Hier ist es nun – Horax Pale Ale – mein erstes selbstgebrautes Bier. Sieht es nicht wunderschön aus – goldgelb mit einem feinen Schaum im Champagnerkelch? Ich bin glücklich. Allerdings – und das war so nicht geplant, schmeckt es eben nicht nach Pale Ale, der Cascade Hopfen kommt nicht so durch wie erwartet, Zitronen oder Aprikosenaromen fehlen. Es ähnelt etwas dem Eschenbräu Pils in seiner malzigen Note. Das ist, wie gesagt unerwartet, es trübt meine Freude jedoch nicht.
horax pale ale
Verwendet habe ich die Braubox der Besserbrauer, die einen wirklich guten Start für den Anfänger bietet. Ich empfehle sie nachdrücklich.
Grünkohlanstich 2014 – endlich! Nur diesmal sind alle Zutaten in Berlin gekauft und nicht aus dem Braunschweiger Land importiert. Eine Restaurantvariante hatte ich genau so beschrieben wie die Selbstgekochte. Allerdings sind diesmal statt Schweinebauch Scheiben von geräucherter Schweinebacke dabei. Da auch heute Abend das Bäuchlein spannt fasse ich mich kurz. Ach so, zum Grünkohl wird dieses Jahr „Horax Pale Ale“ gereicht aber die Story folgt in Bälde…
Grünkohl, Kasseler mit Filet, Bregenwurst, geräucherte Schweinebacke, Bratkartoffeln
Heute ist mein erster Brautag, ich habe es also getan: Mein erstes Bier gemaischt, geläutert, Hopfen gekocht, viel sterilisiert und die Würze in das Glasgefäß zum Gären abgefüllt. Jetzt heißt es abwarten bis nächste Woche. Bin völlig erledigt von der Aufregung und dem Tag. Deshalb erlaube ich mir nur eine kurzen Post und das Weitere dann wenn das Bier fertig ist.
Vierzehn Tage Strohwitwerdasein haben es mir wieder deutlich vor Augen geführt, ich esse nicht nur gerne gut, ich koche auch gern. In der Neunten und Zehnten Klasse hatte ich, mit zwei anderen Jungs, freiwillig am obligatorischen Kochuntericht für Mädchen in der Schule teilgenommen. Alle zwei Wochen montags jeweils vier Stunden war das, wenn ich mich nicht irre. Für Werkuntericht hatte ich zwei linke Hände aber Kochen, das hatte mir Spaß gemacht. Wie gesagt, in den letzten beiden Wochen, abzüglich zwei Abende Abwesenheit durch eine Reise und zwei Abende „Dinner“ am Street Food Thursday außerhalb, machten fünf Dinner in zehn Tagen, also jeden zweiten Tag in der Küche gestanden. Über zwei Dinner habe ich bereits hier berichtet.
Das wiedererwachende Interesse am Selberkochen hängt ganz klar mit der Methode des Niedrigtemperaturgaren zusammen. Das lange und Geduld fordernde Garen im Ofen, mit exakter Temperaturbeobachtung und einem fulminanten Geschmackserlebnis verändert bei mir das Verhältnis zum Gargut und zu den Lebensmitteln allgemein. Die Wertschätzung steigt. Dabei spreche ich mich keinesfall gegenüber der industrieller Produktion aus, die notwendig ist, doch im persönlichen Bereich findet ein Umdenken zur Wertigkeit des Essens statt. Das steht nun keinesfalls im Gegensatz zu den schnellen und einfachen fünf Gerichten, die ich mir in den letzte Tagen zubereitet habe. Die Wertschätzung der Hauptbestandteile ist m.E. zu spüren. Was ich so spannend am „sponanten“ Kochen der letzten Tage finde ist, daß es ohne ausgeklügelten Plan funktioniert. Ich sehe ein mögliches Gargut, kaufe es und überlege erst dann wie und mit welchen anderen Lebensmitteln ich es zubereite. Dabei ist das Ausprobieren und die Kombination zufällig vorhandener Bestandteile irgendwie großartig. Das Braten der Lammhüfte mit Ingwer fällt mir erst beim Blick auf die Ingwerwurzel zuhause ein.
