Schlagwort-Archive: Mitte

Über einen Sonntag 5

Sonntagzeitungen einsammeln. Licht anmachen. Kaffee aufsetzten. Devices anschalten. Schritte zählen. Twitter öffnen. Kopf schütteln. Medium schließen. Feuilletons durchblättern. Lachs frühstücken. Buch auslesen. Dusche benutzen. Spaziergang beginnen. Nachbarschaftspark durchqueren. Gegend fotografieren. Kreuzberg bewandern. Gutschein einlösen. Weißwürste vermissen. Brezel entbehren. Maß leeren. Mitte erlaufen. Wache passieren. Museum aufsuchen. Kanopen bewundern. Kanal entlangschlendern. Kneipe erreichen. Kölsch trinken. Wespen zusehen. Zeche zahlen. Brücke begehen. Bahnhof betreten. Rosinenschnecke kaufen. U6 fahren. Kotelett essen. Karambolage schauen. Eltern anrufen. Babylon sehen. IPA genießen. Kräftig gähnen. Gute Nacht.

Über ein Photo

Nefertiti oder wer ist das?

Im Neuen Museum

Im Neuen Museum

Über das Schreiben des Wortes Schwein

Auf über fünfzig verschiedene Arten wird das Wort Schein auf diesem Artefakt geschrieben. Und zwar vor langer Zeit…

Artefakt aus der Ausstellung "Fleisch" im Alten Museum Berlin

Artefakt aus der Ausstellung „Fleisch“ im Alten Museum Berlin

Über den Blick von einer Brücke

Falls die Mitteilsamkeit nicht wirklich sprudeln will, jedes Wort nur mit Mühe einfällt und die Sätze sich nicht zusammenfügen wollen, dann hilft der kontemplative Blick von einer Brücke.

Blick von der Weidendammer Brücke

Blick von der Weidendammer Brücke

Über den korinthischen Helm

Im Alten Museum, in der Ausstellung „Griechische Kunst“ sind im Bereich „Zeit der Helden -Das frühe Griechenland“ einige Kriegshelme, auch korinthische Helme genannt, ausgestellt. Ihre Größe überrascht, sie fallen eher klein aus und es stellt sich die seltsame Frage ob die Köpfe der Träger damals kleiner waren als heute. Oder ist das nur eine Sache der Perspektive? Sie wirken auch durch die Dicke bzw. Zartheit des Materials eher filigran – eierschalenartig. Wie können wir uns heute die Träger von damals vorstellen? Sie verbergen ihre Geheimnisse vor uns und teilen uns doch so viel mit und regen das Spekulative in uns an. Sie sind einfach schön.

Über Veränderung in Toilettenräumlichkeiten

Dort wo der Platz knapp ist werden Toilettenräumlichkeiten unabhängig vom Geschlecht eingerichtet. Wir sehen es im Flugzeug oder in der Bahn. Sogar die ein oder andere Speisewirtschaft weist dies so aus, allerdings nur wenn die Fläche des Gastraums eine bestimmte Größe nicht überschreitet.

Im unteren Foyer des „Neuen Museums“ werden die Toilettenräumlichkeiten, gemäß geltenden Rechts, abhängig vom Geschlecht ausgewiesen. Dies überrascht uns nicht. Überrascht sind wir allerdings vom Vorhandensein eines Babywickeltisches in beiden Räumlichkeiten. Das nennen wir progressiv.

Geburtstagsbrunch des Kaufhauses des Vertrauens

Das Kaufhaus des Vertrauens in der Stadt begeht dieses Jahr das 110-jährige Bestehen. Herzlichen Glückwunsch! Dazu werden an drei Sonntagen jeweils ein Geburtstagsbrunch in der Lebensmittelabteilung veranstaltet. Zum ersten Termin wurden rund 600 Tickets ausgegeben, zum heutigen 1200 und zum zukünftigen bis jetzt bereits 1600 Tickets. Zur Öffnungszeit um 11 Uhr war die Warteschlange rund ums Haus bis in die Passauer Straße lang. Der Einlaß ging trotzdem schnell vonstatten, um 11:08 Uhr erreichte ich die 6. Etage. Mit vielen Bekannten verbrachte ich eine schöne Zeit, wir hatten Spaß, aßen gut und tranken die Budweiserfässer der Tschechischen Bierbar aus. Alles easy, tutti und knorke. Meine verzehrten Schnittchen habe ich im Tumblelog hier und hier abgelegt.

