Schlagwort-Archive: Großsiedlung

Die eigensinnige Abdeckplatte

Absonderlichkeiten und Irritationen der Dinge und durch Dinge betrachte ich mit großem Interesse. Über Technik mit Eigenleben gibt es einen Post ebenso über meinen betagten Planus. Ihm wende ich mich heute noch einmal zu. Der Planus besitzt unter dem Bildschirm eine Reihe von Funktionsknöpfen, die mit einer Abdeckplatte versehen sind. Die Abdeckplatte wird durch leichten Andruck geöffnet und in der selben Weise wieder geschlossen. Im Laufe der Zeit hat sie jedoch eine ganz eigene Art der Interaktion mit den Bedienern und auch mit sich selbst entwickelt. Will ich sie schließen so sträubt sie sich und läßt sich wieder nach unten fallen. Sehr oft kann ich sie dabei überlisten und mit sanften Andruck verschließen allerdings bin ich manchmal chancenlos und sie geht auf mein schmeichelndes Drücken nicht ein. Resigniert unterwerfe ich mich dann ihrem Willen. Seltsamerweise hat die Holde eine hundertprozentige Erfolgsquote woraus ich schließe, daß die Abdeckplatte und ich ein spezielles aber noch ungeklärtes Verhältnis haben. Neuerdings reagiert sie sogar auf das morgendliche Lüften und öffnet sich selbstständig mit einem Klacken, ganz so als wolle sie die Funktionsknöpfe an der frischen Luft teilhaben lassen. Ich glaube wir werden noch eine interessante Zeit miteinander verbringen.

Überwältigende Erkenntnis

Wenn einen die Erkenntnis überwältigt ist das ein großartiges Gefühl. Wenn einen die Erkenntnis überwältigt, daß Ereignisse nicht aufgrund von Verschwörung oder Bosheit sondern durch Zufall ausgelöst werden ist das erleichternd möglicherweise auch ambivalent und sogleich stellen sich weitere Fragen. Warum hab ich das nicht gleich gesehen? Warum ärgere ich mich über meine Blindheit? Und natürlich eine Menge Fragen mehr. Introspektion ist nicht immer einfach und negative Emotionen können einerseits hilfreich sein, andererseits besteht die Gefahr eines dauerhaften gedanklichen Lock-In-Effekts.

Das Wetter ist großartig, der Himmel blau und den Menschen freundlich zugewandt, die Sonne lacht und erwärmt mit ihrer ganz eigenen Zuneigung die Luft.

Erstmal ein Bier zur Abkühlung und über die Freude eines befreiten Kopfes…

American IPA

American IPA

Eurovisiondingens

Meine Twittertimeline ist überschwemmt von braungelb-dünnpfiffigen Herzchen zum Hashtag des ESC. Das schauen sehr, sehr viele Leute stelle ich fest. Gut – Pluralität und individueller Geschmack sind Sauerstoff für die offene Gesellschaft und damit auch Distanz. Somit auch meine Distanz zu dieser Veranstaltung, die immer noch das Muffige, das Piefige des vergangenen Jahrhunderts trägt als dort Schlagersänger Schnulzen auf deutsch vortrugen. Diese Musik muß ich nicht mögen. Aber hey – andere können die Musik toll finden, das gehört zum Leben dazu.

Die auferstandene Lederjacke

Wer kennt sie nicht, die sockenfressenden Ungeheuer, die sich Waschmaschinen nennen. Daß Kleiderschränke ebenso sein können, ihre Beute überraschenderweise ohne großen Kampf wieder hergeben, das ist mir neu. Ich habe in den Tiefen unseres Kleiderschranks eine alte Lederjacke gefunden. Sie stammt aus den achziger Jahren des vorigen Jahrhundert. Die Marke existiert nicht mehr, im Internet findet man auf den einschlägigen Plattformen von Privatpersonen Angebote dieser Marke zum Pfennigpreis. Die Jacke ist ein wenig zerknittert und ihr Geruch ist eine Mahnung. Sie riecht nach altem Tabakrauch – seltsam – ich muß wohl selber mal geraucht haben – die Erinnerung daran ist fast verblaßt. In einer Innentasche befindet sich eine Packung Taschentücher, ebenso herrlich tabakrauchduftend, und eine Einladung zur SPSS-Roadshow in Berlin aus dem Jahr 1999. Geschlagene achtzehn Jahre war diese Jacken vom Kleiderschrank verschluckt. Ich muß allerdings zugestehen, ich hatte sie vollkommen vergessen und auch nicht vermißt. Ich werde sie gleich anziehen, mit ihr zum Discounter des Vertrauens gehen und ihr zeigen, wie sich Kreuzberg seit der Jahrhundert-/-tausendwende verändert hat. Was sie wohl darüber denkt?

