Ein Verlegenheitspost camoufliert die Verlegenheit des Autors ob der Leere seiner Einbildungskraft. Und das ist doch auch schon was…
Schlagwort: Schrift
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Über ein Schreibprogramm
Die Rechtschreib- und Grammatikkorrektur des Schreibprogramms markiert das Wort „Adiaphorisierung“ als falsch geschrieben. Das in der Korrektur enthaltene Vokabular ist unzureichend. Aber es schleicht sich der Gedanke ein, das Programm selbst sei adiaphorisiert.
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Über das Schreiben des Wortes Schwein
Auf über fünfzig verschiedene Arten wird das Wort Schein auf diesem Artefakt geschrieben. Und zwar vor langer Zeit…

Artefakt aus der Ausstellung „Fleisch“ im Alten Museum Berlin
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Über den Widerstand beim Schreiben
Schreiben ist nichts Flüssiges. Immer wieder werden Worte, Formulierungen, Sätze überprüft. Das Schreiben wird mit Pausen durchsetzt. Irgendein Widerstand hemmt und unterbricht das Schreiben. Es scheint eine Instanz zu geben, die das Schreiben prüft. Sie scheint nicht in der Innerlichkeit verortet, sondern dem Schreibenden außerhalb. Nur durch Anstrengung kann gegengehalten werden. Schreiben kostet Kraft.
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Über Einzeller und künstebezogene Praktiken
Als Einzeller wäre der Mensch unsterblich. Da der Mensch kein Einzeller ist, ist er auch sterblich. Scheint logisch.
Eine schwedische Studie zeigt, so Winfried Menninghaus in „Wozu Kunst?“ auf Seite 274:
Das Resultat ist eindeutig: Regelmäßigkeit und Häufigkeit künstebezogener Praktiken werden mit geringer Mortalitätsrate belohnt.
Solche Praktiken seien Selbermusizieren, Schreiben, Theaterspielen, Malen, Bildhauern aber auch Konzert-, Museums-, Theaterbesuche und Besuche von Lesungen oder Lesen. Künstebezogene Praktiken gehen also mit einem längeren, vielleicht auch besserem Älterwerden einher. Bei aller Vorsicht bei der Interpretation der Ergebnisse und aller Vorsicht einer Annahme unkritischer Kausalität, könnte in der Vermutung Kants „ästhetische Lust führe ein Gefühl der Beförderung des Lebens bei sich“ (Menninghaus S.275) doch ein Körnchen Wahrheiten enthalten. Es kann sicherlich nicht schaden, sich künstebezogenen Praktiken zuzuwenden.
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Über unverständliche Werbung
Werbung sollte verständlich sein um zu wirken. Dies ist eine Voraussetzung über die kaum nachgedacht wird, so banal scheint sie zu sein. So gibt es die Plurk App in deutscher Sprache. (Plurk ist ein Social Media Dienstleister und in Asien sehr erfolgreich. Ich nutze Plurk seit 2008) Die dort ausgelieferte Werbung von Unternehmen in Form von Antworten auf das eigene Geschriebene wird jedoch nur in chinesischer Schrift gezeigt. Wer kein Chinesisch beherrscht versteht die Werbung nicht. Möglicherweise betrachtet der ein oder die andere zu Beginn der „Plurkkarriere“ die ikonographische und geheimnisvolle Form der Schriftzeichen, die auch als ästhetisch schön empfunden werden können, etwas länger. Aber – die Werbung wird nicht den gewünschten Effekt erreichen. Die Auslieferung in chinesischen Schriftzeichen zeigt, daß die Werbetreibenden oder genauer Plurk die angesprochenen Nutzer zur selben Sprachgemeinschaft zählen. Damit scheint die Ansprache als Person gegeben zu sein. Aber ist es das wirklich, fühlt sich der Nutzer durch automatisierte und damit hochfrequente, unverständliche Werbung als Person angesprochen? In dem Kontext wäre die Frage eher zu verneinen.