Archiv der Kategorie: allgemein

Über eine Frage zur Lustlosigkeit

Die Lustlosigkeit für das körperliche Training kann aus einem unausgeruhten oder auch gesundheitlich angeschlagenen Körper resultieren. Ruhe ist dann angesagt. Die Frage jedoch woher die Lustlosigkeit zum Denken kommt scheint rätselhaft. Ist das womit gedacht wird, das Denkende, etwas, das sich ebenfalls erschöpfen kann oder gesundheitlich angeschlagen sein kann?

Über den korinthischen Helm

Im Alten Museum, in der Ausstellung „Griechische Kunst“ sind im Bereich „Zeit der Helden -Das frühe Griechenland“ einige Kriegshelme, auch korinthische Helme genannt, ausgestellt. Ihre Größe überrascht, sie fallen eher klein aus und es stellt sich die seltsame Frage ob die Köpfe der Träger damals kleiner waren als heute. Oder ist das nur eine Sache der Perspektive? Sie wirken auch durch die Dicke bzw. Zartheit des Materials eher filigran – eierschalenartig. Wie können wir uns heute die Träger von damals vorstellen? Sie verbergen ihre Geheimnisse vor uns und teilen uns doch so viel mit und regen das Spekulative in uns an. Sie sind einfach schön.

Über die Taxonomie

Taxonomien mögen in der Logik und im Formalen ihre Berechtigung haben. Die Abstraktion und Deduktion unterstützen sie vortrefflich. Über das Verteilte, das Zerstreute, das Plurale, das Zufällige, das Vieldeutige sagen sie nichts. Deshalb sagen sie wenig über das Lebendige.

Über die Uniformität des Büros

Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts war die Idee der McDonaldisierung der Gesellschaft ein aller Munde. Die McDonaldiserung des Arbeitslebens manifestiert sich am Sichtbarsten heutzutage im Großraumbüro. Quantifizierung, Erwartbarkeit und Homogenität sind die Kennzeichen dieser Transformation. Meist ist es Mitarbeitern nicht gestattet diese einheitlichen, glatten, überall auf der Welt wiedererkennbaren Gelegenheiten zu verändern, zu individualisieren. Das ist ein starkes Zeichen der Kolonialisierung des Geistes der Mitarbeiter im Namen und im Sinn der Zwecke der Organisation. Das Großraumbüro ist der moderne Wiedergänger Johann Joachim Beckers „Kunst- und Werckhaus“.

Über das Loslassen von Dingen

Dinge können mit Subjektivität und Objektivität aufgeladen sein. Subjektivität meint die Erinnerungen, Emotionen und Geschichten des Menschen, die sich im Ding sedimentieren. Objektivität meint die „Versunkenen Kosten“ des Dings, rechenbar als Quantitäten als Geld, die sich im Ding ebenfalls manifestieren. So geht das Ding über sich hinaus und steht dem Menschen als gegenüber als etwas Besonderes. Wie kann er davon lassen ohne Schmerz?

Über die Auszügler

Verschiedenste Presseveröffentlichungen schrieben in den letzten Tagen von Horst Seehofer als Auszügler und von seinem zukünftigen Amt als Auszugshaus. Das wird für den 68 jährigen sicher eine erfüllte Zeit werden. Auszügler und Auszugshaus sind typische bayerische Begriffe haben wir gelernt. Diese mußten wir in der Suchmaschine des Vertrauens zunächst nachschlagen. Mittels unserer Empathie können wir uns sehr gut in die Seehofersche Situation hinein versetzen, ist uns ein Leben im Auszugshaus selber nicht unbekannt.

Über Routine

Fragen wir doch einmal was an Routine schlecht sein kann. Im Reich der Notwendigkeiten und Zwecke kann sie genau das Gegenteil, das Richtige sein. Denn die Routine kann die Gedanken fließen lassen, die sich dann zur Spekulation aufraffen und sich wieder hinterfragen und sich reflektierten. In der Routine können sich die Rancièreschen Subjektivierungen entfalten, Dissens entstehen, sich Politik vorbereiten. Das Gegenteil von Routine benennen wir Innovationsprozeß.  Ein, in der heutigen Zeit, positiv konnotierter, vom Reich der Notwendigkeiten und Zwecke fast eingeforderter Zustand des Tuns. Nur was macht es mit dem Einzelnen wenn der Zustand auf Dauer gestellt ist?

Über verteilte Zufriedenheit

Erlösungsphantasien verstellen den Blick auf die Wirklichkeit. Wenn der Mensch erstmal Dies oder Das getan habe, wenn Person XY sich endlich dafür für die Sache Z entschließen würde – die Welt wäre im Lot. Der Irrtum ist wie folgt: einerseits ist hier eine Überschätzung der Person, ihre Subjektivität alleine könnte eine Änderung ihrer Verhältnisse hervorbringen und andererseits verkennt sie gleichzeitig die Objektivität der Wirklichkeit, ihre Widerstandskraft, die auch andere in ihrem Handeln bricht. Eine dauerhafte Zufriedenheit wird nicht aus einem einzigen Bereich des Lebens erreicht. Eine dauerhafte Zufriedenheit ist eine verteilte, die das Risiko der objektiven Verhältnisse streut. Zufriedenheit in der Relation zur Partnerin, in der Arbeit, im Hobby, im Lesen, im Musizieren, im Sporten u.v.a.m.. Schlagen die Verhältnisse in einem Bereich zu, so werden die anderen unabhängig vom Verlust sein. Und die Trauer um den Verlust wird sich in Maßen halten.

Über eine Frage zu Interesse und Entfremdung

Hier hatten wir über das „Interesse für“ und das „Interesse an“ berichtet. Beim weiteren Nachdenken darüber scheint das „Interesse für“ etwas aus dem Alltag, den Notwendigkeiten und den Zwecken geschiedenes zu sein, daß sicherlich nicht in Reinform zu finden ist. Wenn das so ist, dann ist das „Interesse für“ auch der Entfremdung entzogen, die die Welt des bedingten Menschen im Alltag, den Notwendigkeiten und den Zwecken begegnet. Steckt dann nicht im „Interesse für“ auch ein Stück Freiheit?

Über Veränderung in Toilettenräumlichkeiten

Dort wo der Platz knapp ist werden Toilettenräumlichkeiten unabhängig vom Geschlecht eingerichtet. Wir sehen es im Flugzeug oder in der Bahn. Sogar die ein oder andere Speisewirtschaft weist dies so aus, allerdings nur wenn die Fläche des Gastraums eine bestimmte Größe nicht überschreitet.

Im unteren Foyer des „Neuen Museums“ werden die Toilettenräumlichkeiten, gemäß geltenden Rechts, abhängig vom Geschlecht ausgewiesen. Dies überrascht uns nicht. Überrascht sind wir allerdings vom Vorhandensein eines Babywickeltisches in beiden Räumlichkeiten. Das nennen wir progressiv.