Die Rache der Pilzfarce

Die Fleischerei hat eine spezielle Kundschaft. Sie stammt aus der Mittelschicht und scheut sich nicht einen höheren Preis für die Wurst- und Fleischwaren, bei hohem Qualitätsanspruch, zu bezahlen. Lieber mal etwas Gutes, dafür nicht jeden Tag scheint die Devise zu sein. Das „Gute Leben“ eine Weltzugewandtheit im Alltäglichen zeichnet sie aus. Möglicherweise stellt sich der neue Fleischer die Kundschaft so vor und sucht nach etwas, das seinen Einstieg als Neuer in der Fleischerei mit Aufmerksamkeit bedacht. Wie wäre es mit Filet Wellington, vom Fleischer bereits bratfertig zubereitet? Filet Wellington, ein Hochamt für verlangende Geschmackspapillen, serviert mit Schwarzwurzel, Sauce Madeira, vielleicht ein feines Kartoffelgratin, das überzeugt die Genießenden. Die Zubereitung von Filet Wellington ist nicht einfach, selbst das vorgefertigte Filet, das er verkauft. Die Opazität des Garzustandes des Fleisches ist Teil der hohen Kochkunst, ein prüfendes Drücken mit dem Finger ist, ob der Ummantelung, unmöglich und nicht jeder Haushalt besitzt einen digitalisierten Herd mit intergriertem Fleischthermometer. Die Genießer können sich also selbst einer gewissen Kochkunst rühmen. Allerdings ist die Beratung der Kundschaft wesentlich, eine Zusage zur Haltbarkeit des Filets zwei Tage im Kühlschrank bis zur Zubereitung kontraproduktiv. Denn der Fleischer hat vergessen, daß der Blätterteigmatel wie eine Plastiktüte wirkt und sich die Pilzfarce für ihren mehrtägigen Einschluß ohne Luftzufuhr mit Gären und Faulen rächt. Sicher ist, der Fleischer lernt dazu.

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