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Über die Physik der leeren Plastikflaschen im Winter

Leere Plastikflaschen, genauer gesagt leere Wasserflaschen, werden beim Discounter des Vertrauens zurückgegeben. Auch hier handelt es sich um einen Leergutautomaten, der aber mit seinen technischen Eigenschaften und als sozialer Ort vollständig anders erscheint als andere. Wir thematisierten das bereits hier. Im Winter wirkt nun die Physik auf die leeren Flaschen in besonderer Weise ein. Die Luft in den geschlossenen leeren Flaschen wird durch die niedrigen Temperaturen heruntergekühlt, erzeugt einen Unterdruck beult die Flaschen nach innen ein. Das wiederum hat zur Folge, daß die Lesesensorik bei Eingabe der verbeulten Flaschen stark überfordert ist und diese nicht angenommen werden. Also müssen die Eingebenden diese regelmäßig händisch in ihre ursprüngliche Form zurückbringen. Aber paradox ist, daß, sobald der Automat sie angenommen hat, sie von ihm mit lautem Schmatzen so flach wie möglich gepresst werden.

Über die Unleidlichkeit

Unleidlichkeit wollen wir hier als als ein Gefühl der Mißmutigkeit oder Mißgelauntheit verstehen. Unleidlich können wir, ähnlich der Dankbarkeit, gegenüber Personen, dem „Höchsten“, den Dingen und der Welt sein. Und unleidlich können wir, ebenfalls wie dankbar, gegen uns selbst sein. Temporäre Unleidlichkeit mag für die Hygiene des Geistes unerläßlich sein, dauerhafte Unleidlichkeit erfüllt die Umgebung des Unleidlichen mit Kälte und Mißachtung und der Unleidliche erzeugt diese ebenfalls in sich selbst. Dankbarkeit, zwar nicht der logische Gegensatz zu Unleidlichkeit, scheint uns ein geeigneteres Verhältnis zur Welt zu sein.

Über einen Versuch zu Dankbarkeit

Auf den ersten Blick fällt uns auf, dass Dankbarkeit anders gedacht werden muss als das Interesse. Beim Interesse konnten wir mit Alain Caillé das „Interesse an“ und das „Interesse für“ sachlogisch unterscheiden. Dankbar sind wir ausschließlich „für“. Allerdings ist dieses „dankbar für“ nicht allein eine soziale Verbindung zwischen Individuen sondern dankbar kann ich dem „Höchsten“ sein wie aber auch einem „Ding“, einer Institution, einer Organisation oder auch längst Verstorbenen. Dankbarkeit richtet sich also direkt an die Welt. Eine spannende Frage, die uns überhaupt dazu bringt über Dankbarkeit nachzudenken, ist:

Können wir uns selbst dankbar sein?

Wir suchen eine Antwort mit Hannah Arendt [1], die über  „… das stumme Zwiegespräch zwischen mir und mir selbst.“ schreibt. Da wir uns als einem Ganzen in Zwei aufteilen können, die sich mit dem Medium der Sprache austauschen, so kann selbstverständlich „mir“ dem „mir selbst“ dankbar sein.

[1] Hannah Arendt: Vom Leben des Geistes: Das Denken Das Wollen, 1998, Seite 182

Über das Älterwerden und die Surf-Ente

Das Älterwerden bevorzugt Praktiken, die wir Rituale nennen wollen. Ein Ritual ist hier eine regelmäßig im Zeitablauf wiederkehrende soziale Handlung. Die Handlung strukturiert die Eindimensionalität der Zeit und bietet Orientierung. Wir wollen sie so einfach sehen und nicht mit Pseudoreligiosität, Mythen oder Zeremonien verschiedenster Art aufladen. Ob der abendliche Stammtisch mit Freunden beim Bier oder das wochenendliche Frühstück beim Mettbrötchenhändler des Vertrauens oder gar der einmal im Jahr wiederkehrende Neujahrsempfang, alles dies unterstützt die positiven Seiten des Älterwerdens.

Ein zweiter Effekt des Älterwerdens ins das selektiv auftretende Vergessen.  Der Geist konzentriert sich auf das Wichtige und gibt so Kapazitäten frei für Neues. Aktuell Irrelevantes muß zurücktreten wird aber nicht vollständig gelöscht sondern bei Bedarf mit Unterstützung erinnert.

Ein weiterer Effekt des Älterwerdens ist der gelassene Umgang mit dem Phänomen Zufall. Dies scheint auf den ersten Blick kindisch und nicht-philososphisch, ist aber weise. Die Konzentration auf das Relevante ist darin existent, das Verzetteln und Herumirren zwischen Irrelevantem bleibt aus.

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Über das Angesprochenwerden durch Maschinen

Eine Überlegung ist es, daß wir uns unsere Identität nur über die Relation zum Anderen ausbilden. Im Angesprochenwerden zeigt sich eine Seite dieser Relation. Schon (vor oder) nach der Geburt und ohne bereits eine psychische und soziale Identität ausgebildet zu haben werden wir (mit Namen) angesprochen. Das Angesprochenwerden ist vor dem Antwortenkönnen.
Heteronomie liegt vor Autonomie. Das heteronome Angesprochenwerden ist Anerkennung unserer Identität.

