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Alt – ein Riß in der Matrix

Wer die Dreißig um zehn oder zwanzig Jahre übertroffen hat und im Spiegel den nagenden Zahn der Zeit an sich sieht besitzt in aller Regel einen Geist, ein Bewußtsein von sich selbst, das doch eher jugendlich und radikal ist (also so zwischen 17 und 25 Jahren), gepaart allerdings mit einem gehörigen Schuß Gelassenheit.

Ich warte im Parterre auf den Fahrstuhl. Ein Nachbar Anfang der Zwanzig nestelt an seinem Briefkasten und gesellt sich langsam zu mir. Die Fahrstuhltür öffnet sich und ich gebe ihm Zeichen er möge einsteigen. Er weigert sich strikt, murmelt etwas Unverständliches und bedeutet mir den Vortritt. Ich steige ein und frage nach dem Schließen der Fahrstuhltür, was er gesagt hätte. Die Antwort verblüfft mich, ein Riß geht durch die Matrix: „Ich habe gelernt, Ältere haben den Vortritt“. Unvermittelt alt – ein Hoch auf die Gelassenheit …

Schöne neue Fahrstühle

Fahrstühle begleiten mich ja schon mein ganzes Leben. Der erste in meinem Geburtsort in einem Hochaus in dem die elterliche Wohnung lag war schon vor meiner Geburt da, hat quasi auf mich gewartet. Ich erinnere mich eigentlich ganz gut, groß war er damals als ich klein war, wurde aber im Laufe der Zeit immer kleiner als ich wuchs. Irgendwann wurden ihm so etwas wie eine Sicherheitstür eingebaut damit man sich nicht an den freiliegenden Etagentüren und Etagenböden verhakeln kann. Schnell war er für damalige Verhältnisse, vielleicht floß die Zeit aber auch allgemein langsamer. Eine seltsame grüne Farbe hatte die Kabinenwand, unterbrochen von Verziehrungen aus Blechleisten und einer Halteleiste rundherum. Besonders gruselig war es wenn man im Parterre einstieg, in die Wohnung fahren wollte, der Fahrstuhl aber zunächst in den Keller fuhr. Quälende Gedanken an Monster und Geister, die die Kellertür öffnen könnten durchlebten wir Kinder damals in so einer Situation. Später dann, in der Jugendzeit diente der Fahrstuhl als Geheimfach, wo man zwischen die Blende der Beleuchtungen allerlei Wichtiges, das man nicht in die Wohnung mitnehmen wollte wie z.B. Zigaretten, verstecken konnte. Fahre ich heute mit diesem Aufzug alleine, taste ich manchmal diese Blende ab, ob Nachfolgende vielleicht ein ähnliche Idee haben könnten, habe jedoch nie etwas gefunden. Heute hat die Kabinenwand eine neue gräuliche Farbe, er fährt immer noch mit dem gleichen sonoren Klang aus der Vergangenheit nur scheint er müder geworden zu sein, langsamer und ein wenig betagt, er scheint schneller zu altern als ich selber.

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