine Antwort mit Hannah Arendt [1], die über  „… das stumme Zwiegespräch zwischen mir und mir selbst.“ schreibt. Da wir uns als einem Ganzen in Zwei aufteilen können, die sich mit dem Medium der Sprache austauschen, so kann selbstverständlich „mir“ dem „mir selbst“ dankbar sein.

[1] Hannah Arendt: Vom Leben des Geistes: Das Denken Das Wollen, 1998, Seite 182

Über die Verwendung des Begriffes Interesse

Alain Caillé entfaltet in seinem Text „Die doppelte Unbegreiflichkeit der reinen Gabe“ die Verwendung des Begriffes „Interesse“. Er unterscheidet das „Interesse an“ vom „Interesse für“. Das „Interesse an“ wird instrumentell gebraucht, es hat Werkzeugcharakter. Das „Interesse für“ etwas oder jemanden ist sich, sozusagen, selbst genug; die Handlung oder Tätigkeit „hat in sich ihr eigenes Ziel“. Die Gegenpunkte seien einerseits Interesselosigkeit und andererseits Desinteresse. Natürlich ist der „Anteil“ der beiden Interessen an einer Handlung, Tätigkeit, einem Etwas oder Jemandem unterschiedlich und im Zeitablauf variabel. Auch kann das jeweilige Interesse allein vorliegen. Dies sei am Beispiel der Arbeit erläutert. Arbeitet jemand in einem Unternehmen, das ihm ganz oder zu Teilen gehört so werden hier „Interesse an“ und „Interesse für“ vorliegen. Nach einem Verkauf oder Änderung der Position mag sich das „Interesse für“ verflüchtigen und das „Interesse an“ mag alleine übrigbleiben. Caillé zitiert einen Satz von Auguste Detoeuf:

Man glaubt zunächst, man würde für sich arbeiten, man vergegenwärtigt sich dann, dass man für seine Frau arbeitet – man ist später überzeugt, dass man für die Kinder arbeitet, man nimmt schlussendlich wahr, dass man während der ganzen Zeit gearbeitet hat, um zu arbeiten.

Werden die Interessen auch tatsächlich in der Lebenswelt gedanklich sortiert oder wird das „Interesse für“ nicht vielmehr auch als das „Interesse an“ wahrgenommen? Und welche Folgen könnte diese Verwechselung der Interessen mit sich bringen?

Über Datenschutzmaßnahmen und Verdinglichung sowie Medialisierung

Für die Datenverarbeitung wird der Mensch in seiner Gänze auf einzelne Aspekte seines Lebens in Datenpunkte zerlegt. Er wird verdinglicht. Die Perspektive, dass Daten eine neue Währung seien, bringt die vollständige Verdinglichung sehr gut zum Ausdruck. Werden die Daten als Geld gesehen so sind sie ein Medium. Medien funktionieren einwandfrei wenn sie vollständig unsichtbar sind. Ist der Mensch im Datum zu Geld transformiert ist er vollständig unsichtbar.

Diese mediale Sichtweise nehmen vor allem die Datenverarbeiter an. Andere Perspektiven sind selbstverständlich:
Die Asymmetrie zwischen Organisation und Individuum erzwingt eine Norm oder einen ganzen Kranz an Normen um diese Asymmetrie auszugleichen und beide auf Augenhöhe zu bringen. Dies ist der Kern des Datenschutzes. Dazu erfanden Steinmüller, Lutterbeck und Mahlmann sowie das Bundesverfassungsgericht eine juristische Norm das „Recht auf informationelle Selbstbestimmung“. Daraus leiten sich ein Bündel weiterer gesetzgeberische Einhegungen sowie technische als auch organisatorische Maßnahmen ab.
Den vorher skizzierten systemtheoretischen Ansatz können wir ablösen indem wir den Begriff „Adiaphorisierung“ von Zygmunt Bauman adaptieren. Bauman erkennt, dass durch organisatorische Erfindungen wie Arbeitszerlegung/teilung sowie technischen Erfindungen die Verantwortlichkeitsreichweite des Individuums, die wir als moralischen Sinn bezeichnen wollen reduziert bzw. ganz aufgehoben werden kann. In den langen Ketten der Arbeitsteilung und der technischen Systeme verliert der verantwortliche Verarbeiter die Übersicht über die Folgen seines Tuns. Dazu kommt noch die Gefahr, durch Medialisierung der Daten und damit der Unsichtbarkeit für den Verarbeiter den moralischen Sinn zu verlieren.

