Archiv der Kategorie: medialität

Über Technik und Liebe

Zitat Adorno aus „Erziehung nach Auschwitz“ in Kulturkritik und Gesellschaft II, stw, 2018, Seite 686:

Bei dem Typus, der zur Fetischisierung der Technik neigt, handelt es sich, schlicht gesagt um Menschen, die nicht lieben können.

Wird „der Technik“ durch „des Digitalen“ ersetzt, beschreibt das einen neuen Typus im 21. Jahrhundert.

Über Personalisierung in der Presse

Ein Blick in die Wochenzeitung aus Hamburg: Maßgebliche Artikel sind personalisiert. Personen, ihre Psysche, ihre vermeintlichen Gedanken sind Gegenstand der Berichterstattung. Politik fehlt, Boulevardisierung statt Inhalt. Warum dafür bezahlen? Das Geld wäre in Bier besser angelegt. Warum wird die Presse immer unpolitischer? Boulevard verkauft sich, Politik nicht. Zum Kotzen….

Über das Posten ohne Blume

Einfach schreiben, einbinden anderer Inhalte wie Bilder, Videos, Links… Es scheint Tumblr nähert sich tatsächlich einem Blog. Beruht diese Modifikation auf der Übernahme durch WordPress?

Über ein TV-Programm am Neujahr 2020

Ein TV-Sender bringt am Neujahrstag von 10:50 Uhr bis Mitternacht einen Laurel & Hardy Film nach dem anderen. Was bedeutet das? Schlägt die Kulturindustrie zu und überzieht den Zuschauer mit Schein und Ablenkung vom gesellschaftlichen Zwang? Lachen als Zustimmung zum Gegebenen und Negierung des möglich Besseren versucht sie zu erheischen, damit alles bleibt wie es ist? So einfach ist es nicht. Laurel & Hardy Filme sind heute, gerade im Abstand ihrer Erscheinungsjahre, anarchisch und subversiv. Diejenigen, die die Filme in ihrer Kinderzeit gesehen haben erinnern sich. Die alten Slapstickfilme, auch der anderen mit Chaplin und Keaton, reißen die Scheinhaftigkeit dessen auf, was mehltauartig über die Gesellschaft verbreitet werden soll zum Zweck des Stillhaltens. Mehr Filme davon…!

Über eine Twittersperre

Twitter hat Kosmar gesperrt nachdem er 200 inaktiven Accounts entfolgt ist. Twitter sah dies als Bedrohung an. Das ist grotesk und zeigt die Maßlosigkeit von Automatisierung. Die Politik, das Unverständnis der Digitalisierung im politischen Betrieb, ist ursächlich daran beteiligt. Leider kann sich davon auch bis heute die Sozialdemokratie nicht freisprechen, ist das NetzDG ein Baby des ehemaligen Justizministers. Netzpolitische A**chtritte durch D64 sind nötiger denn je. Keine kosmaresquen Tweets mehr lesen zu können ist kein großes Kino von Twitter. Schämt und entschuldigt euch!

Über die Dialektik des Trackings

Neulich auf Twitter … Frage horax:

frage mich was adorno zum unerbittlichen kampf gegen das cookie durch sogenannte (datenschutz)aktivistïnnen sagen würde….

Antwort Malte Engler:

weniger noch kann das fehlbare Bedürfnis nach einer Einwilligung, auch nicht das verzweifelte, der Regulierung des Tracking die Erichtung weisen

Adorno, 2019, Dialektik des Trackings.

Über Automatisches Schreiben (2)

Perspektivwechsel: Weg von der Psychologie und hin zum künstlerischen Procedere. Automatisches Schreiben ist Montage. Ist es aus dieser Perspektive relevant ob ein Mensch schreibt oder eine Maschine?

Über Automatisches Schreiben

Veränderung eines Begriffs in der Zeit: Vor hundert Jahren war Automatisches Schreiben die Verschriftlichung von Gefühlen, Emotionen, der emporsteigenden Sedimenten des Unbewußten unter Absehung der Vernunft und ohne Korrektur des Geschriebenen. Heute ist Automatisches Schreiben Textproduktion unter Verwendung maschineller Binärschrift ohne daß die Maschinen das Geschriebene interpretieren können. Was macht das mit den Lebenden?

Über das Lesen und das Schreiben

Eine Fraktion sieht in dem Schreiben eine klare Ordnung: Einleitung, Hauptteil, Schluß. Innerhalb des Hauptteils bereitet das Geschriebene vor und führt dann auf den zentralen Gedanken hin. Die andere Fraktion sieht im Schreiben eine Notierung des Gedankenflusses. Die Gedanken werden so wie sie fließen verschriftlicht und stehen gleichberechtigt nebeneinander. Wie ist das beim Lesen? Ist es für das Denken besser ein Buch strikt von Vorne bis Hinten durchzulesen oder ist es besser sich der verwiesenen Literatur anzunehmen, sie zu lesen um sich in einen Gedankenfluß zu begeben, der wie ein Umweg scheint?

Über die (politische) Talkshow

Der Begriff besteht aus zwei Teilen: Talk und Show. Reden und Spektakel. Ein Spektakel war die politische Talkshow der Jahrtausendwende – Christiansen. Medial wurde hier die Neoliberalisierung des Landes begleitet. Das ökonomische Prinzip ist spätestens seitdem in jede Pore des gesellschaftlichen Lebens eingesickert. Der Stolz auf den ÖRR speist sich einerseits auf die Idee der Staatsferne, andererseits auf die Idee des Fehlen der Meinungsmacht Einzelner, einer gewissen Kapitalismusferne. Trotzdem wirkte die politische Talkshow toxisch. Wie konnte das geschehen? Und was bedeutet das für bestehende Formate?