Instagram sieht mein 2016 etwas selektiv … Aber knorke war es.

absichtsloses herumliegen | erfüllte leichtigkeit | aufzeichnungen
Wer die Dreißig um zehn oder zwanzig Jahre übertroffen hat und im Spiegel den nagenden Zahn der Zeit an sich sieht besitzt in aller Regel einen Geist, ein Bewußtsein von sich selbst, das doch eher jugendlich und radikal ist (also so zwischen 17 und 25 Jahren), gepaart allerdings mit einem gehörigen Schuß Gelassenheit.
Ich warte im Parterre auf den Fahrstuhl. Ein Nachbar Anfang der Zwanzig nestelt an seinem Briefkasten und gesellt sich langsam zu mir. Die Fahrstuhltür öffnet sich und ich gebe ihm Zeichen er möge einsteigen. Er weigert sich strikt, murmelt etwas Unverständliches und bedeutet mir den Vortritt. Ich steige ein und frage nach dem Schließen der Fahrstuhltür, was er gesagt hätte. Die Antwort verblüfft mich, ein Riß geht durch die Matrix: „Ich habe gelernt, Ältere haben den Vortritt“. Unvermittelt alt – ein Hoch auf die Gelassenheit …
Zweimal hintereinander über eine Wildschweinbratwurst zu schreiben ist vielleicht ungewöhnlich aber dringend geboten. Geboten gerade auch in Kombination mit dem begleitenden Bier. Der Post bleibt jedoch kurz und unter 120 Worten, denn Worte können die Emergenz dieser Kombination nicht beschreiben. Die Wurst ist mit Blauschimmelkäse, Birne und Honig gefüllt. Sie hat einen feinen fast weichen Geschmack. Als begleitendes Bier ist ein Stout genau die richtige Wahl. Der Taoismus denkt das Vollkommene als leer und weich. Diese Kombination von Wurst und Bier versetzt den Essenden in einen Zustand der Glückseligkeit der sich tranceartig leer und weich anfühlt – die Geschmackspapillen erleben das Vollkommene.

Vollkommene Harmonie.
Senf erübrigt sich bei dieser Bratwurst.
Lustig kann es werden, schlägt der Zufall zu und man glaubt sich ganz im Gegenteil kausal bedingt. Während ich gedankenverloren Flaschen in den Container werfe fällt mein Blick auf die halbleere Rotweinflasche auf dem Container. Amusement! Lache vor mich hin uns versuche mir vorzustellen welche Menschen da partyesque oder übermütig das gute Stück dort abgestellt haben.

Später, nach dem Verlassen der Bank beim Überqueren der Bayreuther Straße am Wittenbergplatz entdecke ich eine leere Jägermeisterflasche, die auf einem Tischchen abgestellt ist. Wieder Amusement und Imagination. Lustiger Zufall, denke ich, was du heute siehst, sage ich zu mir.

Beim Verlassen der U-Bahnstation stolpere ich fast über eine leere Vodkaflasche. So einen Zufall gibt es doch nicht – drei leere Pullen an einem Vormittag, das kann doch nicht sein.

Ist es aber doch und zwar reiner Zufall…
Der Herbst ist Wildsaison, darauf hat sich die Gastronomie verständigt und bietet vielerorts Wildwochen an. Bret vom Wildschwein wird verwurstet und eine Wildschweinbratwurst kann ein kulinarischer Leckerbissen sein. Mehr als gelungen ist die Wildschweinbratwurst mit Orange, Limette und Kakao. Nach dem ersten Bissen offenbart sich ein wohlausgewogener Geschmack, erschlägt doch eine Zutat nicht die anderen, sodaß auch der Kakao fein aber bestimmt sein Aroma entfaltet.

