Schlagwort-Archive: Großsiedlung

Über ein Stillleben mit Schuhen

Wenn der Ranzen nach dem Dinner spannt und die Sättigungsmüdigkeit den Geist ergreift ist nur ein einfaches Bild von Dingen vor dem Haus möglich.

Stillleben

Stillleben

Über die Physik der leeren Plastikflaschen im Winter

Leere Plastikflaschen, genauer gesagt leere Wasserflaschen, werden beim Discounter des Vertrauens zurückgegeben. Auch hier handelt es sich um einen Leergutautomaten, der aber mit seinen technischen Eigenschaften und als sozialer Ort vollständig anders erscheint als andere. Wir thematisierten das bereits hier. Im Winter wirkt nun die Physik auf die leeren Flaschen in besonderer Weise ein. Die Luft in den geschlossenen leeren Flaschen wird durch die niedrigen Temperaturen heruntergekühlt, erzeugt einen Unterdruck beult die Flaschen nach innen ein. Das wiederum hat zur Folge, daß die Lesesensorik bei Eingabe der verbeulten Flaschen stark überfordert ist und diese nicht angenommen werden. Also müssen die Eingebenden diese regelmäßig händisch in ihre ursprüngliche Form zurückbringen. Aber paradox ist, daß, sobald der Automat sie angenommen hat, sie von ihm mit lautem Schmatzen so flach wie möglich gepresst werden.

Über den Regenschirm

In unseren Tagen ist er abgemeldet, kaum jemand interessiert sich für ihn. Er wird verloren, er wird vergessen, lieblos bringen wir ihn außer Sicht – der Regenschirm. Dabei hat er eine lange Karriere; nicht in seiner heutigen Funktionalität, sondern als Sonnenschutz der für die vornehme Blässe sorgte. Und mit dem Erscheinen des Dandys wurde er zum Modeaccessoire und damit zum Medium, das für seinen Besitzer Botschaften übermittelt. Nur durchhalten konnte er seine Medialität nicht. Er ist zum unbeachteten Gebrauchsgegenstand geworden.

Mein eigenes Tun ist entsprechend: Regelmäßig verliere ich ihn oder er wird während des Gebrauchs zerstört. Bei Letzterem dreht sich die Sache im Kreise. Je billiger er gebaut und verkauft wird, desto schlechter ist die Qualität, desto eher geht er kaputt. Und ein neuer Regenschirm wird von mir so billig wie möglich gekauft, denn ein teurer Kauf lohnt sich nicht weil er mir im Gebrauch kaputt geht. Und die Schleife beginnt von vorn.

Regenschirm

Regenschirm

Regenschirm

Den Text zum Bild gibt es in der kommenden Woche….

Regenschirm

Regenschirm

Der erste Urlaubstag

Der Titel ist etwas irreführend. Vierzehn Tage Urlaub samt einer anschließenden Woche Büro liegen hinter mir. Diese vierzehn Tage mit einer Inselkreuzfahrt um die Hawaiianischen Inseln waren aufregend. Sie waren mit langem Flug, Neugierde, gespannter Erwartung, Aufregung und ähnlichen Zuständen verbunden. Heute ist also der erste Urlaubstag Zuhause ohne „offizielles“ Programm und Terminkalendereinträgen. Trotzdem erfüllt mich schon am Morgen eine Unruhe und die gedanklichen Planungen setzen ein: zum Training gehen, Bugs Bunny um elf Uhr nicht verpassen, Mailaccounts abfragen oder sein lassen, Einkaufszettel schreiben, Blogbeitrag schreiben, Text für das Gasthörerstudium vorbereiten. Das Vorwegnehmen aller möglicher Aktivitäten gehen mir durch den Kopf. Eines scheint heute sehr schwierig zu sein – einfach an nichts davon denken. Eigentlich wäre kontemplatives Rumsitzen auf der Couch angemessen. Oder einfach mal zehn Minuten aus dem Fenster schauen. Das wird aber noch werden ….

Der Router verabschiedet sich mit lautem Knall

Einen Tag nachdem ich die Auftragsbestätigung zum Anbieterwechsel von Telephonie und Internet erhalte verabschiedet sich der Router mit lautem Knall. Lauter Knall deshalb, da die Sicherung rausspringt nachdem die Kondensatoren abgerauscht sind. Da will ich nicht meckern, der Router hat seine zehn Jahre durchgehalten. Mit dem Anbieterwechsel wird auch ein neuer Router kommen, bis dahin spendiere ich uns einen Ersatzrouter für einen schmaleren Euro. Witzig, dieser Zufall, nicht wahr?

Router

Router

Wann wird mein Home smart sein?

Smart Home ist in aller Munde. Ich verzichte auf die Begriffserklärung zu Smart Home und verweise auf einen Artikel in der Wikipedia, der für diesen Zweck genügt. Der überwiegende Teil des Wohnungsbestandes in Berlin sind Mietwohnungen, so auch meine.