Mit frischem Ingwer gebratene Lammhüfte, Oliven-Kürbis Schrippe
Zwei neue einfache und schnelle Strohwitwerdinner ohne großen kochtechnischen Aufwand mit maximal zwei Pfannen/Töpfe wegen meiner mangelnden Multitaskingfähigkeit mache ich mir in der Abwesenheit der Holden. Dabei lege ich deutlichen Wert auf Qualität, Bioprodukte sollen es schon sein und wenn nicht möglich dann trotzdem hochwertig. Die Dinner aus dem letzten Jahr finden sich hier und hier.
Auf dem Wochenmarkt in der Markthalle Neun gibt es einen Stand, der Schweinefleisch aus artgerechter Haltung anbietet, es sind, wenn ich mich nicht ganz täusche, Wollschweine. (Der Link auf der Seite der Markthalle fehlt leider). Ich erstehe dort vier Bratwürstchen, die bereits gebrüht sind. Daraus entseht dann Dinner Nummero 1:
„Schweinsbratwürste, Zwiebelgemüse, scharfer Sent, Vollkornbrot:
Drei Zwiebeln schälen und in einer Pfanne mit etwas Fett glasig dünsten. Kurz bevor die Zwiebeln die gewünschte Konsistenz haben in einer weiteren Pfanne etwas Fett zerlassen und die Bratwürstchen anbraten. Alles zusammen auf einem Teller anrichten, scharfen Senf dazu geben und eine Scheibe Vollkornbrotals Sättigungsbeilage dabei geben. Wenn das nicht einfacht ist! Schweinsbratwürstchen mit Zwiebelgemüse, scharfer Senf, Vollkornbrot
Bewege ich mich im Draußen ist es meistens zweckgebunden und zielgerichtet auf eine bestimmte Örtlichkeit. Das geschieht natürlich auch in der Nachbarschaft beim Gang zum Einkaufen beim Lebensmittelhändler des Vertrauens oder zum Entsorgen des Leerguts. Dann finden die Beine den Weg von alleine, die Aufmerksamkeit für die Umgegend ist abgeschaltet und die Gedanken melden sich lautstark. Sie sprechen über vielerlei Dinge, über die Arbeit, über das letzte Telephongespräch mit den Eltern, politische Auseinandersetzungen, übers Wetter oder über den letzten Besuch in der Craft Beer Brauerei, wobei letzteres meistens körperliche Auswirkungen in Gestalt Pawlowscher Reflexe zeitigt. Natürlich rede ich da mit, versuche das Gespräch freundlich zu halten, was mir aber oft genug mißlingt. Nur wenn ich auf dem Weg einem bekannten Gesicht begegne, wird das Gespräch kurz für einen Gruß unterbrochen.
Mein Nachbar und ich machen uns gemeinsam auf den Weg zum Lebensmittelhändler des Vertauens um die Ecke und diesmal ist die Aufmerksamkeit nicht nach innen sondern auf den Mitgänger gerichtet. Unser Gespräch dreht sich rund um Mieten, die Veränderungen nach dem Eigentümerwechsel, die Mieten im Sozialwohnungsbestand nebenan. Wir erreichen unser Ziel und der Nachbar erzählt von einem Bekannten, der ihm über die sich verschlechternde Bausubstanz im Haus gegenüber des Ladens berichtet hat. Selbst Loggien sollen schon wegen Einsturzgefahr gesperrt worden sein. Unser beider Blick geht nach oben und wir sehen zu unserer Überraschung was schon seit Wochen Wirklichkeit ist, eine abgestützte Decke. Niemand von uns hat das vorher bemerkt obwohl jeder für sich unzählige Male daran vorbeigelaufen war. Die Aufmerksamkeit war ausschließlich auf uns selbst gerichtet.