Wunderliche Schnellschüsse

Ich bin auf der Konferenz „Digitales Leben – Vernetzt. Vermessen. Verkauft?“ auf der Heiko Maas seine Ideen zu soetwas wie einer „Algorithmenregulierung“ vorstellt. Das was ich höre ist aber nicht das, was ein Onlinemedium vor der Konferenz veröffentlicht hat und auch weitere literale Medien nach der Konferenz veröffentlichen werden. Der Minister hat nur etwas mehr Transparenz zu Algorithmen angesprochen, wie diese ausgestaltet werden kann soll aber dem politischen Prozeß überlassen werden. Es gibt von ihm keinerlei Vorgaben. Nicht gefordert hat er die Vorstellung jedes komplexen Algorithmus bei einer Aufsicht. Genehmigungsverfahren soll es nicht geben. Also bürokratische Monster sollen nicht geschaffen werden. Daß der Minister seine Ideen noch kurzfristig öffentlich vorgestellt hat mag man ihm nachsehen, er möchte halt Aufmerksamkeit haben. Daß nun einige Medien so wunderliche Schnellschüsse über seine Rede absondern mag auch mit Aufmerksamkeitsdefiziten erklärt werden. Über Letzteres kann ich aber nur den Kopf schütteln.

Flotter Vierer (1)

Brewdog Berlin Mitte hat ein interessantes Takeover. Neuseeländische Brauereien präsentieren ihre Biere. Ich stehe hilflos vor der Tafel, denn ich kenne weder die Brauerein noch läßt sich aus der überwiegenden Mehrheit der angebotenen Genüsse nicht unbedingt Sorte und Brauart erschließen. Ich frage die Barfrau um Rat, genauer gesagt ich frage welche sie am liebsten trinkt und bitte sie mir einen „Flotten Vierer“ nach ihren Vorlieben zusammenzustellen. Das Ergebnis ist köstlich.

Flotter Vierer "New Zealand takeover"

Flotter Vierer „New Zealand takeover“

Ich trinke nach Rücksprache mit der Barfrau in folgender Reihenfolge:

1. Hippy Berliner von 8 Wired mit 4%, sehr erfrischendes Sauerbier
2. Saison Sauvin von 8 Wired mit 7%, ein schönes Saison, bananig hopfig
3. Gunnamatta von Yeastie Boys mit 6,5%, ein IPA mit Earl Grey (aromatisiert, wunderbar zitronig, mild, einfach rund
4. Big Smoke von 8 Wired mit 6,2%, ein Porter, allerdings ein wenig zuviel Rauch

Beim nächste Takeover werde ich wieder dabei sein.

Über Hoffnung

Am 24.07.2008 war ich zur legendären Rede Barack Obamas an der Siegessäule in Tiergarten dabei. In der Rückschau ist das Erinnerte umgeschrieben, angereichert, abgepeckt, verändert eben. Meine Erwartung war riesig, wurde auch nicht enttäuscht. Ein wohliges Gefühl zwischen 200000 Leuten zu stehen und eine große Rede zu hören, nein keine Rede sondern eine Predigt. Kritisches Zuhören war in diesem Moment nicht möglich, einen Tag später erst setzte soetwas wie Reflektion ein. Ich empfand das damals als ambivalent. Noch heute wundere ich mich, wie sehr mich die Immersion gepackt hatte. Aber bei aller Kritik an seiner Politik wird eines immer bleiben – die Hoffnung.