Schlagwort-Archive: Gesellschaft

Über Automatisches Schreiben

Veränderung eines Begriffs in der Zeit: Vor hundert Jahren war Automatisches Schreiben die Verschriftlichung von Gefühlen, Emotionen, der emporsteigenden Sedimenten des Unbewußten unter Absehung der Vernunft und ohne Korrektur des Geschriebenen. Heute ist Automatisches Schreiben Textproduktion unter Verwendung maschineller Binärschrift ohne daß die Maschinen das Geschriebene interpretieren können. Was macht das mit den Lebenden?

Über eine Zugfahrt

Während einer Zugfahrt beantwortet sich die Frage „Was ist typisch deutsch?“ von alleine. Typisch deutsch ist, wenn Reisende mit Reservierung ihren reservierten Platz belegen auch wenn der Wagen leer ist und bessere Plätze verfügbar sind….

Über Autofreie Sonntage

1973 gab es Autofreie Sonntage. Die Politik hatte sie beschlossen, da Öl knapp zu werden drohte. Einfach so beschlossen. Was ging damals, das heute nicht mehr geht?

Über das Lesen und das Schreiben

Eine Fraktion sieht in dem Schreiben eine klare Ordnung: Einleitung, Hauptteil, Schluß. Innerhalb des Hauptteils bereitet das Geschriebene vor und führt dann auf den zentralen Gedanken hin. Die andere Fraktion sieht im Schreiben eine Notierung des Gedankenflusses. Die Gedanken werden so wie sie fließen verschriftlicht und stehen gleichberechtigt nebeneinander. Wie ist das beim Lesen? Ist es für das Denken besser ein Buch strikt von Vorne bis Hinten durchzulesen oder ist es besser sich der verwiesenen Literatur anzunehmen, sie zu lesen um sich in einen Gedankenfluß zu begeben, der wie ein Umweg scheint?

Über die Verhärtung der Linken

Linke Politik ist an der Idee der Aufklärung orientiert – Freiheit, Abwesenheit von Leid und Not. Verhärtete Linke, die ein entfremdetes Verhältnis zu den Menschen und sich selbst haben, sind zahlreich in der Öffentlichkeit und in politischen Funktionen vertreten. Ihre Versteinerung artikulieren sie in beispielsweise in einer solchen Forderung: „Abschaffung der 1. Klasse in Regionalzügen“.  Es ist mehr als bestürzend, ja zum Weinen, denn die Forderung muß lauten: „1. Klasse für alle in den Regionalzügen“.

Über die Wespenzeit

Im Frühjahr ist da dieses gemütliche Gebrummel – die ersten Hummeln sind unterwegs. Später dann das hellere und geschäftigere Gebrummel der Bienen. Jetzt zu Beginn des Augusts ist das helle Sirren der Wespen zu hören. Auch sie sollen nützlich sein. Nützlichkeit im Sinne von Fressen und Gefressenwerden. Blieben sie auf den Feldern, Wiesen und in den Wäldern – warum nicht. Sie gehen in der bebauten Welt an den Tellern, Schüsseln und Gläser der Menschen auf Jagd. Sie kommern nahe und haben Stacheln. Das macht sie nicht sympathisch und Stoizismus ist keine sehr verbreitete Tugend. Jedes Jahr dasselbe Theater…

Über die James-Simon-Galerie – Der erste Eindruck

Beim Blick vom Lustgarten auf die James-Simon-Galerie fühlt sich die Betrachterïn klein. Zwei Freitreppen müssen erklommen werden bis zum Eingang. Erinnert das nicht an den Tempel der Hatschepsut – mit seinem langgezogenen Aufstieg und der gewaltigen Säulenarchitektur? Zwar ist die Stirnseite der Galerie und der Eingangsbereich schmal, doch die umliegenden Gebäude samt den zwei Freitreppen überlisten den Blick und lassen das Ensemble mächtiger erscheinen. Im Gebäude macht sich die Ernüchterung breit, das Innere hat den Charme eines Flughafenabfertigungsgebäudes. Und ja – Abfertigung und Kanalisierung der Besucherïnnen ist die Funktion der Galerie, die Form folgt dem nicht. Das ist nicht schlecht, im Gegenteil, der Widerspruch hält zum Nachdenken an, die Museen werden interessanter.

Über den symbolischen Körper

Das 21. Jahrhundert. Demokratie ist die Herrschaftsform in Europa. Die Zahl, das Rechenbare strukturiert zunehmend die Gesellschaft und droht sich selbst zum Mythos zu machen. Da verwundert es nicht wenn die Leerstelle der Macht in der Demokratie in Frage gestellt wird. In Frage gestellt durch die Behauptung der Existenz eines symbolischen Körpers der Kanzlerin. Nicht anders sind die maßlosen Fragen zu ihrem Gesundheitszustand zu deuten. Auch dies ein weiteres Indiz zu einer Etablierung eines zeitgenössischen Mythos.

Über die (politische) Talkshow

Der Begriff besteht aus zwei Teilen: Talk und Show. Reden und Spektakel. Ein Spektakel war die politische Talkshow der Jahrtausendwende – Christiansen. Medial wurde hier die Neoliberalisierung des Landes begleitet. Das ökonomische Prinzip ist spätestens seitdem in jede Pore des gesellschaftlichen Lebens eingesickert. Der Stolz auf den ÖRR speist sich einerseits auf die Idee der Staatsferne, andererseits auf die Idee des Fehlen der Meinungsmacht Einzelner, einer gewissen Kapitalismusferne. Trotzdem wirkte die politische Talkshow toxisch. Wie konnte das geschehen? Und was bedeutet das für bestehende Formate?

Über das Weißwurstfrühstück

Weißwurstfrühstück

Weißwurstfrühstück