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Du hackst Computer – ich hacke die Welt

„Du hackst Computer – ich hacke die Welt“ sagt MacGyver in der erste Folge des Reboots der TV-Erfolgsserie aus den achtziger Jahren um eine neue Kollegin für das Team zu gewinnen. Die ersten Kritiken des Reboots sind eher durchwachsen, ich gebe dem Reboot eine Chance.

Aber nicht die Serie an sich ist interessant sondern die Denkungsart, die Problemlösungsart des Protagonisten – die eines Bricoleurs. Und die Figur des MacGyver ist das filmgewordene Ideal des Bricoleurs. Heutzutage manifestiert sich diese Denkungsart des Tüftlers sozial und kulturell in der Gestalt des Makers oder Makerbewegung. Das ist spannend zu beobachten …

Die eigensinnige Abdeckplatte

Absonderlichkeiten und Irritationen der Dinge und durch Dinge betrachte ich mit großem Interesse. Über Technik mit Eigenleben gibt es einen Post ebenso über meinen betagten Planus. Ihm wende ich mich heute noch einmal zu. Der Planus besitzt unter dem Bildschirm eine Reihe von Funktionsknöpfen, die mit einer Abdeckplatte versehen sind. Die Abdeckplatte wird durch leichten Andruck geöffnet und in der selben Weise wieder geschlossen. Im Laufe der Zeit hat sie jedoch eine ganz eigene Art der Interaktion mit den Bedienern und auch mit sich selbst entwickelt. Will ich sie schließen so sträubt sie sich und läßt sich wieder nach unten fallen. Sehr oft kann ich sie dabei überlisten und mit sanften Andruck verschließen allerdings bin ich manchmal chancenlos und sie geht auf mein schmeichelndes Drücken nicht ein. Resigniert unterwerfe ich mich dann ihrem Willen. Seltsamerweise hat die Holde eine hundertprozentige Erfolgsquote woraus ich schließe, daß die Abdeckplatte und ich ein spezielles aber noch ungeklärtes Verhältnis haben. Neuerdings reagiert sie sogar auf das morgendliche Lüften und öffnet sich selbstständig mit einem Klacken, ganz so als wolle sie die Funktionsknöpfe an der frischen Luft teilhaben lassen. Ich glaube wir werden noch eine interessante Zeit miteinander verbringen.

Zitat aus einem Roman

Ich nehme John Steinbecks Roman „Reise mit Charly“ zur Hand und schlage zufällig eine Seite auf und lese folgende Sätze:

Ein Tier, daß irgendwo gelagert hat oder durchgezogen ist, hinterläßt geknickte Grashalme, Fußspuren und vielleicht Losung, aber ein Mensch, der sich eine Nacht lang in einem Zimmer aufgehalten hat, drückt ihm seinen Charakter, seine Biographie, seine jüngere Geschichte und manchmal auch seine Zukunftspläne und Hoffnungen auf. Ich glaube auch, daß die Persönlichkeit eines Menschen irgendwie in die Wände einsickert und sich nur langsam wieder aus ihnen löst.

Diese Sätze elektrisieren mich ist doch das wechselseitige Verhältnis der Menschen zu Dingen äußerst spannend. Zugleich denke ich an einen Satz aus dem Technischen Manifest der futuristischen Malerei:

Wir werden die Sofas auf denen wir sitzen, und die Sofas werden wie wir.

Wie wird das wechselseitigen Verhältnis der Menschen zu den Dingen, die „im Internet sind“ sein?

Die auferstandene Lederjacke

Wer kennt sie nicht, die sockenfressenden Ungeheuer, die sich Waschmaschinen nennen. Daß Kleiderschränke ebenso sein können, ihre Beute überraschenderweise ohne großen Kampf wieder hergeben, das ist mir neu. Ich habe in den Tiefen unseres Kleiderschranks eine alte Lederjacke gefunden. Sie stammt aus den achziger Jahren des vorigen Jahrhundert. Die Marke existiert nicht mehr, im Internet findet man auf den einschlägigen Plattformen von Privatpersonen Angebote dieser Marke zum Pfennigpreis. Die Jacke ist ein wenig zerknittert und ihr Geruch ist eine Mahnung. Sie riecht nach altem Tabakrauch – seltsam – ich muß wohl selber mal geraucht haben – die Erinnerung daran ist fast verblaßt. In einer Innentasche befindet sich eine Packung Taschentücher, ebenso herrlich tabakrauchduftend, und eine Einladung zur SPSS-Roadshow in Berlin aus dem Jahr 1999. Geschlagene achtzehn Jahre war diese Jacken vom Kleiderschrank verschluckt. Ich muß allerdings zugestehen, ich hatte sie vollkommen vergessen und auch nicht vermißt. Ich werde sie gleich anziehen, mit ihr zum Discounter des Vertrauens gehen und ihr zeigen, wie sich Kreuzberg seit der Jahrhundert-/-tausendwende verändert hat. Was sie wohl darüber denkt?

Lederjacke

Lederjacke

Minuten unterschiedlicher Dauer

Ich stehe auf dem U-Bahnhof Hallesches Tor und warte auf den Zug. Vier Minuten bis Ankunft. Die Sonne scheint und so gehe ich zur Erbauung langsam bis zum Ende des Bahnsteigs und wieder zurück. Dies dauert ungefähr zwei Minuten. Die Fahrzeitanzeige zeigt immer noch vier Minuten an. Zwei weitere Minuten vergehen – immer noch vier Minuten bis Ankunft des Zuges. Solche sich dehnenden Minuten kenne ich selbstverständlich aus langer Erfahrung, doch auch der ärgste Skeptiker lernt hier in der Nahverkehrsmatrix die Nichtlinearität der Zeit. Natürlich machte ich auch die Erfahrung in der anderen Richtung: Aus vier oder fünf Minuten wurden im Bruchteil eines Wimpernschlages nur noch eine Minute Wartezeit. Die atmende Zeit ist ein gar faszinierendes Ding.