Technische und organisatorische Maßnahmen des Datenschutzes wie z.B. Pseudonymisierung und Anonymisierung weiten die Datafizierung aus. Können wir also mutmaßen, dass Datenschutzmaßnahmen die Verdinglichung und Medialisierung ebenfalls ausweiten?

Über das Angesprochenwerden durch Maschinen

Eine Überlegung ist es, daß wir uns unsere Identität nur über die Relation zum Anderen ausbilden. Im Angesprochenwerden zeigt sich eine Seite dieser Relation. Schon (vor oder) nach der Geburt und ohne bereits eine psychische und soziale Identität ausgebildet zu haben werden wir (mit Namen) angesprochen. Das Angesprochenwerden ist vor dem Antwortenkönnen.
Heteronomie liegt vor Autonomie. Das heteronome Angesprochenwerden ist Anerkennung unserer Identität.

Diese Überlegung können wir so erweitern, daß selbst in der übelsten Ansprache die, meist unabsichtliche, Anerkennung unserer selbst durch den Übeltäter steckt. Wenn zunehmend Maschinen mit uns sprechen was bedeutet dies eigentlich? Für die Maschine sind wir verarbeitete Binärschrift; sie hat keine eigene Sicht und sieht uns nicht einmal verdinglicht. Aber was bedeutet das für uns? Wenn Maschinen uns ansprechen, bildet diese heteronome Ansprache, samt unabsichtlicher Anerkennung, auch unsere Identität aus? Und was folgt daraus wenn die sprechenden Maschinen immer mehr werden?

Über den Regenschirm

In unseren Tagen ist er abgemeldet, kaum jemand interessiert sich für ihn. Er wird verloren, er wird vergessen, lieblos bringen wir ihn außer Sicht – der Regenschirm. Dabei hat er eine lange Karriere; nicht in seiner heutigen Funktionalität, sondern als Sonnenschutz der für die vornehme Blässe sorgte. Und mit dem Erscheinen des Dandys wurde er zum Modeaccessoire und damit zum Medium, das für seinen Besitzer Botschaften übermittelt. Nur durchhalten konnte er seine Medialität nicht. Er ist zum unbeachteten Gebrauchsgegenstand geworden.

Mein eigenes Tun ist entsprechend: Regelmäßig verliere ich ihn oder er wird während des Gebrauchs zerstört. Bei Letzterem dreht sich die Sache im Kreise. Je billiger er gebaut und verkauft wird, desto schlechter ist die Qualität, desto eher geht er kaputt. Und ein neuer Regenschirm wird von mir so billig wie möglich gekauft, denn ein teurer Kauf lohnt sich nicht weil er mir im Gebrauch kaputt geht. Und die Schleife beginnt von vorn.

Regenschirm

Regenschirm

2017

Meine Follower auf Instagram sehen mein 2017 etwas weniger selektiv als das 2016… Oder hab ich andere Inhalte gepostet? Wie dem auch sei … knorke war es auch diesmal.

2017

2017

Die mediale Kraft des Smartphones

Als Kurzer ging ich regelmäßig Sonnabendnachmittag ins Kino, hauptsächlich in Karl-May- und Godzillafilme.  Auch Science-Fiction fand ich großartig. In einem Film, ich weiß nicht ob es ein Perry-Rhodan-Film war, hatte der Held ein etwa backsteingroßes Gerät zur Verfügung. Damit konnte er einen undurchdringlichen aber durchsichtigen, kuppelförmigen Energieschirm um sich schalten und war so unverwundbar. Gegenstände oder Personen konnte er per unsichtbarem Strahl aus dem Gerät in die Luft heben. Ob er damit auch oral kommunizieren konnte habe ich vergessen. Kurze Zeit später war war ich fasziniert vom Communicator aus den Raumschiff Enterprise Filmen. Eine Mischung aus beiden war mein Traum als Junge.

Heute, halbwegs in Würde gealtert, besitze ich mit dem iPhone ein Gerät, das mich mit der „Welt“ in vielerlei Art verbindet, so wie ich es mir damals als Junge nicht habe träumen lassen. Es ist ein ständiger aber auch unbemerkter Begleiter und sichtbar wird es dann, wenn es nicht funktioniert. Dann erst zeigt sich seine mediale Kraft der „Welterzeugung“.