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Freitag ist Würsteltag (8)

Menschen, die auf der materiellen Sonnenseite des Lebens stehen, gestärkt von Pfauenbraten und marinierten Kolibrizungen, wünschen sich etwas „Einfaches“. Der Verzehr „einfacher“ Mahlzeiten vermittelt ihnen den Schein sich im Grunde in der gesellschaftlichen Lage zu befinden wie diejenigen, denen der gesellschaftliche Zwang Pfauenbraten und marinierte Kolibrizungen versagt.
Die hochpreisige Gastronomie- und Beherbergungsindustrie reagiert darauf und erweitert ihr Angebot auf Speisen und Getränke, die als einfach bezeichnet werden. Was könnte wohl dazu gehören? Bier und Currywurst sind naheliegend. Einfach jedoch macht es die Industrie den auf der materiellen Sonnenseite des Lebens stehenden nicht, sondern modelt Speise und Getränk so, daß ein hoher Preis verlangt werden kann. Ein Beispiel:
Eine einfache Currywurst samt Sauce, serviert auf einer aus Porzellan nachempfundenen Pappe und ohne besondere Geschmacksnuancen wird mit Blattgold aufgewertet. Dazu harmoniert in der Tat ein eisgebrautes Weizenbier, dessen besondere Milde der Currywurst keinerlei Gewalt antut, sondern ihre Geschmacklosigkeit dezent von der Zunge spült. Am nächsten Tag nach dem Blattgold suchen zu wollen ist sinnlos, es ist verdaut. Auch auf der materiellen Sonnenseite des Lebens ist es nicht immer leicht…

Currywurst mit Blattgold und ein eisgebrautes Weißbier

Currywurst mit Blattgold und ein eisgebrautes Weißbier

Zu Gast in der Kronfleischküche

Sollte ich zu Besuch in München sein versuche ich einen Besuch im Weissen Bräuhaus einzurichten. Obwohl sicherlich touristisch gut besucht mag ich einerseits die Atmosphäre dort, andererseits die Innereienküche und die eigenen Biere des Hauses. Als Fleischesser halte ich sehr viel von der Verwertung des ganzen Tieres also nicht nur die Filetstücke sondern auch die Innereien. Aus Gründen einer nachhaltigen Viehhaltung ist diese Verwertung unerlässlich. In meiner Kindheit und Jugend gabe es öfter Innereien auf den Tisch – Gehirn, Leber und Nieren, selbst Schweinsfüßchen waren gang und gäbe. Im Laufe der Zeit scheinen diese Teile zumindesten im Norden Deutschlands aus den Fleischereien und von den Tischen verschwunden zu sein.

Zu meinem Glück steht bei meinem letzten Aufenthalt in München in der Kronfleichküche ein wunderbares gegrilltes Kalbsherz mit Bratkartoffeln und Kohlrabigemüse auf der Kronfleischkarte, geschmacklich hervorragend doch etwas zu durch gebraten. Dazu nehme ich auf Anraten der Bedienung „Die Hopfenweisse ist heute etwas stark geworden.“ ein TAP7, das Orginal-Hefeweissbier und bin begeistert.

Kalbsherz, Bratkartoffeln und Kohlrabigemüse

Kalbsherz, Bratkartoffeln und Kohlrabigemüse

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