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Spaziergang auf der Friedrichstraße

Die Friedrichstraße gliedert sich in drei Bereiche. Von Süd nach Nord, vom Mehringplatz zum ehemaligen Checkpoint Charlie, erstreckt sich in der Südlichen Friedrichstadt die steingewordene Persistenz des alten Berlin (West) mit seinen Bauten des Landesarbeitsgerichts und des Landesamts für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten, eine eher graue Zeile mit wenig Menschen auf der Straße. Nördlich davon bis Unter den Linden folgt die Einkaufs-, die Konsumstrecke in den neu erbauten Quartieren. Hier bewegt sich die  große Menge Touristen gemächlich an den Auslagen der Geschäfte vorbei. Der Bereich der Friedrichstraße in der Dorotheenstadt ist seltsam vertraut mit dem Bahnhof Friedrichstraße, dem Tränenpalast und der ewigen Kreuzung Friedrich- Oranienburger Straße.

Ein Spaziergang vom Mehringplatz zum Bahnhof Friedrichstraße ist ein Leichtes. Diesen Weg gehe ich aber nicht in Form des Schlendern oder Flanieren sondern in einem eher schnellen Schritt, der ein Ziel oder Unruhe vermuten läßt. Müßiges Gehen scheint sowohl unter der Bedingung der Persistenz der Örtlichkeit als auch in der Masse von Menschen unmöglich. Kontemplative Ruhe stellt sich erst beim Besuch des Buchladens ein, in der Anschauung der verschiedenen Werke mit ihren Formen, Schriftarten, Einbänden und Farben. Der Spaziergang wird in der Kölschkneipe mit dem Lesen der ersten Seiten des neuerworbenen Buches bei einigen Kölsch abgeschlossen. Mit der U-Bahn geht es anschließend in gehobener Stimmung nach Hause.

Eine ungewöhnliche Modernisierung

Jahrelang blickte ich aus den Fenstern meiner Wohnung in Richtung Norden über die Flucht der Straße und auf eine Brandmauer. Die Brandmauer trat unvermittelt und den Blick absorbierend auf, ein trostloser Anblick. Sie war das unbeabsichtigte Ergebnis vom Abschied einer überdimensionierten Stadtentwicklungspolitik unter dem Leitbild der autogerechten Stadt in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, statt Abriß des Hauses samt Brandmauer und Bau einer Ost-West-Stadtautobahntrasse entstand eine Straße in der Lücke zwischen der Brandmauer und dem Grundstück „meines“ Hauses.

Brandmauer

Brandmauer

Die Nachbarschaft veränderte sich. Neubau, Sanierung, Einrichtung eines Nachbarschaftsparks, Anlegen neuer Plätze gaben der Umgegend ein neues Gesicht, einzig die Brandmauer blieb erhalten – steinernd. Im letzten Jahr wuchs überraschend aus dem Hof des Hauses der Brandmauer ein Kran und natürlich lag der Schluß nahe, daß sich auch an diesem Haus etwas ändern wird.

Kran im Hof

Kran im Hof


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Blick nach Oben

Bewege ich mich im Draußen ist es meistens zweckgebunden und zielgerichtet auf eine bestimmte Örtlichkeit. Das geschieht natürlich auch in der Nachbarschaft beim Gang zum Einkaufen beim Lebensmittelhändler des Vertrauens oder zum Entsorgen des Leerguts. Dann finden die Beine den Weg von alleine, die Aufmerksamkeit für die Umgegend ist abgeschaltet und die Gedanken melden sich lautstark. Sie sprechen über vielerlei Dinge, über die Arbeit, über das letzte Telephongespräch mit den Eltern, politische Auseinandersetzungen, übers Wetter oder über den letzten Besuch in der Craft Beer Brauerei, wobei letzteres meistens körperliche Auswirkungen in Gestalt Pawlowscher Reflexe zeitigt. Natürlich rede ich da mit, versuche das Gespräch freundlich zu halten, was mir aber oft genug mißlingt. Nur wenn ich auf dem Weg einem bekannten Gesicht begegne, wird das Gespräch kurz für einen Gruß unterbrochen.

Mein Nachbar und ich machen uns gemeinsam auf den Weg zum Lebensmittelhändler des Vertauens um die Ecke und diesmal ist die Aufmerksamkeit nicht nach innen sondern auf den Mitgänger gerichtet. Unser Gespräch dreht sich rund um Mieten, die Veränderungen nach dem Eigentümerwechsel, die Mieten im Sozialwohnungsbestand nebenan. Wir erreichen unser Ziel und der Nachbar erzählt von einem Bekannten, der ihm über die sich verschlechternde Bausubstanz im Haus gegenüber des Ladens berichtet hat. Selbst Loggien sollen schon wegen Einsturzgefahr gesperrt worden sein. Unser beider Blick geht nach oben und wir sehen zu unserer Überraschung was schon seit Wochen Wirklichkeit ist, eine abgestützte Decke. Niemand von uns hat das vorher bemerkt obwohl jeder für sich unzählige Male daran vorbeigelaufen war. Die Aufmerksamkeit war ausschließlich auf uns selbst gerichtet.

Loggien in der Nachbarschaft

Loggien in der Nachbarschaft

Energetische Sanierung (2)

Das Wochenende ist fast vorbei und morgen werden alle Fenster in unserer Wohnung im Rahmen der energetischen Sanierung ausgetauscht. Ein wenig nervös sind die Holde und ich selbstverständlich. Fragen über Fragen, Erwartungen – positive wie negative gehen uns nicht mehr aus dem Kopf. Morgen wird der erste Tag seit langem sein, an dem es richtig regnen soll, wird sich das auf den Austausch auswirken? Werden wir Pfützen in der Wohnung haben? Wie stark wird die Windgeschwindigkeit sein, zumal sowohl an der Süd- wie Nordseite der Wohnung die Fenster eine Zeit lang ausgebaut sein werden? Was wir es für einen Durchzug geben und werden unsere Verpackungen der Möbel halten? Keine relevanten Weltprobleme aber berechtigte Fragen und Befürchtungen im alltäglichen Leben.

Einwickelmodus

Einwickelmodus

Natürlich freuen wir uns auf die Modernisierung und hoffen nicht nur Heizkosten einsparen zu können sondern auch auf einen Schallschutzeffekt an unserer vielbefahrenen Straße.

Einwickelmodus

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