Lederjacke

Lederjacke

Unterschiedliche Grade des Nichtstuns

Ziemlich schnell erfolgt nach den üblichen Begrüßungsfloskeln beim wöchentlichen Wochenendanruf die Frage: „Was habt ihr gemacht?“. „Nichts, und selber?“. „Nichts“. Diese „Nichts“ sind jedoch Grade unterschiedlicher Aktivität; ihnen ist ein Gemeinsames inne, nämlich, daß die Wohnung nicht verlassen wird. Mein „Nichts“ ist ein wirkliches Nichtstun, das von den Tätigkeiten Sonntagzeitungen und Buch lesen, von der Couch an den Esstisch und zurück schleppen, sowie einigen kurzen Aktivitäten zum Überleben eingerahmt ist. Dieses wird auch an meinem sonntäglichen Umfang von unter 1800 Schritten deutlich. Das „Nichts“ der Gesprächspartner ist eben kein wirkliches Nichts sondern umfaßt vielfältige Tätigkeiten wie Balkon sommerfest machen, Wohnung saugen, Wäsche waschen und im Keller aufhängen u.v.m. Mein „Nichts“, das ich voller Inbrunst tue läßt mich jedoch im Gespräch unsicher sein, es stellt sich sogar ein wenig Scham ein. Gut, daß die Gesprächspartner dies durch das Telephon nicht bemerken…

GML-Taschenmesser

Ich suche in der Küchenschublade den Entklammerer. Da fällt mir ein kleines schwarzes Etui auf, das ich vorher noch nie gesehen hatte (meine ich). Es enthält ein Taschenmesser mit etwa acht Zentimeter Klingenlänge. Dabei liegt ein kleiner Zettel mit der Aufschrift GML-Taschenmesser sowie EVP 9,40. Ich denke letzteres meint Ostmark, denn ich gebe in die Suchmaschine des Vertrauens „GML“ ein und erhalte als Ergebnis „Genossenschaft der Messerschmiede Leegebruch“. Auf der Seite des Geschichtsvereins Leegebruch finden sich mehr Informationen darüber.

Auch die Holde kann sich nicht erklären wie das Messer dorthin kommt. Wir sind beide verwirrt.

GML-Taschenmesser

GML-Taschenmesser

Reißwolftage

Ja natürlich ich weiß es … Ablage machen ist unangenehm, freudlos aber notwendig. Zwei Tage lang persönliche Akten sortieren, schreddern, neue Ordner anlegen, so stelle ich mir Urlaub nicht vor. Allerdings muß ich mich selbst loben, die vor Jahrzehnten eingeführte Kategorisierung innerhalb der Ordner hält noch. Die Frage ist nun ob die regelmäßige Aktualisierung der Ablage freudvoller ist als das Procedere einmal am Stück zu machen. Ich bin mir da nicht sicher …

Über die Cocktailstunde

Bestimmt gibt es ernsthafte kulturhistorische Betrachtungen der Cocktailstunde. Mir selbst ist die Beschreibung der Cocktailstunde eher aus der Literatur, genauer gesagt aus der Krimiliteratur bekannt. Ich denke an Agatha Christie und Hercule Poirot. Meist treffen sich Menschen zu einer mehr oder weniger festgelegten Uhrzeit,  meist bevor es das Dinner beginnt und der weitere Abend in unterschiedlicher Form verbracht wird. Sie nehmen ein paar Cocktails und unterhalten sich.

Cocktailstunde

Cocktailstunde

Die Cocktailstunde erlebe ich selber meist im Urlaub, einmal die Woche aber auch in der Gastronomie in der Nachbarschaft. Zur Cocktailstunde nehme ich grundsätzlich zwei Runden, bestehend aus einem Bier für den Durst und einem Cocktail für den Geschmack. Entgegen der Üblichkeit verbringe ich die Cocktailstunde allein, ohne Gespräch mit anwesenden Personen. Ich lese Zeitungen, die ich nicht abonniert habe oder bringe ein Buch mit.

Cocktailstunde

Cocktailstunde

Bei Letzterem findet also ein Gepräch mit dem Author statt oder ein Gespräch zwischen mir und mir selbst über das Gelesene.

Cocktailstunde

Cocktailstunde

Die meiste Zeit jedoch ist die Cocktailstunde reine Kontemplation, völlig aufmerksamkeitslos, mit frei flottierenden Gendanken.

Cocktailstunde

Cocktailstunde

T-Shirt in Slim Fit

Hemden in Slim Fit sind mir ein Graus, wie ich hier beschrieb. T-Shirts in diesem Format trage ich ebenso ungern. Habe ich trotzdem eines in Slim-Fit an ertappe ich mich bei dem (leicht schuldbewußten) Gedanken, daß mein Körper zu voluminös für dieses Kleidungsstück sei. Warum denke ich so? Ist das eine Art Selbstbestrafung? Dabei ist es das Ding, das T-Shirt, das ein inadäquates Format hat. Seltsam, oder?

Das Webcam-Cover

Lange hat es gedauert, sehr lange. Während viele meiner Bekannten und Freunde ihre Webcam abklebten verzichtete ich darauf. Nein, ich gebe zu, es hat mich sogar belustigt. Seid ihr paranoid? Das ist doch wohl nicht euer Ernst! Ich änderte meine Meinung und ein klebte ein Webcam-Cover der Stiftung Datenschutz auf die Kamera. Und – irgendwie durchströmte mich ein Gefühl der Erleichterung. Das verwirrte mich dann doch etwas…