Schlagwort-Archive: ökonomie

Tüftler und Theoretiker

Auf dem Forschungsgipfel sagt der Chef der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges, laut Telekom-Twitter-Account folgende Sätze:

„In der digitalen Welt siegen Tüftler über Theoretiker. Dafür müssen wir in Unternehmen Freiräume schaffen.“

Die beiden Sätze werfen mir Fragen auf. Erste Frage: Sind in der analogen Welt Theoretiker erfolgreicher als Tüftler und haben nicht auch in der analogen Welt Ingeneure und Handwerker die Nase vor gehabt und Theoretiker die Dinge nachlaufend erklärt? Die zweite Frage: Wer hat Freiräume in der analogen Welt; Theoretiker? Und daran schließen sich die dritte und noch mehr Fragen an: Wie müssen Unternehmen organisiert sein, damit Tüftler ihre Freiräume haben? Sind die hierarchisch, miltärisch, nach Befehl und Gehorsam organisierten Unternehmen für die Zukunft gerüstet? Sind Überwachung am Arbeitsplatz und Überwachung von Produktionsmitteln wie Rechner der Mitarbeiter samt Präsenzkultur zeitgemäß oder muß sich da was änderen?
Und wie verhält sich sich das Druckersche „Management by Objectives“ zum Vorgehensweise des Tüftlers?

Irritierende Verpackung

Verpackungen haben verschieden Funktionen, Schutz vor Beschädigungen des Gutes, Stapelbarkeit, Werbung und Information sowie als Versteck vor unliebsamen Blicken samt Überraschungsmoment. Manchmal ist aber die Verpackung in Relation zum Inhalt eher rätselhaft. Das folgende Bild zeigt ein Paket, mit dem ein paar Handschuhe geliefert werden:

Paket

Paket

Zu sehen ist eine übergroße Verpackung in der sich eine deutlich kleinere Schachtel befindet, die aber in Relation zum Handschuhpaar immer noch viel zu groß ist. Gefüllt wird der Leerraum mit unzähligen Luftpolstertaschen um die Schachtel zu fixieren. Ein scheinbar wahnwitziges Unterfangen, erklärbar mit einzelwirtschaftlichem Optimierungskalkül, das zudem die Entsorgung der unbrauchbaren Materialien dem Empfänger überläßt. Allein die Verpackung signalisiert in quantitativer Form dem Empfänger Wohlwollen und löst positive Gefühle durch die schiere Dimension des Pakets aus. Denn wer freut sich nicht über eine „große“ Überraschung. Damit werden gleichsam die Mühen der Folgehandlungen wie der notwendigen Entsorgung unsichtbar gemacht.

Der Entwickler ist sicher sehr stolz auf seine Software

Die veröffentlichte Meinung scheint klar zu sein: „kriminelle Energie“, „betrügerische Absicht“, „Gier“, mit diesen Schlagworten wird die VW-Manipulation charakterisiert. Allenthalben scheinen finstere Gestalten am Werk zu sein, das Böse scheint Wolfsburg fest im Griff zu haben. Mein erster Gedanke dazu ist: „Der Entwickler ist sicher sehr stolz auf seine Software“. Diese Software und ihr Einsatz in einem Fahrzeug sind nicht vom Himmel gefallen sondern die Software wurde von einem Menschen geschrieben, von einem anderen beauftragt und von einem dritten in die Produktion gebracht. Ein gemeinsames Handeln von Menschen, die sich wahrscheinlich keinerlei Gedanken um die Folgen ihres Tuns gemacht haben. Der Entwickler wird sehr stolz auf das Funktionieren der Software sein und die Ingenieure werden stolz auf das funktionierende Werkstück sein und alle zusammen werden denken, daß sie die tollsten Autos der Welt bauen und werden auch stolz darauf sein. Diese Gedankenlosigkeit, dieses mangelnde Urteilsvermögen, diese Unfähigkeit sich in Andere hineinzuversetzen sind keine ausschließlichen Merkmale von spezifischen Unternehmensmitarbeitern, sondern, ganz im Gegenteil, in allen Organisationen zu finden, ob in Unternehmen, Verwaltung, Politik oder Vereinen.