Diese Überlegung können wir so erweitern, daß selbst in der übelsten Ansprache die, meist unabsichtliche, Anerkennung unserer selbst durch den Übeltäter steckt. Wenn zunehmend Maschinen mit uns sprechen was bedeutet dies eigentlich? Für die Maschine sind wir verarbeitete Binärschrift; sie hat keine eigene Sicht und sieht uns nicht einmal verdinglicht. Aber was bedeutet das für uns? Wenn Maschinen uns ansprechen, bildet diese heteronome Ansprache, samt unabsichtlicher Anerkennung, auch unsere Identität aus? Und was folgt daraus wenn die sprechenden Maschinen immer mehr werden?

Über den Regenschirm

In unseren Tagen ist er abgemeldet, kaum jemand interessiert sich für ihn. Er wird verloren, er wird vergessen, lieblos bringen wir ihn außer Sicht – der Regenschirm. Dabei hat er eine lange Karriere; nicht in seiner heutigen Funktionalität, sondern als Sonnenschutz der für die vornehme Blässe sorgte. Und mit dem Erscheinen des Dandys wurde er zum Modeaccessoire und damit zum Medium, das für seinen Besitzer Botschaften übermittelt. Nur durchhalten konnte er seine Medialität nicht. Er ist zum unbeachteten Gebrauchsgegenstand geworden.

Mein eigenes Tun ist entsprechend: Regelmäßig verliere ich ihn oder er wird während des Gebrauchs zerstört. Bei Letzterem dreht sich die Sache im Kreise. Je billiger er gebaut und verkauft wird, desto schlechter ist die Qualität, desto eher geht er kaputt. Und ein neuer Regenschirm wird von mir so billig wie möglich gekauft, denn ein teurer Kauf lohnt sich nicht weil er mir im Gebrauch kaputt geht. Und die Schleife beginnt von vorn.

Regenschirm

Regenschirm

Regenschirm

Den Text zum Bild gibt es in der kommenden Woche….

Regenschirm

Regenschirm

Figuration des Badetuchs

Die Kulturtechnik der Körperpflege ist uralt und wurde bereits von den Ägyptern vor tausenden von Jahren betrieben. In der heutigen Welt und hier insbesondere in Hotels, scheint diese Kulturtechnik auf wundersame Weise aufgespalten zu sein. Als Indiz dafür betrachten wir das Badetuch. Befinden wir uns in unserem ganz persönlichen Bereich – in unserem Zuhause – so verwenden wir nach jeder Gelegenheit des Duschens oder Badens ein Badetuch. Das Badetuch ist groß und sehr weich. Es umschmeichelt unseren Körper, es streichelt uns, es spendet uns Wärme, es liebt uns und unseren Körper ohne Einschränkung. Begeben wir uns auf Reisen und wollen uns nach dem Duschen oder Baden auf dem Hotelzimmer in das Badetuch hüllen so treffen wir auf etwas höchst Unerfreuliches. Das Badetuch hat die Größe eines Taschentuchs, es ist kaum als Lendenschurz zu gebrauchen, es kratzt und duftet oft genug streng nach Desinfektionsmittel. Wir halten uns mit ihm so kurz wie möglich auf, nutzen das bißchen Trockeneigenschaft die es hat und flüchten so schnell wie möglich in unsere Wäsche. Ganz anders tritt uns das Badetuch im sogenannten Spa oder Schwimmbad eben des gleichen Hotels entgegen. Meist in beruhigender hellblauer Farbe, in imposanter Größe und mit einer Weich- und Zartheit, wie wir sie nur von unserem heimischen Badetuch kennen, wird es uns umhüllen. Wie kann das sein? Aufgrund welcher Gründe erscheinen uns unterschiedliche Badetücher und teilen uns in welche Figuration auf?

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Heute nur Babyschritte

Die Reaktion erfolgt auf dem Fuße. Vier Wochen Trainingsabstinenz an den Kraftmaschinen hinterlässt beim erneuten Training seine Spuren. Und zwar deutliche Spuren und mit einem einfachen Wort ausgedrückt – Muskelkater. Heute schmerzen Stellen am gesamten Körper, die ich lange nicht gespürt habe und andere von denen ich nicht wußte, daß sie auch schmerzen können. Morgen wird der schmerzliche Höhepunkt der Folgen dieser Pause sein. Nicht, dass ich mich darauf freue. Heute und morgen wird mein Schritt nicht ausholend, federnd und dynamisch sein, sondern ich bin und werde nur zu einem Gang in der Lage sein – Babyschritte…

Die mediale Kraft des Smartphones

Als Kurzer ging ich regelmäßig Sonnabendnachmittag ins Kino, hauptsächlich in Karl-May- und Godzillafilme.  Auch Science-Fiction fand ich großartig. In einem Film, ich weiß nicht ob es ein Perry-Rhodan-Film war, hatte der Held ein etwa backsteingroßes Gerät zur Verfügung. Damit konnte er einen undurchdringlichen aber durchsichtigen, kuppelförmigen Energieschirm um sich schalten und war so unverwundbar. Gegenstände oder Personen konnte er per unsichtbarem Strahl aus dem Gerät in die Luft heben. Ob er damit auch oral kommunizieren konnte habe ich vergessen. Kurze Zeit später war war ich fasziniert vom Communicator aus den Raumschiff Enterprise Filmen. Eine Mischung aus beiden war mein Traum als Junge.

Heute, halbwegs in Würde gealtert, besitze ich mit dem iPhone ein Gerät, das mich mit der „Welt“ in vielerlei Art verbindet, so wie ich es mir damals als Junge nicht habe träumen lassen. Es ist ein ständiger aber auch unbemerkter Begleiter und sichtbar wird es dann, wenn es nicht funktioniert. Dann erst zeigt sich seine mediale Kraft der „Welterzeugung“.