An Bieren zu der Wurst kann man jedes Pils oder Weißbier ausschließen aber auch ein Pale Ale wäre deplaziert. Dunklere Biere scheinen besser geeignet zu sein. Das Coffee IPA verträgt sich blendend mit der Orange und dem Kakao, ist das Kaffeearoma doch fein abgestimmt, nicht dominant zum Geschmack der Wurst sondern es bildet sich eine schlüssige Emergenz beider Komponenten.
Übrigens – Senf ist hier völlig überflüssig, er würde den Geschmack der Wurst nur unnötig diskreditieren.
Gehe ich am Freitag die Wochenzeitschrift des Vertrauens beim Zeitschriftenhändler des Vertrauens in der Nachbarschaft einholen, dann treffe ich regelmäßig auf eine Warteschlange. Die Warteschlange bilden die Lottospieler, die an diesem Tag ihre Tips abgeben. Da viele davon System spielen oder diverse Scheine dabei haben, ist das Bedienen dieser Kunden trotz Digitalisierung noch zeitintensiv. Größere Geldscheine als Einsatzbezahlung sind der Regelfall. Lottospielen kommt für mich allerdings nicht in Frage, ist die Wette, gemessen an Chance und Ausschüttungsbetrag, eine unfaire. Roulette dagegen ist fast eine faire Wette, einzig das grüne Feld ist die leichte „Kantung des Würfels“ zugunsten der Spielbank.
Sehr große und sehr kleine Zahlen scheinen für sehr viele Menschen intuitiv nicht faßbar und selbst bei großer Anstrengung die Größe der Zahlen rational zu fassen bleibt vielfach der gewünschte Erfolg aus. Vor vielen, vielen Jahren habe ich versucht Lotto und seine Wahrscheinlichkeit für mich erfahrbar zu machen. Ich programmierte mittels GW-Basic ein Lottoprogramm, das Ziehungen simuliert und auswertet. Die Rechenzeit mit einem 286 AT war lang, die Simulation lief Tag und Nacht. Wie viele Ziehungen durchgeführt wurden, weiß ich nicht mehr, ich vermute bei der Langsamkeit des Prozessors keine erforderlichen 15 Millionen Ziehungen um theoretisch einen Volltreffer zu generieren sondern eher eine Höhe im im sechsstelligen Bereich. Demnach war das Ergebnis, wie in einem mathematisch erfaßbaren ergodischen System klar: Keine sechs Richtigen!
Für den Autor, seit vielen Jahren in Kreuzberg beheimatet, ziemt es sich diese Reihe im ersten Beitrag mit Kreuzberger Herstellern und Produkten beginnen zu lassen, zumal die vorgestellten Bratwürste auch noch „Kreuzberger“ heißen. Die Kreuzberger erinnern in der Länge den Nürnberger Rostbratwürsten, sind jedoch etwas rundlicher. Sie treten dem Interessenten filigraner gegenüber, besitzt die Konsistenz der Wurst nicht die Körnigkeit der Nürnberger. Das wird an dem Drittelanteil fein zerkleinertem Kalbfleisch liegen.

Welches Bier paßt zu einer Wurst, deren Geschmack dem Hungrigen unbekannt ist und der sich aufgrund der vorliegenden Informationen schlecht abschätzen läßt? Im Zweifel wird ein Pale Ale passen, das mit leichter bis mittlerer Bitterkeit und seiner ihm eigenen Blumigkeit an Holunderblüten erinnert. Und in der Tat, der Geschmack der Kreuzberger ist deutlich feiner, fast heiter und zart zu nennen, als der Geschmack der Nürnberger mit ihrer intensiven Majoranigkeit, sodaß sie mit dem Aromen der Hopfen des Pale Ales ein harmonisches und rundes Geschmackserlebnis bieten.
Einige Hölzer sind mir nicht nur vom Biologieuntericht im Jahre Anno-Tobak bekannt. Insbesondere Wacholder ist ein von mir besonders vorgezogenes Holz. Was aber Wüsteneisenholz ist, da mußte ich erstmal gründlich recherchieren. O.k. gebe zu, es liegt gut in der Hand, sieht ordentlich aus, es kann ein Sammlerstück sein. Ein Hartholz aus weiter entfernten geographischen Sphären. Warum nicht…

Aufgrund von Unpässlichkeiten meinerseits bleibt mein kleines Blog heute geschlossen. Wir sehen uns nächste Woche wieder.