Zygmunt Bauman sieht in Organisation und Technik Adiaophorisierung angelegt. In Organisationen meint Adiaphorisierung, daß einerseits die Verantwortung für den Anderen an den Vorgesetzten abgegeben wird, andererseits hat sich die Verantwortung für den Anderen durch das auch in Organisationen allgemein herrschende neoliberale Diktum in eine „Mischung aus Verantwortung für sich selbst und Verantwortung sich selbst gegenüber“ gewandelt. So entsteht gerade in großen Unternehmen eine Zirkularität der Verantwortung sodaß sich letztendlich niemand wirklich verantwortlich fühlt. Es braucht also nicht einmal den Befehl von „ganz oben“ für die VW-Manipulation. Das bedeutet nicht, daß, falls es strafrechtliche Verstöße gibt, niemand dementsprechend zur Verantwortung gezogen werden kann, wer klaren Verstandes ist kann juristisch belangt werden, Dummheit schützt nicht vor Strafe. Ich finde allerdings, daß mit Behauptungen von „krimineller Energie“, „betrügerischer Absicht“ und „Gier“ sehr vorsichtig umgegangen werden sollte.

Die entscheidende Frage ist also ob, wie und welche Strukturen in Organisationen geschaffen werden könnten um solche Manipulationen möglichst gering zu halten. Eine Antwort darauf habe ich nicht, werde aber weiter darüber nachdenken.

Daten und Implantate

Das Bundesforschungsministerium hat eine Bürgerdialogreihe der ZukunftsForen gestartet. Das erste ZukunftsForum trägt den Titel „Gesundheit neu denken„. Dazu gibt es eine CAPI-Befragung mit 1000 Teilnehmern von TNS Emnid, deren Ergebnisse hier als pdf herunterladbar sind. Die Resultate folgender Frage bringen mich ins Grübeln:

In der Medizin werden mittlerweile neuronale Implantate eingesetzt um verloren gegangene Körperfunktionen, wie etwa den Gehörsinn, wieder herzustellen. In Zukunft wird es wahrseinlich auch möglich sein, die geistigen Fähigkeiten von Menschen durch Implantate zu steigern, wie z.B. Verbesserung der Gedächtnisleistung und Konzentration. Was halten Sie von der Vorstellung sich Implantate zur Steigerung der geistigen Fähigkeiten in den Körper einpflanzen zu lassen?

Insgesamt 50,7% der Befragten finden das „Gut/Sehr Gut“ wobei die jüngeren Altersgruppen noch höhere Zustimmung signalisieren. Ungeachtet aller methodischer Problematiken, die die Fragestellung selber und die Stichprobenziehung samt Nachgewichtung betreffen, zeigt sich mir hier eine bedenkliche Tendenz. Gesundheit scheint kein ausreichendes Befinden zu sein, ein anderer Zustand will erreicht werden. Ein Zustand, der immer eine weitere Steigerung erfordert, denn ein Ende ist nach oben offen und somit ist man immer im dauerhaften Optimierungs-Hamsterrad. Eine seltsame Vorstellung. Schaut man in der Studie nach der Bereitschaft Gesundheitsdaten zu teilen, so ist hier größte Zurückhaltung zu erkennen. Wie passt diese Zurückhaltung eigentlich zu Implantierungsbereitschaft – ein Paradox oder nicht?

Eine seltsame Platzierung im Regal

Die Lebensmittelabteilung des Vertauens in der Stadt hat ihren Bierverkaufsbereich umgestaltet. Im Gegensatz zu den großzügig gestaltenen Bereichen Weine oder Hochprozentiges, die jeweils beratendes Verkaufspersonal haben, ist der Bierbereich deutlich kleiner und ohne eigenes Personal. Das fände ich für mich persönlich nicht weiter schlimm, falls der Bereich eine sich mir erschließende Ordnung hätte. Die einzige Ordnung, die ich erkennen kann ist die nach Ländern. Nicht ersichtlich ist mir eine Ordnung nach Bierarten geschweige denn eine separate Sortierung in oder nach Craftbieren vs Rest. Das führt dann zu verwirrenden Platzierungen sodaß das Black Flag Imperial Stout von Schoppe Bräu und das Pale Ale von Flying Turtle neben Standardpilsetten industrieller Brauerereien stehen.