Liest man die einschlägigen Artikel in Zeitungen, Fachzeitschriften und sonstigen Publikationen oder beschäftigt sich mit den Broschüren von Smart Home Technologieanbietern so wird schnell deutlich, daß das Smart Home eher als Konsumgut betrachtet wird und der Mieter seine Wohnung mit Eigenkäufen einrichten soll und der Vermieter mit dem Smart Home scheinbar nichts zu tun hat. Diese Sichtweise ist grundfalsch, Smart Home ist „Infrastruktur“ und damit vor allem Vermietersache. Sicherheit, Energiesparen, technische Funktionalität gewährleisten, Anschluß an leitungsgebundene Kommunikationssysteme sind Felder, die der kluge Vermieter bestellen kann. Ich nehme meine Wohnung als Beispiel. Die Gegensprechanlage und die Wohnungstür sind Mietsache. Diese könnte der Vermieter durch smarte Lösungen ersetzen. Die Heizungsanlage läuft mit Nachtabsenkung, die Thermostate sind analog mit Bimetalldrahtschaltung ausgestattet und funktionieren gut. Die Substitution der Heizungsthermostate auf meine eigenen Kosten ist nicht gerade rational.

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Das Wahllokal

Früher[TM] war unser Wahllokal eine richtige Wirtschaft, Kneipe, Restaurant. „Zum eisernen Gustav“ hieß die Räumlichkeit, sie existiert weiterhin am Mehringplatz als Restauration aber unter anderem Label. (Die Suchmaschine des Vertrauens findet sie samt einiger Bilder aus der Zeit) Am Wahltag wählten wir zuerst in einem Hinterzimmer, Rauchverbote gab es nicht und auch dort wurde nach meiner Erinnerung kräftig gequalmt. Nach dem Wahlakt begaben wir uns an die Theke, schraubten zwei, drei Pilsetten zu Frühschoppen und gingen danach heim. Heutzutage ist unser Wahllokal das AOK-Servicecenter. Ist das dieses Älterwerden…? Sicher nicht aber irgendwie symbolisch scheint es mir doch zu sein. Entwickelte sich die Gesellschaft in eine Richtung, an der sich das festmachen ließe? Selbstoptimierung, Veggiedays, Fitness versus Weiter-entwicklung, Friß-die-Hälfte und Erhalt der Gesundheit. Parafiskus versus Kneipe. Diese Gegensätze lassen sich aufsetzten. Aber hey – Spaß sollte sein und deshalb werde ich in einer guten Stunde rüber ins Willy-Brandt-Haus zu Wahlparty mit Biertrinken und Fachsimpeln gehen.

Gehen

Derjenige der ruht, besitzt alle Reichtümer. Ist es nicht dasselbe für denjenigen, dessen Fuß von einem Schuh umschlossen ist und der geht, als ob die ganze Erdoberfläche von Leder bedeckt wäre?

Dieses Zitat von Henry David Thoreau steht am Beginn des Buches „Lob des Gehens“ von David Le Breton. Ein unterhaltsames Buch, das zum Nach-Denken anregt, das ich aber nur bis Seite 75 geschafft habe. Über das Gehen als Sport berichtet die Sonntagszeitung auf fast einer ganzen Seite. Dieser Bericht beschreibt die abnehmende Akzeptanz der Sportart durch Verantwortliche von Olympischen Spielen und anderen Wettbewerben. Mangelnde mediale Attraktivität könnte man vermuten, mangelnde Einschaltquoten. Der Artikel bewegt mich tatsächlich dazu mir das 50 km-Gehen und das 20 km-Gehen als Liveberichtertstattung im Rahmen der Leichtathletikweltmeisterschaften im TV anzusehen. So verbringe ich gute fünf Stunden auf der Couch und sehe anderen beim Gehen zu. Was das nun mit Le Bretons Buch zu tun hat? Eigentlich nicht viel, ich hole es aus dem Regel, blättere ein wenig darin und komme zum Entschluß es (irgendwann) zu Ende zu lesen. Was mir allerdings nicht einfällt ist das Haus zu verlassen und einmal in gemächlichem Tempo durch meinen Kiez oder Kreuzberg zu gehen.

Die Sache mit der Jodelei

Beim Lesen in der papiernen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung fällt mir ein Artikel über Jodel auf. Was das ist sagt der Link. Zu meiner Überaschung existiert die Applikation seit 2014 und ich könnte Stein auf Bein schwören noch nie von ihr gehört zu haben. Weder in irgendeinem journalistischen Format, der Twittertimeline noch im Gesichtsbuch oder im persönlichen Gespräch bin ich über Jodel gestolpert. Selbst als Gasthörer der FU Berlin ist mir die App dort nicht in den Räumlichkeiten begegnet. Natürlich lade ich sie runter und schaue mir auch einzelne Channel an: Foodporn und FU Berlin könnten interessant sein.

Was mich allerdings verwirrt ist die Tatsache erst heute von der Applikation zu erfahren. Ist das dieses Älterwerden und/oder eine (damit) verbundene selektive Wahrnehmung… ?