In der Großstadt ist die Geräuschkulisse permanent. Es gibt keinen Ort in der Stadt an dem nicht wenigstens so etwas wie ein Brummen der menschlichen und maschinellen Tätigkeiten zu hören ist, Hintergrundrauschen überall. Also ist auch der Balkon keine Oase der Ruhe in der Stadt. Liegt er in oberen Stockwerken und eine vielbefahrene Straße läuft abschüssig auf ihn zu richtet sich der Verkehrslärm zu einem Wellenberg auf und überflutet ihn brüllend. Tageszeiten mit geringerem Verkehr erzeugen flacherer Lärmberge dafür ist das Geräusch des vorbeifahrenden Fahrzeugs markant während es sonst im Vielklang untergeht. Bei geeigneter Windrichtung erzeugen die Flaggen neben dem Gebäude auf der anderen Straßenseite einen besonderen Chor des Klapperns, Klackerns und Klingens, der an ganz andere Klangkörper und Umstände erinnert.
Neulich entspann sich folgendes kurzes Gespräch mit der studentischen Aushilfe an der Kasse:
Aushilfe: „Hallo und guten Tag. Wie geht es Ihnen?
Ich: „Danke gut. Und wie geht es Ihnen selber ?“
Aushilfe: „Naja, könnte besser sein, wegen des Fastens ist es doch etwas anstrengend heute.“
Ich: „Oh, wie lange geht denn das Fasten noch?“
Aushilfe: „Den ganzen Monat noch.“
Ich: „Oh, dann viel Glück und auf Wiedersehen.“
Aushilfe: „Auf Wiedersehen.“
Ich habe viel Sympathie für die jungen Leute in meiner Hood.
Natürlich hätte ich es besser wissen können, ein Kotelett vom Schwein ist nicht gleich einem Kotelett von Schwein, es gibt Unterschiede. Ein Blick in die Wikipedia hätte genügt. Mit der unerschütterlichen Gewißheit ein Kotelett sei ein Kotelett begebe ich mich zum Schlachter des Vertrauens im großen Haus am Wittenbergplatz und staune. Verschiedene Koteletts vom Schwein werden angeboten, welches ich denn gerne hätte werde ich gefragt. Nackenkotelett schließe ich gleich aus aber was sind eigentlich Stielkoteletts oder Koteletts mit Filet? Intuitiv entscheide ich mich für Letzteres, hört sich einfach besser an „… mit Filet“. Selbstverständlich gebe ich mein Nichtwissen von dem Verkäufer nicht zu sondern entscheide, Wissen vorspielend, mit Nachdruck.
Kotelett mit Filet
Meine Wahl ist die richtige. Das Filetstück ist nach dem kurzen Anbraten besonders weich und schmackhaft. Für den nächsten Einkauf bin ich jedenfalls gerüstet.
Vor einiger Zeit hatte ich hier über den erneuten Versuch geschrieben über Untappd verschiedenste Biere zu bewerten, die ich so im Laufe der Zeit probiere. Das ist mir in diesem Jahr ganz gut gelungen und ich habe gerade das fünfzigste Bier eingestellt. Regelmäßig gehe ich beim Einkauf in der Lebensmittelabteilung des Vertrauens in der City West in die Bierunterabteilung und wähle dort zufällig aus. Nein mit „Zufällig“ ist es nicht richtig beschrieben, ich schaue nach der Flaschenform und dem Alkoholgehalt und das führt mich häufiger zum Champagner-Bier. Allerdings konnte mich keines der bisher verkosteten Champagner-Biere wirklich überzeugen und ich denke ein Wechsel des Wahlmechanismus ist angebracht.
Ich werde darüber mal mit dem Athanasius Katz vom Bierblog übers Bier und Biertrinken bei der nächsten Ironblogger-Berlin-Bierkassenvertrinkung sprechen wollen.