Bierplatzierung

Bierplatzierung

Ich wünsche mir da ein wenig mehr Klarheit und Herzblut, so wie das in anderen Bereichen der Lebensmittelabteilung des Vertrauens gang und gäbe ist.

Die Kraftmaschine

In der Sonntagszeitung des Vertrauens lese ich einen Artikel über Wolfgang Schivelbuchs neues Buch „Das verzehrende Leben der Dinge. Versuch über die Konsumtion.“ Gegenstand des Werkes ist die Analyse wechselseitiger Prozesse der „Einverleibung“. Einerseits verändert der menschliche Gebrauch (z.B. durch Abnutzung) den Gegenstand, andererseits verändert ein Gegenstand die Beziehung zu ihm selbst, so transformiert sich ein beliebiges Produkt in das eigene.

Ich muß beim Lesen an die Maschinen für das Kraftraining denken. Dort scheint mir die Richtung der Transformation in Richtung Mensch übermächtig. Durch die Maschine werden vielgestaltige metabolische Prozesse im Körper des Trainierenden aktiviert, die als Folge einen Muskel- und Kraftzuwachs zeitigen. Auch scheinen einzelne Maschinen der gleichen Übung Besitz von den Trainierenden zu ergreifen. Ich beobachte in meinem eigenen Trainingsablauf, daß ich eine Maschine den anderen Maschinen der gleichen Übung bevorzuge. Ergreife ich also Besitz von der Maschine oder ergreift die Maschine Besitz von mir?

Die Sache mit der GDL

Zufällig hatte ich gestern mal wieder Deleuzes „Postskriptum über die Kontrollgesellschaften“ in der Hand und las im Abschnitt „III. Programm“ folgende Bemerkung über die Gewerkschaften:

Eine der wichtigsten Fragen dürfte die Untauglichkeit der Gewerkschaften betreffen: In ihrer ganzen Geschichte waren sie gebunden an den Kampf in den Einschließungsmilieus oder gegen die Disziplinierungen. Können sie sich der neuen Situation anpassen oder machen sie neuen Widerstandsformen gegen die Kontrollgesellschaften Platz?

Sicherlich haben sich neue Widerstandsformen gegen die Kontrollgesellschaften im zivilgesellschaftlichen Bereich gebildet aber die Organisation der Gewerkschaften als Vertreter der Beschäftigten hat sich ebenso gewandelt wie die Beschäftigtenstruktur und das Selbstverständnis der Beschäftigten. Spartengewerkschaften, wie die GDL, sind meines Erachtens tatsächlich eine Organisationsform der „Flüchtigen Moderne“ wie Zygmunt Bauman sie beschreibt. Daß sie das tun, wozu sie da sind, nämlich im Interesse ihrer Mitglieder tätig zu sein, sollte eigentlich eine Binsenwahrheit sein, trotzdem haben mich manche Reaktionen auf den Streik gerade auch von Menschen, die sich selber links einstufen, erschreckt. Solidarität scheint ein Fremdwort geworden zu sein, Egoismus geht vor. Ebenfalls seltsam finde ich allerdings die Berichte des professionellen Journalismus, der die GDL, ihre Vertreter und ihre Kampfmaßnahmen thematisiert und überwiegend diskreditiert, zur Politik des Arbeitgebers, des Kapitals, zu Entlohnung und zu Arbeitszeiten jedoch schweigt. Die Gesellschaft hat sich deutlich verändert.

#digitalLEBEN – Pausanias wirft ein Stöckchen

Der Pausanias hat mir in einem Blogbeitrag ein Stöckchen zugeworfen, das ich ihm nun beantworten möchte. Über Digitalisierung zu schreiben ist natürlich schwieriger als in der zunehmend digitalisierten Gesellschaft zu leben. Bemühe mich also um Verständlichkeit.

