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Über die Merkwürdigkeit des Schienenersatzverkehrs

Der Schienenersatzverkehr ist gedanklich eine einfache Sache. Er transportiert die Fahrgäste entlang der Schienen von einem Anfangspunkt zu einem Endpunkt. Dies in beide Richtungen. Anzunehmen wäre, dass mit Ankunft des Schienenverkehrs die Ersatzfahrzeuge bereit stünden um ohne Zeitverzug den Weitertransport zu gewährleisten. Dieses ist mitnichten so. Die in Sichtkontakt fahrenden Busse haben ihre eigene Taktung, die vom Intervall des Schienenersatzverkehrs unabhängig ist. Zwei oder drei Busse fahren, wie gesagt, in kurzen Abständen hintereinander die Haltestellen an und bleiben so in Sichtkontakt. Sichtkontakt zu den Bussen hat damit auch die wartende Menge der Fahrgäste. Und der größte Teil von ihnen drängt auf und in den ersten Bus. Ist das ein massenpsychologisches Handeln? Oder ist das gesellschaftlich induziert indem dem Einzelnen Aktivität oder Hektik als Norm auferlegt wird? Was es auch sei, es bleibt merkwürdig.

Begegnung mit einem Fußballfan

Heute ist DFB-Pokalfinale in der Stadt. Schon seit gestern trifft man, in den jeweiligen Vereinstrikots gewandete Fußballfans auf den Straßen. Selbst im tiefsten Kreuzberg finden sich Fans von Auswärts an meiner Lieblingsbierbar ein. Und man kommt so über das Bier leicht ins Gespräch. Ich erfahre, daß sie nicht ins Stadion gehen werden, da sie keine Tickets bekommen haben; für ein Ticket muß man sich bewerben – das wußte ich nicht. Auch an den bekannten Public-Viewing Örtlichkeiten werden sie sich das Endspiel nicht ansehen. Ich bin etwas überrascht – eine Reise quer durch die Republik zum Pokalfinale um das Spiel weder im Stadion noch im Publikum an quasiöffentlichen Gelegenheiten zu sehen – ja was denn dann? Die Lösung ist ziemlich einfach. Der Fan und seine Begleitung schauen das Spiel mit und bei einer Berliner Freundin im TV. Die Stimmung hier in der Stadt sei eben eine ganz besondere meinen sie – so mußten sie die Reise machen. Erstaunlich, nicht wahr?