Schlagwort-Archive: Gesundheit

Heute geschlossen

Aufgrund von Unpässlichkeiten meinerseits bleibt mein kleines Blog heute geschlossen. Wir sehen uns nächste Woche wieder.img_0187

Beim Zahnarzt

Die Zahnarztpraxis des Vertrauens liegt weit tief im Berliner Westen. Der Weg dahin ist zermürbend, insbesondere wenn man wie ich, nicht mit einem Übermaß an Tapferkeit und Heldenmut beim Zahnarzt ausgestattet ist. Also wechsele ich zu einer Praxis die fußläufig und damit gut von zuhause aus zu erreichen ist. Sowohl die Anmeldung als auch das Wartezimmer muten unauffällig, wie tausende andere an, allein es überrascht, daß die Nutzung von Smartphones nicht unerwünscht ist. Das Behandlungszimmer birgt eine weitere Überraschung – ein einladender Behandlungsstuhl, nein eine Behandlungsliege. Beruhigende Musik ertönt dezent im Hintergrund. Die Durchsicht des Gebiß ist schnell erledigt, der Zahnarzt sagt an, die Zahnarzthelferin notiert, die Ergebnisse sind auf einem Wanddisplay ablesbar. Danach geht es zum Röntgen des Gebiß in den Röntgenraum, bei Rückkehr in das Behandlungszimmer ist die Aufnahme bereits auf einem Display über der Behandlungsliege verfügbar. Beim Abschluß der Untersuchung wird ein Nachfolgetermin vereinbart, der Terminkalender ist ebenfalls auf dem Wanddisplay einsehbar. In der Zahnarztpraxis im tiefen Berliner Westen bin ich bis dahin Papier und Kugelschreiber sowie Röntgenaufnahmen auf Film gewöhnt. Die Digitalisierung schreitet auch in der Zahnarztpraxis voran. Inwieweit ist das nun „gut“ oder „schlecht“? Wird durch Digitalisierung eingesparte Zeit nun mit Zuwendung zum Patienten gefüllt oder werden mehr Patienten (pro Zeiteinheit) behandelt? Kapitalrendite. Die Frage scheint mir offen. (Eine Medaille für Mut und Tapferkeit beim Zahnarzt erhalte ich am Ende der Session leider nicht. )

Daten und Implantate

Das Bundesforschungsministerium hat eine Bürgerdialogreihe der ZukunftsForen gestartet. Das erste ZukunftsForum trägt den Titel „Gesundheit neu denken„. Dazu gibt es eine CAPI-Befragung mit 1000 Teilnehmern von TNS Emnid, deren Ergebnisse hier als pdf herunterladbar sind. Die Resultate folgender Frage bringen mich ins Grübeln:

In der Medizin werden mittlerweile neuronale Implantate eingesetzt um verloren gegangene Körperfunktionen, wie etwa den Gehörsinn, wieder herzustellen. In Zukunft wird es wahrseinlich auch möglich sein, die geistigen Fähigkeiten von Menschen durch Implantate zu steigern, wie z.B. Verbesserung der Gedächtnisleistung und Konzentration. Was halten Sie von der Vorstellung sich Implantate zur Steigerung der geistigen Fähigkeiten in den Körper einpflanzen zu lassen?

Insgesamt 50,7% der Befragten finden das „Gut/Sehr Gut“ wobei die jüngeren Altersgruppen noch höhere Zustimmung signalisieren. Ungeachtet aller methodischer Problematiken, die die Fragestellung selber und die Stichprobenziehung samt Nachgewichtung betreffen, zeigt sich mir hier eine bedenkliche Tendenz. Gesundheit scheint kein ausreichendes Befinden zu sein, ein anderer Zustand will erreicht werden. Ein Zustand, der immer eine weitere Steigerung erfordert, denn ein Ende ist nach oben offen und somit ist man immer im dauerhaften Optimierungs-Hamsterrad. Eine seltsame Vorstellung. Schaut man in der Studie nach der Bereitschaft Gesundheitsdaten zu teilen, so ist hier größte Zurückhaltung zu erkennen. Wie passt diese Zurückhaltung eigentlich zu Implantierungsbereitschaft – ein Paradox oder nicht?