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Über Personalisierung in der Politik

Sind Personen Gegenstand des politischen Diskurses, so verliert sich der Inhalt. Politik wird unpolitisch, Politik wird scheinhaft. Die Menschen schauen dem zu, teils mit großer Aufmerksamkeit und gewinnen damit Zerstreuung. Eine Verbesserung ihres Lebens gewinnen sie nicht. Zudem ist auf die Inhalte zu achten. Obacht bei den Inhalten. Floskelhafte Anbetung von „Marktwirtschaft“ oder „Leistung“ oder schnappatmiges Verdammen von „Vergesellschaftung“ sind mit Vorsicht zu genießen und strikt zu hinterfragen. Werden sie hinterfragt, wird gähnende Hohlheit sichtbar. Nur Politik, die konsequent in Frage stellt kann darüber hinausgehen.

Über ein neues Device

Ein neues Device ist eingezogen. Geerbt hat es die Anwendungen und das Wissen des alten, das nun seine wohlverdiente Ruhe in der Tiefe und Stille einer Schublade genießt. Einen Namen hat das neue bereits, die Fetischisierung ist am ersten Tag vollständig.

Über einen anderen Datenschutz

Datenschutz fußt auf gesellschaftlichem Fundament. Datenschutz vermittelt der Organisation was gesellschaftlich unerwünscht ist und inspiriert die Organisation zu Spielräumen jenseits dessen. Gesellschaftlicher Fortschritt, so gering er auch sei, kann erreicht werden. Oktroyierte der Datenschutz der Organisation das was vermeintlich gesellschaftlich wünschenswert wäre, so geriete das Individuum in Bedrängnis.

Über den Tag nach EU-Urheberrechtsreformentscheidung

Einen Tag nach dem EU-Parlamentsbeschluß hat die Kulturindustrie in Gestalt der Onlinepresseerzeugnisse die Kolonisation des freien Internets bereits abgehakt. Ob aus Angst vor der eigenen Courage oder wegen des Drucks der wirtschaftlichen Notwendigkeit für neue Aufmerksamkeit ist keine Frage. Letzteres gilt! Der Inhalt muß erneuert werden. Immer schneller, immer schneller! Wann ist endlich Feierabend im Karussell der Belanglosigkeiten?

Über die EU-Urheberrechtsreform

Der Begriff Kulturindustrie erfährt ab heute eine Renaissance. Verwerter und Politik haben – Arm in Arm und Jahre nach den Plattformen – einen Kolonialisierungsversuch auf das freie Internet versucht und erreicht. Sich darüber zu echauffieren ist wohlfeil, sondern aus Sicht von Verwerter ökonomisch rational. Sie verschliefen die Technologie und sahen ihre überkommenen Geschäftsmodelle wegschwimmen. Dies ist beileibe nicht das erste Mal sondern trat bereits im 19 Jahrhundert auf. Sie versuchen die Tauschverhältnisse neu zu justieren und machen sich ihre geschäftsmäßig bedingte Nähe zur Politik zunutze. Verwertern, Plattformen und Politik ist gemein, daß sie das emanzipatorische Potential des Internets fürchten und bestrebt sind, es so gut es geht zu unterdrücken. Urheber und Nutzer sind nun düpiert. Die Gesellschaft ist unfreier geworden.

Das emanzipatorische Potential des Internets, dieses Stück Freiheit, existiert trotz Verwerter, Plattformen und angstbehafteter Politik. Urheber und Nutzer können es suchen.

Über Insubordination

Ist die Teilnahme am Rosenmontagszug unmöglich und wird im Unternehmen Karneval nicht gebührend gewürdigt, hilft nur Insubordination – der Livestream vom WDR.

Über das tägliche Bloggen

Für das tägliche Bloggen stehen zwei Inhalte, erstens das Tagebuchbloggen und zweitens das Businessbloggen. Beide Inhalte kennzeichnet zur Periodizität eine weitere gemeinsame Form: sie sind etwas Neues – kleinste Formen: Tägliches Bloggen vermittelt sich durch kurze Posts. Das Tagebuchbloggen, das Aufschreiben dessen, was am Tag war, wird oft als banal bezeichnet. Das ist kleingeistig. Das was heute war, kann in der Rückschau eine gewichtige Bedeutung bekommen. Das Businessbloggen gerät andereseits in der Rückschau zum Banalen wenn die Enge der Sicht der Schreibenden deutlich wird. Kann man sich kleinste Formen als Konzentrat vorstellen, als etwas, das über sich hinausgeht?

Über den Datenmineur

Das Englische hat den Data Miner, das Deutsche hat seinen Datenhuber. Die schweizer Schriftsprache hat den Datenmineur. Das liest sich unauffällig doch der Klang des Wortes beim Lesen ist ungewöhnlich. Ist der Klang gediegen oder gar vornehm, hofratartig? Nur – der Leser wird ihn bei sich selbst hören und erleben. Ist die Lautsprache in der Schweiz nicht völlig anders?

Über Erwachseneninhalte

Das unschuldige, das reine Internet scheint wunderbar in das notwendige einzelwirtschaftliche Kalkül der Plattformanbieter zu passen. Tumblr, einst lebensnah und wenig prüde hat jetzt sogenannte Erwachseneninhalte unter Bann gestellt, bis 16.12.2018 waren sie nach Kennzeichnung erlaubt. Im Hilfecenter beschreibt Tumblr was unter Erwachseneninhalte zu verstehen sei:

Erwachseneninhalte sind in erster Linie Fotos, Videos oder GIFs, die Genitalien von echten Menschen oder entblößte weibliche Brustwarzen zeigen, außerdem auch sämtliche Inhalte – Fotos, Videos, GIFs und Illustrationen -, die Sexualakte zeigen.

Weibliche Brustwarzen – und erst recht ihr Anblick – scheinen gefährlich zu sein und die Sicherheit und Ordnung ganzer Gesellschaften außer Kraft zu setzen und die zwingenden Profitinteressen Tumblrs zu unterminieren. Um dem zu begegnen setzt Tumblr Machine Learning ein um diese höchstgefährlichen Inhalte auszusortieren. Machine Learning macht Fehler. So im Tumblelog „horax sammelt hier„, das auch mit den Posts von diesem Blog aus befüllt wird. Als höchstgefährlich wurden 3 Bilder klassifiziert: Frisches Geflügel in den Auslagen der Metztgerei „Kumpel & Keule“, eine nackte männliche Skulptur aus dem Alten Museum und ein Bild mit einem Burger.
Nach Intervention wurden die Bilder von einem menschlichen Wesen begutachtet und der neuen Richtlinie angemessen befunden.
Immer dieses Foodporn…

Classic-Burger Classic-Burger

Über Cherry Mango

Zur Fondue werden üblicherweise mehrere Saucen gereicht, selbstgemachte und gekaufte. Eine davon kann nicht im Lebensmittelladen um die Ecke erstanden werden. Die Suche wird ausgeweitet, von Kreuzberg auf Mitte. Dort ist sie vorrätig. Allerdings stellt sich zuhause heraus, daß die falsche Feinschmeckersauce eingeholt wurde, statt Cherry Mango die Curry Mango. Was tun? Recherche im Internet ergibt, daß die Cherry Mango nicht existiert – und Curry Mango ist die richtige wie bestätigt wird. Hat da etwa Sigmund Freund einen Streich gespielt? War Cherry Mango soetwas wie eine Unkonzentriertheit oder ein Tagtraum gewesen? Eine Lieblingsband des verwirrten Einholers in seiner Jugendzeit nannte sich Mungo Jerry….