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Über die Infallibilität der Artikelgruppe 29

Eine Juristin twittert, daß die Verlautbarungen der Artikelgruppe 29 nicht das letzte Wort seien, sondern wenn Aufsichtsbehörden die Verlautbarungen durchsetzen wollen, diese von einem Gericht geprüft werden können. Der Mitarbeiter einer Aufsichtsbehörde der Länder bezweifelt die Kompetenz und Zuständigkeit eines Gerichts. Die Mitglieder der Artikelgruppe seien „informatorisch und juristisch“ so weise (nicht sozialwissenschaftlich, nicht politisch, nicht philosophisch, also mehr oder weniger außerhalb der Welt, der Welt entrückt), daß sie also nur Erwägungen des letzten Wortes sprechen, sie sind unfehlbar – demiurgisch. Nein – unfehlbar sind sie sicher nicht und sie erschaffen auch sicher nicht die Welt. Ihre Verlautbarungen sind immer ideologisch. Deshalb ist Überprüfung richtig und wichtig. Und es wundert doch schon, daß Gewaltenteilung verneint wird. Das ist schlechte Praxis.

Über das Mogulieren

Heute wurde auf Twitter an die „Microblogging Conference 2009“ in Hamburg erinnert. indenti.ca, Twitter, Pownce, Jaiku und Plurk waren Inhalte der damaligen Diskussionen. Dazu gab es eine Vielzahl an Livestreamingdiensten wie z.B. Mogulus. Die Nutzung wurde als „Mogulieren“ bezeichnet. Diese Vielfalt an unterschiedlichen Services ist Geschichte. Das Heute ist die Zeit der Öde, die Zeit der Riesenplattformen, die Zeit der Datenindustrie. Oder blüht da etwas Neues im Verborgenen?

Über die Drahtbürste Ortsverein

Es gibt tatsächlich Parteimitglieder, die noch nie in ihrem Ortsverein waren. Die Gründe sind vielfältig und sollen hier nicht weiter erwähnt werden. Allerdings ist es ratsam sich in seinen Ortsverein zu begeben, insbesondere als Onliner in der Großstadt Berlin und als Teil der sogenannten „Berliner Blase“. Im Ortsverein, in Berlin Abteilung genannt, kommen völlig unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichem Erfahrungshintergrund zusammen. Die überschäumenden Selbstgewissheiten der Onliner und Blasenangehörigen werden hier den Erfahrungen aus einer anderen Welt gegenübergestellt und daraufhin gespannt. Das wirkt so erfrischend wie ein Ganzkörperabrieb mit einer Drahtbürste. Wer das über sich ergehen läßt hat einen ganz anderen, frischeren Blick auf die Welt. Nun vermag der Onliner und Blasenzuanhörige seine Selbstgewissheiten mit den Notwendigkeiten des Alltags zu verschlingen und auf eine neue Stufe der Erkenntnis zu heben.

Über ein Beta-Testing mit Instagram

Über die nicht-chronologische Timeline in Instagram sind wir wenig erfreut, trotzdem geben wir dem Dienst immer wieder noch eine Chance. Nicht wirklich aus vollem Herzen, sind die Locations doch nicht von Foursquare sondern Eigengewächse, was uns immer wieder Probleme bereitet und die Timeline wird dazu von völlig irrelevanter/m Werbung/Sponsoring verstopft. Gelegentlich fragt uns Instagram ob wir an einem Beta-Testing teilnehmen wollen und wir sagen gerne zu, in der Hoffnung, daß sich wesentliches zum Guten ändert. Wir probieren die Betaversion diesmal auf dem iPad aus. Mit großem Interesse wollen wir über das Neue Feedback geben – wir haben nur ein Problem: Wir wissen nicht was wir testen sollen. Und wir sehen keine Veränderung. Hinweise suchen wir vergeblich. Ein Anschreiben des Dienstes ist müßig, der Testgegenstand sollte klar sein. Aber so ist halt Instagram (sagen wir fatalistisch zu uns selbst) – unvollkommen, intransparent und eigentlich haben wir keine Lust drauf.

Aber warum benutzen wir es immer noch?

Über innerparteiliche Bildung

Die Suchmaschinen des Vertrauens sind ratlos. Entweder das Rauschen ist gewaltig oder es gibt Online dazu kaum Information. Gemeint ist die Wortkombination „innerparteiliche Bildung“. Links finden sich sporadisch und wie ein Schatten aus dem Zwischenreich zur Piratenpartei aber auch zu der Die Linke. Ansonsten gähnende Leere. Eine Suche auf der Seite der CDU bleibt höchst unbefriedigend, ein großes Nichts. Auf der Seite der SPD finden wir auf 43 Seiten 428 Links. Das ist ebenfalls Rauschen allerorten, denn die Wortkombination wird sowohl in den Einzelwörtern gesucht als auch in Similaritäten. Der erste Hinweis ist auf Seite 2 mit dem Link zum „Protokoll des ordentlichen Bundesparteitags 2005, Karlsruhe“. Nun drängt sich die Vermutung auf, daß dieses Thema auf dieser Ebene seit 13 Jahren keine Rolle mehr spielt. Dabei hat die SPD auf allen Ebenen bis hinunter zum Ortsverein „Beauftragte für die innerparteiliche Bildung“. Ist das ein Thema, das irrelevant ist, das nicht gelebt wird? Was Themen der innerparteilichen Bildung sein könnten scheint im Dunklen zu liegen, wie wir auf Nachfrage hörten. Dies ist höchst verwirrend – und wir weisen darauf hin, das gilt nicht nur für die SPD – steht doch bei vielen Parteien Bildung ganz oben auf der Tagesordnung.  Aber das scheint weder für die „Politische Bildung“ im Allgemeinen als auch für die innerparteiliche Bildung im Besonderen zu gelten.