T-Shirt in Slim Fit

Hemden in Slim Fit sind mir ein Graus, wie ich hier beschrieb. T-Shirts in diesem Format trage ich ebenso ungern. Habe ich trotzdem eines in Slim-Fit an ertappe ich mich bei dem (leicht schuldbewußten) Gedanken, daß mein Körper zu voluminös für dieses Kleidungsstück sei. Warum denke ich so? Ist das eine Art Selbstbestrafung? Dabei ist es das Ding, das T-Shirt, das ein inadäquates Format hat. Seltsam, oder?

Die Sache mit der widerspenstigen Heizung

Seit langem ist der technische Fortschritt in das Beherbergungsgewerbe eingezogen. Kein Hotel, das der geneigte Gast in den letzten Jahren besuchte hat an den Heizkörpern ein vom Gast bedienbares Heizungsventil, viele Hotels haben gar keine Heizkörper mehr sondern steuern die Zimmertemperatur mit der Klimananlge, die gleichtzeitig Heizung ist. Der Gast ist in der Lage an einer Konsole im Zimmer die gewünschte Zimmertemperatur festzulegen.

Das Zimmer im Hotel des Vertrauens, in dem der Gast die Weihachtsfeiertage verbringt, besitzt eine solche. Für den Gast soll die Bedienbarkeit so einfach wie möglich sein, er braucht nur drei Tasten an der Konsole zu bedienen: ein/aus, Temperatur hoch, Temperatur runter. Ein fabelhaftes Konzept wenn es denn funktioniert:

Die Zimmertemperatur ist bei Ankunft des Gastes auf 19 Grad gestellt. Der Gast erhöht auf 22 Grad und fährt mit seinen Tätigkeiten fort. Wie aus dem Nichts ist das System plötzlich auf 20 Grad eingestellt. Er erhöht erneut und macht anschließend einen Spaziergang ins Städtchen. Bei seiner Rückkehr sind nur noch 19 Grad eingestellt. Eine ähnliche Situation beim morgentlichen Aufstehen. Vor dem Schlafengehen auf 21 Grad eingestellt, beim Aufwachen ist das System auf 19 Grad parametrisiert. Eine automatische Nachtabsenkung scheint dem Gast plausibel aber warum ist die dann auf Dauer gestellt und die Temperatur erhöht sich morgens nicht?

Nun, nicht die Heizung ist widerspenstig oder hat ein Eigenleben sondern die Parametrisierung der zentralen Steuerung des Systems durch das Hotel ist gelinde und freundlich gesagt – eigenwillig. Der Gast wird das bei seinem nächsten Aufenthalt im Hotel ansprechen und ist gespannt auf die Antwort.

Die wundersame Instagram-2-flickr-bridge

Manchmal ist Technik besonders störrisch. Da schimpfe ich mit den Dingen als wären sie Menschen und könnten mich verstehen. Die Instagram-2-flickr-bridge ist so ein Ding. Sie setzte im vergangenen September völlig aus. Alles Löschen und Neuerstellen brachte nichts, selbst der Einsatz von iftt blieb erfolglos. Heute schaue ich zufällig auf meine flickr-Seite und sehe, daß seit September diesen Jahres Photos funktionsgemäß übertragen werden. Ein geschlagenes Jahr fast auf den Tage genau bleibt die Bridge stumm. Sehr, sehr wundersam oder wohnen Kobolde nicht nur in Fahrstühlen?

Ein musealer USB-Stick

In den Tiefen meiner Laptoptasche finde ich zu meiner Überaschung ein Ding – einen wirklich schönen musealen USB-Stick. Hergestellt in 2006 im EC-Kartenformat mit 1 GB Speicherplatz und und in der Karte einrastbarem Pinökel (also das Teil, das in den USB-Schlitz gesteckt wird) ist das ein schmales flaches Gadget, das bequem in jede Tasche paßt. Er ist auch nach zehn Jahren voll funktionsfähig und darauf befinder sich eine Präsentation von mir aus dem Jahre 2010. Ich verwahre ihn nun in der Laptoptasche an einem Ort, an dem ich ihn wiederfinde und werde ihn bei Gelegenheit benutzen. Ich freue mich auf die heiteren Gesichter derjenigen, die das Museumsstück demnächst bestaunen werden.

USB-Stick

USB-Stick

Was ist mit der Ampel?

Die Fahrspuren der Straße sind eingeschränkt, an der Kreuzung wird nur noch eine Fußgängerampel in Betrieb gehalten. Die Rotphase dieser Fußgängerampel ist im Vergleich zum Normalbetrieb sehr, sehr lang. Wird auf den Grünphasenknopf gedrückt dauert es mehrere Minuten bis die Ampel auf Grün springt. Wer das weiß wartet gelassen. Durch das Museum in der Nähe sind sehr viele Ortsunkundige zu Fuß unterwegs, die diese Kreuzung überqueren müssen. Ist es eigentlich überraschend, daß die meisten Wartenden nicht die Gelassenheit haben die Rotphase abzuwarten? Einige drücken mehrmals den Grünphasenknopf, natürlich ohne unmittelbaren Erfolg. Ihre Gedanken sind klar lesbar – das Narrativ – die Ampel ist kaputt. Und dann Überqueren sie die Straße bei Rot. Hat etwa der Action Bias zugeschlagen?