In einer digitalen Welt zu leben, bedeutet für mich …

… nichts, denn ähnlich wie Markus Gabriel meine ich, daß es die Welt nicht gibt. (Sorry Mäx aber diese Klugscheißerei mußte sein…) Meine Umgebung, mein Leben, das ist richtig, wird zunehmend digitalisiert und das seit langem. Denke ich unendlich viele Jahre zurück, an den Beginn meines Studiums, an dem ich in Sekundengeschwindigkeit mit Statistikprogrammen Faktorenanalysen rechnete, zu denen man in noch älteren Zeiten tagelang mit Millimeterpapier und Zirkel arbeitete, so war das erstaunlich. Wahrscheinlichkeiten ergodischer Systeme habe ich durch das Programmieren kleinerer BASIC Anwendungen verstanden. Digitalisierung dringt zwar in Produktionsprozesse ein, mein Stuhl auf dem ich gerade sitze ist aber noch ziemlich analog, ebenfalls das Fenster, aus dem ich schaue. Die digitale Kommunikation erweitert meine „Reichweite“ und erlaubt vielfältige Verbindung zu Menschen die physisch entfernt aber mir nah sind ebenso wie ungewollte bzw. erzwungene Kommunikation.

Mein Computer ist für mich …

… eine Maschine. Davon habe ich drei in Besitz: Laptop, Tablet und Smartphone. Vor unendlich vielen Jahren als kleiner Junge habe ich immer die Kommunikatoren bzw. Assistenten in den Perry Rhodan Filmen und der Raumschiff Enterprise Serie bewundert. Das wollte ich immer haben, etwas ähnliches scheint das Smartphone zu sein.

Wirklich gut! Die größte Chance durch die Digitalisierung ist…

… mir jedenfalls unbekannt, da ich heute nicht vorhersehen kann was ich morgen wissen werde. Von daher ist mir das Verwenden von Superlativen ein Greuel. Ich würde mir aber Fortschritte im Bereich der Medizin wünschen, denn die Digitalisierung eröffnet die Chance personalisierte Medizin technisch und auch wirtschaftlich möglich zu machen. Eine weitere Chance ist das Zugänglichmachen von Wissen, gerade auch Wissen, das ganz spezielle Antworten auf verzwickte Fragen im Alltagsleben gibt.

Weiterlesen

Gedanken zum Suchmaschinenurteil des EuGH

Das Suchmaschinenurteil des EuGH ist bereits eine Weile gesprochen und ich habe dazu eine Menge Einschätzungen gelesen, war auf Veranstaltungen dazu, bin aber letzten Endes immer noch ratlos was denn die Konsequenzen sind. Mit Konsequenzen meine ich Konsequenzen sowohl im Suchmaschinenbereich als auch in anderen Kontexten. Die Meinungen dazu divergieren vehement. Mich hat überascht, daß es tatsächlich Leute überascht wenn das Gericht meint eine Suchmaschine verarbeite personenbezogene Daten. Was anderes sollte die Indexierung von Inhalten mit Namen und ihre (listenhaften) Präsentation sein? Auch der Hinweis, eine Suchmaschine müsse eine Abwägung eigener Interessen mit dem schutzwürdigen Interesse des Betroffenen durchführen ist eigentlich keine große Überaschung. Die Einschätzung eine rechtmäßig veröffentlichte personenbezogene Information in einem Informationssysteme sei in einem anderen kritisch kann doch so neu ebenfalls nicht sein. Wenn der Staat mich als Blogbetreiber zwingt ein Impressum mit personenbezogenen Daten bereit zu halten, da ist der Zweck klar und es heißt nicht, daß die Nutzung dieser veröffentlichen Information zu anderen Zwecken und in anderen Information-ssystemen rechtmäßig wäre. Allerdings sind das im Urteil ausgesprochene Marktortprinzip und der Handlungsrahmen zur Interessensabwägung so nicht erwartet. Die Bevorzugung der schutzwürdigen Interessen vor der Meinungsfreiheit gibt ja eben keinen wirklichen Abwägungsrahmen vor. Aber das ist etwas, was noch mit Leben ausgefüllt werden muß und scheint so noch offen zu sein. Ist das Marktortprinzip auch in anderen Kontexten so anwendbar? Ich habe auch da schon Zweifel von Juristen gehört und auch das scheint ebenfalls offen.

