Schlagwort-Archive: Adiaphorisierung

Unterschiedliche Grade des Nichtstuns

Ziemlich schnell erfolgt nach den üblichen Begrüßungsfloskeln beim wöchentlichen Wochenendanruf die Frage: „Was habt ihr gemacht?“. „Nichts, und selber?“. „Nichts“. Diese „Nichts“ sind jedoch Grade unterschiedlicher Aktivität; ihnen ist ein Gemeinsames inne, nämlich, daß die Wohnung nicht verlassen wird. Mein „Nichts“ ist ein wirkliches Nichtstun, das von den Tätigkeiten Sonntagzeitungen und Buch lesen, von der Couch an den Esstisch und zurück schleppen, sowie einigen kurzen Aktivitäten zum Überleben eingerahmt ist. Dieses wird auch an meinem sonntäglichen Umfang von unter 1800 Schritten deutlich. Das „Nichts“ der Gesprächspartner ist eben kein wirkliches Nichts sondern umfaßt vielfältige Tätigkeiten wie Balkon sommerfest machen, Wohnung saugen, Wäsche waschen und im Keller aufhängen u.v.m. Mein „Nichts“, das ich voller Inbrunst tue läßt mich jedoch im Gespräch unsicher sein, es stellt sich sogar ein wenig Scham ein. Gut, daß die Gesprächspartner dies durch das Telephon nicht bemerken…

Der Entwickler ist sicher sehr stolz auf seine Software

Die veröffentlichte Meinung scheint klar zu sein: „kriminelle Energie“, „betrügerische Absicht“, „Gier“, mit diesen Schlagworten wird die VW-Manipulation charakterisiert. Allenthalben scheinen finstere Gestalten am Werk zu sein, das Böse scheint Wolfsburg fest im Griff zu haben. Mein erster Gedanke dazu ist: „Der Entwickler ist sicher sehr stolz auf seine Software“. Diese Software und ihr Einsatz in einem Fahrzeug sind nicht vom Himmel gefallen sondern die Software wurde von einem Menschen geschrieben, von einem anderen beauftragt und von einem dritten in die Produktion gebracht. Ein gemeinsames Handeln von Menschen, die sich wahrscheinlich keinerlei Gedanken um die Folgen ihres Tuns gemacht haben. Der Entwickler wird sehr stolz auf das Funktionieren der Software sein und die Ingenieure werden stolz auf das funktionierende Werkstück sein und alle zusammen werden denken, daß sie die tollsten Autos der Welt bauen und werden auch stolz darauf sein. Diese Gedankenlosigkeit, dieses mangelnde Urteilsvermögen, diese Unfähigkeit sich in Andere hineinzuversetzen sind keine ausschließlichen Merkmale von spezifischen Unternehmensmitarbeitern, sondern, ganz im Gegenteil, in allen Organisationen zu finden, ob in Unternehmen, Verwaltung, Politik oder Vereinen.

Zygmunt Bauman sieht in Organisation und Technik Adiaophorisierung angelegt. In Organisationen meint Adiaphorisierung, daß einerseits die Verantwortung für den Anderen an den Vorgesetzten abgegeben wird, andererseits hat sich die Verantwortung für den Anderen durch das auch in Organisationen allgemein herrschende neoliberale Diktum in eine „Mischung aus Verantwortung für sich selbst und Verantwortung sich selbst gegenüber“ gewandelt. So entsteht gerade in großen Unternehmen eine Zirkularität der Verantwortung sodaß sich letztendlich niemand wirklich verantwortlich fühlt. Es braucht also nicht einmal den Befehl von „ganz oben“ für die VW-Manipulation. Das bedeutet nicht, daß, falls es strafrechtliche Verstöße gibt, niemand dementsprechend zur Verantwortung gezogen werden kann, wer klaren Verstandes ist kann juristisch belangt werden, Dummheit schützt nicht vor Strafe. Ich finde allerdings, daß mit Behauptungen von „krimineller Energie“, „betrügerischer Absicht“ und „Gier“ sehr vorsichtig umgegangen werden sollte.

Die entscheidende Frage ist also ob, wie und welche Strukturen in Organisationen geschaffen werden könnten um solche Manipulationen möglichst gering zu halten. Eine Antwort darauf habe ich nicht, werde aber weiter darüber nachdenken.

Weihnachtsurlaub

Ich bin im Urlaub. Vor ungefähr einem Jahr schrieb ich diesen kurzen Post von der Ostsee in gefühlt kontemplativen Zustand. Wir haben in diesem Jahr auf eine Reise dorthin verzichtet. Kontemplation hat sich ebenfalls noch nicht eingestellt, zu angespannt ist die Gedankenlage – zu zerrissen die Gefühlslage. Loslassen fällt schwer. Weiterdenken.

Ausgleich …

Pale Ale

Pale Ale

#digitalLEBEN – Pausanias wirft ein Stöckchen

Der Pausanias hat mir in einem Blogbeitrag ein Stöckchen zugeworfen, das ich ihm nun beantworten möchte. Über Digitalisierung zu schreiben ist natürlich schwieriger als in der zunehmend digitalisierten Gesellschaft zu leben. Bemühe mich also um Verständlichkeit.

In einer digitalen Welt zu leben, bedeutet für mich …

… nichts, denn ähnlich wie Markus Gabriel meine ich, daß es die Welt nicht gibt. (Sorry Mäx aber diese Klugscheißerei mußte sein…) Meine Umgebung, mein Leben, das ist richtig, wird zunehmend digitalisiert und das seit langem. Denke ich unendlich viele Jahre zurück, an den Beginn meines Studiums, an dem ich in Sekundengeschwindigkeit mit Statistikprogrammen Faktorenanalysen rechnete, zu denen man in noch älteren Zeiten tagelang mit Millimeterpapier und Zirkel arbeitete, so war das erstaunlich. Wahrscheinlichkeiten ergodischer Systeme habe ich durch das Programmieren kleinerer BASIC Anwendungen verstanden. Digitalisierung dringt zwar in Produktionsprozesse ein, mein Stuhl auf dem ich gerade sitze ist aber noch ziemlich analog, ebenfalls das Fenster, aus dem ich schaue. Die digitale Kommunikation erweitert meine „Reichweite“ und erlaubt vielfältige Verbindung zu Menschen die physisch entfernt aber mir nah sind ebenso wie ungewollte bzw. erzwungene Kommunikation.

Mein Computer ist für mich …

… eine Maschine. Davon habe ich drei in Besitz: Laptop, Tablet und Smartphone. Vor unendlich vielen Jahren als kleiner Junge habe ich immer die Kommunikatoren bzw. Assistenten in den Perry Rhodan Filmen und der Raumschiff Enterprise Serie bewundert. Das wollte ich immer haben, etwas ähnliches scheint das Smartphone zu sein.

Wirklich gut! Die größte Chance durch die Digitalisierung ist…

… mir jedenfalls unbekannt, da ich heute nicht vorhersehen kann was ich morgen wissen werde. Von daher ist mir das Verwenden von Superlativen ein Greuel. Ich würde mir aber Fortschritte im Bereich der Medizin wünschen, denn die Digitalisierung eröffnet die Chance personalisierte Medizin technisch und auch wirtschaftlich möglich zu machen. Eine weitere Chance ist das Zugänglichmachen von Wissen, gerade auch Wissen, das ganz spezielle Antworten auf verzwickte Fragen im Alltagsleben gibt.

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