Über betrunkene Algorithmen

Wir machen es uns einfach und vermeiden den Begriff Künstliche Intelligenz sowie Smarte Maschinen. Wir nennen das Ergebnis eines ausgeführten Algorithmus „Entscheidung“ wohl wissend, daß eigentlich nur Menschen entscheiden können. Algorithmus steht in unserem Falle einfachhalber auch für ein ganzes Bündel von Algorithmen, für Millionen Zeilen Maschinenschrift. Entscheidend ist, daß dieser Algorithmus eine Entscheidung über Menschen trifft ohne daß das Ergebnis von einem anderen Menschen geprüft wurde und somit als alleinige Entscheidung im Raum steht.
Um doch etwas Komplexität in den Gedanken zu bringen nehmen wir an, der Algorithmus besäße Emotionen. Dazu sei jetzt nicht notwendigerweise Bewußtsein notwendig. Auf einem Panel wird der Algorithmus, der negative Emotionen zeigt und Entscheidungen trifft „betrunkener Algorithmus“ genannt. Nicht nur ein betrunkener Algorithmus sondern ganz grundsätzlich ein Algorithmus mit Emotionen ist etwas, das viele Menschen erschreckt.

Über Datenschutzmaßnahmen und Verdinglichung sowie Medialisierung

Für die Datenverarbeitung wird der Mensch in seiner Gänze auf einzelne Aspekte seines Lebens in Datenpunkte zerlegt. Er wird verdinglicht. Die Perspektive, dass Daten eine neue Währung seien, bringt die vollständige Verdinglichung sehr gut zum Ausdruck. Werden die Daten als Geld gesehen so sind sie ein Medium. Medien funktionieren einwandfrei wenn sie vollständig unsichtbar sind. Ist der Mensch im Datum zu Geld transformiert ist er vollständig unsichtbar.

Diese mediale Sichtweise nehmen vor allem die Datenverarbeiter an. Andere Perspektiven sind selbstverständlich:
Die Asymmetrie zwischen Organisation und Individuum erzwingt eine Norm oder einen ganzen Kranz an Normen um diese Asymmetrie auszugleichen und beide auf Augenhöhe zu bringen. Dies ist der Kern des Datenschutzes. Dazu erfanden Steinmüller, Lutterbeck und Mahlmann sowie das Bundesverfassungsgericht eine juristische Norm das „Recht auf informationelle Selbstbestimmung“. Daraus leiten sich ein Bündel weiterer gesetzgeberische Einhegungen sowie technische als auch organisatorische Maßnahmen ab.
Den vorher skizzierten systemtheoretischen Ansatz können wir ablösen indem wir den Begriff „Adiaphorisierung“ von Zygmunt Bauman adaptieren. Bauman erkennt, dass durch organisatorische Erfindungen wie Arbeitszerlegung/teilung sowie technischen Erfindungen die Verantwortlichkeitsreichweite des Individuums, die wir als moralischen Sinn bezeichnen wollen reduziert bzw. ganz aufgehoben werden kann. In den langen Ketten der Arbeitsteilung und der technischen Systeme verliert der verantwortliche Verarbeiter die Übersicht über die Folgen seines Tuns. Dazu kommt noch die Gefahr, durch Medialisierung der Daten und damit der Unsichtbarkeit für den Verarbeiter den moralischen Sinn zu verlieren.

Technische und organisatorische Maßnahmen des Datenschutzes wie z.B. Pseudonymisierung und Anonymisierung weiten die Datafizierung aus. Können wir also mutmaßen, dass Datenschutzmaßnahmen die Verdinglichung und Medialisierung ebenfalls ausweiten?

Zehnjähriger Geburtstag meines Tumblelogs

Mein Tumblelog „horax sammelt hier“ ist zehn Jahre alt geworden. Vor fünf Jahren schrieb ich über seine Wiederentdeckung. Und ja, es hat sich bewährt. Ich hoffe es wird halten…..

Zehnjähriger Geburtstag Tumblelog

Zehnjähriger Geburtstag Tumblelog

Steckdosen am Strand von Kaua’i

Unsere kleine Gesellschaft fährt die kurvige Küstenstraße vom Kilauea Lighthouse, vorbei an den Strandhäusern der Reichen und Schönen, in Richtung Anini Beach. Wir machen dort eine Lunchpause in einem Pavillon direkt vor dem Strand. Der Pavillon ist zu allen vier Seiten offen, enthält zwei große Tische und vier Bänke aus Beton. An unserem Nachbartisch sitzt ein junger Mann mit einem Ukulelenkoffer und schreibt fleißig in sein MacBook. Irgendetwas an dem Anblick des Schreibenden ist irritierend. Er hat das Ladekabel des MacBooks mit einem Pfeiler des Pavillons verbunden und bei genauerem Hinsehen wirk klar, daß in dem Pfeiler zwei Steckdosen verbaut sind. Insgesamt zwei Pfeiler des Pavillon sind mit Steckdosen ausgerüstet. Steckdosen am Strand im Nirgendwo.

Auch am Strand von Waikiki in Honolulu, sind ähnliche Pavillons verbaut, ob sie allerdings Steckdosen enthalten entzieht sich meiner Kenntnis.

Steckdosen am Strand von Kaua'i

Steckdosen am Strand von Kaua’i

2017

Meine Follower auf Instagram sehen mein 2017 etwas weniger selektiv als das 2016… Oder hab ich andere Inhalte gepostet? Wie dem auch sei … knorke war es auch diesmal.

2017

2017