Für viele Leute gehören Suchmaschinen zur Infrastruktur, die in diesem Rahmen die Aufgabe hat dezentrale Inhalte zu zentralisieren und für die Nutzer erst verfügbar zu machen und schreiben so den Suchmaschinen besondere Eigenschaften zu, die bei der vorgenannten Interessensabwägung zugunsten der Meinungsfreiheit besonderes Gewicht bekommen sollten. Das ist umstritten und die Diskussion sicher noch nicht beendet. Das EuGH hat ein Urteil zu einfach verketteten Datenverarbeitungen gesprochen. Der technologische Fortschritt wird verkettete Datenverarbeitungen noch beschleunigter, quasi explosionsartig, vermehren und unüberschaubare Wege des Datenflusses generieren. Dabei die schutzwürdigen Interessen der Nutzer zu wahren wird eine Herkulesaufgabe sein, die nur im Zusammenspiel von Geistes- und Sozialwissenschaften, Technik und Recht gelöst wird.

Nachgedanken zur Sache mit dem Tempelhofer Feld

Zu der Sache mit dem Tempelhofer Feld muß ich für mich noch ein paar Nachgedanken niederschreiben. Nachgedanken deshalb, da mich teilweise die Reaktionen in Politik und Presse zum Ausgang des Volksentscheids doch ziemlich verblüfft haben: einerseits – Berlin sei im Stillstand, nichts geht mehr, Sankt Florian allerorten – andererseits – niemand brauche sich jetzt mehr über steigende Mieten zu wundern. Die ersten Reaktionen verbuche ich in der Kategorie politische Leerformeln, letztere allerdings scheint mir interessant zu sein und sollte genauer beleuchtet werden. Meine Gedanken dazu sind sicherlich vorläufig, unvollständig und biased, mindestens durch den Rückschaufehler.

20140609_buecher
Offiziell ist der soziale Wohnungsbau in Berlin seit 2002 eingestellt. Die Gründe dafür sind vielfältig, lagen z.B. im Rückzug aus der Förderung durch den Bund, in der schwierigen Haushaltslage des Landes und in einem methodisch fragwürdig berechneten Leerstand von 100.000 Wohnungen, der seltsamerweise trotz Bevölkerungsgewinnen über die Jahre fortgeschrieben wurde und sich schließlich in Luft auflöste. Dieser fiktive Leerstand diente als Argument ausreichender Wohnraumversorgung. Bestände kommunaler Wohnungs-unternehmen wurden an Finanzinvestoren verkauft, die Privatisierung des Mietwohnungsbestands in Berlin war erklärtes Ziel der Politik. Dieses Ziel ist erreicht, heute befindet sich der Großteil des Berliner Wohnungsbestandes auf dem freien Wohnungsmarkt. Flankierend dazu setzte die Politik auf die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt um auf diese Weise über Hebung des allgemeinen Einkommensniveaus auch ärmeren Schichten den Zugang zu angemessenem Wohnraum zu gewähren. Ideen, die im damaligen Zeitgeist lagen aber nicht überzeugen können. Zunehmende Residualisierung aber auch Verharren in der Wohnung durch steigende Mieten in den Beständen sind die Folgen. Nun agieren auf dem freien Wohnungsmarkt unterschiedliche Anbieter mit unterschiedlichen Verwertungsinteressen. Finanzinvestoren und das ist ihr legitimes Interesse wollen eine möglichst gute Verzinsung des eingesetzten Kapitals, die Wohnungen in diesen Beständen stehen unter Miet- erhöhungsdruck. Kleine Privateigentümer, die ihre Mieter noch persönlich kennen, möglicherweise auch im selben Haus wohnen, haben Interessen an langfristiger Vermögenssicherung und kontinuierlichen Mieteinahmen, hier wird der Mieterhöhungsdruck geringer sein.

Weiterlesen