Die Motive des Initiators des Karfreitagsteakessens liegen im Dunklen. Ob es ein Widerspruch gegen die religiöse Verzehrvorschrift oder ob es einfach die Sehnsucht nach einem geselligen Abendessen war, wer weiß? Die Essensvorlieben der Dinnergesellschaft sind in Bewegung. Von Jahr zu Jahr nimmt die Zahl der Vegetarierïnnen zu….
Kategorie: essen & trinken
-
Über den Verlust des Fettrands
Fett ist der Geschmacksträger par excellence. Muß sein Verzehr eingeschränkt werden ist die Irritation groß. Kein Mett, keine panierten Schnitzel, keine Fritten, keine Hämmchen, nicht mal Rumpsteak, ja was soll denn jetzt werden? Auf sich selbst zurückgeworfen, hat sich das Subjekt mit seiner Natur zu beschäftigen, die es verdrängt hat. Der eigene Körper macht Angst. Diese Erfahrung ist fürchterlich. Wird der Verzicht mit Rigidität gelebt ist überzogen. Bei richtig gelebtem Verzicht werden Mett, panierte Schnitzel, Fitten und Hämmchen das zwar Seltene, das Besondere sein und genußvoller als je zuvor. Der Fettrand ist zurück.
-
Freitag ist Würsteltag (8)
Menschen, die auf der materiellen Sonnenseite des Lebens stehen, gestärkt von Pfauenbraten und marinierten Kolibrizungen, wünschen sich etwas „Einfaches“. Der Verzehr „einfacher“ Mahlzeiten vermittelt ihnen den Schein sich im Grunde in der gesellschaftlichen Lage zu befinden wie diejenigen, denen der gesellschaftliche Zwang Pfauenbraten und marinierte Kolibrizungen versagt.
Die hochpreisige Gastronomie- und Beherbergungsindustrie reagiert darauf und erweitert ihr Angebot auf Speisen und Getränke, die als einfach bezeichnet werden. Was könnte wohl dazu gehören? Bier und Currywurst sind naheliegend. Einfach jedoch macht es die Industrie den auf der materiellen Sonnenseite des Lebens stehenden nicht, sondern modelt Speise und Getränk so, daß ein hoher Preis verlangt werden kann. Ein Beispiel:
Eine einfache Currywurst samt Sauce, serviert auf einer aus Porzellan nachempfundenen Pappe und ohne besondere Geschmacksnuancen wird mit Blattgold aufgewertet. Dazu harmoniert in der Tat ein eisgebrautes Weizenbier, dessen besondere Milde der Currywurst keinerlei Gewalt antut, sondern ihre Geschmacklosigkeit dezent von der Zunge spült. Am nächsten Tag nach dem Blattgold suchen zu wollen ist sinnlos, es ist verdaut. Auch auf der materiellen Sonnenseite des Lebens ist es nicht immer leicht…
Currywurst mit Blattgold und ein eisgebrautes Weißbier

